Arno Frank

 4.4 Sterne bei 80 Bewertungen
Autor von So, und jetzt kommst du, So, und jetzt kommst du und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Arno Frank

Arno Frank studierte Kunstgeschichte und Philosophie und ist Absolvent der Deutschen Journalisten Schule (DJS) in München. Er arbeitet als Publizist und freier Journalist und schreibt unter anderem für Spiegel Online oder Die Zeit. Zudem ist er Autor von "So, und jetzt kommst du" (2017). Frank lebt mit seiner Familie in Wiesbaden.

Alle Bücher von Arno Frank

So, und jetzt kommst du

So, und jetzt kommst du

 (73)
Erschienen am 05.03.2018
verboten

verboten

 (1)
Erschienen am 20.08.2012
Meute mit Meinung

Meute mit Meinung

 (0)
Erschienen am 01.05.2013
So, und jetzt kommst du

So, und jetzt kommst du

 (6)
Erschienen am 06.03.2017

Neue Rezensionen zu Arno Frank

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schnaeppchenjaegerins avatar

Rezension zu "So, und jetzt kommst du" von Arno Frank

Autobiographischer Roman, Roadtrip und eine Familientragödie aus der Sicht eines 13-Jährigen
schnaeppchenjaegerinvor 14 Stunden

Arno ist 13 Jahre alt, als sein Vater Jürgen mit der Familie als über Kopf von Rheinland-Pfalz nach Frankreich flüchtet. Jürgen Frank ist ein Hochstapler und stolz darauf. Er verspricht seiner Frau und seinen drei Kindern ein sonniges Leben an der Côte d'Azur in Reichtum. 
Als sich die Familie gerade eingewöhnt hat, die Kinder Französisch gelernt haben, auf eine internationale Schulen gehen und sich nur fragen, was ihr Vater eigentlich arbeitet und wann das Geld aus ist, das großzügig ausgegeben wird, steht erneut die Polizei vor der Tür. Wieder packen sie nur die nötigsten Sachen und ziehen weiter nach Portugal, wo der Vater sie auf wundersame Weise in einem Hotel einquartieren kann. 
Es ist ein Leben auf der Flucht vor amtlichen Briefen, staatlichen Behörden, vor Interpol und der Realität, wobei Vater und Mutter stets den Anschein erwecken, dass dieses Leben völlig normal ist. Arno macht sich dennoch Gedanken, beginnt mit zunehmendem Alter die Aussagen seines Vaters zu hinterfragen, während die jüngeren Geschwister verstört mit Essensresten und Hundefutter experimentieren oder sich weigern, die aufgeblasenen Schwimmflügel abzulegen. 

"So, und jetzt kommst du!" ist die Floskel, mit der der Vater Arno gegenüber seine Erzählungen beendet und der Titel dieses autobiographischen Romans, mit dem der Journalist Arno Frank seine Kindheit auf der Flucht erzählt. 
Der Roman ist aus der naiven Sicht eines Kindes geschrieben, das den kriminellen Machenschaften seines Vaters und der Verantwortungslosigkeit beider Elternteile hilflos ausgesetzt ist. In kurzen Kapiteln werden die einzelnen Stationen der zweijährigen Odyssee durch Südwesteuropa episodenartig erzählt. Die Eltern leben in einer Traumwelt und gaukeln den Kindern Normalität vor. Die schlagfertigen Sprüche und raffinierten Ideen, mit der sich der Vater immer wieder durchmogeln kann, sind amüsant zu lesen, letztlich überwiegt aber die Tragikomik. Als Leser verfolgt man den aberwitzigen Roadtrip den Kindern gegenüber mitleidig und fragt sich, wie lange das Weglaufen noch gut gehen kann, bis die Falle letztlich zuschnappen wird. 

Da es sich um einen autobiographischen Roman handelt, ist diese Familientragödie, diese Kindheit auf der Flucht, bei der sich die Situation je länger die Familie unterwegs ist, weiter verschärfte, besonders beklemmend zu lesen. Man hofft, dass der Vater noch zur Vernunft kommt und sich den Behörden stellt, bevor die Polizei ihn ausfindig machen kann, um die Familie brutal zu trennen und ihm die verwahrlosten Kindern zu entziehen. Erstaunlich ist dabei, wie passiv sich Mutter Jutta verhält und wie abhängig sie von ihrem Mann ist, dem Irrsinn kein Ende setzt, sondern sehenden Auges der Katastrophe entgegen geht. 

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Durga108s avatar

Rezension zu "So, und jetzt kommst du" von Arno Frank

Eine wahre Geschichte
Durga108vor 9 Monaten


Arno Frank ist ein außergewöhnlich guter Debütroman gelungen. Er erzählt die Geschichte seiner Kindheit und Jugend zwischen 1977 und 1986. Geboren 1971 in Kaiserslautern sollte man meinen, dass alles für den kleinen Arno in der pfälzischen Provinz seinen gewohnten Gang nimmt mit Vater Jürgen, Mutter Jutta und den Geschwistern Jeany und Fabian. Beileibe nicht! Der Vater hat das Arbeiten nicht erfunden, sein Ziel ist es reich zu sein, sofort, ohne es sich erarbeiten zu müssen. Man spürt Arno Franks Bewunderung für den smarten Vater, der es schließlich auch schafft, nach seinem Verständnis reich zu sein, indem er eine größere Summe Geld veruntreut. Selbstverständlich lässt die Polizei nicht lange auf sich warten und die Familie zieht Hals über Kopf an die Côte d'Azur. Dort leben sie in Saus und Braus und Arno macht auf mich anfangs einen glücklichen Eindruck. Er geht zur Schule, lernt schnell Französisch und erkundet mit seinem Moped die Gegend. Doch irgendwann kippt die Stimmung, die Vergangenheit holt die Familie ein. Arno sieht seinen Vater zum ersten Mal ratlos und schwach und es kommt wie es kommen muss, auch hier stehen eines Tages zwei Polizisten vor der Tür. Die Familie schafft es jedoch wieder zu flüchten, dieses Mal nach Portugal.  Je weiter sie nach Westen kommen, umso schlimmer wird ihre Lage, aus der Abenteuerreise wird v.a. für die Kinder eine Katastrophe. Sie übernachten auf Strohmatratzen in einem Rohbau, die Kinder hungern, an einen Schulbesuch ist schon lange nicht mehr zu denken und ein Hund ist sterbenskrank, weil der Tierarzt nicht bezahlt werden kann. Als Leser war für mich das Leben der Familie Frank in Portugal unerträglich. Man schaut sozusagen hilflos zu wie die Eltern die Kinder vernachlässigen. Auch dann schreitet Vater Frank nicht ein und stellt sich. Die Mutter möchte man am liebsten schütteln, so sehr lebt sie in ihrer eigenen Welt und glaubt den Träumereien und Geschichten ihres Mannes, auch wenn dabei ihre Kinder vor die Hunde gehen. Die Franks schaffen es dann zwar wieder nach Deutschland zurück, auch hier auf der Flucht bis der Vater endlich von der Polizei aufgegriffen wird und der Alptraum ein Ende hat. 

Das Buch ist rasant, komisch und beklemmend zugleich und v.a. sehr hörenswert. Übrigens genial gelesen von Devid Striesow.

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Aspasias avatar

Rezension zu "So, und jetzt kommst du" von Arno Frank

Die Memoiren eines Überlebenden,
Aspasiavor 10 Monaten


denn die emotionale Tour de Force, die der Autor Arno Frank sein literarisches Alter Ego in seinem Roman „So, und jetzt kommst du“ schildern lässt, hätte ein weniger resilientes Kind möglicherweise nicht überstanden, um es erwachsen und dem entwachsen dann 30 Jahre später aufzuschreiben.

Arno Frank, Jahrgang 1971, erfolgreicher Kulturjournalist, erzählt in seinem Debut, wenn auch fiktional bearbeitet, eine Episode aus seiner Kindheit. Eine Kindheit so fern eines „Familie Beimer“-Glücks, so weit entfernt von „Miraccoli“-Glücksseligkeit, wie man sich das nicht freiwillig vorstellen mag und doch gibt es auch diese.

Es erzählt die Geschichte eines Mannes aufgewachsen im bürgerlichenWohlstand nach dem Krieg. Eine Geschichte von Vater, Mutter, Kind. Die Geschichte seines Vaters.

Als Junge verheißt eine Wahrsagerin in einem französischen Wanderzirkus dem Vater Reichtum, so beginnt der stets seine zukünftige Erfolgsgeschichte. Nicht zu früh im Leben, für ihn anstrengungslos, einfach so. Diese Prophezeiung bestimmt von nun an seine Gedanken: irgendwann wird er reich sein. Seit dem scheint er auf diesen Tag zu warten. Quält sich nicht fürs Abitur, denn er der eh klüger ist als die anderen, braucht es nicht, er wird reich sein. Fügt sich zwar dem Druck der Eltern einer Ausbildung. Verwaltungsfachangestellter in der deutschen Provinz, doch dies kann nur der erste Schritt zu etwas viel Höherem sein, zu dem er sich und das Schicksal selbst ihn doch berufen sahen. Er weiß doch, Fortuna warte schon hinter der nächste Ecke.

Dieser junge Mann, Jürgen Frank, heiratet eine junge Frau, die an ihn und sein Schicksal glaubt. Sie wird nicht nur die Frau an seiner Seite, sondern die Frau, die Rücken an Rücken bedingungslos zu ihm steht. Die beiden werden Eltern. Die Eltern von Arno Frank und seinen zwei jüngeren Geschwistern.

Und Arnos Vater lebt seinen Traum eines Tages reich zu sein, hilft dem auch gerne etwas nach. Wie er das macht, hat nichts gemein mit dem Charme eines Hochstaplers à la Felix Krull, Mr. Ripley oder Frank William Abagnale Junior. Stapeln kommt aus dem Rottwelsch und bedeutet betteln, etwas, was Jürgen so gar nicht einfiele. Das tun nur die Schwachen, die Dummen, nicht er.

Ob er nun beim Gebrauchtwagenverkauf den Unfallschaden unterschlägt, auf Pump erstandene „do-it-yourself“- Kübelwagen Bausätze plus Naz-Devotionalien als Goodie Ewiggestrigen anpreist, im Cardin Anzug im Spielcasino das ultimative System beim Roulette spielt, oder aber 300.000 DM unterschlägt. Sein Tun hat nichts Sympatisches, auch nicht für die Leser.

Er lebt ohne jede Rücksicht auf Verluste. Und die gibt es en masse: Job, Haus, Heimat, Freunde, Familie, gefüllte Mägen und vor allem das Vertrauen und wohl auch die Liebe seiner Kinder. Alles verliert sich. Seine Sicht gilt ihm.

In 40 aufwühlenden, athmosphärisch dichten Kapiteln, den jeweiligen Aufenthaltsorten zugeordnet, erzählt der kleine, dickliche Junge von der Flucht seiner Familie erst aus dem Eigenheim neben der Oma und bald quer durch Europa. Der Vater hetzt seine Familie von Kaiserslautern an die Côte d’Azur, weiter nach Lissabon, zurück über Paris und Kaiserslautern und weiter in die Nähe von München, immer in Angst vor Entdeckung. Irgendwann auch mit der Angst die er auf seinem Dierke Weltatlas verfolgt, um sich selbst noch verorten zu können. Es gelingt Frank den Leser auch an der emotionalen Achterbahnfahrt teilhaben zu lassen, die immer mehr Fahrt aufnimmt, so dass dem Leser ganz schlecht wird, und er nur noch hofft, jemand möge diesem Irrsinn ein Ende machen.

„So, und jetzt kommst du“ folgt stets den aberwitzigsten, pseudo-klugen Erklärungen à la „Jürgen und wie er die Welt sieht“, die nur so aussehen, als wollten sie den Kommunikationsstab an den Sohn weiterreichen. Eigentlich geht es ihm nur um stumme Bestätigung, um Streicheleinheiten für sein Ego, um sich selbst. Als die Kinder ihn mehr und mehr durchschauen, sein Handeln in Frage stellen, ihm gar widersprechen, wird aus dem Aufschneider, aus dem Betrüger und Dieb ein brutaler Schläger.

Diese Szenen, überhaupt viele Szenen waren nur schwer zu ertragen. Frank fängt das Grauen im Kleinen wie im Großen mit ausdrucksstarken Bildern ein und findet selbst für die stummen Nichthandlungen, für das kleisterhafte Warten auf Erlösung zarte Worte mit der Wucht eines Wassertropfens.

Der Spuk ist vorbei etwa mit Ausbruch von Tschernobyl 1986. Arno ist zurück in der Nähe von Kaiserslautern, auf einem Gymnasium mit Blick auf den Gefängnishof seines Vaters, der die Familie verlässt.

Er hat überlebt, um welchen Preis kann der Leser nur ahnen.

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Zusätzliche Informationen

Arno Frank wurde am 01. Januar 1971 in Kaiserslautern (Deutschland) geboren.

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