Arno Geiger

 4 Sterne bei 802 Bewertungen
Autor von Der alte König in seinem Exil, Es geht uns gut und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Arno Geiger

Momentaufnahmen aus dem Leben: Der im Juli 1968 in Bregenz geborene, österreichische Schriftsteller Arno Geiger nahm 1996 und 2004 am renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. Der Durchbruch gelang ihm mit „Es geht uns gut“ (2005), einem Drei-Generationen-Gesellschaftsroman, der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Damit war er der erste Preisträger des bedeutendsten Preises für deutschsprachige Literatur. In „Der alte König in seinem Exil“ (2011) thematisierte Geiger die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters. Für diesen Roman erhielt er mehrere Auszeichnungen und eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse. Sein Werk „Unter der Drachenwand“ (2018) führt die Leser in das Jahr 1944 und schildert das Leben und die Liebe im Schatten des Krieges. Mit dem Buch schafft er es erneut auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Zu den weiteren bekannten Romanen des Autors zählen „Alles über Sally“ (2010) und „Selbstporträt mit Flusspferd“ (2015). Arno Geiger lebt und arbeitet in Wien.

Alle Bücher von Arno Geiger

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Der alte König in seinem Exil

Der alte König in seinem Exil

 (308)
Erschienen am 01.05.2014
Es geht uns gut

Es geht uns gut

 (133)
Erschienen am 09.03.2018
Alles über Sally

Alles über Sally

 (106)
Erschienen am 01.08.2011
Selbstporträt mit Flusspferd

Selbstporträt mit Flusspferd

 (70)
Erschienen am 14.10.2016
Unter der Drachenwand

Unter der Drachenwand

 (57)
Erschienen am 10.01.2018
Anna nicht vergessen

Anna nicht vergessen

 (43)
Erschienen am 01.07.2009
Alte König in seinem Exil

Alte König in seinem Exil

 (14)
Erschienen am 07.02.2011
Irrlichterloh

Irrlichterloh

 (8)
Erschienen am 01.03.2008

Neue Rezensionen zu Arno Geiger

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leserattebremens avatar

Rezension zu "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger

Sehr bewegend und nahbar
leserattebremenvor einem Tag

Es ist 1944 und Deutschland liegt im Chaos. Soldat Veit Kolbe ist verwundet und kommt auf Erholungsurlaub nach Hause, nach Wien. Doch dort hält er es nicht aus, er fährt in das kleine Örtchen Mondsee, wo sein Onkel als Polizist arbeitet. Da Dorf liegt unter der Drachenwand, einem mächtigen Bergmassiv am See. Dort verliebt sich Veit und auch um ihn herum geht das Leben weiter. Doch der Krieg prägt auch weit ab von der Front die Menschen, wie er feststellen muss.
„Unter der Drachenwand“ ist ein sehr bewegendes und aufrüttelndes Buch, denn es zeigt - wenn auch in einer fiktiven Geschichte - wie omnipräsent der Krieg im Leben der Menschen im Jahre 1944 war. Und wie selbstverständlich genau dies auch teilweise schon. Dabei geht es nicht nur um das Leben des Soldaten, sondern auch um das Mädchen Annemarie Schaller. Eigentlich sollte sie vor dem Krieg in Sicherheit gebracht werden mit der Landverschickung aus Wien, doch genau in der angeblichen Idylle wendet sich ihr Schicksal ins Tragische. Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht des Soldaten erzählt, wechselt aber immer wieder die Perspektive durch die Briefe, die die Menschen in Mondsee erreichen und die der Autor Arno Geiger geschickt in die Erzählung einbringt, um das Leben in Mondsee und den Städten wie Darmstadt und Wien gegenüber zu stellen. In Mondsee geht es den Menschen noch recht gut, sie werden nicht ausgebombt, lediglich Überflüge von alliierten Flugzeugen haben sie zu ertragen. Nahrungsmittel sind auf dem Land zumindest eher vorhanden als in der Stadt, dafür kennt jeder jeden und die Kontrollfunktion der Gesellschaft funktioniert ganz wunderbar. Jeder weiß, was sein Nachbar sagt oder denkt und so geht es schnell ins Gefängnis, wenn man Kritik äußert. Diese ganze Situation beschreibt Geiger so gut, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, selbst in dieser Enge zu sitzen. Veit helfen nur Medikamente gegen die Panik, die er aus dem Krieg mitgebracht hat, in den er aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch wieder zurück muss. Als Leserin oder Leser fühlt man unweigerlich mit Veit, wenn er seine Gefühle beschreibt, denn er kommt einem sehr nah, trotz der nüchternen Sprache des Autors. Der Protagonist nimmt die Leser direkt mit in den Krieg mit all seinen Rahmenerscheinungen und das macht das Buch auch so beachtenswert, denn es lässt einen einfach nicht los.
Arno Geiger ist mit „Unter der Drachenwand“ ein bewegender Roman über Alltag und Krieg im Jahre 1944 gelungen, der dennoch eins deutlich macht: Die Protagonisten sind nicht ohne Hoffnung, im Gegenteil, sie glauben fest daran, diese verlorene Zeit endlich überwinden zu können, um erneut leben zu leben. Wie in einer Wartehalle pausiert ihr Leben bis zum Kriegsende. Ein beeindruckendes Buch, das vollkommen zurecht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 gestanden hat.

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Xirxes avatar

Rezension zu "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger

Der Krieg bringt alles Übel und nimmt alles Gute (aus Spanien)
Xirxevor 5 Tagen

Auch wenn dieses Buch meist nur indirekt über die Gräuel des 2. Weltkrieges berichtet - es ist mehr als genug.
Veit Kolbe, gerade einmal 24 Jahre jung, ist nach vier Jahren Kriegseinsatz verwundet nach Österreich zurückgekehrt und versucht, im kleinen Dorf Mondsee gesund zu werden und die Schrecken des Krieges etwas zu vergessen. Meist wirkt ER als Ich-Erzähler und berichtet ausführlich von den kleinen und großen Geschehnissen im Dorf, die das Leben der BewohnerInnen bestimmen. Auch sein eigenes Befinden schildert er ausführlich: die Schmerzen, seine Angstzustände und Erinnerungen über die Entsetzlichkeiten des Krieges, die Trauer über seine verlorene Jugend, seine Zukunftsängste; aber auch seine erste, sich sanft entwickelnde Liebesgeschichte mit seiner Zimmernachbarin Margot. Veit ist ein aufmerksamer und detaillierter Beobachter, dessen Niederschrift sein Tagebuch darstellt.
Dazwischen finden sich Briefe, die aus einer anderen Welt berichten: Margots Mutter schreibt von den Zerstörungen ihrer Heimatstadt Darmstadt und wie die Menschen versuchen, weiterzuleben. Und Kurt, der 17jährige Freund eines der Mädchen der Kinderlandverschickung in Mondsee, schreibt ihr Liebesbriefe und erzählt von seinem Leben in Wien.
Ein weiterer Ich-Erzähler ist der Jude Oskar Meyer, der mit seiner Familie zuerst unter falschem Namen weiterhin in Wien lebt, dann aber weiter nach Budapest flüchtet. Wie Veit notiert er sein Erleben und die Geschehnisse um ihn herum in einer Art Tagebuch.
Keine Frage, Arno Geigers Sprache ist meisterhaft. Er findet Worte, Sätze und Beschreibungen für das Entsetzen dieser Zeit, dass es kaum zum Aushalten ist:
"Krieg war ja eigentlich das einzige, was ich noch kannte. Alles andere kannte ich gar nicht mehr. Wie weit die Verzerrung des eigenen Wesens schon vorangeschritten ist, merkt man erst, wenn man wieder unter normale Menschen kommt.",
"... dabei fixierte er mich, wie man es ihm im Schnellsiedekurs für Geheimpolizisten beigebracht ... hatte.",
"Die Kindheit ist wie ein Holz, in das Nägel geschlagen werden. Die guten Nägel sind die, die nur so tief im Holz stecken, dass sie halten, sie beschützen einen wie Stacheln. Oder man kann später daran etwas aufhängen. Oder man kann die Nägel herausziehen und wegwerfen. Schlecht sind die ins Holz gedroschenen Nägel, deren Köpfe tiefer liegen als die Oberfläche des Holzes, man sieht gar nicht, dass dort etwas Hartes ist, ein vor sich hinrostender Fremdkörper."
Dennoch tat ich mich schwer mit diesem Buch, und der Grund dafür ist nicht die niederdrückende Stimmung, die während solch einer Zeit zwangsläufig herrscht und wirklich authentisch beschrieben wirkt. Die Geschichte, die hier erzählt wird, hat solche Längen, dass auch die schönste Sprache nicht darüber hinweghelfen kann. Und so musste ich mich stellenweise regelrecht zwingen, keine Seiten zu überblättern. Seitenweise werden die Befindlichkeiten und die verheerenden Zustände geschildert, ohne dass es zu irgendeiner Form von Wirkung oder Veränderung führt. Mag sein, dass dies der Realität entsprach - doch beim Lesen wirkt dies einfach sehr langatmig.
So ist mein Fazit: Eine grandiose Sprache, doch die Geschichte ist deutlich zu langatmig.

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Siemas avatar

Rezension zu "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger

Arno Geigers Roman "Unter der Drachenwand" als Hörbuch
Siemavor 16 Tagen

„Unter der Drachenwand“ ist ein Roman von Arno Geiger, das Hörbuch erschien 2018 im Hanser Verlag.
Überlebt, jedoch nur zur Seite geschleudert, das sind die Gedanken Veits, einem 24-jährigen Soldaten, als er 1944 im Kriegsgeschehen in Russland, verletzt wird.
Mit der langen Reise in das Lazarett, steigert sich seine Niedergeschlagenheit. Das Heimkommen hat er sich in Russland so gut vorstellen können, nun aber muss er sich zuhause, in Wien, Vaters hirnverbrannten Ideen stellen.
Er flieht nach Mondsee, wo aus seinem mehrmonatigen Genesungsurlaub ein Aufenthalt von einem Jahr wird. Durch Tagebucheintragungen erzählt er von den Menschen, die er in diesem Jahr kennen lernt, wie sich ihre Leben miteinander verweben. Veit lebt in der Unsicherheit, wieder in den verhassten Krieg zu müssen. Vielleicht deswegen, oder trotzdem, verliebt er sich in eine verheiratete Frau, deren Mann an der Front ist.
Arno Geiger sagt in einem Interview, er habe einen Liebesroman geschrieben. Ich lese aus diesem Roman, dass Menschen, die anders denken und sogar wagen es zu sagen, es nicht nur zu dieser Zeit schwer hatten. Nicht nur der Krieg bringt den Menschen großes Unglück. Die Menschen selbst, mit ihrer Verbohrtheit, Ignoranz, dem Festhalten an sinnlosen gesellschaftlichen Normen, stürzen einander ins Unglück, sogar bis zum Tod. Was der Krieg nicht schafft, tut man einander an.
Der Roman basiert auf Veits Tagebuch und auf Briefen, die Verwandten und Freunden geschrieben werden. Aus diesen Briefen geht Information mit viel Gefühl über den Alltag hervor.
Arno Geiger arbeitet mit Vergleichen, die nicht nur dieses Buch zu etwas Besonderem machen. Ich genieße beim Lesen all seiner Bücher, die Art und Weise, wie er erzählt. Und das möchte ich mit folgendem Vergleich, den er im Roman „Unter der Drachenwand“ anstellt, zum Ausdruck bringen.
Er sieht die Kindheit wie ein Stück Holz mit Nägeln. Die guten sind jene, die so eingeschlagen werden, dass man daran etwas aufhängen kann. Die schlechten werden ins Holz gedroschen, wie es sein Vater tat. Standhaftigkeit und Konsequenz! Was die Familie anfängt an der Zerstörung der Persönlichkeit, der Krieg setzt es fort.
Wer einen Liebesroman mit etwas Krieg im Hintergrund erwartet, sollte dieses Buch nicht lesen. Wer in diese Zeit, mit diesen Menschen, die teilweise real sind, tief eintauchen möchte, der sollte dieses Buch lesen und sich gefasst machen auf viel Informationen über das Jahr 1944, gepaart mit Emotionen. 

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Gespräche aus der Community

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Annelchens avatar
Wanderbuch zu "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger

Hallo ihr Lieben,

leider habe ich dieses Buch noch nicht gelesen. Betonung steht auf "noch" ;o)

Aber es muss ja hier nicht jungfräulich im Regal stehen. Aus diesem Grund wird es nun hier zum Wanderbuch befördert. *täterätähh*
Es wäre toll, wenn ihr anschließend eine Rezension dazu schreiben würdet, weil ich neugierig bin, wie es bei anderen Lesern ankommt.

Inhalt des Buches:
Arno Geiger hat ein tief berührendes Buch über seinen Vater geschrieben, der trotz seiner Alzheimerkrankheit mit Vitalität, Witz und Klugheit beeindruckt. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schließt und ihn viele Jahre begleitet. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Arno Geigers Buch ist lebendig, oft komisch. In seiner tief berührenden Geschichte erzählt er von einem Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden. (Quelle: amazon.de)

*** Wie das Wanderbuch funktioniert ***
Wenn ihr interessiert seid, dann schreibt einfach hier in den Thread. Ich nehme euch dann in die Liste auf.
Ich schicke es an den ersten los. Jeder hat dann zwei Wochen Zeit, um es zu lesen und weiterzuschicken.
Erfragt bei eurem Nachfolger bitte die Adresse, wenn das Buch bei euch angekommen ist - das hat sich bewährt.
Schreibt hier bitte kurz eine Mitteilung in den Thread, wenn das Buch bei euch eingetroffen bzw. weitergeschickt worden ist. Und bitte, bitte behandelt es gut.
Geht es verloren, dann teilen sich der Absender und der Empfänger die Kosten für ein neues Exemplar.

PS: Wenn ihr euch andere Wanderbücher wünscht, könnt ihr das hier sagen:
http://www.lovelybooks.de/thema/Welche-Wanderb%C3%BCcher-w%C3%BCnscht-Ihr-Euch-Wunschliste-zum-Eintragen-753415628/

Annelchen verschickt am 27.02.2012 an:

01.) Arista (gelesen vom 10.03.2012 bis 17.04.2012)
02.) The iron butterfly  (gelesen vom 24.04.2012 bis 04.05.2012 )
03.) Ichbinswieder  (gelesen vom 16.05.2012 bis 29.05.2012)
04.) KiSa  (gelesen vom 06.06.2012 bis 28.06.2012)
05.) SharonBaker (gelesen vom 02.07.2012 bis 16.07.2012)
06.) Lutra (gelesen vom 20.07.2012 bis 28.07.2012)
---> 07.) loewenkind (liest seit 30.07.2012)
08.) steffchen3010 
09.) melanie_reichert 


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Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Arno Geiger wurde am 22. Juli 1968 in Bregenz (Österreich) geboren.

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