Arno Abendschön Alle Manner sind Bruder

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Inhaltsangabe zu „Alle Manner sind Bruder“ von Arno Abendschön

ALLE MÄNNER SIND BRÜDER ... für einen jungen Polizisten aus Wien. Obwohl er homosexuell ist, versucht er eine Familie zu gründen. Es gelingt ihm zunächst, doch dann beginnt er ein Doppelleben und scheitert am Ende. Die Geschichte eines Irrweges, burlesk und zugleich voller Melancholie.

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  • Rezension zu "Alle Manner sind Bruder" von Arno Abendschön

    Alle Manner sind Bruder

    Peter_Pitsch

    08. September 2011 um 22:02

    Der innere Konflikt. Frei von jeglicher Ornamentik umschließt die Buchhülle des kleinen Romans einen schnörkellos geradlinigen Erzählstrang. Der Titel "Alle Männer sind Brüder" weist jedoch auf den zugrunde liegenden Zwiespalt hin, welcher die seelische Befindlichkeit des Autors bei aller sachlichen Vorgehensweise im Stillen beutelt. Wo er immerzu um Korrektheit und Konformität bemüht ist, steht die Natur bedingte Homosexualität seines Protagonisten im krassen Gegensatz zu dem Wunsch nach linearer, durchstrukturierter Normalität im Sinne gängiger Auffassung. Es nimmt nicht Wunder, das der Verfasser den tobenden inneren Konflikt mit nüchternen, quasi im Tagebuchstil geführten Beschreibungen zu bändigen sucht; dass er sich stets eine große Diskretion auferlegt, um noch am Ende seines Werkes - wie zum Selbstschutz - darauf hinzuweisen, alle Personen und Einzelheiten der Handlung seien frei erfunden. Zu keiner Zeit überschreiten seine persönlichen Aufzeichnungen eine moralisch verwerfliche Grenze, nie begibt er sich jenseits des guten Tons ins Spotlicht eines detaillierten Voyeurismus, der bloßen Befriedigung der Sensationslust wegen. Jener Drang zu gleichgeschlechtlicher Zweisamkeit ist der psychologische Umdrehungspunkt, den zu umkreisen die Geschehnisse eines (zum Scheitern verurteilten) Daseins mit Frau, Kleinkind und patriarchalischem Schwiegervater bestimmt sind. Die Befangenheit und leise Resignation angesichts dieses eingefleischten Zwanges - dieser als Abweichung empfundenen Begierde - sind dabei allgegenwärtig. Verdeutlicht noch anhand der oftmals makaberen Gegenüberstellung von tatsächlich erlebter Wirklichkeit und eines aufgesetzten sozialen Rollenspiels. An der genetisch bedingten Veranlagung der menschlichen Natur, unseres Wesens reiben sich permanent erzkatholische Mechanismen der Moral. Indes sind es eben diese Arten von Gegensätzen, die vielschichtige gedankliche Strukturen ermöglichen, ja zwangsläufig (!) erzeugen. Tritt das individuelle Bemühen des Autors, sich nicht auf Gedeih oder Verderb den vermeintlich unbestimmbaren Kräften auszuliefern, auch noch so offenkundig zutage. Auf den letzten Seiten des Buches - dessen Geschichte er selbst (s. Klappentext) als burlesk bezeichnet -, vollzieht Arno Abendschön allerdings ein beachtliches Resümee von philosophischer Klarheit. Dieser abschließende Teil, der mich aufs Tiefste angesprochen hat, wandelt rückwirkend den sachlich beschriebenen Konflikt eines Außenseiters der Gesellschaft in ein nachvollziehbares, weil menschliches Dilemma von dramatischem Ausmaß. In diesem einen intensiven Moment der Wahrnehmung wähnte ich mich mit dem Verfasser seelisch verbunden. "Meine Auffassung von Natur ist umfassender, so umfassend, dass ich von vornherein darauf verzichte, ihr nur gerade die Absichten zu unterstellen, die ich noch nachvollziehen kann. Wie kann ein unendlich kleiner Bestandteil das Ganze erkennen? Mag sein, Natur will gerade Wesen wie mich, die auf den abblätternden Putz alter Häuser blicken." (c) Peter Pitsch

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