Arthur Rundt

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Autor von Marylin.

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Marylin
Marylin
 (19)
Erschienen am 25.01.2017

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Rezension zu "Marylin" von Arthur Rundt

Arthur Rundt - Marylin
miss_mesmerizedvor 10 Monaten

Als er sie zum ersten Mal in der Hochbahn sieht, ist es sofort um Philip Garrett geschehen. Sie ist die Frau seines Lebens, sie wird er heiraten. Er beobachtet er sie nur, verfolgt sie unauffällig, nähert sich langsam. Dann spricht er sie an. Doch die Unbekannte hält ihn auf Distanz, flieht gar vor ihm in eine andere Stadt. Doch Philip bleibt hartnäckig: er wird Marylin erobern. Und so kommt es auch. Eine ungewöhnliche Liebe verbindet die beiden, voller tiefer inniger Zweisamkeit, die auch harte Zeiten übersteht. Nur ein Kind fehlt der kleinen Familie noch zum Glück. Doch als Marylin ein Mädchen zur Welt bringt, bricht das zarte Glück brachial auseinander.

Marylin ist kein historischer Roman, der das bitterste Kapitel der US-amerikanischen Geschichte aufgreift, sondern ein Zeugnis seiner Zeit. Arthur Rundt schriebt ihn 1928 in seiner Zeit als Korrespondent als Fortsetzungsroman, der nun erstmals in Buchform veröffentlicht wurde. Man spürt den Geist der Zeit, der Autor war ein scharfer Beobachter und das, was er Ende der 20er Jahre bereits ahnte, wurde kurz danach für viele Realität: der amerikanische Traum ist ausgeträumt und für die Schwarzen hat es ihn ohnehin nie gegeben.

Zunächst scheint der Roman eine große Liebesgeschichte zu erzählen, wie sie nur in einer Stadt wie Chicago und später New York zu finden ist. Philip weiß einfach, dass sie nicht nur die Richtige, sondern die Einzige für ihn ist:

Für seine Beziehung zu Marylin wäre es nicht ganz treffend, das Wort »Liebe« zu gebrauchen. Was in ihm vorging, war frei von jedem Konflikt. Er hatte sich für dieses Mädchen entschieden, ohne mehr von ihr zu wissen.

Wie eine Frau so eine offen zur Schau getragene Zuneigung ablehnen kann, bleibt zunächst rätselhaft. Dass ihr dies nicht leicht fällt und dass mehr dahinter steckt, ist offenkundig:

So schwankte Marylin von der Schwäche und Hingabe zu Trotz und Auflehnung.
Niemand sah diesen Kampf, am sorgfältigsten wurde er vor Philip verborgen.


Dennoch ist ihre Liebe zunächst augenscheinlich frei von Sorge, geradezu kindlich ergötzen sie sich an dem jeweiligen anderen, fahren Karussell und drehen sich um sich selbst. Die nahende Geburt des Kindes lässt jedoch Schlimmes befürchten und so kommt es auch. Doch die Wahrheit bleibt weiterhin Marylins Geheimnis und nun beginnt der tragische, aus heutiger Sicht unsägliche Teil ihrer Geschichte. Sie verleugnet die eigene Mutter, denn das ist es, was die Gesellschaft hören und sehen will. Sie versucht gar nicht erst sich zu erklären oder zu entschuldigen – wozu auch: hat sie etwas falsch gemacht? Einzig dass es ihr nie gelungen ist, ihrem Mann die Wahrheit zu sagen, eine Wahrheit, die eigentlich irrelevant sein sollte.

Arthur Rundt findet harte Worte, um dem heutigen Leser eindrücklich Marylins Lage vor Augen zu führen:
Der Richter Stevenson hatte wohl alles andere eher erwartet als das, was er sah. Er sprang auf und fuhr Marylin an: »Nehmen Sie’s weg! Nehmen Sie’s sofort wieder weg! Wenn die Dinge so stehen, kann ich Ihnen nicht helfen.«
Marylin gab ebenso laut und hefig zurück: »Ich hab’ nicht verlangt, Richter, daß Sie mir helfen! Ich will die Sache in Ordnung haben, sonst nichts!«
Der Richter trat hinter seinen Stuhl und machte eine Grimasse des Abscheus. »Wozu haben Sie dann das Zeug hierher mitgebracht? Wozu? Sind Sie vielleicht besonders stolz darauf?«
Da beugte Marylin sich vor und schrie so, daß die Adern an ihrem Hals anschwollen und ihre Stimme sich überschlug: »Es ist kein Zeug! Es ist kein Zeug! Es ist mein Kind, mein, mein, mein Kind, das niemanden etwas angeht, nie – manden, nie – manden!«


An diesem fiktiven, sehr persönlichen Schicksal zeichnet Rundt das nach, was bittere Realität für viele war. Man zweifelt nicht daran, dass dies genauso hätte geschehen können und fragt sich, ob heute, fast 90 Jahre später, die Toleranz größer wäre und die Akzeptanz eine Offenheit ermöglichen würde.

Ein unbestritten lesenswertes Zeitzeugnis, dass nicht nur inhaltlich relevant ist, sondern auch noch sprachlich überzeugen kann. 

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krimielses avatar

Rezension zu "Marylin" von Arthur Rundt

Antiquiert und hochaktuell
krimielsevor einem Jahr

Der Roman „Marylin“ von Arthur Rundt, angesiedelt in den 1920er Jahren in den USA, erschien 1928 ursprünglich als Fortsetzungsroman in der Wiener Zeitung „Neue Freie Presse“. Das wiederentdecke Kleinod eines Gesellschaftsromanes wurde vom Wiener Verlagshaus Edition Atelier neu veröffentlicht und spiegelt zum einen angestaubte Verhältnisse wider, ist aber andererseits unglaublich aktuell.

"Für seine Beziehung zu Marylin wäre es nicht ganz treffend, das Wort "Liebe" zu gebrauchen. Was in ihm vorging war frei von jedem Konflikt."

In Chicago verliebt sich der Architekt Philip Garrett in ein Gesicht in der Menge, in Marylin, die er zunächst auf ihrem Heimweg von der Hochbahn, später bei ihrem Wohnungswechsel nach Cleveland und nach New York verfolgt wie ein Stalker. Marylin, die im Verkaufsbureau einer großen Seidenstrumpffabrik arbeitet, versucht sich Philip zu entziehen, sie scheint ein Geheimnis mit sich zu tragen. Philip ist unnachgiebig, er spürt zwar, dass Marylin ihm widersteht und vor ihm flüchtet, doch schließlich finden die beiden zusammen, fast so, als würde Marylin sich ihrem Schicksal ergeben.

"War Philip für sie etwas wie Glück? Oder war nicht schon, dass sie ihm Macht über sich einräumte, Beginn unabwendbaren Unglücks?"

Ein Versuch Marylins, nur als Paar zusammen zu leben und nicht zu heiraten, wird an Philips Entschlossenheit abgeschmettert und die beiden heiraten in New York. Melodramatisch geht die Geschichte weiter, als Marylin schwanger wird und ein schwarzes Kind bekommt in der Welt der Weißen von 1928, in der die Schwarzen im Alltagsrassismus völlig legitim als Tiere betrachtet wurden.

"Sie sahen sich fast täglich, jeder wusste immer, was der andere tat, und doch wurde ihnen oft die unnatürliche Fremdheit klar, die zwischen ihnen herrschte."

Das Buch ist ein fein und präzise gezeichnetes und Gesellschaftsbild der großstädtischen Mittelschicht der 1920er Jahre, geprägt von Sachlichkeit und ohne Schnörkel. Gemeinsames Glück des Paares in der ersten kleinen Wohnung beim Tanz zu Grammophonmusik, bei Boxkämpfen und in Jazzkonzerten gehören ebenso zum Leben wie Philips Entwurf erster Reihenhäuser für ein Architekturbüro und das unverheiratet zusammenlebende französisch-amerikanische Paar, mit dem die beiden befreundet sind.

Überall trifft man auf Rassismus. Schwarze haben hauptsächlich Hilfsjobs als Fahrstuhlführer oder Portiers, außer sie sind berühmt und umjubelt wegen besonderer sportlicher oder künstlerischer Fähigkeiten. Sie sind nur die Neger, von denen man sich zwar bedienen lässt und über die man sich amüsiert, wenn sie auf einer Bühne stehen, aber weitere gesellschaftliche Kontakte sind ausgeschlossen, verpönt und durch Rassengesetze verhindert. Afroamerikaner gelten ans schmutzig, unzivilisiert und nicht wirklich gesellschaftsfähig.
Die Latte der Verurteilung Schwarzer reicht von Ignoranz bis hin zu blankem Hass, der Marylin entgegenschlägt, als sie ein schwarzes Baby zur Welt bringt. Philip verlässt sie und zieht sich zurück, Marylin muss sich einer Anklage wegen Verstoßes gegen die geltenden Rassengesetze stellen und ist für ihr Umfeld eine Geächtete. Doch letztlich widersetzt sich Philip den vorherrschenden Anschauungen und Rassengesetzen für seine große Liebe.

"Sie gehen einen schweren Weg, Mr. Garrett." "Aber ich gehe ihn."

In Zeiten, in denen der Rassismus nicht nur in den USA wieder salonfähig gemacht wird, in denen sich Menschen abschotten gegen andersartige und mit allen Mitteln versuchen, ihre kleine augenscheinlich heile Welt zu erhalten und vor jeglicher Veränderung angstvoll zu schützen, hat dieses Buch mehr Aktualität als es auf den ersten Blick erscheint. Schon damals ein politischer Roman, was zum Beispiel im Aufruf zum Protest eines schwarzen Arztes auf dem Schiff in die Karibik zum Ausdruck kommt, prangert es immer noch den Widerspruch zwischen moderner Lebensart und dem überholten Rassendenken mit all seinen Fesseln effektvoll und nachdrücklich an. Städtisch modernes Leben im Widerspruch zu provinziellen Anschauungen abseits der Hauptstraße, Amerikanischer Traum und gleiche Chancen für alle gegenüber vorurteilsbehaftetem Denken und Abschottung nach außen, das ist die eigentliche Thematik des Buches, verpackt in eine melodramatische Familiengeschichte, die damals und heute in viele Länder transportiert werden könnte.
Der in meinen Augen große Verdienst von Arthur Rundt besteht darin, dass er schon in der damaligen Zeit, als sich auch in Europa der Rassismus ausbreitete, nicht wegsah sondern den Daumen auf die Wunde legte, einen politisch ambitionierten Roman schrieb, dessen Geschichte zwar bedrückend und traurig ist, der aber für mich dennoch durch Philips Wandel hoffnungsvoll und mutig daherkommt, um gegen verknöcherte und überholte Verhaltensweisen ankämpfen zu können.

Ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, empfehle es uneingeschränkt sowohl als spannendes Melodrama als auch als aufrüttelnde Lektüre gegen Rassismus, Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit.

Der aus Oberschlesien stammende Schauspieler, Theaterdirektor, Journalist und Autor Arthur Rundt wusste damals, wovon er schreibt. Er bereiste seit 1924 die USA mehrmals und mit großer Sicherheit spürte er die Rassenprobleme, die damals zum Alltag gehörten. Sein großer Verdienst besteht darin, dass er den gesellschaftsfähigen Alltagsrassismus unbeschönt, ohne erhobenen Zeigefinger und durch die Prosaform leicht zugänglich zu Papier gebracht hat. Der Stil erinnert stellenweise an Reportagen, beschreibend und detailgenau, an anderen Stellen schreibt Rundt auslassend und emotional. Diese Kombination erweist sich beim Lesen als meisterhaft.

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Bris avatar

Rezension zu "Marylin" von Arthur Rundt

Familiengeheimnis
Brivor einem Jahr

Ein junger Mann verfällt auf dem Arbeitsweg einer jungen Frau. Ihre Arme sind es, die ihn, aus dem kurzärmeligen Kleid ragend, faszinieren. Was genau an diesen Armen so anziehend ist, erfährt der Leser von Arthur Rundts Ausnahmeroman Marilyn, der bei seinem ersten Erscheinen 1928 als Fortsetzungsroman in der Neuen Freien Presse abgedruckt wurde, nur vermuten. Es scheint etwas mit den Proportionen, der Feingliedrigkeit zu tun zu haben. Bald wird klar, Philip ist hartnäckig und wird Marylin nicht einfach so gehen lassen. Zunächst verfolgt er sie regelrecht auf ihrem Arbeitsweg, fährt ihr in der Bahn nach, richtet es ein, ihr wie zufällig über den Weg zu laufen und spricht sie letztendlich an. Dabei entsteht bei mir als Leserin ein beklemmendes Gefühl. Stalking nennt man das heute, was ich da las, so dachte ich. Dennoch, hinter dieser Obsession schien mehr zu stecken. Also folgte ich Marylin gespannt ebenfalls auf Schritt und Tritt. Auch bei ihren Versuchen zu entkommen. Sie floh regelrecht vor Philip, ohne ihn wirklich zu kennen, ohne dass er sie tatsächlich bedrohte. Was genau ihr solche Angst machte, dass sie sogar ihren festen Job kündigte und in eine andere Stadt zog, das erschloss sich mir (zunächst) nicht.

Doch Philip blieb weiterhin hartnäckig, machte ihren neuen Aufenthaltsort aus und reiste ihr nach. Gab seine eigene sichere und lukrative Stelle auf, weil er wußte, dass er Marylin heiraten wollte. Wer einmal eine solche "Belagerung", einhergehend mit höflicher Zurückhaltung erlebt hat, der weiß, dass sich solcher Aufmerksamkeit meist nur schwerlich entziehen kann. Und so ergeht es auch Marilyn. Dennoch will sie zunächst nicht heiraten. Eine moderne Frau, die weiß was sie will, dafür einsteht und eine gute Portion Vertrauen in ihr Können hat. Zwischenzeitlich jedoch flackert noch einmal ein Fluchtgedanke auf, doch dieses Mal sind es die äußeren Umstände, die Marylin zurückhalten. Und wohl auch die Zuneigung, die sie Philip gegenüber tatsächlich entwickelt hat. Philips Ausdauer wird nun belohnt und das Paar erscheint nun tatsächlich glücklich.

"Am zweiten Maisonntag, um die Mittagsstunde herum, saßen auf einer Bank des Central Parkes in der Gegend des großen Hügels zwei junge Leute. Es war ein unwahrscheinlich warmer Frühlingstag, die Sonne schien fast sommerlich auf die große Stadt herab. Der junge Mann hatte die Beine lässig von sich gestreckt, den Kopf nach rückwärts gelehnt, und blickte in den wolkenlosen, sattblauen New Yorker Himmel, der an solchen Tagen daran erinnert, daß die Mündung des Hudson und der Golf von Neapel beinahe auf dem gleichen Breitengrade liegen. Das Mädchen, ihrem Nachbar halb zugewandt, hielt die Hände im Schoß und sah ihn von der Seite her an, prüfend und verträumt, scheu aber dennoch in lächelnder Bewunderung."


Doch irgendetwas bleibt für Philip fremd an Marylin. Und auch sie macht immer wieder vorsichtige Andeutungen, dass sie wohl ein Paar bleiben würden, keine Familie. Ganz klar hatte Marylin ein Geheimnis, doch welches? Hing es mit ihrer Familie zusammen? Bereits in jungen Jahren war sie zur Vollwaise geworden. Zunächst verlor sie ihre Mutter - nicht einmal ein Bild hatte sie von ihr - und dann später, den Vater, dessen Foto sie stets in Ehren hielt.Währende Philip beruflich weiterkommt und auch Freundschaften unterhält, die seinem Arbeitgeber nicht ganz Recht sind - handelt es sich zwar um Personen des öffentlichen Lebens, aber eben der falschen Hautfarbe - versucht Marylin gesellschaftliche Ereignisse zu meiden. Gerade wenn sie in Zusammenhang mit dem berühmten Boxer Patterson oder dessen Freund und aufstrebendem Sänger Harley zu tun haben. Doch nach und nach wird gerade die Freundschaft zu Harley enger und damit auch alltäglicher. Zumindest im Hause Philip und Marylin Garrett.

Arthur Rundt hat mit seinem kurzen aber äußerst eindrücklichen Roman Marylin keine Geschichte über ein Paar geschrieben - obwohl man das bis hierhin vermuten könnte. Vielmehr hat er in diesen Roman eigenhändig erworbenes, profundes Wissen über die amerikanische Gesellschaft der 1920er beziehrungsweise 1930er Jahre gepackt und dieses in den Bezugsrahmen einer zwischenmenschlichen Beziehung gesetzt. Denn was leider auch heute noch hochaktuell ist, war damals nicht minder wichtig: die Herkunft eines Menschen.

Wie in vielen Werken der damaligen Zeit arbeitet auch Arthur Randt fast journalistisch, trägt unterschiedliche Steinchen zu einer Gesamtkomposition zusammen, lässt die Metropole - Marylin und Philip leben als Paar in New York - nicht außen vor und ist damit ein würdiger Vertreter der Literatur des Jazz Age und der sogenannten Neuen Sachlichkeit. Denn sachlich ist sie, die Sprache, derer er sich bedient. Und dennoch schafft er damit Atmosphäre. Während die Figur des Philip zunächst etwas beängstigend, später jedoch ausdauernd, fürsorglich und sympathisch erscheint, gewinnt Marylin erst an Kontur, als ihr Geheimnis vermeintlich gelüftet ist. Sie bringt - nach langer Zeit des Wartens - ein Kind zur Welt, auf das sie sich freuen zu scheint, aber gleichzeitig ängstlich erwartet. Das ist nicht unbedingt untypisch für eine junge Frau, die ihr erstes Baby erwartet. Für eine so selbst bestimmte Frau, die Marylin im Grunde aber ist, jedoch nicht erwartet. Und so wiegt das Geheimnis, das sie niemandem gegenüber gelüftet hat, weil sie glaubte, vielleicht darum herum kommen zu können, schlussendlich schwer. Philip denkt an Betrug, da er die wahre Herkunft seiner über alles geliebten Frau nicht kennt. Tatsächlich ist es aber die Genetik, die hier die Finger im Spiel hat und Marylins Wurzeln auch äußerlich nicht mehr verleugnen lässt.

Ist Philip ein Rassist? Klar ist, er fühlt sich betrogen und das auch noch doppelt und könnte mit dem vermeintlichen Betrug vielleicht leben, wäre dieser nicht so offensichtlich. Tatsächlich besitzt er nicht die Ressentiments, die sein Chef gegenüber anderen Hautfarben pflegt. Außerdem hat er - wie so viele andere seiner "weißen" Freunde nicht erkannt, dass Marylins Herkunft eine andere ist. Im Gegensatz zu Patterson und Harley. Äußerlichkeiten sind es, die damals und heute großen Einfluß auf die Bewertung von Menschen nehmen. Traurig, aber großartig von Arthur Rundt aufgezeigt und für uns Leser eine glückliche Wiederentdeckung, die in jedes ernst gemeinte heimische Bücherregal gehört. Dem österreichischen Verlag edition atelier ist diese wunderschön gestaltete und deshalb nun auch mit einem Coverpreis der Jungen Kritiker ausgezeichnete Ausgabe zu verdanken. Außerdem ist das Buch mit einem klugen und interessanten Nachwort versehen, das weiterführende Literatur quasi aufdrängt. Ein wahres Kleinod der Literatur und ein Trigger für mich, mich vermehrt mit der Literatur Arthur Rundts, seiner Kollegen und deren Zeit zu befassen.

"Ja, Mr. Garrett, Sie dürfen einen Farbigen als Diener in Ihrem  Büro haben oder als Chauffeur, eine Farbige zur Hausarbeit oder als Köchin. Wenn sie in einer dienenden Stellung sind und, was man von ihnen verlangt, ordentlich verrichten, dann gibt’s keinen Konflikt, dann ist’s sogar möglich, daß der Weiße die Treue des Farbigen erwidert. Ihr bekämpft den Schwarzen, wenn er noch nicht so weit ist, einen Dienst ordentlich zu verrichten, wenn er noch auf der niedrigsten Stufe steht, roh ist und zu allem fähig. Und ihr bekämpft ihn auch, wenn er sich Bildung aneignet und zu euch aufsteigt, ein selbstständiger Kaufmann sein will oder ein Arzt oder ein Advokat. Nur wenn er euch als nützliches Haustier dient, dann seid ihr mit ihm zufrieden."






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Gespräche aus der Community

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Eine verhängnisvolle Liebe im New York der 1920er

Für diese Leserunde verlosen wir 15 Exemplare des Romans »Marylin« von Arthur Rundt!

Zum Buch:

Der Architekt Philip Garrett führt ein unbeschwertes Leben in Chicago. Bis er eines Tages im Hochbahnzug eine junge Frau entdeckt, in die er sich sofort unsterblich verliebt. Fortan hat er nur noch Augen für Marylin, auch wenn sie sich seinen Annäherungen zunächst noch zu entziehen versucht. Und auch als sie endlich verheiratet sind und sich ein gemütliches Leben in New York eingerichtet haben, spürt er stets, dass Marylin etwas vor ihm verbirgt. Mit der lange herbeigesehnten Geburt ihres gemeinsamen Kindes kommt die Wahrheit endlich ans Licht – das denkt Philipp zumindest ...

Als »Marylin« 1928 als Fortsetzungsroman in der »Neuen Freien Presse« erschien, stand Arthur Rundt hoch im Kurs bei den Wienern. Zwei Jahre zuvor war sein Reisebuch »Amerika ist anders« erschienen, auch seinen Roman »Marylin« siedelte der Journalist und Theaterkritiker im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an, darin räumte er gründlich mit den Amerika-Vorstellungen der deutschsprachigen Leser auf, schilderte vielmehr »eher graue Seiten des American Dream« (Herausgeber Primus-Heinz Kucher) und einen im ganzen Land schwelenden (Alltags-)Rassismus, der von allen einfach hingenommen wird und bekanntlich auch heute nichts an Aktualität verloren hat, sondern angesichts der neueren Entwicklungen weiter eskalieren dürfte. Was Arthur Rundt mit »Marylin« gelungen ist, ist beispiellos: Es ist Gesellschaftsdrama, Großstadtroman, Liebesgeschichte, Rassismuskritik und Amerikabuch in einem.


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