Maus von Art Spiegelman ist mittlerweile ein Klassiker der Comickultur und hat diesen Status zurecht. Spiegelman öffnet Perspektiven auf den Holocaust und das Überleben dessen, die es zuvor nur selten gab. Die Besonderheit des Comics ist dabei das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie die Vater-Sohn-Beziehung. Bezeichnet ist, dass Spiegelman seinen Vater weder glorifiziert noch durchweg positiv als Helden stilisiert. Im Gegenteil: der Vater wird als manischer Zwangsneurotiker gezeichnet, dessen Verhaltensweisen sowohl die Figur Art(ie) als auch die Rezipient:innen fragend zurücklassen. Der Comic handelt von unbehandelten Trauma des Erlebten und dessen Übertragung auf die sogenannte zweite Generation. Verhandelt werden hier nicht nur geschichtliche Ereignisse, sondern auch deren Auswirkungen: ein lebenslanges und transgenerationales Trauma.
Besonders die Tiermetaphorik ist bezeichnend für den Stil des Zeichners und für die Handlung: nicht nur mit der Zeichnung der Figuren wird diese Metaphorik wiederholt aufgenommen, sondern auch innerhalb des Comics reflektiert und wiederholt in Szene gesetzt. Die Tiermetaphorik versteckt nicht, sie macht deutlich. Sie zeigt das, was sich unserer Vorstellungskraft entzieht.
Ein weiterer besonderer Aspekt des Comics ist dessen Selbstreflexion: der zeichnerische Prozess und vor allem die Umsetzung werden hier aufgezeigt und reflektiert. Besonders der zweite Band bringt dies auf den Punkt. Wie zeichnet man eine Geschichte, die man selbst nicht erlebt hat, aber dessen Auswirkungen einen geprägt und traumatisiert haben? Wie bringt man einen Diskurs zu Papier, über den so wenig gesprochen wird? Und genau setzt Spiegelman an und macht sich das Medium des Comic zunutze: er fabriziert hier eine neue Erzählung über den Holocaust, die zum Nachdenken anregt und nicht vergessen werden kann.
Maus ist ein herausragender Comic, eine emotionale Achterbahn und ein Medium gegen das Vergessen.




















