Arthur Koestler

 4.2 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Sonnenfinsternis, Diebe in der Nacht und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Arthur Koestler

Ein ereignisreiches Leben selbst beendet: Der 1905 in Budapest, damals Österreich-Ungarn, geborene österreichisch-ungarische Autor jüdischer Herkunft hat in Wien Ingenieurwissenschaften, Philosophie und Literatur studiert. Aufgrund seiner Begeisterung für den Zionismus, brach er sein Studium ab und ging 1926 nach Palästina. Vier Jahre später zog er nach Berlin, um als Journalist zu arbeiten. Sein literarisches Debüt „Von weißen Nächten und roten Tagen - 12 Reportagen aus den Sowjet-Peripherien“ veröffentlichte der Kommunismus-Sympathisant 1934. Drei Jahre später erschien das Werk „Ein spanisches Testament“, in dem er seine Erlebnisse während des Spanischen Bürgerkriegs als zum Tode verurteilter Kriegsberichterstatter literarisch verarbeitete. Während seiner Zeit in England freundete er sich mit dem englischen Schriftsteller George Orwell an, in Frankreich mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, mit der er eine Liaison hatte und in deren Roman „Die Mandarins von Paris“ die Figur Scriassine auf Arthur Koestler zurückzuführen ist. Neben der Belletristik und Politik widmete sich der Autor, der Deutsch, Ungarisch, Englisch, Französisch, Russisch, Hebräisch und Jiddisch sprach, parapsychologischen Themen. Insgesamt war der Schriftsteller dreimal verheiratet. Mit seiner dritten Frau Cynthia Jefferies, die 22 Jahre jünger war als er, nahm sich der an Parkinson und Leukämie erkrankte Arthur Koestler, am 1. März 1983 das Leben. Posthum sorgten Vergewaltigungsvorwürfe für die Entfernung der Koestler-Büste in der University of Edinburgh.

Alle Bücher von Arthur Koestler

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Cover des Buches Sonnenfinsternis9783942788403

Sonnenfinsternis

 (6)
Erschienen am 27.04.2018
Cover des Buches Diebe in der Nacht9783958900684

Diebe in der Nacht

 (3)
Erschienen am 01.06.2016
Cover des Buches Die Gladiatoren9783548203539

Die Gladiatoren

 (3)
Erschienen am 01.05.1990
Cover des Buches Ein Mann springt in die Tiefe9783596253326

Ein Mann springt in die Tiefe

 (2)
Erschienen am 01.07.1990
Cover des Buches Ein spanisches Testament9783958901803

Ein spanisches Testament

 (1)
Erschienen am 02.03.2018
Cover des Buches Der Mensch, Irrläufer der Evolution9783596242825

Der Mensch, Irrläufer der Evolution

 (1)
Erschienen am 01.08.1997
Cover des Buches Der Krötenküsser9783707603149

Der Krötenküsser

 (1)
Erschienen am 01.05.2010

Neue Rezensionen zu Arthur Koestler

Neu

Rezension zu "Sonnenfinsternis" von Arthur Koestler

Weltbestseller der Nachkriegszeit - Abrechnung mit dem Stalinismus
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der erste Satz: »Die Zellentür knallte hinter Rubaschow ins Schloss.«

Interessant ist die Geschichte dieses Romans. Er erschien zunächst 1940 in England in englischer Sprache, wurde dann ins Deutsche übersetzt und erschien 1948 erstmalig in Deutschland (Koesters eigene Rückübersetzung). Arthur Koestler war nämlich sein Originalmanuskript verloren gegangen, an dem er 1938-1040 in Frankreich gearbeitet hatte. Als er die Hälfte bereits geschrieben hatte, wurde er von der französischen Polizei verhaftet, unter dem Verdacht, er sei ein Sowjetagent. Mangels Beweise wurde er bald wieder freigelassen. Er lebte mit der englischen Kunststudentin Daphne Hardy zusammen, die sein Werk unter starkem Zeitdruck ins Englische übersetzte. Die Zwanzigjährige kannte sich nicht detailliert in der deutschen Sprache aus und so war ihre Übersetzung auch nicht besonders gut. Sie konnte ihre Übersetzung gerade noch nach England schaffen, bevor das Paar wieder auf der Flucht war, denn der jüdische Ex-Kommunist konnte sich ausmalen, was ihm blühen würde, wenn die Deutschen ihn erwischten. 1941 waren lediglich 2500 Exemplare in England verkauft. In Amerika lief es besser, insbesondere, da der Roman wichtige Bewunderer gefunden hatte, wie George Orwell, und er wurde in der Time Magazin besprochen. Nach dem 2. Weltkrieg erschien eine Neuauflage, die Verkaufszahlen explodierten, allein die französische Auflage erreichte über 300.000. Jean-Paul Sarte, Simone de Beauvoir und Camus feierten Koester nach seiner Rückkehr nach Frankreich. 75 Jahre lang blieb das Original-Manuskript verschollen, bis der junge deutsche Literaturwissenschaftler Mattias Weßel es im verstaubten Archiv eines Züricher Verlags entdeckte. Der Elsinor Verlag hat nun dies Originalmanuskript neu verlegt.

»Sie standen zu dritt vor dem Bett Rubaschows, der junge und der alte Beamte in ihren Uniformen, der Junge mit dem Revolver in der Hand, der Alte in strammer Haltung, wie man vor Vorgesetzten steht. 'Bürger Rubaschow, Nicolas Salmanowitsch, wir verhaften Sie im Namen des Gesetzes', sagte der Junge.«

Koestler war flammender Kommunist, Mitglied der KPD. Die Moskauer Schauprozesse von 1936-38, bei dem Stalin seine eigne Parteiführung hinrichten ließ, änderten allerdings Koesters Weltbild und er trat aus der KPD aus. Sein Roman widmet sich dem Thema des sowjetischen Totalitarismus. Er selbst kannte Bucharin und Radek und fragte sich, weshalb sie die unvorstellbaren Taten im Gefängnis gestanden, der sie bezichtigt wurden, die sie aber nie verübt hatten. Warum wurden plötzlich Führungsoffiziere treue Anhänger verhaftet und liquidiert? Welches System steckte dahinter? Der Protagonist in »Sonnenfinsternis« heißt hier Volkskommissar Rubaschow, einer der inhaftiert wird für Dinge, die er nie gemacht hat, lächerliche Beschuldigungen. Im Gefängnis denkt er über sein Leben nach. Ja, er hatte sich schuldig gemacht, unschuldige Menschen getötet, Gräueltaten verübt – allerdings im Namen der Partei, im Namen der Revolution. Und das war falsch. Dafür will er geradestehen, dafür will er büßen. Nicht für den Unsinn, den man ihm vorwirft. Allerdings hatte er anderen ja Gleiches angetan. Koester nennt weder ein Land, noch reale Namen – allerdings sind alle Protagonisten-Namen und Beschreibungen eindeutig auf die Sowjetunion hindeutend. Wenn er vom »Hampelmann mit dem kleinen Schnurrbärtchen« redet, wissen wir, wer gemeint ist.

»Die Definition des Individuums lautete: eine Masse von einer Million, dividiert durch eine Million. Die Partei leugnete den freien Willen des Individuums – und forderte gleichzeitig seine freiwillige Hingabe. Das Individuum stand im Zeichen der ökonomischen Fatalität, ein Rad im Uhrwerk, und die Partei verlangte, dass das Rad gegen das Uhrwerk aufstehe und seinen Ablauf ändere. Irgendwo musste ein Fehler sein in dieser Rechnung stecken; die Gleichung ging nicht auf.«
Der Gefangene Rubaschow wird von seinem Freund und Parteigenossen Iwanow verhört, der Rubaschow rät, seinen Verrat freiwillig zu gestehen: konterrevolutionäres Verhalten, oppositionelle Neigungen. Iwanoff geht recht gemäßigt mit Rubaschow um. Ihm folgt Gletkin, ein junger Genosse, der Karrieregedanken verfolgt, der eine härtere Tonart anlegt, der Widerstand von Genosse Rubaschow wird gebrchen. Der erklärt ihm:
»Der Bürger Iwanoff wurde gestern Nacht in Vollzug einer administrativen Entscheidung erschossen.«
Was diesen Roman so ergreifend macht, sind die Verhöre, die aus einem realen Protokoll hätten stammen könnten. Egal, was der Gefangene sagt, gesteht oder auch nicht gesteht, das Urteil steht schon vorher fest: Er wird hingerichtet. Es geht um Macht und um Machterhalt. Um nichts anderes. Koester zeigt den Irrsinn von totalitären Machthabern auf. Genau darum ist der Roman immer noch aktuell. In einem solchen Staat darf man sich nie sicher sein, ob man nicht der Nächste ist, der baumelt, auch wenn man still ist und sich nichts zuschulden kommen lässt. Besonders gefährlich leben Führungskräfte, der Herrschende darf ihnen niemals zu viel Macht zugestehen.

Ein wirklich guter Roman, der sich mit Macht und Machtmissbrauch totalitärer Staaten befasst, mit blindem Hinterherrennen von Ideologien.

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Rezension zu "Diebe in der Nacht" von Arthur Koestler

Unbedingt lesenswert
HEIDIZvor einem Jahr

Taschenbuch: 368 Seiten

Verlag: Europa Verlag (27. Mai 2016)

ISBN-13: 978-3958900257

PREIS: 18,99 Euro

Diebe in der Nacht spielt im Jahr 1937 - kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Wir lernen Joseph kennen, den Halbengländer, der nach Palästina geht. In der jüdischen Siedlung Esras Turm will er neu beginnen. Doch die Naziverfolgung in Europa macht vor der Siedlung in Palästina keinen Halt und wirft dunkle Schatten über die dort lebenden Menschen. Aus Europa geflohen, um hier Frieden und Sicherheit zu finden, wird alles anders als erwartet.

Thema: zusammenfassend gesagt: DER NAHOSTKONFLIKT !!!

Politisch, historisch interessant aufbereitet, in einer fiktiven Geschichte brisantes Material kurzweilig spannend präsentiert, hätte man besser nicht machen können, mich hat der Roman gefesselt und noch lange nach dem Lesen nicht losgelassen.

Dieser Roman ist Stück weit Zeitdokumentation und auch - so habe ich recherchiert, Biografie des Autors, der seine eigenen Erfahrungen hat in die Geschichte einfließen lassen. Das spürt man auch anhand der lebendig authentischen Art und Weise des Geschriebenen.

Der Roman wurde vom Autor 1945 zu Ende geschrieben.

Tiefgreifend und den Konflikt verständlich machend hat mich dieses Buch fasziniert.

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Arthur Koestler wurde am 05. September 1905 in Budapest, Österreich-Ungarn (Ungarn) geboren.

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