Arno Camenisch

 3.9 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Der letzte Schnee, Ustrinkata und weiteren Büchern.

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Der letzte Schnee

Der letzte Schnee

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Erschienen am 10.01.2018
Ustrinkata

Ustrinkata

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Erschienen am 01.02.2012
Die Kur

Die Kur

 (2)
Erschienen am 01.07.2015
Nächster Halt Verlangen

Nächster Halt Verlangen

 (2)
Erschienen am 14.10.2014
Fred und Franz

Fred und Franz

 (1)
Erschienen am 15.05.2013
Sez Ner

Sez Ner

 (1)
Erschienen am 14.07.2010
Hinter dem Bahnhof

Hinter dem Bahnhof

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Erschienen am 08.04.2013
Sez Ner

Sez Ner

 (0)
Erschienen am 01.03.2012

Neue Rezensionen zu Arno Camenisch

Neu
Buecherwurm1973s avatar

Rezension zu "Der letzte Schnee" von Arno Camenisch

Ein Buchjuwel
Buecherwurm1973vor 8 Monaten

Irgendwo in den Bündner Bergen an einem Skilift arbeiten Georg und Paul. Es hat nur noch ein paar Tage im Winter genügend Schnee, um zu Skifahren. Trotzdem verrichten die beiden jeden Tag ihre Arbeiten. Währenddessen sinniert Paul über das Leben, über das Verschwinden im Tal, über die Wetterkapriolen. Er erzählt von seiner grossen Liebe und seinem Sohn und Anekdoten über die Bewohner im Tal.

Die Sprache von Arno Camenisch ist bildhaft. Man sieht die beiden bildlich wie sie auf dem roten Bänkli sitzen oder Arbeiten verrichten. Ausserdem versteht er das Spiel mit den Sprachen. So lässt er bündner, rätromanische, italienische und französische Ausdrücke einfliessen. Ich liebe die Sprachenvielfalt der Schweiz und man findet sie selten in den Büchern – ausser bei Arno Camenisch.

Es ist ein wunderbarer Buchjuwel über das Verschwinden und dem Wandel der Zeit. Sehr lesenswert!

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KirstenWilczeks avatar

Rezension zu "Der letzte Schnee" von Arno Camenisch

Zu schade, um übersehen zu werden!
KirstenWilczekvor 10 Monaten

Es ist fast schon „farruct“, mit welch‘ heiter-melancholischen Besinnungsbeschwingtheit dem Schweizer Autor Arno Camenisch ein Kabinettstück wie „Der letzte Schnee“ gelungen ist. Es passiert beinahe nichts. Aber knappe 100 Seiten später hat er uns in seinem ganz eigenen Slang - aus Hochdeutsch mit Sprengseln aus dem Bündner Dialekt und dem Rätoromanischen - und in seinem ganz unikalen Sound die Welt durch die Augen von Georg und Paul erklärt. Beide sind die freundliche Schweizer Ausgabe von Statler und Waldorf, die sich dem Schweizer Rücksichtsnahmegebot verpflichtet fühlen, also auf herabwürdigenden Sarkasmus und das Bedürfnis verzichten, jemanden - abgesehen von Petrus, den Calöri, - zu dissen.

Georg und Paul schauen nicht vom Balkon auf die Show herab, sondern sitzen auf dem Bänkli vor dem Hüttli neben dem Schleppi, dem ersten Bügellift aus dem Jahre 1971 in den Bündner Bergen. Obwohl der Winter allmählich „den Schwanz einzieht“, öffnen die beiden unverdrossen jeden Morgen die Station und werfen den Schlepper an. Der Schnee und die Gäste bleiben aus. Dennoch betreiben Paul und Georg das Geschäft routiniert weiter: Der Lift wird gewartet, die Billets farblich sortiert, für den Notfall geübt. Und Georg notiert alles im „Schurnal“. Schließlich muss alles seine Ordnung haben. Während die beiden ihrer Arbeit nachgehen - besser: dahinstehen - erinnern sie sich an die hohe Zeit des Alpentourismus, als der Schnee in rauen Mengen fiel, für schulfrei und volle Pisten sorgte.

Paul schwadroniert über Gott und die Welt mal in schief-absurden Bildern („steckt bis zu den Knöcheln im Nebel“), mal ganz niedlich altverliebt über seine Claire. Er ist der hüsch’sche Niederrheiner unter den Graubündnern, der alles erklären kann. Wen wundert’s, dass ich den mag.

Georg ist der Zuhörer und karge Volksphilosoph, der weiß: „Das Leben ist ein Versehen […], aber das hat schon seine Richtigkeit. Darum geht es im Leben, um die Umkehrung.“

Während die beiden stoisch an ihren Abläufen festhalten, zu denen auch zünftiges Jassen und geistige Getränke gehören, gehen Dinge verloren - Georgs Zündhölzer, sein Schurnal. Sogar ein Bügel vom Lift verschwindet. Das alte Radio rauscht nur noch. Am Ende bleibt gar die Uhr stehen. Bevor beide aus der Zeit fallen, weiß Georg Rat und ruft die Zeitansage an. Dann fällt der Strom aus. Und nicht nur die Telefonleitung ist tot. Beide warten. Schließlich stellt Georg fest „Godo kommt nicht“. Wer, fragt Paul.

„Der letzte Schnee“ erzählt die Geschichte des Verschwindens von Althergebrachtem und Altbewährtem, aber auch vom Abschied von Gewissheiten: „Im Winter, da schneit’s.“

Es ist eine Besinnung auf die letzte Gewissheit: „Leben heißt verlieren.“ Das resümiert Georg. Von ihm lässt man sich diese Wahrheit, die weder Ausnahme noch Trost verspricht, auch sagen, viel lieber, als irgendwelchen Pajassen zu lauschen, „die von Piönjanc bis in Russisch und […] bis nach La Merica irgendeinen Gugus“ behaupten, „dass man am Ende gar nicht mehr weiss, was jetzt öppa stimmt und was nicht, oh isch doch wohr“, um es mit Paul zu sagen.

Was für ein wunderbares, kleines feines Buch!

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MarinaBs avatar

Rezension zu "Die Kur" von Arno Camenisch

Großer Roman aus kleinem Verlag!
MarinaBvor 3 Jahren


Camenischs kleiner Roman ist eine echte Entdeckung!

Wie ein Theaterstück inszeniert er seine Geschichte und schickt zwei großartige Protagonisten auf die Bühne....

 
Ein älteres langjähriges Ehepaar gewinnt in einer Tombola einen Aufenthalt in einem Grandhotel in den Schweizer Alpen. Sie freut sich, kann sich für alles begeistern, ist glücklich, endlich mal raus zu kommen, er hat an allem etwas auszusetzen und wünscht sich eigentlich bloß nach Hause. Sie hat ihr "Glitzerkleid" dabei und freut sich auf die Gesellschaftsabende, er sitzt lieber in der Bibliothek und schneidet Todesanzeigen aus den Lokalzeitungen aus. Zum Glück hat er seinen "Plastiksack" immer dabei, in dem sich ein unerschöpflicher Vorrat an notwendigen Dingen für alle Lebenslagen befindet.. 


" Beim Wegweiser vor dem Hotel - Am Ende fügt sich alles, sagt er und lehnt gegen den Pfosten vom Wegweiser, das ist meine letzte Reise, bevor wir zum großen Schlaf ansetzen, er hält sich die Stirn. und im nächsten Leben schauen wir dann, er nimmt die Dächlikappe vom Kopf und streicht sich durch die Haare. Jetzt gehts erst richtig los, sagt sie, jetzt sind wir pensioniert, das ist der Anfang. Ich habe mir eine Liste gemacht mit den Sachen, die ich machen will. Jaja, sagt er, das Ende vom Anfang, die Versprechen der Nacht sind die Messer am Morgen, dann gehen wir halt wandern..." 

Seine ewigen Nörgeleien werden immer wieder von ihren naiv klugen Entgegnungen abgefedert und bilden ein letztlich perfektes Zusammenspiel. Für mich zeigt sich sogar darin ihre Liebe. Am Ende der Reise begeben sich die beiden auf eine Wanderung ins Gebirge, werden von einem Unwetter im Wald überrascht - eine Szene, wie sie sie ganz am Anfang ihrer Beziehung schon einmal erlebten - und so schließt sich der Kreis.. 

"Wer heiratet denn an einem Mittwoch, sagt er, da kann man auch gleich an einem Montag heiraten. Mut bereut man nicht, sagt sie und hängt den Arm bei ihm ein. Aber was der Mut anrichtet, sagt er, das schon. Da fahren sie den Hügel hoch, steigen aus und heiraten, fahren wieder runter, lassen sich scheiden, und fahren mit der nächsten Kutsche wieder hoch. Wer weiß, wie oft die bereits in der Kutsche vorgefahren sind, das wollen wir gar nicht wissen. So fahren sie halt das ganze Leben im Kreis. Das hat auch seinen Reiz, sagt sie. Die armen Pferde, sagt er und isst eine Waffel." 

Die Geschichte besteht beinah vollständig aus den Dialogen der beiden. Ein köstliches Ping-Pong-Spiel. Jede Episode beginnt mit "Auf dem Zimmer" oder "In der Hotelbar"  oder "Beim Brunnen neben dem Kreuz" etc., so dass man sich die Kulisse dieser Tragikomödie bildreich vorstellt. Camenisch schafft es dabei in ganz kurzer Zeit einen exakten Einblick in das Leben der Eheleute zu schaffen und dabei tiefe Lebensthemen anzusprechen. Die ständige Unzufriedenheit des Ehemanns und die unbedarfte Freude und Lebenslust der Ehefrau sind beide zutiefst berührend und menschlich.Es ist ein skurriles Buch, ein absurdes Kammerstück, das ich mit wachsender Begeisterung las. Es hat mich zum Lachen gebracht, um im nächsten Moment sogleich still und nachdenklich zu werden. Ich empfehle es uneingeschränkt!

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