Arnon Grünberg Der jüdische Messias

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Inhaltsangabe zu „Der jüdische Messias“ von Arnon Grünberg

Einer zieht aus, das Trösten zu lernen. Und verwandelt sich dabei in einen, der die Menschheit das Fürchten lehrt und dessen Ähnlichkeit mit »du-weißt-schon-wem« sich nicht leugnen lässt. Eine groteske Farce und ein Angriff auf so ziemlich alle wohlbehüteten Tabus.

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    Der jüdische Messias
    Monsignore

    Monsignore

    24. February 2014 um 20:16

    Ein herrlich durchgeknallter Roman mit abgrundtief bösem Humor! Es wird so was von aufgeräumt mit verkrampften, von Unwissenheit und Dummheit geprägten mitteleuropäischen Vorstellungen über jüdische Kultur und Vergangenheit. Prall gefüllt mit bitterbösen Einfällen stellt uns dieser Roman den Möchtegern-Erlöser des jüdischen Volkes vor, der auch vor einem atomaren Schlag nicht zurückschreckt. Bereits sein Versuch einer Beschneidung führt zum Verlust eines Hodens, seine Übersetzung von "Mein Kampf" ins Hebräische bringt nicht den erwarteten Reichtum und er wird "du-weißt-schon-wem" immer ähnlicher. Hier mein Lieblingssatz: "Mord konnte ebenso glücklich und euphorisch machen wie ein romantischer Abend mit Muschelmenü und danach wilden Umarmungen im Hausflur." Ein Buch für alle, die sich vor nichts fürchten und beim Lachen auch gerne mal etwas würgen.

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  • Ich halte „Der jüdische Messias“ für ein zentrales Werk im Oeuvre von Arnon Grünberg

    Der jüdische Messias
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    17. April 2013 um 11:43

    Jahrelang wurde die deutsche Übersetzung und Veröffentlichung des nun vorliegenden großen jüdischen Romans von Arnon Grünberg zurückgehalten. In den Niederlanden seit dem Jahr 2004, als er erschien, mit viel Kritikerlob bedacht, erfuhr das Buch Veröffentlichungen in England, Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Ungarn. Ja, sogar in der Türkei, die nicht gerade dafür bekannt ist, Bücher von jüdischen Schriftstellern zu protegieren, wurde das Buch auf den Markt gebracht.   Die nun um fast ein ganzes Jahrzehnt verspätete deutsche Übersetzung brauchte deshalb so lange, weil man beim Verlag offensichtlich der Meinung war, einen Roman, in dem „du-weißt-schon-wer“, wie Adolf Hitler in diesem Buch durchgängig genannt wird, eine Art  jüdischer Reinkarnation erfährt, nicht einem deutschen Publikum zumuten zu können. Warum es nun 2013 auf einmal geht – wir wissen es nicht.   Tatsache ist, dass Arnon Grünberg in diesem Werk seine ironische und voller bizarrem Humor ( hinter dem sich immer ein besonderer Ernst verbirgt) steckende literarische Kunst zu einem Höhepunkt gebracht hat. Zwei Protagonisten hat er erdacht für diesen Roman. Da ist zum einen Xavier Radek aus Basel, dessen deutscher Großvater bei der SS als Aufseher in einem KZ viele Juden eigenhändig erschlagen hat, und dessen Mutter von diesem Großvater eine Art von Heldenlegende erschaffen hat. Sie selbst hat als Mädchen „du-weißt-schon-wen“ geliebt und ihre Verehrung bis in die Jetztzeit hinüber gerettet.   Xavier Radek, in dessen Person Arnon Grünberg im Verlauf des Romans alle Mythen über Hitler verarbeitet, fühlt eine große Berufung: er hat sich der Idee verschrieben, die Taten des Großvaters auf seine Weise zu büßen: „Er würde die Juden trösten.“   Er sucht den Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Basel, lernt dort den Rabbinersohn Awrommele kennen und gibt sich als assimilierter Jude aus. Awrommele, mit dem Xavier bis zum Ende des Buches eine homoerotische Beziehung hat, hat sehr schnell eine nachträgliche Beschneidung organisiert, bei einem alten Mohel, dem jedoch, fast blind, die Beschneidung zum Massaker gerät. Xavier verliert nicht nur , wie er wollte, seine Vorhaut, sondern auch einen Hoden, der, von den Ärzten, die den schwer verletzten Xavier operieren, nachdem ihn seine Mutter und deren Freund lange liegen gelassen haben, in einem Glas konserviert wird. Xavier wird den Hoden immer mit sich tragen und ihn bald als „König David“ verehren. Xavier ist von seiner großen Mission, die Juden trösten zu müssen (»Auch das jüdische Volk braucht Lebensraum«) ganz erfüllt, und er will mit seinem Freund Awrommele beginnen. Beide versichern sich gegenseitig immer wieder, dass sie nichts fühlen und fliehen bald nach Amsterdam, wo Xavier in einer Kunstschule anzukommen versucht. Doch die raten ihm, lieber einen Blumenladen aufzumachen, eine Kränkung, die ihn lange beschäftigt.   Ihr großes Projekt ist allerdings die Übersetzung von Hitlers „Mein Kampf“ ins Jiddische, an dem sie ihr ganzes Leben lang arbeiten. Auch später noch, als nach der Einwanderung nach Israel Xavier eine große Karriere macht mit der er wie sein Abbild „du-weißt-schon-wer“ ein Weltenbrand heraufbeschwört. Einem alten Hamasführer entwickelt er dabei seine Theorie über die Israelis und die Palästinenser: „Wir bleiben geteilt und beherrscht. Reine Blitzableiter. Ohne uns würde die Region in die Luft fliegen, von Ägypten bis Syrien, Bahrein bis Saudi-Arabien, aber das brauchen wir uns nicht ewig gefallen zu lassen. Jetzt sind wir bloß Spielfiguren, Statisten, die ab und zu einen Brief auf die Bühne bringen dürfen, aber wissen Sie, wovor die anderen wirklich Angst haben? Dass wir uns zusammentun könnten. Meine Mutter sagte einmal: Hätte der Faschismus sich nicht gegen die Israeliten gekehrt, sondern sich mit ihnen vereint, wäre er in Europa immer noch eine lebendige Strömung. Wir sind nicht zu dieser Statistenrollen verurteilt, wir müssen nicht ewig für die Interessen anderer bluten.“   Obwohl das Buch schon seit dem 25. März 2013 auf dem Markt ist und schon Wochen vorher an die Kritiker verschickt wurde, gibt es bis zur Stunde noch keine einzige Besprechung von der etablierten Literaturkritik. Offenbar weiß man nicht, wie man mit dieser Form eines zynischen und ironischen Humors umgehen soll.   Ich halte „Der jüdische Messias“ für ein zentrales Werk im Oeuvre von Arnon Grünberg und bin froh, dass es endlich deutschen Lesern zugänglich ist.

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