Arnold Benz

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Die Zukunft des Universums, Das geschenkte Universum und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Das geschenkte Universum" von Arnold Benz

Rezension zu "Das geschenkte Universum" von Arnold Benz
HeikeGvor 9 Jahren

Staunen, Erschrecken und Deuten
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"Das Universum ist keine Uhr, die ruhig vor sich hin tickt, sondern ein Abenteuer.", stellt Arnold Benz, Professor für Astrophysik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, fest. Der Autor lässt diesen Satz nicht unkommentiert im Raum stehen, sondern stellt dem Leser diesen einzigartigen "Abenteuerspielplatz" in seinem neuen Buch "Das geschenkte Universum" vor.
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Benz präsentiert jedoch nicht nur die wahrhaft faszinierenden neuen Erkenntnisse seines Wissenschaftszweiges, sondern er befragt sie gleichzeitig aus der Perspektive des menschlichen Denkens. In drei Teile hat er sein Buch gegliedert: "Werden und Staunen", "Vergehen und Erschrecken", "Schöpfung und Deutung". Regen zum einen die unvorstellbare Weite, die Vielfalt und raffinierte Komplexität, aber auch der Reichtum an Beziehungen und die allgegenwärtige kosmische Vernetzung zum Staunen an, so hat die Dynamik des Universums auch ihre Schattenseiten, die sich im Zerfall aller Dinge - einschließlich unserer menschlichen Existenz - offenbaren. Und dies ruft wiederum nach Orientierung.
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Zunächst nimmt Arnold Benz den Leser auf einen Streifzug in unsere kosmische Umgebung mit, in den "lokalen Flaum", eine siebentausend Grad heiße, interstellare Gaswolke, deren Hitze wir aufgrund der äußerst geringen Dichte von nur wenigen Atomen pro Kubikzentimeter, nicht spüren. Unser Sonnensystem befindet sich derzeit an dessen Rand und wird ca. 200 000 Jahre benötigen, um es zu durchqueren. Dieser lokale Flaum wiederum schwebt wie eine Daune in einem noch viel heißeren Gas, der "Lokalen Blase" (ein Relikt durch Supernovae vor einigen zehn Millionen Jahren), mit einer Temperatur von einer halben Million Grad und den unvorstellbaren radialen Ausmaßen von 150 Lichtjahren. In dieser Blase hat bereits die "kosmische Menopause" eingesetzt. Neue Sterne werden hier nicht mehr geboren. Dafür sind die "wilden Jungen" verantwortlich, die sogenannten Molekülwolken (Dunkelwolken). Die uns nächsten liegen im Sternbild des Schlangenträgers, 370 Lichtjahre von uns entfernt.
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Fasziniert folgt der Leser den Ausführungen des Professors, wenn er Stern- und Planetenentstehungen erklärt, erläutert, warum Planeten kreisen, wie unser Mutterstern - die Sonne - aufgebaut ist und "arbeitet" sowie skizzenhaft auf das Phänomen Urknall oder Schwarze Löcher eingeht. Doch dieses interstellare Chaos aus Werden und Vergehen, diese brodelnde, galaktische Suppe aus Atomen, Gasen und Magnetfeldern birgt auch ganz andere Erkenntnisse. Spätestens wenn man in einem ruhigen Moment in einer sternenklaren Nacht zum Himmel emporschaut, können unvergessliche Augenblicke erwachsen, in denen die Zeit stillzustehen scheint, ein Atemzug, in dem sich Verstand und Gefühl begegnet. Gerade in solchen Momenten wird klar, dass die Erlebniswelt des Menschen größer ist als der Bereich der Naturwissenschaften. "Das Wahrnehmen der 'Stille' ist keine naturwissenschaftliche Beobachtung. Die Stille der Sterne kann daher nicht astronomisch erklärt werden, und muss es auch nicht.", stellt Arnold Benz fest. "Diese 'Außengrenze' ist im Dialog mit den Geisteswissenschaften entscheidend." Und damit leitet er gekonnt zu seinen weiteren Kapiteln über.
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Mit teilweise sehr philosophischen Zeilen und tiefsinnigen Gedankengängen vermittelt Benz zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften. Theologische Gesichtspunkte werden eingeflochten. Denn das Empfinden dieses Werden und Vergehen lässt viele Interpretationsmöglichkeiten zu. "Wir sind auf dem Weg, der in vielem ungewiss ist und an dessen Rand die Legion der Nichtmehrseienden liegt, die infolge der Veränderungen auf der Erde umkamen und damit die Last der Entwicklung mittrugen, dank der es heute Tiere und Menschen gibt.", ist so ein wunderschöner Satz aus der Feder des Astrophysikers, der dem Leser (s)eine andere Seite zeigt. "Leben ist Risiko, aber jedes Risiko ist eine Chance. (...) Die Entwicklung des Universums, die Entstehung des Lebens und die Existenz jedes Menschen in dieser Welt haben auch gemeinsam, dass sie einer offenen Zukunft entgegengehen", dass nicht alles Naturwissenschaftliche wirklich ist und auch nicht bis ins letzte Detail ergründet werden kann.
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"Um den ganzen menschlichen Wirklichkeitshorizont zu umfassen, muss unsere Reise ins All schließlich auch zu uns selbst führen, zu unseren ureigenen Erfahrungen der Wirklichkeit. Auch sie sind ein Teil des Universums.", stellt der Autor treffend fest. Er spricht religiöse und teilnehmende Wahrnehmungen und die Tiefe der Wirklichkeit an. "Das intuitive Sichfinden in der Welt liegt außerhalb des Rahmens der objektiven Wissenschaft, ist jedoch eine Erfahrung, die zur Orientierung hilft und somit von existenzieller Bedeutung sein kann." Aber immer weist Arnold Benz auf die zwei völlig verschiedenen Ebenen von naturwissenschaftlichen Messungen zu religiösen Erfahrungen hin. Ein Vermischen soll und darf nicht stattfinden. "Es ist aussichtslos, in wissenschaftlichen Resultaten einen Beweis für Gott oder auch nur einen Schöpfungsplan zu suchen.", postuliert Benz. Aber physikalische Vorgänge nicht einfach als gegebenen Normalzustand, sondern wie ein Geschenk zu empfinden, macht sie als Schöpfung erkennbar. Und Schöpfung bezieht sich auf den Sinn des Lebens und dem Sinnzusammenhang des Ganzen. Und gerade diese Frage können die Naturwissenschaften nicht beantworten, weder positiv noch negativ. "Wie wir unser Leben deuten, so deuten wir auch das Universum. Das Ende spannt mit dem Anfang einen Bogen, und der Sinn muss im Ganzen liegen. Die Welt als Schöpfung zu deuten, heißt zu begreifen und sich daran zu freuen, dass uns die lebensnotwendigen Dinge von gütiger Hand geschenkt werden."
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Fazit:
Theologische Sichtweisen sind in heutigen naturwissenschaftlichen Publikationen nicht zu finden. Metaphysische Fragen werden umgangen, sind nicht-konsensfähig. Aber das Transzendente erhält unzweifelhaft im Erfahrungshorizont der persönlichen Existenz Bedeutung. Solche Erfahrungen liegen außerhalb des Rahmens der objektiven Wissenschaft, sind aber lebenswichtig. Denn die Frage nach dem Wesen des Universums berührt ohne Zweifel die menschliche Existenz.
"Das geschenkte Universum" ist ein großartiger Monolog des Naturwissenschaftlers Arnold Benz über Astrophysik und Schöpfung, der beide Bereiche klar trennt, aber trotzdem gegenständlich betrachtet. "Es geht schließlich um nichts weniger als die Frage, warum wir hier sind und wo unser Platz ist im Ganzen." (A. Benz)

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