Arnold Brecht Arnold Brecht: Kann die Demokratie überleben?

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Inhaltsangabe zu „Arnold Brecht: Kann die Demokratie überleben?“ von Arnold Brecht

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  • Rezension zu "Arnold Brecht: Kann die Demokratie überleben?" von Arnold Brecht

    Arnold Brecht: Kann die Demokratie überleben?

    Admiral

    20. May 2012 um 10:13

    Wenn ich dieses Buch in wenigen Worten beschreiben müsste, wären es wohl unter anderen die folgenden: Grandios, überlegt, erschreckend und angsteinflössend. Kann die Demokratie überleben ? Eventuell eine Fragestellung, die leicht irreführend ist. Es müsste folgendermaßen heißen: Ist die Demokratie imstande in ihrer Form weiterhin zu bestehen, ohne in eine Abart einer anderen Regierungsform (Despotie, Diktatur, Ochlokratie, Anarchie) über zu gehen ? Do ist es eine berechtigte Frage. Das demokratische System steht wieder in diversen Problematiken, vor allem im starken Kontrast zum kommunistischen System der UdSSR. UdSSR ? Ja. Dieses Buch ist 1978 geschrieben, also noch mitten im Kampf der beiden großen Hemisphären gegeneinander. Aus diesem Grund beleuchtet Brecht die Kernfrage aus dem Blickwickel des Vergleichs mit dem kommunistischen System. Zunächst baut er in einem Kapitel die Basics auf, in Bezug auf Kommunismus, Demokratie und anderen Regierungsformen, damit jeder Leser auf der gleichen Stufe steht und Brechts folgende Schritte nachvollziehen kann. In allen anschließenden Kapiteln stellt er die Demokratie in den direkten Vergleich mit dem Kommunimus. So in Bezug auf das jeweilige Wirtschaftssystem, die Institutionen, die in den jeweiligen Systemen die Macht innehaben, die strukturellen Schwächen und die Therapiemöglichkeiten. Beiden Systemen unterstellt Brecht recht bald die theoretische Möglichkeit und Fähigkeit zum längeren Bestehen, definiert aber ganz klar die Bedingungen, unter denen es ausschließlich möglich ist. Denn beide Strukturen haben gravierende Missstände. Im Kommunismus ist es die ungeplante starke freiheitliche Einschränkung des Volkes, die fehlende Fähigkeit des Volkes etwas gegen unfähige Herrscher zu unternehmen und der Hand zum Totalitarismus. Die Demokratie hat ebenfalls ihre Probleme. Es seien in erster Stufe die Postulierung von diversen menschlichen Grundsätzen, wobei sie jedoch unvereinbar sind ! Als Beispiel soll hier lediglich der Kontrast zwischen Freiheit und Gleichheit aufgeführt werden. Besonders schwerwiegend sind noch die Tatsachen, dass die Demokratie erstens nicht in der Lage ist bei existentiellen Krisen die Situationen in den Griff zu bekommen, weil das System voll und ganz auf Konsens und Kompromisse ausgelegt ist, zweitens nicht fähig ist wirklich langfristige Planungen in Angriff zu nehmen und drittens nicht mit einem gesunden Sozialismus vereinbar ist. Als eventuelle Möglichkeiten setzt er für die Demokratie in Aussicht, dass die Demokratie in einer wirklich menschenfreundlichen und demokratischen Form nur dann Bestand haben kann, wenn sie sich auf das besinnt, was die Basis einer Demokratie ist. Moral und Gemeinschaftssinn. Und einer gewissen diktatorischen Enklave innerhalb eines demokratischen Rahmens für die drohenden Krisen. Nun zur Bewertung, Meinungsäußerung etc. "Bestimmt ist es mal interessant zu wissen, was die Leute damals über das demokratische system dachten. Und außerdem habe ich momentan eh nichts anderes zu lesen -.-" Das waren meine Gedanken, als ich beinahe schon unfreiwillig (!) zu diesem Buch griff. Und selten habe ich mich so geirrt. In Bezug auf den Kommunimus hat das Buch wahrlich ausschließlich den Effekt, dass man mehr über den vergangenes Funktionieren erfährt, aber was Brecht über die Demokratie zu sagen hat, hat selbst nach 40 Jahren keinerlei Geltung verloren !! Denn was er hier als eventuelle Probleme der Demokratie aufzeigt, ist heute sogar stellenweise noch wahrer, als zu seiner. Zeit. Bestehende strukturelle Probleme, die er nennt, sind heute in stärkerem Masse eingetroffen, als früher. Zum Beispiel "Verfolgung persönlicher Ziele, die mit dem öffentlichen Interesse in Konflikt stehen" (Lobbyismus), "Wählen unfähiger Personen für öffentliche Ämter", "manipulieren der öffentlichen Meinung durch unaufrichtiges Reden, Demagogik, Werbetricks und ähnliches, um den wahren Willen des Volkes zu verfälschen oder zu verschleiern" (Politiker, Axel Springer Verlag, Bertelsmann), "Freund-Feind-Polarisierung in der Politik bei Vernachlässigung der demokratischen Forderung nach Solidarität". Alles ist in einer erschreckenden Art und Weise eingetroffen. Als essentielle Basics zählt Brecht beispielsweise folgendes auf: "dass jede politische Tätigkeit im besten öffentlichen Interesse unternommen und verfolgt wird", "dass politische Diskussionen mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit geführt werden", "dass von dem Wahlrecht so Gebrauch gemacht wird, dass diejenigen in die politische Führung aufsteigen, die am besten geeignet sind, dem öffentlichen Intersse zu dienen", "dass die Bürger sich gegenseitig als Mitglieder einer großen Gemeinschaft und nicht als Feinde betrachten (!!!)", "moralische Sauberkeit der öffentlichen Diskussion", "die Auffassung, dass politische Führung und Amtsverwaltung öffentliche Vertrauensstellungen sind" [...] Alles nicht vorhanden. Dies ist eins der Bücher, die uns klar vor Augen führen, was passiert, wenn wir als Bürger nicht bald etwas ändern. Besonders positiv anzumerken ist, dass Brecht in einer auffallend einfachen Schreibweise formuliert, die einfach zu verstehen und nachzuvollziehen ist. Auch baut er in seinem Buch selbst die geschichtlichen und poltischen grundlagen auf, sodass selbst unpoltische Leser alles begreifen können.

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