Was bedeutet es, wenn man sich erst am Ende seines Lebens mit einer solchen Frage konfrontiert sieht, wenn die Last des bisherigen Lebens den Körper ruiniert hat, einen nur noch „ein Geruch nach Alter und Enttäuschung“ zu umwehen scheint, und wenn das Leben zwar noch Ahnungen erlaubt, deren Umsetzung hingegen enge physische Grenzen gesetzt sind? Und dennoch scheint es möglich, dass man selbst unter diesen Umständen aus dem bisherigen engen Lebenskorsett noch ausbrechen kann, wenn man nur die vorhandenen Gelegenheiten nutzt bzw. auf Menschen trifft, die das Schöne am Leben verkörpern, auch wenn dieses Leben von ständigen Herausforderungen begleitet wird. Von einem solchen Leben handelt die hier mit zauberhafter Melancholie erzählte Geschichte.
Was bleibt, wenn Reichtum und Ruhm verblassen, und stattdessen körperliche Gebrechlichkeit das Leben ausfüllt, wird hier an der historischen Figur von Karl V. eindrucksvoll geschildert. Dabei blitzen für Momente die Möglichkeiten auf, in denen sich die tatsächlich wichtigen Dinge des Lebens widerspiegeln. Da wäre zum einen der Kontakt zu seinem elfjährigen Sohn Geronimo, dem er allerdings nicht in seiner Vaterrolle entgegentreten kann (Sehnsucht und Leiden bilden hier eine traurige Melange), und zum anderen die lebensstützende Verbindung von Schwester und Bruder, die verdeutlichen, was unverbrüchliche Freundschaft bedeutet und wie hierdurch auch extreme Lebensbedingungen gemeistert werden können, weil immer noch die Hoffnung durchscheint, mal ein besseres Leben führen zu können. So in diese neue Welt eingewoben, werden lange verschüttete Gefühle wieder lebendig und erlauben letztlich auch einen guten Abschied von dieser Welt.
Insofern kann dieser Geschichte auch als eine gelesen werden, die Hoffnung macht, dass es für einen grundsätzlichen Wandel nie zu spät ist.
(1.10.2024)




















