Arno Schmidt

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Als die Nacht die Welt gebar
Erscheint am 25.10.2018 als Taschenbuch bei Logos Berlin.
Bargfelder Ausgabe. Briefe von und an Arno Schmidt
Erscheint am 12.11.2018 als Hardcover bei Suhrkamp.

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Arno SchmidtDie Gelehrtenrepublik
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Die Gelehrtenrepublik
Die Gelehrtenrepublik
 (17)
Erschienen am 28.08.2006
Arno SchmidtAus dem Leben eines Fauns
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Aus dem Leben eines Fauns
Aus dem Leben eines Fauns
 (14)
Erschienen am 01.10.1987
Arno SchmidtDas steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi
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Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi
Arno SchmidtZettels Traum
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Zettels Traum
Zettels Traum
 (13)
Erschienen am 27.10.2004
Arno SchmidtLeviathan und Schwarze Spiegel
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Leviathan und Schwarze Spiegel
Leviathan und Schwarze Spiegel
 (15)
Erschienen am 01.10.1987
Arno SchmidtSeelandschaft mit Pocahontas / Die Umsiedler
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Seelandschaft mit Pocahontas / Die Umsiedler
Seelandschaft mit Pocahontas / Die Umsiedler
 (15)
Erschienen am 01.01.1996
Arno SchmidtBrand's Haide
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Brand's Haide
Brand's Haide
 (12)
Erschienen am 01.10.1987
Arno SchmidtSchwarze Spiegel
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Schwarze Spiegel
Schwarze Spiegel
 (5)
Erschienen am 27.09.2006

Neue Rezensionen zu Arno Schmidt

Neu

Rezension zu "Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi" von Arno Schmidt

Arno Schmidt | DAS STEINERNE HERZ
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: In DAS STEINERNE HERZ geht es um den bibliophilen Sammler Walter Eggers, der auf der Suche nach den antiken 'Hannoverschen Staatshandbüchern' ist. Er wird bei Familie Thumann in Ahlden fündig und beschließt insgeheim die Bücher zu stehlen. Eine Liaison mit Frieda Thumann, eine Reise nach Ostberlin und ein wertvoller Goldfund hindern ihn jedoch daran.

FORM: Das hervorstechendste Merkmal dieses Romans ist die lautmalerische und innovative Prosa. Jeder Absatz sprüht vor Energie. Nichts wird einfach nur beschrieben – es wird neu erfunden. Witzige Wortzweckentfremdungen (»Weibliches […] beinte heran.« oder »Schneider Knopp brillte mich furchtbar an.«), Satzzeichen als Teil der Beschreibungen (»Klopfen: !, !, !, –: Nichts.«).«), geschriebener Dialekt (»Och bin ich müüüde. Unn kald iss ‚as hier!«) – Arno Schmidt war ein Neuerfinder der Sprache. Überfrachtet wird das alles mit einer Unmenge Spezialwissen über das Hannoversche Königshaus.

FAZIT: Zum Ende hin habe ich kurzzeitig den Faden verloren; Schmidts Sprachspiele machen es einem manchmal nicht ganz leicht, am Ball zu bleiben. Dennoch war ich von der eigentümlichen Prosa sehr fasziniert und begeistert. Arno Schmidt war mir natürlich ein Begriff (der mächtige Schatten seines Monstrums ZETTELS TRAUM liegt schon ewig auf meinem Bücherschrank), ich hatte mich aber nie so recht herangetraut. Jetzt aber ist der Knoten geplatzt, und ich komme zum Urteil: Ich brauche mehr davon! Fünf Sterne

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Nikolaus_Klammers avatar

Rezension zu "Schwarze Spiegel" von Arno Schmidt

Traut euch! Er beißt nicht.
Nikolaus_Klammervor einem Jahr

Alle Dichter wollen weniger gelobt und fleißiger gelesen sein.
Gotthold Ephraim Lessing

Es widerstrebt mir, den scheinheiligen Tanz ums goldene Kalb und den Feuilleton-, Medien-, Verlags- und Buchhandelsrummel um runde Geburts- oder Sterbedaten unserer Dichter und Denker mitzumachen. Man lobt sie routiniert und wohlvorbereitet an ihren Jubiläen, um dann bereits ein paar Tage später die nächste Sau durchs mediale Dorf zu hetzen (Dieses zweifelhafte Vergnügen haben demnächst William S. Burroughs und Elke Lasker-Schüler). Die Erinnerungen und Ehrungen werden des überschwänglichen Feierns müde wie Christbaumschmuck im Januar eiligst zurück in den Keller geräumt, bis die nächste runde Zahl droht.

Aber zum 100. Geburtstag von Arno Schmidt (1914 - 1979) muss ich eine Ausnahme machen, weil er mir wirklich am und machmal auf dem Herzen liegt: Schließlich ist Schmidt der herausragendste und humorvollste, der intelligenteste und zugleich provozierendste Autor, Essayist und Übersetzer, der von uns Deutschen nach dem 2. Weltkrieg mit Nichtbeachtung und Interesselosigkeit abgestraft wurde. Hierzulande werden keine unbequemen Autoren mehr eingesperrt oder mitsamt ihren Bücher verbrannt, man ignoriert sie einfach, ordnet sie bequem in ihren historischen Kontext ein (1) und vergisst sie. Oder man wirft ihnen - auch das ist typisch deutsch - "Nestbeschmutzung" vor; was den Autor noch nachhaltiger vernichtet, als ihn einfach zu erschießen. Arno Schmidt passierte beides. Er wurde als genialer Außenseiter zu einer wenig beachteten Fußnote im Kapitel "Nachkriegsliteratur der BRD" degradiert und sein bitterböser Kulturpessimismus und sein verzweifeltes Aufreiben am Deutschen Untertanenwesen als defätistisches Nachhakeln eingestuft.

Sicherlich war an dem fehlenden Nachruhm auch der ärgerliche Streit um die Rechte an seinem Werk schuld. Das führte dazu, dass eine Zeitlang nur atemberaubend teure Nachdrucke der in den 50er und 60er Jahren im Fischer-Verlag veröffentlichten Bücher oder zu ebenfalls gesalzenen Preisen die von der Arno-Schmidt-Stiftung herausgegebenen Gesamtausgaben erhältlich waren.(2) Und ich gebe es zu: Es ist nicht leicht, Arno Schmidts Welt zu betreten, er macht es dem Leser und auch sich selbst nicht einfach. Keiner schreibt wie er. Schmidt ragt wie ein Monolith aus den seichten Vorgebirgen der deutschen Nachkriegsliteratur. Er ist einzig, aber nicht artig. Sein - formulieren wir es mal euphemistisch - eigenwilliger Umgang mit Grammatik und Zeichensetzung, seine am stream of consciousness und den Wielandschen und Jean-Paulschen satzungethümen Bleistiftwüsten geschulter synästhetischer, oft monologsicher Stil, in dem manchmal jedes Wort und oft auch jedes Komma eine Anspielung an ein- bis zwei mitgedachte Literaturquellen und unbewusste freudianische Fehlleistungen sind, seine - der Generation, zu der er gehört, geschuldeten - sexuellen Fixierungen (man kann von einer Vorliebe für Alt-Herren-Witze reden) wirken wie eine fest verschlossene Tür in sein Gedankengebäude, die nur mit äußerster Anstrengung und aller Geduld und Aufmerksamkeit geöffnet werden kann. Das lohnt sich allerdings. Hat man sich erst einmal an die anspielungsreiche und exzentrische Ausdrucksweise gewöhnt, kann Schmidt süchtig machen. Und diese Liebe hält ein ganzes Leben an.

Zum Einstieg in sein überbordendes Werk sei hier seine feine kleine Erzählung "Schwarze Spiegel" angeführt, eine erstaunlich klassische Science-Fiction-Geschichte, von der es in der zeitgenössischen deutschen Literatur viel zu wenige gibt, weil hierzulande Genrewerke nicht ernst genommen werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase liest sich diese Anti-Utopie flüssig und spannend und enthält doch alles, was ein Schmidt-Œuvre ausmacht. Eine weitere gute Möglichkeit, Schmidt kennenzulernen, sind seine Radioessays über meist vergessene Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen er die Ergebnisse seiner literaturarchäologischen Arbeiten als appetitanregende Häppchen serviert. Dass Johann Karl Wezel oder Karl Philipp Moritz heute wieder gelesen werden, ist der Schmidtschen Radio-Werbung zu verdanken, einige seiner weiteren, äußerst lesenswerten Entdeckungen gibt es beim 2001-Verlag in der Reihe "Haidnische Alterthümer". Arno Schmidt war auch ein fleißiger Übersetzer englischer und angloamerikanischer Literatur. Hier seien eine kongeniale, stellenweise neudichtende Poe-Übertragung erwähnt, seine Verdienste um John Fenimore Cooper, Jules Verne oder auch Karl May, die in Deutschland als Jugendbuchautoren verschätzt und deren Werke verstümmelt wurden oder seine zugegebenermaßen exzentrischen Bulwer-Lytton-Übersetzungen, die allerdings nur antiquarisch erhältlich sind.(4)

Obwohl es Arno Schmidt zeit seines Lebens nicht einfach fiel, von seinem literarischen Schaffen zu leben und er im Alter immer zynischer und bitterer wurde, gibt es doch eine Sache, um die ich ihn aufrichtig neide. Er fand in dem außerordentlich intelligenten und belesenen Millionär Jan Philipp Reemtsma (5) einen Förderer, der ihn mit einem Geldbetrag unterstützte und damit aller materieller Sorgen enthob. Schmidt konnte sich in seinen letzten Lebensjahren in seine Zettelkästen und seine Literatur vergraben und ich nehme an, dass er genau dort glücklich war.

Wenn ich nicht unbedingt muss, dränge ich mich keinem mehr auf : ich habe im Zimmer weit größere Freiheit;
und die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.
Arno Schmidt, Julia, oder die Gemälde

-----------------

(1) Arno Schmidt gilt vielen als eher zweitraniger James-Joyce-Epigone, der oft noch schlechter lesbar ist als sein Vorbild.

(2) Man versuche nur einmal, von Schmidts Haupt- und Meisterwerk "Zettels Traum" eine für Normalverdiener erschwingliche Ausgabe zu erhalten.

(3) Ich lese gerade in der Übertragung von Schmidt mit wachsender Begeisterung "Was wird er damit machen" von Edward Bulwer-Lytton. Diese alte zweibändige dtv-Ausgabe habe ich in einem Tübinger Antiquariat entdeckt. Bei mobileread gibt es - freilich in zeitgenössischen Übertragungen - einige weitere der Romane des viktorianischen Autors, den Schmidt sehr verehrte.

(4) Es sei an dieser Stelle wärmstens sein brilliantes Buch "Im Keller" empfohlen, in dem er die Erfahrungen beschreibt, die er während und nach seiner Entführung machte.

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Rezension zu "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt

Ein echtes Leseerlebnis
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Dieses schmale Buch von Arno Schmidt hat mich auf den ersten Blick sowohl überrascht als auch skeptisch gemacht: es sieht aus, als hätte jemand ein Scrabble-Spiel genommen und es wahllos auf einem Blatt Papier ausgekippt. Formale Kennzeichen von Prosaliteratur sind hier vollkommen überwunden, stattdessen besteht der Text aus einer Fülle von Interpunktionen, Versatzstücken aus der Hoch- und Popkultur, Neologismen und fremdsprachlichen Einschüben, sodass er anfänglich wie ein großes Kuddelmuddel anmutet. Erzählt wird über den Aufenthalt des Reporters Charles Henry Winer in der sog. "Gelehrtenrepublik", einer utopischen Insel, auf der sich die Genies aus Literatur und Kunst im Jahr 2008 versammeln, um fern einer vom Atomkrieg zerstörten Welt ihrer Arbeit nachzugehen. Im Stil einer Reportage bzw. eines Tagebuchs schildert der Ich-Erzähler seine Erlebnisse, die von der Durchquerung einer großen Wüste, in der Zentauren und fliegende Köpfe leben, über die Ankunft auf der Insel, ihrer Besichtigung und seiner Abreise reichen. Die Insel ist zweigeteilt, in einen amerikanischen und einen sowjetischen Teil und gibt so die politischen Umstände zur Zeit der Textentstehung wieder. Daneben wird eine Welt entworfen, wie sie hätte sein können, wenn die Großmächte der Welt die Technik der Atombombe stärker und skrupelloser eingesetzt hätten. Die Geschichte bewegt sich zwischen Sozialutopie, Politthriller und Reportage und ist für den Zeitpunkt ihrer Abfassung (1965) sehr aktuell. Die erste Verwirrung ob des seltsamen Stils weicht bald einer Sogwirkung, die der Text entwickelt. Ist erst eine Dechiffrierung vollzogen, sind die Codes entschlüsselt, dann wartet mit der "Gelehrtenrepublik" ein ungemein spannender und unterhaltsamer Roman auf den Leser. Aus diesem Grund gibt es von mir volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung.

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