Arnold Retzer Miese Stimmung

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Inhaltsangabe zu „Miese Stimmung“ von Arnold Retzer

Eine Streitschrift wider das positive Denken Wir alle stehen unter dem Diktat des positiven Denkens. Noch nie konnten wir angeblich so einfach unser Glück finden, wir müssen es nur wollen, es liegt in unserer Hand! Selbstoptimierung ist Pflicht. Die Konsequenz: Depression und Burn-out! Der renommierte Arzt und Psychologe Arnold Retzer zeigt uns einen Weg aus dieser Falle. Er setzt gefährliche Mythen außer Kraft, beendet falsche Hoffnungen und erklärt den Sinn von Angst und Zweifel. Er zeigt, was man aus schlechter Stimmung machen kann und macht so den Weg frei für eine realistischen Selbsteinschätzung und Authentizität. Ein provokantes und ungemein befreiendes Buch.

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  • Rezension zu "Miese Stimmung" von Arnold Retzer

    Miese Stimmung
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    24. August 2012 um 12:03

    Wenn man aufmerksam und auch selbstkritisch nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Menschen, mit denen man in irgendeiner Form in Beziehung steht als Freund, bekannter, Vereinsmitglied oder Kollegin betrachtet, wenn man noch dazu ein aufmerksamer und politisch und gesellschaftlich interessierter Zweitgenosse ist, dann beobachtet man schon seit langem kopfschüttelnd und manchmal auch verwirrt, eine Art Spaltung, die der Autor des vorliegenden Buches zum Ausgangspunkt seiner Streitschrift macht. Auf der einen Seite sind noch nie so viele Menschen in Deutschland von behandlungsbedürftigen Angstzuständen und Depressionen betroffen gewesen wie heute (8 Millionen). Und es werden immer mehr, die ihr Leben nicht mehr bewältigen und krisenhafte Situationen in ihrem Leben nicht mehr konstruktiv lösen können. Gleichzeitig wird auf allen Kanälen und in den meisten Verlagen für gute Stimmung geworben. Ratgeber, wie man möglichst schnell und einfach sein Glück findet, sind die Kassenschlager. Auch du kannst glücklich werden und erfolgreich, wenn du es nur willst! So das Mantra. Es ist eine noch nur persönliche, sondern eine gesamtgesellschaftliche Krise, die deutlich macht, „ dass wir unser bisheriges Denken, unsere Denkstile und unsere Vorstellungen und Werte überdenken sollten.“ Hier befindet sich Retzer durchaus in der Nähe seines Kollegen Hans-Joachim Maaz aus Halle, der in seinem neuen Buch, „Die narzisstische Gesellschaft“ zu der Erkenntnis kommt: „Solange die Ursachen früher seelischer Verletzungen von Kindern nicht wesentlich vermindert werden können, habe ich die Befürchtung, das sich kollektiv- destruktive Fehlentwicklungen in immer neuen Formen wiederholen. Wenn wir die destruktiven Folgen der narzisstischen Problematik vermeiden wollen, müssen wir uns ernsthaft und engagiert folgenden Aufgaben zuwenden.“ Für ihn (Retzer würde ihm sicher zustimmen) heißt das: 1. Wir müssen der Wachstumsideologie entkommen. Sie speist sich nämlich aus narzisstisch unbefriedigten Bedürfnissen. Wir müssen uns konzentrieren auf die Qualität und die Entwicklung unserer sozialen Beziehungen. 2. Wir müssen die Leistungsgesellschaft verlassen. Sie dient der Kompensation seelischer Defizite. Wir müssen lernen, unsere natürlichen Begrenzungen zu akzeptieren, inklusive unserer Endlichkeit. 3. Partnerschaft, Freundschaft, Liebe und Sexualität dürfen nicht mit „Übertragungen“ belastet werden, die aus unerfüllten narzisstischen Sehnsüchten stammen. Das ist harte Arbeit an sich selbst, die man durch ehrliche Mitteilungen und einen offenen Gefühlsausdruck unterstützen kann, ggf. auch durch eine Therapie. Am besten lässt sich diese wichtige Fähigkeit erreichen durch eine bestmögliche frühkindliche Bindung und Bestätigung. Retzer geht in seinem Buch davon aus. Dass Krisen die Chancen bieten, bisher gültige Werte zu hinterfragen und zu neuen Bewertungen zu kommen. Das bedeutet, etliches, was wir als Gesellschaft und als Einzelne bisher hochgehalten haben, abzuwerten, etwa Heldentum, blindes Festhalten an Hoffnungen das Ideal der Fehlerlosigkeit. Auch Werte wie Erfolg, Spaß, Autonomie, Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Optimismus, Gewissheit, Wissen und Glaubensfestigkeit haben nicht nur in die Krise geführt, sondern auch zu der beklagten miesen Stimmung beigetragen. Aufwerten will Retzer Zustände und Phänomene, die fast durchgängig von den Menschen verdrängt oder tabuisiert werden. Etwa Angst, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Ungläubigkeit, Scheitern, Fehlerhaftigkeit und Tod. Dabei sieht er in der sich massenhaft verbreitenden Depression nicht nur das Zeichen vieler persönlicher unbearbeiteter und bewältigter Krisen sondern auch ein Spiegelbild einer gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Krise, deren zwanghaft positives Denken in die Irre geführt hat. Persönliche Krisen und die oft damit in Verbindung stehenden Depressionen können eine Chance sein, ein Hinweis darauf, dass etwas, was wir bisher für wichtig und richtig gehalten haben, das uns aber kranke gemacht hat, an sein Ende gekommen ist. „Wir können erkennen, dass die Akzeptanz unsere Abhängigkeiten uns autonom sein lässt, dass das Beste nicht immer gut ist und etwas weniger davon für ein gutes Leben und ein gute Stimmung ausreicht. Sich den Erfolgerwartungen zu entziehen erlaubt, sich selbst wieder in den Blick zu nehmen und die Frage zu stellen, wer man eigentlich ist.“ Ich bin aus eigener Erfahrung sicher, dass man so zu ganz erstaunlichen und beglückenden Erkenntnissen kommt.

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