Arno Gruen Wider den Terrorismus

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Inhaltsangabe zu „Wider den Terrorismus“ von Arno Gruen

Der Terrorismus wird mehr und mehr zur tödlichen Bedrohung der ganzen Welt.
Wie lässt sich die Gewaltspirale, die sich immer schneller dreht und zum Fluch aller Länder geworden ist, unterbrechen?

Die Terroranschläge sind eine tödliche Bedrohung für die Menschheit. Terroristen geben im Namen ihres Gottes die Welt der Zerstörung preis.

Menschliches Leid und Schmerz bedeuten für sie Schwäche. Terroristen sind identitätslose Menschen, die Gewalt vor der Weltöffentlichkeit in Szene setzen. Ihre Scheinidentität hoffen sie, zu überwinden und als Helden oder Heilige verehrt zu werden. Terroristen sind keine Mit-Menschen mehr. Ihr Selbst mussten sie abspalten. Den Tod verklären Terroristen zum Sieg.

Diesem Terror muss Einhalt geboten werden. Wir müssen endlich das Parallelogramm aus Angst, Hass, Extremismus und Gewalt als Urschande der menschlichen Existenz wahrnehmen und überwinden.

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  • Die Sicht eines Psychoanalytikers

    Wider den Terrorismus

    WinfriedStanzick

    26. March 2015 um 13:37

    Erstmals im Jahr 2002 erschienen, hat Arno Gruen sein Buch nach den Anschlägen in Paris auf Charlie Hebdo überarbeitet und neu veröffentlicht. Seine Hauptthesen aber sind die gleichen geblieben. Man kann, so sagt der Psychoanalytiker, den Terrorismus, gleich wo und wie er sich auf dieser Erde zeigt, nicht durch Argumente bekämpfen. Es geht, wie viele Intellektuelle in der Vergangenheit fälschlicherweise glaubten, nicht um abstrakte Gedanken oder irgendwelche Ideale oder politische Ziele, sondern es geht immer um Todessehnsüchte. Sie dienen einem leeren Selbst dazu, vor dieser Leere davonzulaufen. Der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Terrorismus ist die Kindheit. Am Beispiel des IS schreibt Gruen: „Der Feind ist weiblich, und man selbst ist das idealisierte Bild des starken, großartigen Mannes. Natürlich verbergen sich hinter dieser Haltung kindliche Ohnmachtsgefühle und der innere Terror, der mit den erziehenden Autoritäten erlebt wurde. Diese alten Empfindungen werden jedoch erst durch aktuelle Demütigungen wieder erweckt, durch Gefühle von Wertlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die Hunderte Millionen unterdrückter Menschen  in der Welt miteinander teilen. Dort, wo die frühe Kindheit in besonders starkem Ausmaß als terrorisierend erlebt wurde, führt die alte Ohnmacht zu grandiosen Machtphantasien und einer erbarmungslos destruktiven Gewalt.“ Mit wirklicher Kraft hat das alles nichts zu tun. Echte Kraft, so Gruen, entstehe durch das Erleben von Leid und Schmerz. Nur dadurch erleben wir, dass Sicherheit ein Zustand in uns selbst ist, eine Art innerer „Kohärenz, die auch bestehen bleibt, wenn wir schwach und hilflos sind.“ Wer als Kind in der Kindheit liebe- und verständnisvoll in seinem Schmerzerleben begleitet wird, der kann ein Sich-Selbstsein entwickeln. Durch liebevolle Begleitung erleben, dass der Schmerz nicht tötet, lässt über die Zeit ein Gefühl der Stärke wachsen. Es ist von Dauer und muss sich nicht immer im Wettstreit mit anderen beweisen. Diese innere Kraft ist dann die Grundlage dafür, Mitgefühl für anderen zu empfinden und daran festzuhalten. „Wir erfahren auf diese Weise, dass wir anderen etwas geben können und dass auch Altruismus eine Quelle der Kraft ist.“ Wir müssen unseren Kindern eine wahre Kindheit ermöglichen, die sich an eigenen empathischen Wahrnehmungen und Bedürfnissen orientiert. Darin allein sieht Gruen die Rettung der Menschheit. Ich bin mir absolut sicher, dass er Recht hat mit seiner Analyse. Doch wenn ich sehe, wie wir selbst in einem reichen Land wie Deutschland mit unseren kleinen Kindern umgehen, von der geplanten einfachen Kaiserschnittgeburt, über die Krippe ab dem ersten Lebensjahr bis hin zur vollständigen Abtretung von Erziehung an den Staat, da bin ich skeptisch, was die Zukunft betrifft. In Gesprächen mit Erziehrinnen und Lehrerinn sagen diese übereinstimmend (wenn niemand anderes zuhört!): vor zehn Jahren hatten wir in der Gruppe (Klasse) vielleicht drei bis vier schwierige Kinder. Heute sind wir froh, wenn wir in einer Gruppe zwei bis drei haben, die man als normal entwickelt bezeichnen kann. In gleichem Maße, so die Profis, habe die Bereitschaft der Eltern, bei einem Rat oder einer Hilfestellung  auch nur zuzuhören, geschweige denn, die Hilfe anzunehmen, abgenommen. Eine unselige Entwicklung, die mich unendlich traurig macht.

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