Arnon Grünberg Mitgenommen

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Inhaltsangabe zu „Mitgenommen“ von Arnon Grünberg

Major Anthonys Frau wünscht sich ein Kind, aber es klappt nicht. Ließe sich beim Kampf gegen die Guerilleros nicht ein Kind beschaffen? In einem gottverlassenen Ort irgendwo in Südamerika macht Major Anthony seiner Frau das Mädchen Lina zum Geschenk. Doch Liebe auf Kommando, so funktioniert das nicht.

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  • Rezension zu "Mitgenommen" von Arnon Grünberg

    Mitgenommen

    WinfriedStanzick

    11. November 2011 um 15:52

    Arnon Grünbergs neuer, voluminöser Roman ist von seinem Inhalt her eine seelische Herausforderung an jeden Leser. Er hat in einem erschütternden Buch, das vom absoluten Niedergang und Verlust der Menschlichkeit handelt, sicher viele Erlebnisse und Eindrücke verarbeitet, die er bei seinen Einsätzen als Kriegsreporter in Afghanistan und im Irak gesammelt hat. Der Roman spielt in einem fiktiven Land in Südamerika. Unrecht und Elend überall, die vom Staat als Terroristen bekämpften Guerilleros werden immer stärker. Als Major Anthonys Gruppe bei einem Einsatz zwei Verdächtige erschießt, nimmt er kurz entschlossen das überlebende Kind der Opfer mit nach Hause. Selbst zeugungsunfähig, will er die kleine Lina seiner Frau schenken. Doch die reagiert kalt. Liebe auf Kommando geht nicht. Der Major kämpft mit seinem schlechten Gewissen, denn er ist loyal, ein Militär durch und durch, hart und kalt. Aus diesem schlechten Gewissen heraus lässt er sich von seinem Vorgesetzten, der mit seiner Frau ein Verhältnis hat ( sie erhofft sich von ihm ein eigenes Kind), zu einer Mission in die Berge schicken. Die Einheit wird von den Aufständischen aufgerieben. Sie machen dem Major einen Prozess, verurteilen ihn dazu, vergessen zu werden und versenken ihn lebend in einen Schacht. Genau in dieses arme Bergarbeiterdorf wird Lina, die von der Frau des Majors geflohen ist, eines Tages von Aufständischen, die sie aufgelesen haben, gebracht. Erneut wird sie „mitgenommen“. Eine Familie nimmt sie auf, sie arbeitet in den Goldminen. Von Major Anthony ist keine Rede mehr, seine Geschichte bricht ab und wird auch nie mehr aufgenommen. Umso ausführlicher wird die Jugend von Lina erzählt, die erbärmlichen Lebensverhältnisse in den Bergen. Eines Tages kommt der „Dirigent“, der Chef der Aufständischen ins Dorf, wo er Lina begegnet. Arnon Grünberg schildert sehr ausführlich den Lebensweg dieses Mannes, dessen Eltern dereinst als (jüdische?) Flüchtlinge ins Land kamen und sich anpassten. Er, der einst Gedichte schrieb und eine Dozentur an der Universität innehatte, radikalisiert sich und wird zum immer unmenschlicher werdenden Anführer von Menschen, die nur in der Gewalt ihre Hoffnung sehen. Der „Dirigent“ findet Gefallen an Lina, zeugt mit ihr einen Sohn, den er Karl nennt (nach dem jüdischen Revolutionär Karl Radek). Lina wird zum dritten Mal „mitgenommen“. Im letzten Kapitel, das man auch zuerst lesen kann, trifft die mittlerweile zur Waffenhändlerin aufgestiegene Lina auf einen Journalisten, den man ruhig mit dem Autor identifizieren kann. Ihm wird sie ihre ganze Geschichte erzählen und er wird sie aufschreiben zu einem Roman, auf den man sich einlassen muss. Für das, was er beschreibt, für das Elend und die Gewalt, die Inhumanität nicht nur bei den Herrschenden, sondern auch bei den Aufständischen, gibt es keine schöne Sprache. Ein aufrüttelnder Roman ohne Hoffnung.

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  • Rezension zu "Mitgenommen" von Arnon Grünberg

    Mitgenommen

    einMalTee

    22. February 2011 um 19:46

    Mitten in einem Bürgerkrieg in Südamerika nimmt der Major Anthony das kleine Mädchen Lina mit, nachdem sein Soldatentrupp bei einer schief gelaufenen Routinefestnahme die Eltern der Kleinen erschossen haben. Der Major schenkt ihr bei sich zu Hause eine Zukunft. Doch dabei verstößt er zum ersten Mal gegen das Gesetz. Gefangene gehören dem Staat, auch Kinder. Lina soll ein Geschenk für seine Frau sein, da der Major unfruchtbar ist und beide sich so lange ein Kind gewünscht haben. Hier ist es. Über Nacht. Herausgerissen aus ihrem normalen Leben, fängt Lina sich an zu arrangieren. Zuerst mit der neuen Umgebung, dann mit der neuen Frisur, ihre schönen, langen Zöpfe sind weg. Lange bleibt sie nicht in ihrem ungewohnten neuen Zuhause. Genau wie der Major, denn er muss zu einem riskanten Auftrag in die Berge, die für die das Militär sehr unsicher sind und vorher bereits viele Opfer gefordert haben, denn dort herrschen noch die Gegner des Staates, die Rebellen. Doch dieses hoffnungslose Manöver muss durchgezogen werden, so Anthony. Mitgenommen von den Geschehnissen versucht die Frau des Majors auch ein neues Leben anzufangen, schafft es aber nicht. Psychisch labil beginnt sie in ihrem eigenen Haus mit der Haushälterin zu vereinsamen. Immer mehr in den Vordergrund schleicht sich das Schicksal des kleinen Mädchens, das nie weiß, wie es um sie geschieht und scheinbar alles akzeptiert. Nur den Tod ihrer Eltern nicht. Sie sind doch verreist, hat der Major ihr doch gesagt. Wo ihr Weg lang führt, ist ein spannendes Abenteuer. Grünbergs 740-Seiten Roman strotzt nur so von skurrilen Situationen, Charakteren und Handlungen. Nicht überraschend bei dem Autor. Der Leser konnte so etwas erwarten. Doch nie würde er auf die Ideen des Niederländers kommen. Genau das macht das Buch so unfassbar spannend und interessant. Arnon Grünberg ist ein Spezialist für gescheiterte Männer und ihre wirre Denkweisen. Da bekommt ein Swimmingpool plötzlich sehr viel Aufmerksamkeit und wird zum Erklärungsgrund von vielen Problemen. Genauso entpuppen sich andere Gegenstände wie der Eimer, die Frau auf dem Stuhl oder auch der „Onkel“ als Details im Buch, bei denen der Leser nicht weiß, ob er nun verwirrt ist, oder einfach mal drauf los lachen soll. Ohne Frage kann Grünberg gar nicht anders als hervorragende Romane zu Blatt zu bringen. Das Sprichwort „Krauses Haar, krause Gedanken“ machen bei ihm in jedem Fall Sinn, es scheint für ihn erfunden worden zu sein.

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  • Rezension zu "Mitgenommen" von Arnon Grünberg

    Mitgenommen

    Monsignore

    05. December 2010 um 15:07

    Dieses Buch lässt einen verstörten Leser zurück, der von der Hoffnung keine gute Meinung mehr hat. Schon die erste Seite ist ein Paukenschlag: Der großspurige und inhaltslose Major in einer lateinamerikansichen Diktatur hat Sorge, dass er "den Krieg zuhause verliert", er kann nämlich kein Kind zeugen. Als bei einer nächtlichen Militäraktion die "Verdächtigen" versehentlich alle abgeknallt werden und unerwartet ein kleines Mädchen überlebt, nimmt er das Kind kurzerhand mit nach Hause. "Da hast Du Dein Kind" sagt er zu seiner Frau und erwartet von beiden Liebe und Dankbarkeit. Natürlich geht das völlig schief, dem Aufstand zuhause schließt sich der nationale Aufstand an. Eine rasante Story entwickelt sich, wie ein Unterhaltungsroman geschrieben, doch zwischen den Zeilen tiefsinnig und philosophisch. Der Niederländer Arnon Grünberg hat nicht nur Ähnlichkeit mit Woody Allen, er lebt auch noch in New York. Und auch bei ihm bleiben Slapstick und Komödie im Hals stecken, da der Hintergrund verdammt ernst ist.

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  • Rezension zu "Mitgenommen" von Arnon Grünberg

    Mitgenommen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. November 2010 um 22:40

    Back to the roots Irgendwo in der südamerikanischen Provinz hat Major Anthony den Auftrag zwei Aufständische festzunehmen. Der Einsatz läuft schief und ein Korporal schießt wie wild drauf los. Die beiden Verdächtigen sterben. Da hört Major Anthony plötzlich ein Schluchzen aus dem unteren Geschoss und findet dort ein kleines Mädchen, Lina. Ein Plan sentsteht in seinem Kopf: Lina hat nun keine Eltern mehr und er und seine Frau können keine Kinder haben, also beschließt er sich dazu, dass kleine Mädchen mitzunehmen und ihm ein neues Zuhause zu geben. Paloma, seine Frau, ist jedoch alles andere als begeistert über den Familienzuwachs. Sie will nicht irgendein Kind, sie will ein leibliches Kind! Für den Major ist Lina aber schon sein Kind und er wünscht und hofft, dass auch Paloma das kleine Mädchen bald lieb gewinnen wird. Doch dann kommt alles anders, er bekommt den Auftrag die Versorgungslage der in den Bergen stationierten Militärs sicherzustellen und bricht mit einem Konvoi auf....und das Schicksal nimmt seinen Lauf. "Mitgenommen" zu beurteilen fällt mir sehr schwer, da ich die erste Hälfte des Buches als sehr schleppend und langatmig enpfunden habe, die zweite Hälfte jedoch habe ich geliebt und verschlungen. Vom Sprachstil her ist der Roman gut zu lesen, auch wenn die ein oder andere Passage vorkommt, die etwas anspruchsvoller ist und die man besser zweimal liest. Die Handlung in der ersten Hälfte, welche aus der Sicht von Major Anthony erzählt wird zieht sich sehr, grade aus diesem Grund war ich erleichtert, als der nicht mehr erwartete Perspektivenwechsel statt fand. Und das gleich mehrmals: wir erleben die Fortsetzung der Geschichte aus der Sicht der Haushälterin, von Paloma und dann bis zum Ende von Lina. Unverhoffter Schwung kommt in die erzählung und man wird plötzlich "mitgenommen" auf die Reise in die ungewisse Zukunft der kleinen Lina. Die Protagonisten sind facettenreich dargestellt und doch durch die Umstände, in denen sie aufwachsen, leben und arbeiten sehr geprägt. Der Major zum Beispiel lebt für seine Arbeit beimMilitär, er ist rational und durchorganisiert und betrachtet sogar die Ehe als einen Krieg im eigenen Haus, den er gewinnen muss. Die Beziehung zu seiner Frau Paloma ist nicht mehr geprägt von Liebe, für ihn ist es einfach eine Aufgabe die Ehe am Laufen zu halten, an der er ncht scheitern möchte. Die Soldaten sind allesamt gepägt durch das Leiden, die Not und die Gewalt die sie mitansehen mussten. Sie sind vom Staat und vom Militär zerstört worden. Und vor allen Dingen Lina ist geprägt durch die Situation in der sie aufwachsen musste. Das "mitgenommen" werden ist ein großer Bestandteil ihres Lebens, sie ist eine Einzelkämpferin und hat seit dem Tod ihrer Eltern keine Bezugsperson mehr. Von den meisten Männern wird sie benutzt und empfindet die körperliche Liebe als eine Sache, die sie mal kurz über sich ergehen lässt. Wahre Liebe zu einem Mann lernt sie nicht kennen. Ein weiterer Pluspunkt für "Mitgenommen" ist die Tatsache, dass ich bis zum letzten Kapitel den Schluß nicht vorhersehen konnte, Arnon Grünberg konnte mich immer wieder überraschen. Lina, go back to your roots!

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