Arthur Gordon Wolf , Vincent Voss Mängelexemplare - Dystopia

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Inhaltsangabe zu „Mängelexemplare - Dystopia“ von Arthur Gordon Wolf

Mängelexemplare: Dystopia - Neunzehn Autoren blicken in eine Zukunft, in der die Menscheit am Abgrund steht. Schreckensvisionen, die bald Realität werden könnten ... "Das in der allgegenwärtigen Hitze verdunstende Wasser hatte die Luftfeuchtigkeit bis ins Unerträgliche gesteigert. Metall rostete um ein Vielfaches schneller, als sie es aus der alten Welt kannten. Metallhaltiges Gestein nahm eine rostrote Farbe an. Ein optisches Phänomen, das durch das blutrote Licht einer sterbenden Sonne noch weiter verstärkt wurde. Selbst das den Himmel reflektierende Meer wirkte wie eine an den Rändern überkochende Blutsuppe, die im feinen Sand am Fuß des Berges versickerte und eine rötliche Algenschicht zurückließ." Der Inhalt: Tim Svart - No. 2/209/197/613 Jennifer Jäger - Clara - Wissen ist Macht Uwe Voehl - Kreationen in Samt und Tod D. J. Franzen - Der Nomade Jana Oltersdorff - Das Schlafende Schloss Lisanne Surborg - Rosa Schaum Andreas Zwengel - Souljacker Vincent Voss - Wellen Regina Müller - Larventräume Arthur Gordon Wolf - Sahnesperlinge Michael Dissieux - Dagnin Xander Morus - Der Vollstrecker Thomas Backus - Schicksal Constantin Dupien - Das Ende Moe Teratos - Die Schrecken Stefanie Maucher - Ella Manfred Schnitzler - Der rote Tod Markus K. Korb - Rattenjagd Torsten Schreib - Göttersturz (Leseprobe zur Mängelexemplare-Novelle) "Erschreckend und berührend. Abwechslungsreiche Endzeitstorys." (Claudia Junger von Krimi & Co.)

Dieses Buch gehört in jedes Buchregal, wenn man Dystopie/Endzeit Geschichten zu seinem bevorzugten Lesegenre zählt.

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    Mängelexemplare - Dystopia
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    Bevor ihr zu diesem Buch greift und euch in die Geschichten vertieft, solltet ihr zwei Dinge hinter euch bringen. Erstens: Verabschiedet euch von der klassischen Definition von „Dystopie“. Dystopie ist mehrfach auslegbar, tausendfach interpretierbar und unendlichmal umsetzbar. Zweitens: Lest das Vorwort! Ich lese grundsätzlich immer das Vorwort und diesmal hat es sich sogar gelohnt. Danach hab ich mich von der Dystopie-Definition abgewendet und meinen Geist für die tausend (in diesem Fall 19) Möglichkeiten der Umsetzung hingegeben. Den Reiz machte für mich der Haken an den dystopischen Horrorgeschichten (die sich aber nicht an die Dystopie versklaven sollten und auch der Horror musste nicht horrormäßig Gruselig sein): Keine Zombies! Keine Vampire! Letzteres ist wohl sehr leicht umzusetzen, wobei die Zombies zurzeit ja einen mega Aufschwung haben. Hört man „Kurzgeschichte, Dystopie, Horror, all in“ denkt man doch sofort an Zombies. Nicht? Ich schon! Und da ich selbst ein riesen Fan von dystopischen Horrorzombieendzeit-Geschichten bin, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich „Mängelexemplare: Dystopia“ in die Finger bekomme. Apokalypse oder letzte Rettung? Schultern wir den Fluchtrucksack, greifen die Wasserflasche und machen uns auf den gefährlichen Weg! 1. Tim Svart - No. 2/209/197/613 Schwere Kost uns das gleich am Anfang. Hier wird nichts verschönert oder angedeutet. Die Geschichte erzeugt durchweg eine bedrückende Endzeit-Stimmung, der sich niemand entziehen kann. Bei mir kam ganz klar der dystopische Anteil erst nach dem Ende, wie es hier steht. Denn wer weiß schon, was sich bei den Evakuierten entwickelt? Das Ende als solches hat mich überrascht, im Nachhinein betrachtet war es fast klar, dass es darauf hinausläuft, aber ich hab zwischendurch keinen Gedanken daran verschwendet, denn die Atmosphäre hatte mich einfach zu sehr gefangen. 2. Jennifer Jäger - Clara - Wissen ist Macht Das war für mich die klarste, dystopische Geschichte in dieser Sammlung. Die Autorin arbeitet mit vielen Interpretationsmöglichkeiten, gerade gegen Ende hin ist viel offen. Grauenvoller Gedanke, dass das Wissen Geld als Bezahlung ersetzt. Da schält sich eine klare Rangordnung in der Menschheit heraus. An dieser Stelle hätte ich mir einfach nur vorab und hinten raus etwas mehr gewünscht, die Idee als solche ist fast schon zu erschreckend und wir sollten froh sein, dass die Autorin sie sich nur ausgedacht hat. 3. Uwe Voehl - Kreationen in Samt und Tod Das hier ständig von „Wir“ gesprochen wird, hat mich einerseits irritiert, andererseits hatte es einen gewissen Reiz. Ich glaube, ich habe die Geschichte ganz anders wahrgenommen, als wenn sie normal in „Er“ oder „Ich“ geschrieben worden wäre. Wahrscheinlich hat aber genau dieser Umstand mir an einigen Stellen den Horror genommen. Ich weiß nicht warum, aber oft hatte ich einen verrückten Kerl vor Augen, der immer von sich in der „Wir“-Form spricht und nervös mit den Augen zwinkert. Alles in allem erinnerte die Geschichte mich an einen sehr blutigen Horrorfilm, der nichtsdestotrotz am Ende irgendwo versteckt noch eine tiefergreifende Aussage hat. Man muss sie nur finden und sich durch verrenkte Gliedmaßen wühlen und den Fliegen aus dem Weg gehen. 4. D. J. Franzen - Der Nomade Klassische Horrorgeschichte die mich anfangs an den dritten Teil von „Resident Evil“ erinnerte, dann an „Alien“. Hervorragend geschrieben, Horror kam bei mir an. Ich kann gar nicht mehr sagen, ich fand sie klasse! Sehr bildreich lief die Handlung in meinem Kopf von Anfang an rund. Was vielleicht nicht immer von Vorteil war. 5. Jana Oltersdorff - Das Schlafende Schloss Once there was a really spooky fairy tale ... Eine der besten Geschichten neben „Die Gartenpforte“, die ich von der Autorin kenne. Ihre kleine Gruselmärchen-Obsession kennen wir ja nun schon, aber diesmal hat sie sich selbst übertroffen! Scheinbar kinderleicht verknüpft sie den Horror mit dem Märchen, altbekanntes mit Neuem und erzeugt so eine ganz eigene Atmosphäre, die die Geschichte durchweg innehat. Eine Horrorgeschichte auf hohem Niveau! Denkt man am Anfang noch, dass eine neue Gruselmärchen-Interpretation kommt, irrt man sich gewaltig! Zwar erkennt man glasklar, welches Märchen sich hier dem Horror beugen muss, dennoch greift Jana Oltersdorff diesmal ganz tief in die Horrorgrusel-Kiste und überzeugt mit mehr Spannung, mehr Horror und dezentem Ekel. Habgier ersetzt an dieser Stelle einen Großteil des Antriebs der Protagonisten. Es geht nicht, wie in den anderen Geschichten, um das Überleben in der zerstörten Welt. Die beängstigende Horrorwelt ist hier begrenzt/eingegrenzt und wirkt dadurch noch gefährlich, als wenn es die ganze Welt betreffen würde. Wie auch immer Jana das macht, aus harmlosen, liebenswürdigen, Happy-End habenden Märchen, solche Geschichten zu erschaffen, die voll Düsternis und Dunkelheit sind, sie soll damit nicht aufhören!! … and the old witch still writes her creepy stories … 6. Lisanne Surborg - Rosa Schaum Das war wohl die ekelhafteste Geschichte, hat mich aber nicht gestört. Für mich war hier der Egoismus der Menschen in einer zerstörten Welt besonders beeindruckend umgesetzt. Jeder ist sich selbst der nächste und doch gibt es den einen, der hilft. Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht, nicht jede Horrorgeschichte schafft das. Nicht immer gibt es einen Sinn hinter den Worten, hier war er für mich klar. Hervorragende Geschichte! 7. Andreas Zwengel - Souljacker Das einzige, was mich an dieser Geschichte gestört hat, war der dezente Fantasy-Anteil. Jaa, jetzt kann man natürlich sagen, wozu gehören denn Geschichten bei denen auf abstruse Art die Welt untergeht? Sagen wir es einfach mal so: Es war eine sehr geile Dystopie-Geschichte, die für mich ihren Reiz verlor, als die Protagonisten mit einem Fingerschnippen die Location wechselten. Ansonsten hat für mich persönlich alles gepasst! 8. Vincent Voss - Wellen Eine Geschichte, die zu meinen Favoriten gehört! Klassische Weltuntergangsgeschichte, die zuerst auf die unerwünschten Zombies hinweist, dann aber eine ganze andere, wirklich grauenvolle und verdammt realistische Wendung annimmt. Vielleicht sollte ich diese Worte auf Papier schreiben und nicht den PC anwerfen … und nun zwinge ich mich einfach mal, den Gedankengang nicht weiter zu verfolgen. 9. Regina Müller - Larventräume Dystopie der anderen Art, die vielleicht kurz vor dem „Ausbrechen“ noch gestoppt werden kann. An einigen Stellen war ich etwas verwirrt, allerdings löst sich alles auf und mir blieben keine unangenehmen Fragezeichen im Kopf zurück. Wieder einmal eine Geschichte, die den Horror dezent verpackt hat, sich dafür viel Sinn hinter den Worten versteckt. Als Leser muss man sich nur darauf einlassen, dann regt diese Geschichte zum Nachdenken an! Klasse! 10. Arthur Gordon Wolf - Sahnesperlinge Ekelhaft! Genial! Verwirrend! Ganz großes Kino! Diese Geschichte reiht sich in meine Favoritenliste ein. Klassischer Horror der verrückten Art, trifft auf die Manipulation durch Video-Games der neuen Zeit. Die Möglichkeiten sind so erschreckend wie gut möglich wie sicherlich schon passiert, nur auf eine andere Art. 11. Michael Dissieux – Dagnin Wieder eine hervorragende Endzeit-Geschichte, die mich nach dem Lesen bedrückt zurück ließ. Hier kommt tatsächlich die „Was wäre wenn“ Frage auf und ließ mich auch erst einmal innehalten und nachdenken. Man sieht Zombies als tote Fressmaschinen. Aber das waren sie nicht immer. Der Autor hat erstklassig die andere Seite der Medaille beleuchtet! 12. Xander Morus - Der Vollstrecker Wie … Was … Wer … Himmel noch eins! WAS FÜR EINE GESCHICHTE!! Mein absoluter und mit ganz weitem Abstand zu den anderen stehender Favorit! The Road trifft auf Mad Max trifft auf Book of Eli. Hammergeil! Ich hab am Ende Rotz und Wasser geheult. Ob das so gewollt war, weiß ich nicht, aber als das Fellknäuel zurück rennt, während der Vollstrecker zurückbleibt, da konnte ich mich nicht mehr beherrschen. Um dieser Geschichte meine volle Begeisterung zu übermitteln, fehlen mir die Worte und das will bei uns was heißen! Solche Geschichten, nein, DIESE Geschichte möchte man gerne vertont und in Farbe auf dem TV sehen! Ganz, ganz großes Kino, Herr Morus! 13. Thomas Backus - Schicksal Hm. Hier fehlen mir auch die Worte, allerdings nicht weil ich so geflasht bin, wie von dem Vorgänger. Viele Interpretationsmöglichkeiten. Reden wir wirklich von Tieren oder das ist nur eine Metapher? 14. Constantin Dupien - Das Ende Und wieder ein Kandidat für meine Favoritenliste. Ich kenne eine andere Kurzgeschichte von dem Autor, die mir allerdings gar nicht zusagte. Deswegen war ich etwas verhalten, als ich zu dieser hier kam. Aber alle Bedenken waren umsonst! Hervorragende Endzeit-Geschichte die mich dennoch bedrückt zurück ließ. Ist das wirklich Einbildung am Ende? Klopft niemand? Sind die Laser schlecht oder sind sie das nur, weil es alle sagen? Welche Art von Menschen wir aussortiert? Verschwinden sie wirklich? Ja, das sind eine Menge Fragen, die ich am Ende hatte, aber ich hab nicht das Gefühl, das der Autor diese noch in der Geschichte beantworten muss, denn das muss ich als Leser für mich selbst machen. Constantin Dupien gab mir ein Bild, nun muss ich damit arbeiten. 15. Moe Teratos - Die Schrecken Herrgott, wo hat denn der Herausgeber diese ganzen genialen Autoren ausgegraben? Grandioses Endzeit-Szenario und nicht mal weit hergeholt! Ich bin begeistert und gehe mit Vorsicht in das Einkaufscenter um die Ecke. Hier wird dem Leser auf eine besonders Eindrucksvolle Art und Weise gezeigt, dass es nur einen einzigen braucht, der aufbegehrt. Im Grunde ist hier auch eine Möglichkeit der Dystopie gegeben. 16. Stefanie Maucher - Ella Dystopie der klassischen Art und wieder doch nicht. In dieser Geschichte bekommt man, wenn auch kurz, einen Blick auf beide Seiten gewährt. Die, die denken sie machen alles richtig und die, die zeigen, dass es nicht richtig ist, was die Oberen der Stadt machen. Eigentlich sogar drei Seiten, denn es zeigt auch die Manipulation des Einzelnen. Sehr gute Geschichte, die mich von Anfang bis Ende überzeugen konnte. 17. Manfred Schnitzler - Der rote Tod Was passiert, wenn die Welt vor die Hunde geht und niemand einen Blick auf die kleinen Dörfer wirft? Genau! Alles geht den Bach runter. Ich weiß nicht genau, wie ich das Ende interpretieren soll. Ist es genau so, wie es da steht? Dann finde ich es seltsam. Ist es nur eine Beschreibung, ein Bild dafür, wie ein Wirt besetzt wird? Dann ist genial. Auch nach einigen Tagen grübeln, bin ich mir da nicht so einig drüber, deswegen lasse ich das einfach mal so stehen. 18. Markus K. Korb - Rattenjagd Und wieder eine Dystopie, die sich sehen lassen kann. Schmutzig, dreckig, in den untersten Schichten wühlend, so mag ich solche Geschichten. Wir bekommen das Umdenken mit, und die klassische Dystopie nimmt ihren Lauf. Nun stellt sich dem Leser nur eine Frage: Was macht der Held mit seinem Wissen? Hervorragend geschrieben und umgesetzt! 19. Torsten Scheib - Göttersturz (Leseprobe zur Mängelexemplare-Novelle) Ich hab mir die Leseprobe auch durchgelesen und muss sagen: Hätte ich es mal nicht gemacht! Jetzt muss ich wissen, wie es weiter geht! Was für eine geniale Idee für eine Endzeit/Dystopie/Horror-Was auch immer-Geschichte! Es ist eine Leseprobe, deswegen will ich da gar nicht viel zu sagen, aber ich denke es spricht für sich wenn ich nun mehr als ungeduldig auf den Rest warte! Fazit Bei dieser Anthologie muss man sich als Leser keinen Gedanken machen, ob die „Schreibe“ stimmt, ob der Autor Ahnung hat von dem was er da tut und ob die Geschichten überhaupt überzeugen. Der Herausgeber hat hier die Besten der Besten aufgetan und die komplette Sammlung überzeugt mit einem durchweg überdurchschnittlichen Geschichtenniveau! Einige Namen kennt man natürlich und ich habe an dieser Stelle auch sehr hohe Erwartungen gehabt. Ich wurde nicht enttäuscht und meine Favoritenliste spricht für sich. Dieses Buch gehört in jedes Buchregal, wenn man Dystopie/Endzeit Geschichten zu seinem bevorzugten Lesegenre zählt. Und alle anderen: Herrgott! Lest diese Geschichten! Hammermäßige Endzeit-Ideen paaren sich mit klassischen und unkonventionellen Umsetzungsmethoden! Bewertung Was bleibt mir noch zu sagen? „Mängelexemplare: Dystopia“ hat mich emotional, sowie nervlich vollkommen ausgesaugt und als erschütterte, vollends verängstigte „Ich muss mich sofort in meinen Luftschutzbunker mit Nahrungsmitteln für 100 Jahre zurückziehen“-Leserin zurückgelassen. Vielleicht sollte ich aus diesem Grund gar keine Marken vergeben? Allerdings kann ich das diesen genialen, grandiosen und verdammt hervorragenden AutorenInnen nicht antun. Dementsprechend gibt es 5 von 5 Marken. Ganz ohne Schmutz, Dreck oder Blut. Einfach so. Ohne das ihr das System stürzen müsst. Liebe Grüße Tilly

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  • Makellose Mängelexemplare

    Mängelexemplare - Dystopia
    JanaOltersdorff

    JanaOltersdorff

    15. April 2014 um 13:37

    Schon die erste Anthologie "Mängelexemplare und andere makabre Geschichten", die 2013 erschien, hat einiges Aufsehen erregt und konnte unter anderem eine Nominierung für den Vincent Preis als beste Kurzgeschichtensammlung abstauben. Nun endlich wurden die neuen Mängelexemplare veröffentlicht: "Mängelexemplare: Dystopia" Dieses Mal steht der Amrûn-Verlag dahinter. Der Herausgeber ist abermals Constantin Dupien, der erneut ein sehr gutes Händchen bewiesen hat. Er lud die 19 Autoren persönlich ein, eine Geschichte zum Thema Dystopia beizusteuern. Allerdings hatte die Sache einen Haken: in keinem Beitrag sollten Zombies oder gar Vampire vorkommen, dabei bieten sich diese unkaputtbaren Viecher doch geradezu an, wenn es um Dystopie, Apokalypse und den Untergang der Menschheit geht. Letzten Endes stellten sich alle Autoren der Herausforderung und meisterten sie gekonnt. Herausgekommen ist eine Sammlung von qualitativ hochwertigen, spannenden, originellen Geschichten. Jeder Autor hat das Thema anders interpretiert. Mal sind es ganz konkrete Monster, denen sich die Menschen stellen müssen, mal ist es die Natur, die dem Ganzen ein böses Ende bereitet. Mal sind es die Menschen selbst, die ihre Welt mit dem giftigen Schleim einer von Dekadenz und Ungerechtigkeit gezeichneten Gesellschaft überzogen und dem Untergang geweiht haben. Motive aus Mad Max, Blade Runner oder 1984 kommen einem bei der Lektüre in den Sinn. Düster geht es zu, melancholisch, ergreifend, bedrückend, eben genauso, wie es von einer Anthologie erwartet wird, die sich "Dystopia" auf die Fahnen geschrieben hat. Bevor ich auf die einzelnen Beiträge eingehe, muss ich unbedingt noch die Gestaltung des Buches erwähnen. Nicht nur das starke Cover von Timo Kümmel, in welchem sich wie schon in den ersten "Mängelexemplaren" die Initialen der Autoren wiederfinden, beeindruckt. Auch die Illustrationen von Julia Takagi sind erste Sahne. Takagi hat zu jeder einzelnen Geschichte ein Bild kreiert, in welchem sie genau den Geist beziehungsweise die Kernaussage der Story einfängt, ohne zuviel zu verraten. Die von Dupien handverlesenen Zitate aus jeder Geschichte, die zusammen mit den Illustrationen jeder Story vorangestellt sind, stimmen wunderbar auf die Lektüre ein. Doch damit nicht genug: das Buch bietet nicht nur ein Vorwort des Herausgebers und ein Nachwort der bekannten Bloggerin Claudia Junger. Der Leser findet außerdem nach jedem Beitrag noch eine vom jeweiligen Autor verfasste Entstehungsgeschichte, die einen interessanten Einblick hinter die Kulissen vermittelt. Nun aber zu den Geschichten: Tim Svart - No. 2/209/197/613 Ein ungewöhnlicher Titel und ein starker Einstieg ins Buch. Zwei Freunde machen sich in einer im Sterben liegenden Welt auf den Weg zu dem Ort, an dem sie die glücklichste Zeit ihrer Kindheit verbracht haben. Es geht um Liebe, bedingungslose Freundschaft und Opferbereitschaft. Welchen Weg geht man, wenn es keinen Ausweg mehr gibt? Übrigens wird auch das Rätsel um den kryptischen Titel am Ende aufgelöst. Die Lektüre ließ mich mit einem Kloß im Hals zurück. Jennifer Jäger - Clara - Wissen ist Macht Clara ist ein Klon, eine Unterste in einer düsteren Zukunft, in der aus dem bekannten Spruch "Wissen ist Macht" mehr als bittere Realität geworden ist. Denn Wissen ist zum Zahlungsmittel geworden. Die Geschichte bietet einen Einblick in ein Romanprojekt der Autorin, das sich derzeit im Werden befindet. Wir werden wohl von Clara und dieser erschreckenden, doch zugleich faszinierenden Welt, noch einiges mehr erfahren. Uwe Voehl - Kreationen in Samt und Tod Ein geheimnisvoller Designer kleidet nur die allererbärmlichsten Individuen einer dekadenten Gesellschaft in seine spektakulären Kreationen, was den Protagonisten, ein selbstverliebtes Mitglied der Oberschicht, schier um den Verstand bringt. Schon die Idee der "menschlichen Müllhaufen" hat mich zugleich angewidert und fasziniert. Opulent und abgefahren. Eine wirklich extraordinäre Geschichte! D.J. Franzen - Der Nomade Ein einsamer Reisender in einer leeren, am Boden liegenden Welt. Eine zur Festung aus Wrackteilen aufgerüstete Siedlung voller zwielichtiger Gestalten. Mad Max trifft die Borg-Königin. Da steckt ordentlich Power drin. Sehr geile Umsetzung und ein Held mit einer määächtigen Waffe! Lisanne Surborg - Rosa Schaum Wieder so ein ungewöhnlicher Titel, der gleich neugierig macht. Und hinter dem sich eine krasse Geschichte verbirgt. In einer nur noch rudimentär erkennbaren Gesellschaft vegetiert die junge Joker dahin, immer auf der Suche nach Wegen, an ihre Pillen zu kommen, ohne die sie nicht mehr existieren kann. Da taucht eine neue Droge auf - mit verheerender Wirkung. Dystopie und Drogen - eine fatale Mischung, die es in sich hat. Andreas Zwengel - Souljacker Jetzt wird es teuflisch! Cayce arbeitet für ein Inkassounternehmen der besonderen Art. Denn sie treibt nicht etwa Geld ein, sondern die Seelen der säumigen Schuldner. Ihr Auftraggeber ist nämlich niemand Geringeres als Satan persönlich, und mit dem legt man sich nicht an, oder? Eine actiongeladene, temporeiche Story, die den Leser um den ganzen Erdball führt. Filmreif! Vincent Voss - Wellen Alter Schwede, der Mann kann Kurzgeschichten! Wieder einmal hat mich Vincent Voss total begeistert. "Wellen" fängt verdammt krass an und steigert sich dann. Gerade der regionale Bezug (ich habe Freunde in Henstedt-Ulzburg!) macht die Story so authentisch. Nicht auszumalen, wenn so etwas wirklich passiert. Die Grundidee hat mich an den Stephen-King-Roman "Puls" erinnert, aber das ist gar nicht schlimm. Erstens ist es nie verkehrt, wenn ein Horror-Autor mit King verglichen wird. Zweitens hat Vincent seine Geschichte ganz Voss-typisch erzählt. Also ich bin längst Voss-Fan. Regina Müller - Larventräume Noch einer der echt abgedrehten Beiträge in diesem Buch. Menschen übertragen ihr Bewusstsein in die Körper von Ameisen, um von ihnen zu lernen, so wie die Protagonistin Lar, die eine der Probanden ist. Eine ganz außergewöhnliche Geschichte, phantastisch umgesetzt. Arthur Gordon Wolf - Sahnesperlinge Der Titel im Buch, der mich mit Abstand am neugierigsten gemacht hat. Selbst wenn ich jetzt verrate, dass er wortwörtlich zu verstehen ist, sagt das nichts über den Inhalt und so lange man diese Geschichte nicht selbst gelesen hat, wird man sich bei dem Titel einfach fragen: Häh? "Sahnesperlinge" ist eine unglaublich böse Geschichte über virtuelle Realität und die Psyche von Kindern, die nicht mehr in der Lage sind, Realität von Phantasie zu unterscheiden. Michael Dissieux - Dagnin Es ist einfach so: Dissieux kann Apokalypse. Das beweist er auch hier wieder auf eindrucksvolle Weise. Dagnin, die Titelfigur, erkrankte einst an einer Seuche, wie viele andere auch. Jahre später kann ihr Bruder, der Protagonist der Geschichte, sie nicht vergessen und glaubt daran, dass Dagnin noch am Leben ist. Eine ergreifende, sehr gefühlvoll präsentierte Endzeitgeschichte über die Liebe, die niemals erlischt. Dissieux, du alter Romantiker!^^ Xander Morus - Der Vollstrecker Wow, was für eine geile Geschichte! Die postapokalytische Welt, die hier gezeichnet wird, ist absolut atemberaubend. Die abenteuerliche Reise von Henri und Hazard, dem Vollstrecker, auf dem Grund des ausgetrockneten Ozeans (!), vorbei an gigantischen Schiffswracks und Abgründen, die direkt in die Hölle zu führen scheinen, ist für mich eines der Highlights der gesamten Anthologie. Das mal als Graphic Novel oder gleich auf großer Leinwand, das wäre was. Thomas Backus - Schicksal Die definitiv kürzeste Geschichte im Buch. Sie hat wohl mehr als 100 Wörter, sodass sie doch nicht als Drabble durchgeht. Das pointierte Ende macht sie aber zu einer erfrischenden Pause für zwischendurch. Das Champagner-Sorbet in einem 7-Gänge-Deluxe-Menu. Constantin Dupien - Das Ende Ah, der Herausgeber ist jetzt selber dran! Trotz des Titels ist mit dieser Geschichte noch lange nicht Schluss in der Anthologie. Allerdings ist der Protagonist in Dupiens bedrückendem Beitrag mit seiner Weisheit und seinem Lebensmut so ziemlich am Ende. Schauplatz ist ein entvölkertes, im Sterben liegendes Leipzig. Ehrlich, ich war vor kurzem mal dort. Da gibt es Ecken, die ähneln sehr dem Leipzig in dieser Geschichte. Traurig, hoffnungslos und äußerst stimmig in Szene gesetzt. Moe Teratos - Die Schrecken Also echt mal: Wer braucht schon Zombies, wenn er es genauso gut mit den "Schrecken" von Moe Teratos aufnehmen kann? Sie tauchen plötzlich auf und überrennen die Menschheit wie eine gewaltige Heuschreckenplage. Sehr spannend, sehr brutal und actiongeladen. Noch dazu mit einer geschickt untergebrachten gesellschaftskritischen Note. Stefanie Maucher - Ella Wieder eine richtig toll gestaltete dystopische Welt, in die uns Maucher eintauchen lässt. Eine Seuche hat die Menschheit fest im Griff. Der wohlhabenden Elite geht es gut. Wer reich genug ist, kann sich das Heilmittel leisten. Die Betroffenen in den unter Quarantäne stehenden Bezirken haben es sehr viel schwerer. Einem Mitarbeiter der Seuchenkontrolle werden die Augen geöffnet, als er auf die ebenso hübsche wie geheimnisvolle Ella trifft. Manfred Schnitzler - Der rote Tod Auch hier ist eine Seuche auf dem besten Wege, die Menschheit auszurotten. Schnitzler beschreibt die Stadien der Erkrankung detailliert in all ihrer Grässlichkeit. Er hat auch einen der geilsten Sätze der ganzen Anthologie geschrieben: er beschreibt den Schauplatz, das Städtchen Jüchen als "Kaff, das schon vor der Apokalypse im Sterben lag." Eine blutige, kompromisslose Story, die mich vor allem durch den herrlich schnodderigen Erzählstil der Ich-Erzählerin Sophie mitgerissen hat. Respekt! Markus K. Korb - Rattenjagd Zwei sogenannte Hunter in einer Welt, die von dem Kultfilm Blade Runner inspiriert wurde. Diese Hunter sind auf der Jagd - nach Ratten, die in stillgelegten U-Bahn-Schächten tief unter der Stadt ihr Unwesen treiben. Aber sind es wirklich Ratten? Hunter Robertson, der noch neu im Geschäft ist, wirft einen genaueren Blick und macht eine erschreckende Entdeckung. Großartiges Setting, tolle Charaktere und ein schönes Ende. Da möchte man gern mehr erfahren. Torsten Scheib - Göttersturz (Leseprobe) Scheibs Geschichte nahm während der Entstehungsphase solche Ausmaße an, dass man sich entschied, das fertige Manuskript zu einem späteren Zeitpunkt separat zu veröffentlichen. Also wenn das Ding in voller Länge erscheint, dann muss ich es unbedingt lesen. Was für ein grandioser Auftakt. Es geht um nichts Geringeres als das Ende der Welt. Ragnarök. Ein wirklich feiner Appetithappen! Das waren sie also, die achtzehn Geschichten. Die neunzehnte Geschichte, Nummer 5 im Buch, ist meine eigene, das dystopisch angehauchte Schauermärchen Das Schlafende Schloss. Die zu bewerten, überlasse ich anderen. Immerhin: Vincent Voss hat im Horror-Forum als kurzes Fazit zu meinem Beitrag geschrieben: "Dornröschen goes Pflanzenhorror. Ich mag sowas." Das freut mich sehr, und ich hoffe, dass ich auch andere Leser überzeugen kann. Wer sich nun fragt: Was ist mit den Minuspunkten? Irgendwo muss doch mal Kritik kommen? Nun ja, ich wüsste nicht, wo ich die finden könnte. Bei dieser Anthologie stimmt einfach alles: toll gestaltet, Klasse illustriert, spannende, mitreißende Geschichten von einer großartigen Auswahl deutschsprachiger Autoren. Ich habe jede Geschichte mit großem Vergnügen gelesen. Also kann ich gar nicht anders als die volle Punktzahl zu vergeben! "Mängelexemplare: Dystopia" kriegt von mir fünf von fünf Apokalypse-Survival-Packs mit Sternchen und ner Extra-Ration!    

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