Arthur Rundt Marylin

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Inhaltsangabe zu „Marylin“ von Arthur Rundt

Gesellschaftsdrama im New York der 1920er-Jahre: Obwohl sich Marylin den Avancen Philips zu entziehen versucht, folgt er ihr nach New York. Dort kommen die beiden schließlich zusammen und beginnen ein glückliches, scheinbar sorgenfreies Leben im Jazz Age der Großstadt. Doch als Marylin ein Kind mit dunkler Hautfarbe zur Welt bringt, zerbricht Philips heile Welt in tausend Scherben ... Arthur Rundt schildert in seinem Roman von 1928, der nun erstmals als Buch erscheint, nicht nur ein Amerika im Aufbruch, sondern auch den schwelenden (Alltags-)Rassismus, der von allen hingenommen wurde.

Unbedingt lesen. Großartige, wahre Literatur. Erstmals als Buch.

— Bri
Bri

Wie dieser Roman wohl heute in den USA aufgenommen würde, gäbe es ihn dort?

— Joachim_Tiele
Joachim_Tiele

Sozialkritisch, fesselnd, mutig und immer noch aktuell ist der sachlich und fast spröde erzählte Roman

— krimielse
krimielse

Ein ungewöhnliches Buch aus einer anderen Zeit - mutig und offen!

— TochterAlice
TochterAlice

Ein wundervoller Roman mit unbekanntem Schreibstil, leidenschaftslos und fesselnd zugleich mit vielen interessanten Themen

— Wuestentraum
Wuestentraum

Der Autor hat in diesem Buch sehr eindringlich,sachlich und ehrlich viele Themen aufgegriffen,die noch immer zu hitzigen Diskussionen führen

— AgnesM
AgnesM

Ein sehr guter, sozialkritischer Roman in einer hochwertigen Ausgabe mit Lesebändchen.

— Bella5
Bella5

Eine bedrückende, gesellschaftskritische Geschichte - Prädikat wertvoll!

— Sikal
Sikal

New York zwischen Jazz und Rassismus. Arthur Rundt schaut genau hin und analysiert das Leben in der Großstadt präzise und schnörkellos.

— leselea
leselea

Ein ergreifendes Buch, das vollkommen nüchtern und sachlich die Grausamkeiten des Rassismus' darstellt und gerade dadurch berührend wird.

— Thoronris
Thoronris

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  • Leserunde zu "Marylin" von Arthur Rundt

    Marylin
    EditionAtelier

    EditionAtelier

    Eine verhängnisvolle Liebe im New York der 1920er Für diese Leserunde verlosen wir 15 Exemplare des Romans »Marylin« von Arthur Rundt! Zum Buch:Der Architekt Philip Garrett führt ein unbeschwertes Leben in Chicago. Bis er eines Tages im Hochbahnzug eine junge Frau entdeckt, in die er sich sofort unsterblich verliebt. Fortan hat er nur noch Augen für Marylin, auch wenn sie sich seinen Annäherungen zunächst noch zu entziehen versucht. Und auch als sie endlich verheiratet sind und sich ein gemütliches Leben in New York eingerichtet haben, spürt er stets, dass Marylin etwas vor ihm verbirgt. Mit der lange herbeigesehnten Geburt ihres gemeinsamen Kindes kommt die Wahrheit endlich ans Licht – das denkt Philipp zumindest ...Als »Marylin« 1928 als Fortsetzungsroman in der »Neuen Freien Presse« erschien, stand Arthur Rundt hoch im Kurs bei den Wienern. Zwei Jahre zuvor war sein Reisebuch »Amerika ist anders« erschienen, auch seinen Roman »Marylin« siedelte der Journalist und Theaterkritiker im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an, darin räumte er gründlich mit den Amerika-Vorstellungen der deutschsprachigen Leser auf, schilderte vielmehr »eher graue Seiten des American Dream« (Herausgeber Primus-Heinz Kucher) und einen im ganzen Land schwelenden (Alltags-)Rassismus, der von allen einfach hingenommen wird und bekanntlich auch heute nichts an Aktualität verloren hat, sondern angesichts der neueren Entwicklungen weiter eskalieren dürfte. Was Arthur Rundt mit »Marylin« gelungen ist, ist beispiellos: Es ist Gesellschaftsdrama, Großstadtroman, Liebesgeschichte, Rassismuskritik und Amerikabuch in einem. Hier geht's zur Leseprobe! Es gibt 15 Exemplare (5 Printexemplare & 10 E-Books) zu gewinnen*, einfach bis zum 25.5. für ein Buch (print oder E-Book) bewerben. Jeder, der das Buch schon kennt, ist natürlich auch herzlich eingeladen, bei der Leserunde mitzumachen. Wir freuen uns schon auf eure Bewerbungen und eine spannende Leserunde, euer Team der Edition Atelier * Die Gewinner sind gebeten, im Anschluss an die Leserunde ihre Rezensionen hier bei LovelyBooks und auch auf weiteren Foren (eigenen Blogs, bei amazon etc.) zu verfassen und uns diese gern zu mailen. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Vielen Dank!

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    • 221
  • Antiquiert und hochaktuell

    Marylin
    krimielse

    krimielse

    17. August 2017 um 16:49

    Der Roman „Marylin“ von Arthur Rundt, angesiedelt in den 1920er Jahren in den USA, erschien 1928 ursprünglich als Fortsetzungsroman in der Wiener Zeitung „Neue Freie Presse“. Das wiederentdecke Kleinod eines Gesellschaftsromanes wurde vom Wiener Verlagshaus Edition Atelier neu veröffentlicht und spiegelt zum einen angestaubte Verhältnisse wider, ist aber andererseits unglaublich aktuell. "Für seine Beziehung zu Marylin wäre es nicht ganz treffend, das Wort "Liebe" zu gebrauchen. Was in ihm vorging war frei von jedem Konflikt." In Chicago verliebt sich der Architekt Philip Garrett in ein Gesicht in der Menge, in Marylin, die er zunächst auf ihrem Heimweg von der Hochbahn, später bei ihrem Wohnungswechsel nach Cleveland und nach New York verfolgt wie ein Stalker. Marylin, die im Verkaufsbureau einer großen Seidenstrumpffabrik arbeitet, versucht sich Philip zu entziehen, sie scheint ein Geheimnis mit sich zu tragen. Philip ist unnachgiebig, er spürt zwar, dass Marylin ihm widersteht und vor ihm flüchtet, doch schließlich finden die beiden zusammen, fast so, als würde Marylin sich ihrem Schicksal ergeben. "War Philip für sie etwas wie Glück? Oder war nicht schon, dass sie ihm Macht über sich einräumte, Beginn unabwendbaren Unglücks?" Ein Versuch Marylins, nur als Paar zusammen zu leben und nicht zu heiraten, wird an Philips Entschlossenheit abgeschmettert und die beiden heiraten in New York. Melodramatisch geht die Geschichte weiter, als Marylin schwanger wird und ein schwarzes Kind bekommt in der Welt der Weißen von 1928, in der die Schwarzen im Alltagsrassismus völlig legitim als Tiere betrachtet wurden. "Sie sahen sich fast täglich, jeder wusste immer, was der andere tat, und doch wurde ihnen oft die unnatürliche Fremdheit klar, die zwischen ihnen herrschte." Das Buch ist ein fein und präzise gezeichnetes und Gesellschaftsbild der großstädtischen Mittelschicht der 1920er Jahre, geprägt von Sachlichkeit und ohne Schnörkel. Gemeinsames Glück des Paares in der ersten kleinen Wohnung beim Tanz zu Grammophonmusik, bei Boxkämpfen und in Jazzkonzerten gehören ebenso zum Leben wie Philips Entwurf erster Reihenhäuser für ein Architekturbüro und das unverheiratet zusammenlebende französisch-amerikanische Paar, mit dem die beiden befreundet sind. Überall trifft man auf Rassismus. Schwarze haben hauptsächlich Hilfsjobs als Fahrstuhlführer oder Portiers, außer sie sind berühmt und umjubelt wegen besonderer sportlicher oder künstlerischer Fähigkeiten. Sie sind nur die Neger, von denen man sich zwar bedienen lässt und über die man sich amüsiert, wenn sie auf einer Bühne stehen, aber weitere gesellschaftliche Kontakte sind ausgeschlossen, verpönt und durch Rassengesetze verhindert. Afroamerikaner gelten ans schmutzig, unzivilisiert und nicht wirklich gesellschaftsfähig. Die Latte der Verurteilung Schwarzer reicht von Ignoranz bis hin zu blankem Hass, der Marylin entgegenschlägt, als sie ein schwarzes Baby zur Welt bringt. Philip verlässt sie und zieht sich zurück, Marylin muss sich einer Anklage wegen Verstoßes gegen die geltenden Rassengesetze stellen und ist für ihr Umfeld eine Geächtete. Doch letztlich widersetzt sich Philip den vorherrschenden Anschauungen und Rassengesetzen für seine große Liebe. "Sie gehen einen schweren Weg, Mr. Garrett." "Aber ich gehe ihn." In Zeiten, in denen der Rassismus nicht nur in den USA wieder salonfähig gemacht wird, in denen sich Menschen abschotten gegen andersartige und mit allen Mitteln versuchen, ihre kleine augenscheinlich heile Welt zu erhalten und vor jeglicher Veränderung angstvoll zu schützen, hat dieses Buch mehr Aktualität als es auf den ersten Blick erscheint. Schon damals ein politischer Roman, was zum Beispiel im Aufruf zum Protest eines schwarzen Arztes auf dem Schiff in die Karibik zum Ausdruck kommt, prangert es immer noch den Widerspruch zwischen moderner Lebensart und dem überholten Rassendenken mit all seinen Fesseln effektvoll und nachdrücklich an. Städtisch modernes Leben im Widerspruch zu provinziellen Anschauungen abseits der Hauptstraße, Amerikanischer Traum und gleiche Chancen für alle gegenüber vorurteilsbehaftetem Denken und Abschottung nach außen, das ist die eigentliche Thematik des Buches, verpackt in eine melodramatische Familiengeschichte, die damals und heute in viele Länder transportiert werden könnte. Der in meinen Augen große Verdienst von Arthur Rundt besteht darin, dass er schon in der damaligen Zeit, als sich auch in Europa der Rassismus ausbreitete, nicht wegsah sondern den Daumen auf die Wunde legte, einen politisch ambitionierten Roman schrieb, dessen Geschichte zwar bedrückend und traurig ist, der aber für mich dennoch durch Philips Wandel hoffnungsvoll und mutig daherkommt, um gegen verknöcherte und überholte Verhaltensweisen ankämpfen zu können. Ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, empfehle es uneingeschränkt sowohl als spannendes Melodrama als auch als aufrüttelnde Lektüre gegen Rassismus, Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit. Der aus Oberschlesien stammende Schauspieler, Theaterdirektor, Journalist und Autor Arthur Rundt wusste damals, wovon er schreibt. Er bereiste seit 1924 die USA mehrmals und mit großer Sicherheit spürte er die Rassenprobleme, die damals zum Alltag gehörten. Sein großer Verdienst besteht darin, dass er den gesellschaftsfähigen Alltagsrassismus unbeschönt, ohne erhobenen Zeigefinger und durch die Prosaform leicht zugänglich zu Papier gebracht hat. Der Stil erinnert stellenweise an Reportagen, beschreibend und detailgenau, an anderen Stellen schreibt Rundt auslassend und emotional. Diese Kombination erweist sich beim Lesen als meisterhaft.

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  • Familiengeheimnis

    Marylin
    Bri

    Bri

    14. August 2017 um 21:46

    Ein junger Mann verfällt auf dem Arbeitsweg einer jungen Frau. Ihre Arme sind es, die ihn, aus dem kurzärmeligen Kleid ragend, faszinieren. Was genau an diesen Armen so anziehend ist, erfährt der Leser von Arthur Rundts Ausnahmeroman Marilyn, der bei seinem ersten Erscheinen 1928 als Fortsetzungsroman in der Neuen Freien Presse abgedruckt wurde, nur vermuten. Es scheint etwas mit den Proportionen, der Feingliedrigkeit zu tun zu haben. Bald wird klar, Philip ist hartnäckig und wird Marylin nicht einfach so gehen lassen. Zunächst verfolgt er sie regelrecht auf ihrem Arbeitsweg, fährt ihr in der Bahn nach, richtet es ein, ihr wie zufällig über den Weg zu laufen und spricht sie letztendlich an. Dabei entsteht bei mir als Leserin ein beklemmendes Gefühl. Stalking nennt man das heute, was ich da las, so dachte ich. Dennoch, hinter dieser Obsession schien mehr zu stecken. Also folgte ich Marylin gespannt ebenfalls auf Schritt und Tritt. Auch bei ihren Versuchen zu entkommen. Sie floh regelrecht vor Philip, ohne ihn wirklich zu kennen, ohne dass er sie tatsächlich bedrohte. Was genau ihr solche Angst machte, dass sie sogar ihren festen Job kündigte und in eine andere Stadt zog, das erschloss sich mir (zunächst) nicht.Doch Philip blieb weiterhin hartnäckig, machte ihren neuen Aufenthaltsort aus und reiste ihr nach. Gab seine eigene sichere und lukrative Stelle auf, weil er wußte, dass er Marylin heiraten wollte. Wer einmal eine solche "Belagerung", einhergehend mit höflicher Zurückhaltung erlebt hat, der weiß, dass sich solcher Aufmerksamkeit meist nur schwerlich entziehen kann. Und so ergeht es auch Marilyn. Dennoch will sie zunächst nicht heiraten. Eine moderne Frau, die weiß was sie will, dafür einsteht und eine gute Portion Vertrauen in ihr Können hat. Zwischenzeitlich jedoch flackert noch einmal ein Fluchtgedanke auf, doch dieses Mal sind es die äußeren Umstände, die Marylin zurückhalten. Und wohl auch die Zuneigung, die sie Philip gegenüber tatsächlich entwickelt hat. Philips Ausdauer wird nun belohnt und das Paar erscheint nun tatsächlich glücklich."Am zweiten Maisonntag, um die Mittagsstunde herum, saßen auf einer Bank des Central Parkes in der Gegend des großen Hügels zwei junge Leute. Es war ein unwahrscheinlich warmer Frühlingstag, die Sonne schien fast sommerlich auf die große Stadt herab. Der junge Mann hatte die Beine lässig von sich gestreckt, den Kopf nach rückwärts gelehnt, und blickte in den wolkenlosen, sattblauen New Yorker Himmel, der an solchen Tagen daran erinnert, daß die Mündung des Hudson und der Golf von Neapel beinahe auf dem gleichen Breitengrade liegen. Das Mädchen, ihrem Nachbar halb zugewandt, hielt die Hände im Schoß und sah ihn von der Seite her an, prüfend und verträumt, scheu aber dennoch in lächelnder Bewunderung."Doch irgendetwas bleibt für Philip fremd an Marylin. Und auch sie macht immer wieder vorsichtige Andeutungen, dass sie wohl ein Paar bleiben würden, keine Familie. Ganz klar hatte Marylin ein Geheimnis, doch welches? Hing es mit ihrer Familie zusammen? Bereits in jungen Jahren war sie zur Vollwaise geworden. Zunächst verlor sie ihre Mutter - nicht einmal ein Bild hatte sie von ihr - und dann später, den Vater, dessen Foto sie stets in Ehren hielt.Währende Philip beruflich weiterkommt und auch Freundschaften unterhält, die seinem Arbeitgeber nicht ganz Recht sind - handelt es sich zwar um Personen des öffentlichen Lebens, aber eben der falschen Hautfarbe - versucht Marylin gesellschaftliche Ereignisse zu meiden. Gerade wenn sie in Zusammenhang mit dem berühmten Boxer Patterson oder dessen Freund und aufstrebendem Sänger Harley zu tun haben. Doch nach und nach wird gerade die Freundschaft zu Harley enger und damit auch alltäglicher. Zumindest im Hause Philip und Marylin Garrett.Arthur Rundt hat mit seinem kurzen aber äußerst eindrücklichen Roman Marylin keine Geschichte über ein Paar geschrieben - obwohl man das bis hierhin vermuten könnte. Vielmehr hat er in diesen Roman eigenhändig erworbenes, profundes Wissen über die amerikanische Gesellschaft der 1920er beziehrungsweise 1930er Jahre gepackt und dieses in den Bezugsrahmen einer zwischenmenschlichen Beziehung gesetzt. Denn was leider auch heute noch hochaktuell ist, war damals nicht minder wichtig: die Herkunft eines Menschen.Wie in vielen Werken der damaligen Zeit arbeitet auch Arthur Randt fast journalistisch, trägt unterschiedliche Steinchen zu einer Gesamtkomposition zusammen, lässt die Metropole - Marylin und Philip leben als Paar in New York - nicht außen vor und ist damit ein würdiger Vertreter der Literatur des Jazz Age und der sogenannten Neuen Sachlichkeit. Denn sachlich ist sie, die Sprache, derer er sich bedient. Und dennoch schafft er damit Atmosphäre. Während die Figur des Philip zunächst etwas beängstigend, später jedoch ausdauernd, fürsorglich und sympathisch erscheint, gewinnt Marylin erst an Kontur, als ihr Geheimnis vermeintlich gelüftet ist. Sie bringt - nach langer Zeit des Wartens - ein Kind zur Welt, auf das sie sich freuen zu scheint, aber gleichzeitig ängstlich erwartet. Das ist nicht unbedingt untypisch für eine junge Frau, die ihr erstes Baby erwartet. Für eine so selbst bestimmte Frau, die Marylin im Grunde aber ist, jedoch nicht erwartet. Und so wiegt das Geheimnis, das sie niemandem gegenüber gelüftet hat, weil sie glaubte, vielleicht darum herum kommen zu können, schlussendlich schwer. Philip denkt an Betrug, da er die wahre Herkunft seiner über alles geliebten Frau nicht kennt. Tatsächlich ist es aber die Genetik, die hier die Finger im Spiel hat und Marylins Wurzeln auch äußerlich nicht mehr verleugnen lässt.Ist Philip ein Rassist? Klar ist, er fühlt sich betrogen und das auch noch doppelt und könnte mit dem vermeintlichen Betrug vielleicht leben, wäre dieser nicht so offensichtlich. Tatsächlich besitzt er nicht die Ressentiments, die sein Chef gegenüber anderen Hautfarben pflegt. Außerdem hat er - wie so viele andere seiner "weißen" Freunde nicht erkannt, dass Marylins Herkunft eine andere ist. Im Gegensatz zu Patterson und Harley. Äußerlichkeiten sind es, die damals und heute großen Einfluß auf die Bewertung von Menschen nehmen. Traurig, aber großartig von Arthur Rundt aufgezeigt und für uns Leser eine glückliche Wiederentdeckung, die in jedes ernst gemeinte heimische Bücherregal gehört. Dem österreichischen Verlag edition atelier ist diese wunderschön gestaltete und deshalb nun auch mit einem Coverpreis der Jungen Kritiker ausgezeichnete Ausgabe zu verdanken. Außerdem ist das Buch mit einem klugen und interessanten Nachwort versehen, das weiterführende Literatur quasi aufdrängt. Ein wahres Kleinod der Literatur und ein Trigger für mich, mich vermehrt mit der Literatur Arthur Rundts, seiner Kollegen und deren Zeit zu befassen."Ja, Mr. Garrett, Sie dürfen einen Farbigen als Diener in Ihrem  Büro haben oder als Chauffeur, eine Farbige zur Hausarbeit oder als Köchin. Wenn sie in einer dienenden Stellung sind und, was man von ihnen verlangt, ordentlich verrichten, dann gibt’s keinen Konflikt, dann ist’s sogar möglich, daß der Weiße die Treue des Farbigen erwidert. Ihr bekämpft den Schwarzen, wenn er noch nicht so weit ist, einen Dienst ordentlich zu verrichten, wenn er noch auf der niedrigsten Stufe steht, roh ist und zu allem fähig. Und ihr bekämpft ihn auch, wenn er sich Bildung aneignet und zu euch aufsteigt, ein selbstständiger Kaufmann sein will oder ein Arzt oder ein Advokat. Nur wenn er euch als nützliches Haustier dient, dann seid ihr mit ihm zufrieden."

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    • 3
  • Schwarz und weiß

    Marylin
    Joachim_Tiele

    Joachim_Tiele

    03. August 2017 um 14:25

    Im Herbst 1928 erschienen nahezu zeitgleich Erich Remarques Im Westen nichts Neues und Arthur Rundts Marylin als Fortsetzungsromane in deutschsprachigen Zeitungen. Der eine wurde dauerhaft weltberühmt (Bob Dylan hat sich in seiner kürzlich veröffentlichten Nobelpreisrede auf Im Westen nichts Neues als einen seiner wichtigsten literarischen Einflüsse bezogen), der andere ging unter. Marylin schaffte es nicht zu einer Buchveröffentlichung, und ihr Verfasser starb verarmt und vergessen 1939 in New York. So wäre es geblieben, wenn der Roman nicht im Rahmen des Projekts Österreichische Kultur und Literatur der 20er Jahre an der Universität Klagenfurt gewissermaßen wiederentdeckt worden wäre. Projektleiter Primus-Heinz Kucher bereitete eine Bucherscheinung vor und nun ist das schmale Bändchen (mit Nachwort, Anmerkungen und Anhang als Ebook gerade mal 138 Seiten im Standardformat der Adobe Digital Edition) in der Wiener Edition Atelier erschienen. Selbst dem Ebook merkt man eine gewisse bibliophile Klasse an und die Druckversion, da sind sich alle einig, die sie in den Händen hatten, ist superb.Ein Schätzchen wurde also geborgen, ein Diamant im Heuhaufen, der, unter nur ein ganz klein wenig anderen äußeren Bedingungen ein Welterfolg hätte werden können. Der Roman erschien später ein weiteres Mal in einer Zeitung, aber nie als Buch. Wie kann man es heute, mit nahezu neunzig Jahren Abstand, angemessen lesen? Als Fortsetzungsroman in einer Zeitung war es seinerzeit zunächst Gebrauchsliteratur, wurde der Text wohl eher journalistisch redigiert als literarisch lektoriert. Das macht die Lektüre aus heutiger Perspektive einerseits angenehm, denn man kann sich tatsächlich vorstellen, wie es einem Leser gegangen sein mag, der Ende der zwanziger Jahre den Roman abschnittsweise in seiner heimischen Wiener Zeitung gelesen hat (im Text sind die von den Kapiteln abweichenden ursprünglichen Textabschnitte gekennzeichnet). Von einem ausgewiesenen Amerika-Kenner (als der Rundt galt) in die Wirklichkeit der damaligen Zeit geführt zu werden, jenseits der Klischees der goldenen Zwanziger, die das damalige großstädtische Amerika für viele Europäer als ein unerreichbares Land, in dem auch für kleine Leute Milch und Honig fließen, haben erscheinen lassen. Andererseits liest man ein Buch aus der und über diese Zeit heute doch anders, wenn man weiß, wie sich die Moderne aus ihren Anfängen heraus weiterentwickelt hat. Dann kann man bei der Lektüre gelegentlich stolpern, sprachlich wie inhaltlich, und wünscht sich ein Nachwort, das die editorische Bearbeitung etwas deutlicher dargestellt hätte (beziehungsweise auch unterbliebene Textbearbeitungen erläutert). Manche Ausdrücke wirken nicht mehr zeitgemäß und hätten erklärt werden können, und an einigen Stellen folgt Rundt in seinem deutschen Text den Regeln der englischen Grammatik, was den Roman passagenweise wie nicht allzu gut aus dem Englischen übersetzt erscheinen lässt. Dritterseits findet genau dieses, neben Anglizismen auch grammatikalische Angleichungen an das Englische, aktuell wieder verstärkt statt. Neben seinen Handlungsinhalten weist der Roman damit eine interessante Tiefenstruktur auf, auf die der Herausgeber in seinem – auch für manch akademisch Gebildeten in einschüchterndem Seminaresisch verfassten – Nachwort nicht eingeht. Aber das ist, aus der Sicht dieses Rezensenten, der einzige nennenswerte Kritikpunkt an dieser Edition. Jetzt endlich zum Inhalt: Es ist die Geschichte von Philip und Marylin, beide am Anfang beruflicher Karrieren und beide aus dem Heer der gut ausgebildeten Büroangestellten, denen der amerikanische Traum noch etwas zu versprechen scheint: sozialen Aufstieg, ein höheres Gehalt, eine größere Wohnung (vielleicht einmal ein eigenes Haus), aber beide gleichermaßen gefangen in den eher unmodernen Verhaltensmustern ihrer Herkunftsmilieus. Marylin ist zwar schon selbständig, aber noch nicht emanzipiert. Philip denkt schon aufgeklärt und progressiv, bleibt aber in Atavismen wie dem des Ernährers der Familie und im seinerzeitigen vormodernen Werbungsverhalten stecken, demzufolge eine Frau durch Beharrlichkeit erobert werden muss (auch wenn sie dem Mann nur beim ersten Anblick gefallen hat und er sie gar nicht kennt und sie zunächst gar nichts von ihm wissen will). Doch Marylin ist nicht aus oberflächlicher gesellschaftlicher Konvention abweisend gegenüber Philip, sondern sie hat einen Grund, über den sie mit ihm aber nicht spricht. Sie bietet ihm sogar an, eine unverheiratete Liebesbeziehung mit ihm zu führen, will aber auf eine Familie mit gemeinsamen Kindern um jeden Preis verzichten. Denn, obwohl sie äußerlich wie eine Weiße wirkt, hatte sie eine schwarze Mutter und weiß um die Unwägbarkeiten der Genetik. Marylin und Philip werden ein Paar, leben im gleichen Haus in getrennten Wohnungen, haben ein unverheiratetes amerikanisch-französisches Paar als engste Freunde (das lange in Europa gelebt hat und etwas weniger sittenstreng ist als seinerzeit in Amerika üblich). Privat haben sie Umgang mit Schwarzen (auch wenn Philip weiß, dass er seinem Chef wohl besser nichts davon erzählt, um keinen beruflichen Nachteil zu haben). Als das Freundespaar ein Kind erwartet und heiratet, heiraten auch Marylin und Philip und Marylin wird kurz darauf ebenfalls schwanger. Die Geschichte geht nicht gut aus, nicht nur, aber auch, weil Marylin Philip selbst im nun entscheidenden Moment ihre Herkunft nicht offenbart. Der Verdacht eines Seitensprungs, eine hässliche Scheidung, die Flucht Marylins auf eine Karibikinsel zu ihren Verwandten mütterlicherseits… Es geht um die Unentrinnbarkeit gesellschaftlicher Konventionen und das unschuldig schuldig werden, und es geht um Rassismus, den offenen der Rassisten, aber auch den subtileren toleranter und Schwarzen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossener Weißer. Es ist ein interessantes Gedankenexperiment, wie der Roman in Amerika aufgenommen worden wäre, hätte er schon damals Buchformat erreicht und einen amerikanischen Verleger für eine Übersetzung gefunden. Bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung 1933 (und lange bevor der Holocaust dort bekannt wurde) gab es in den USA eine breite publizistische Debatte, die sich nicht nur mit dem antijüdischen Rassismus in Deutschland und Österreich, sondern auch mit dem Rassismus gegenüber Schwarzen in den USA beschäftigt hatte. Die Parallelen waren nicht zu übersehen, aber die Positionen waren äußerst kontrovers. Es wäre interessant gewesen, wie das damalige Amerika auf dieses Buch eines in die USA emigrierten Juden über den Rassismus gegenüber Schwarzen reagiert hätte. Da das Thema in den heutigen USA immer noch nicht durch ist, wäre der Edition Atelier zu wünschen, einen geeigneten Partnerverlag für eine US-Ausgabe zu finden.03.08.2017 – Joachim Tiele

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    • 6
  • Von Leoparden und Antilopen...

    Marylin
    Aspasia

    Aspasia

    28. July 2017 um 17:06

    Wer schon einmal in einer Tierdokumentation einen Leoparden beim Jagen in der Kalahari beobachtet hat, kann nicht anders als beeindruckt sein von seinem eleganten, geduldigen, uns „planvollen“ erscheinendem Jagdverhalten, der Hetzjagd.Wie er sich von ihr unbemerkt an eine zarte, feingliedrige Antilope heranpirscht, die ersten Meter im Trab, dann aber, um so näher er seiner potentiellen Beute kommt, sich weg duckt, sich unsichtbar macht, mit seiner Umgebung verschmilzt. Wie er geschickt versucht, so nah wie möglich an sein wehrloses Opfer heran zu kommen, weil nur das gewährleistet, dass es angststarr nicht mehr rechtzeitig vor ihm fliehen kann. Von ihm gestellt, rast ihr Herz, pumpt das Blut schneller durch die Venen. Von ihm überwältigt ist sie endlich seins.In dem von Arthur Rundt 1928 erstmals in der Wiener Wochenzeitschrift „Neue freie Presse“ als Fortsetzungsgeschichte publiziertem Roman „Marylin“ benutzt Philip, ein junger, aufstrebender, angestellter Architekt mit 40 Dollar Lohn täglich die Hochbahn, um zu seinem Arbeitsplatz im Centrum von Chicago zu kommen. Er und Tausende mit ihm. In dieser Menschenmasse, die morgens wie abends, eingepfercht, dicht an dicht, zwischen Büro und Bettstatt pendelt, bleibt sein Blickt eines Tages an einer jungen Frau hängen. Sie ist vom Aussehen eigentlich recht unscheinbar, könnte leicht in der Menge verschwinden, wären da nicht „diese zarten Kinderarme, die aus den behutsam wiegenden Schultern hin- und herpendelten“, die Philips Interesse wecken.Diese zarten, proportional zum Körper langen Arme wirken wie ein Trigger, er kann seinen Blick nicht abwenden, bekommt das Bild nicht aus dem Kopf. Er sucht jetzt täglich im Heer der Massen nach ihr. Als er sie irgendwann entdeckt, will er sie, von der er weiß, das sie die Eine ist, nicht mehr verlieren und nimmt die Fährte auf. Er verharrt im Zug, als dieser seine Haltestelle anfährt, folgt ihr unauffällig als sie an ihrer aussteigt und durch die Straßen ihres Stadtteils schlendert, schlüpft kurz hinter ihr in das Café, in dem sie regelmäßig einen Milkshake trinkt, beobachtet sie heimlich, nur ein paar Tische von ihr entfernt, hält nur wenige Meter Abstand auf ihrem Weg zu dem kleinen Hotel, in dem sie ein Zimmer gemietet hat. Von nun an wiederholt er dies Tag für Tag. In seinen Träumen sind sie schon ein Paar, bevor er sie irgendwann wortlos im Abteil grüßt, bevor er ihr auf der Straße einen guten Tag wünscht, bevor sie übers Wetter sprechen, bevor er ihr seine Begleitung anbietet, bevor sie Angst bekommt.Marylin arbeitet in einem Verkaufsbüreau einer Seidenstrumpffabrik, sie ist fleißig, eine geschätzte Mitarbeiterin, verdient 25 Dollar. Aber sie muss fliehen, sie nimmt ihre Ersparnisse, ihren Koffer, ihre persönlichen Papiere. Sie flieht. Sie flieht nach Cleveland, Philip folgt ihr, flieht nach New York, Philip heftet sich an ihre Fersen. Sie ist seine Obsession. Sie ist die Frau, die er einmal heiraten will, die zukünftige Mutter seiner Kinder. Er kennt sie nicht, aber er will sie.Marylin ist müde, zu müde weiter vor ihm zu fliehen, vielleicht zu müde sich ihm und seiner Bitte weiter entgegenzustellen, zu kämpfen. Vielleicht ist sie es auch leid alleine zu sein in der ihr fremden Welt, vielleicht will sie auch glauben, dass alles gut wird.Die nächsten Monate entsprechen die beiden am ehesten dem Klischee eines frisch verheirateten Paares, doch die meiste Zeit wirkt Marylin wie ein angstvolles Tier in der Falle, unruhig, nervös, aufs höchste angespannt, als wüsste, dass das kein gutes Ende nimmt. Doch noch ist es nicht so weit. Gemeinsamen mit Freunden genießen sie das Großstadtleben der weißen Mittelschichtler. Sie gehen aus in die angesagten Jazzkneipen, Swing Clubs und zu den populären Boxfights der Schwarzen. Sie machen sogar die Bekanntschaft eines bekannten, schwarzen Kämpfers, den sein weißer Kontrahent ob seiner langen Arme als „Affe“ bezeichnet, den sie aber trotzdem, fast stolz auf ihre unkonventionelle Tat, zu sich einladen. Denn es gilt, wenn Schwarze nicht über besondere Talente zum Amusement verfügen, sind sie lediglich geduldet, auf Zeit und nach den Bedingungen der Weißen. Sonst taugen sie nur zum eigentlich unsichtbaren, devot freundlichem Portier oder Fahrstuhlführer. Die amerikanischen Gesetze und der common sense regeln, dass alle besser in ihrer eigenen, angestammten Welt bleiben sollen, damit nichts zusammen kommt, was nicht zusammen gehört.Marylin wird schwanger, Philip freut sich. Alle freuen sich für sie beide, nur Marylin ist starr vor Schreck und zählt die Tage bis endlich alles vorbei ist. Philip ist auf Geschäftsreise als Marylin ihre Tochter entbindet. Als Phillip sie das erste Mal sieht, mag er seinen Augen nicht trauen. Das Kind ist schwarz. Das ist nicht sein Kind und Marylin nicht mehr seine Frau. Sie ist eine Ehebrecherin, hat sich der sprichwörtlichen Virilität eines Schwarzen hin gegeben. Marylin wirkt trotz der falschen Anschuldigungen unendlich erleichtert, wehrt sich nicht, stellt nichts klar.Philip hinterfragt nichts, ist außer sich, ob des Betrugs. Es kommt zur Scheidung. Marylin flieht erneut, diesmal mit ihrer Tochter, zu Verwandten ihrer Mutter, in die Karibik. Diesmal folgt er ihr nicht, die Wut über den Verrat hält ihn. Erst als er die Wahrheit, als er von Marylins schwarzer Mutter erfährt, nicht mehr seine „weiße Frau“ ihn mit einem Schwarzen betrogen hat, sondern er nur Sex mit einer Schwarzen hatte, nimmt er den Faden wieder auf und kommt zu spät.Aus Arthur Rundt, ein heute vergessener Autor, damals ein bekannter Theatermann, Journalist und Reiseautor „Amerika ist anders“ spricht eine Begeisterung für das moderne Amerika der technischen Errungenschaften, für seine Wolkenkratzer und Kühlschränke, ist dabei aber auch nicht blind für Teilung der Gesellschaft in schwarz und weiß, für die juristisch festgelegte Segregation der Bevölkerung.Sein Roman wird der stilistisch schnörkellosen Neuen Sachlichkeit zugerechnet. Der Erzähler schildert das Geschehen in großen Teilen eher journalistisch, als teilnehmender Beobachter von außen. Die Helden, Philip und Marylin, können nur an ihren Taten gemessen werden, ihre Beweggründe bleiben unbekannt. Das mag einige Leser irritieren, da wir es seit „Freud für alle“ gewohnt sind, dass jeder seine Befindlichkeiten wie ein Banner weit sichtbar vor sich her schwingt.Für mich gilt trotzdem, so wie ich beim Ansehen der Filmdokumentation die Angst der Antilope spüre, so hat sich beim Lesens des Romans von Seite zu Seite Marylins Angst, das Gefühl ausgeliefert zu sein, auf mich übertragen.

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1710
  • Ein tolles Buch

    Marylin
    anushka

    anushka

    12. July 2017 um 23:10

    New York, 1920er Jahre: Marylin ist alleinstehend und unabhängig. Sie fährt jeden Tag mit der Hochbahn zur Arbeit. Doch eines Tages fällt sie Philip auf, der ihr von da an folgt und sie mit seinen Avancen bedrängt. Daraufhin kündigt Marylin und verschwindet. Doch auch in der neuen Stadt macht Philip sie ausfindig und bedrängt sie so lange, bis sie nachgibt. Obwohl sie Philip nicht an sich heranlassen will, beginnen sie ein sorgenfreies, gemeinsames Leben und genießen die Zeiten in New York. Doch dann ist Marylin schwanger und alles ändert sich."Marylin" wurde bereits 1928 geschrieben und ist damals als Fortsetzungsgeschichte erschienen. Es ist eine zeitgenössische Geschichte und transportiert das Lebensgefühl der damaligen Zeit unfassbar gut. Aber nicht nur das. Es verbildlicht auch das Bild der Frau, die als Ehefrau und Mutter am besten zu Hause bleiben sollte. Und auch der schwelende Rassismus wird immer wieder greifbar. Marylin und Philip sind zwar mit einem farbigen Boxer und einem farbigen Sänger befreundet, aber Philip würde das beispielsweise seinem Boss gegenüber niemals erwähnen. Und dann betrifft es Philip plötzlich stärker als er sich je hätte vorstellen können.Ich fand die Schilderungen zuerst etwas distanziert und wusste nichts so recht anzufangen mit Philips Verhalten, die Art, wie er Marylin hartnäckig nachgestellt hat. Doch gleichzeitig wird darin deutlich, wie viel bzw. wenig die Frau eigentlich immer noch mitzureden hatte. Marylin ist keine Sufragette, aber sie hat Freiheiten kennengelernt und möchte sich nicht unbedingt einengen lassen. Demgegenüber steht Philips Kumpel, der mit einer Französin in "wilder Ehe" lebt, was zum Zeitpunkt dieses Buches noch eine Provokation, wenn nicht sogar ein Skandal, war. Doch mit Marylins Schwangerschaft kommt die Dramatik ins Rollen und führt zu einem absolut unerwarteten Ende. Der Entstehungszeit geschuldet, braucht das Buch an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Interpretation, da nicht alles immer für den (heutigen) Leser ausbuchstabiert ist. Rundt ist selbst durch die USA gereist und hat mit dem Roman eine gute Beobachtungsgabe bewiesen, die er auch gut vermitteln kann. Wenn man den Roman in den zeitlichen Kontext setzt, nimmt er auch noch einmal an Brisanz zu. Durch das Nachwort erfährt man auch noch einiges über die Rezeption des Romans und das Schicksal des Autors.Dieses Buch ist eine absolut lohnende (Wieder-)Entdeckung und ein Lesegenuss, auch wenn der Erzählstil eher sachlich und distanziert ist. Zeitgenössische Bücher von vor 90 Jahren müssen keinesfalls spröde sein, wie dieses Buch zeigt. Und gleichzeitig birgt es Sozialkritik, die eigentlich nichts an Aktualität verloren hat.

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  • Eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit, die aktueller nicht sein könnte.

    Marylin
    Anne-Sophie_Fuchs

    Anne-Sophie_Fuchs

    29. June 2017 um 22:20

    Von Anfang bis Ende war ich auf Marylins "Seite", ohne sie überhaupt zu kennen. Allein der Gedanke, von einem Mann derart bedrängt zu werden, ist für mich ganz schrecklich. Generell spürte ich beim Lesen immer wieder den Konflikt zwischen "Oh, wie schön ist doch die Sprache" und "Ist das deren Ernst?!" Eine ganz andere Zeit. Und umso heftiger traf mich die Überraschung und der "Plot Twist" mit dem schwarzen Kind und Marylins Herkunft. Gern hätte ich Phil wachgerüttelt und seinen Anwalt und die rassistischen Freunde aus dem Fenster geworfen. Das Ende, Marylins und Phils Schicksal, ist traurig. Und doch kehrte sich eins um - die Sympathie zu Phil, die letztlich doch ansatzweise aufwachte. Zumindest er hat daraus gelernt. Fazit: Eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit, die aktueller nicht sein könnte.

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  • Eine Leidenschaft

    Marylin
    TochterAlice

    TochterAlice

    19. June 2017 um 12:43

    Philipp liebt Marylin - vielmehr ist er von ihr fasziniert, denn er kennt sie eigentlich nicht - er beobachtet sie nur täglich im Zug auf dem Weg zur Arbeit und geht weiter, in dem er ihr folgt, sie beobachtet. Es wird für ihn zur Leidenschaft, stalken würde man das heutzutage nennen, doch Arthur Rundt, geboren 1881 in Kattowitz, lange Zeit als Journalist in Wien tätig, schrieb diesen Roman bereits 1928. Irgendwann ist es so weit und Philipp wagt eine Ansprache - Marylin ist immer noch nicht überzeugt, doch er folgt ihr bei ihren Umzügen quer durch die Staaten und irgendwann hat er sie weichgeklopft. Sie heiraten und Marylin ist schwanger - Philipp überglücklich. Und dann, das Kind ist da: eine abrupter Abbruch der Beziehung? Kurz und lakonisch, dabei überaus eindringlich schildert Arthur Rundt die Begebenheiten, Entwicklungen und Einflüsse, denen sich die Protagonisten stellen müssen - gewissermaßen war die Situation unausweichlich. Oder doch nicht? Ein wahrhaft ungewöhnliches Buch aus einer anderen Zeit - mutig und offen! Wie sehr sowohl Gender- als auch Rassenprobleme aber in die Gegenwart reichen, nehme ich mehr und mehr mit Schrecken wahr. Umso eindringlicher ertönen da die klaren Worte, die Arthur Rundt in seinem bereits 1928 geschriebenen kurzen Roman zu diesem Thema fand. Ein - zumindest, was dieses Buch betrifft - sehr frauenfreundlicher Schriftsteller, auch in den 1970er Jahren hätten Alice Schwarzer und die ihren ihn sicher für seine Chuzpe bewundert - ich tue es heute noch. Es war nicht leicht für mich, das Buch zu lesen, doch umso länger wird es in mir nachhallen! Ein Roman für Leser, die den Mut haben, Zeitzeugen zu Worte kommen zu lassen - und ihnen wirklich zuzuhören!

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  • Marylin

    Marylin
    Wuestentraum

    Wuestentraum

    17. June 2017 um 17:18

    Philip, ein junger Mann mit gutem Job als Architekt, verliebt sich eines Tages auf dem Hin- und Nachhauseweg von der Arbeit in eine junge Frau, Marylin, die immer die gleiche Hochbahn wie er nimmt. Eines Tages folgt er ihr nach Hause, beobachtet sie, geht in den gleichen Laden wie sie und kommt mit ihr ins Gespräch. Marylin ist sehr zurückhaltend. Philipp macht ihr Avancen, doch Marylin flieht vor ihm. Von einer Stadt in die andere. Doch Philip folgt ihr, sogar bis nach New York. Die beiden werden ein Paar und beziehen nach einiger Zeit eine gemeinsame Wohnung. Philip möchte Marylin heiraten, doch sie möchte einfach nur mit ihm zusammensein. Doch Philip lässt nicht locker und so kommt auch der Tag ihrer Heirat. Philip wünscht sich viele Kinder, doch auch hier geht Marylin nicht darauf ein, sondern sagt nur, vielleicht werden wir irgendwann Kinder haben. Eines Tages kommt bei Marylin die Übelkeit und Philip weiß sofort, es hat doch noch geklappt mit einem Kind. Er hat gar nicht mehr an dieses Wunder geglaubt. Das Kind kommt zur Welt und der Schock seines Lebens trifft Philip mit voller Härte: Das Kind ist schwarz. Er verlässt Marylin sofort und flüchtet vor ihr und der Frage, mit wem sie ihn betrogen hat. Er und seine Freunde haben sofort einen Verdacht und halten damit auch nicht hinter dem Berg. Arthur Rundt hat mit seinem außergewöhnlichen Schreibstil sowie der leidenschaftslosen Art der Erzählung mich mit diesem Roman sofort in seinen Bann gezogen. Die unterschiedlichen Themen, wie Rassismus und einem Amerika im Aufbruch der 20er Jahre waren überaus interessant und fesselnd erzählt und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Fesselnder und berührender Roman, den man einfach gelesen haben muss.  

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  • Buchverlosung zu "Die Strandräuberin" von Ines Thorn

    Die Strandräuberin
    aufbauverlag

    aufbauverlag

    Von Liebe und Meer Sylt im Jahr 1711: Jördis lebt mit ihrer Großmutter auf Sylt, doch sie bleibt eine Außenseiterin, die sich als Strandräuberin durchschlagen muss. Ihre Vorfahren stammen aus Island, deshalb hängt sie noch dem alten nordischen Glauben an. Ihre einzige Gefährtin ist ausgerechnet die Tochter des Pfarrers, der Jördis für eine Hexe hält. Doch dann verlieben ihre Freundin Inge und sie sich in denselben Mann – und das Unglück nimmt seinen Lauf. Es ist die Zeit der Walfänger und Strandräuber. Das Leben ist hart auf Sylt – besonders für Frauen, die sich alleine durchschlagen müssen. Seit dem Tod ihrer Eltern ist für Jördis die Kate ihrer Großmutter Etta in Rantum ihr karges Zuhause. Die beiden leben von Strandräuberei und davon, dass sie Syltern heimlich die Zukunft weissagen – mit ihrem Runenorakel, denn sie hängen dem alten nordischen Glauben an. Misstrauisch vom Pfarrer des Ortes beäugt, geht Jördis ausgerechnet mit dessen Tochter Inge eine Freundschaft ein. Als sie gesteht, dass sie in Arjen, den jungen Schmied, verliebt ist, zerbricht die Freundschaft, denn auch Inge hofft, dass Arjen ihr die Ehe anträgt. Doch der Schmied gesteht Jördis seine Liebe. Sie beschließen, vor dem nächsten Biikebrennen zu heiraten. Aber alles kommt anders, als in der Kirche ein Kreuz von der Decke fällt und ein heftiger Sturm die Insel heimsucht. Der Pfarrer findet sofort die Schuldigen: Jördis und ihre Großmutter sollen Hexen sein. Dramatisch und schicksalhaft: der Kampf einer jungen Frau um ihr Glück.Zur Leseprobe Über Ines Thorn Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Im Verlag Rütten & Loening sind außerdem „Ein Stern über Sylt“ und „Die Strandräuberin“ erschienen.Jetzt bewerben!Bewerbt euch bitte mit Klick auf den "Bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen?Viele Grüßeeuer Team vom Aufbau Verlag* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Buchverlosung schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.** Bitte beachtet, dass es sich hier um eine Buchverlosung handelt und nicht um eine Leserunde. Ihr könnt natürlich trotzdem gerne hier über das Buch diskutieren, aber eine Moderation wird es nicht geben

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  • Marylin

    Marylin
    AgnesM

    AgnesM

    17. June 2017 um 12:37

    Jeden Tag verfolgt Philip seine Angebetete auf dem Weg zur Arbeit und auf ihrem Weg wieder nach Hause. Er schleicht ihr hinterher, bewundert sie und weiß ganz genau, dass er diese Frau heiraten wird. Marylin hingegen ahnt nichts von ihrem Verfolger und seinen Absichten. Philips Verfolgung und seine Gedanken bezüglich Marylin sind liebevoll, doch würde man ihn, ohne sein Vorhaben zu kennen, eher als Stalker bezeichnen. Es kommt der Zeitpunkt, an dem er sich traut sie anzusprechen und ihr seine Gefühle und Pläne zu offenbaren, doch Marylins Reaktion ist nicht die, die er sich erhofft hat. Sie fühlt sich überrumpelt und ist verwirrt. Dies führt dazu, dass sie die Stadt verlässt und regelrecht die Flucht ergreift. Doch Philip ist stur und furchtlos. Er lässt ebenfalls alles stehen und liegen und reist seiner Marylin hinterher. Er bedrängt sie so lange, bis sie keinen Ausweg mehr sieht und sich auf eine Beziehung mit ihm einlässt. Die beiden heiraten sogar und bekommen ein Kind, doch die Ehe ist zum Scheitern verurteilt. Geheimnisse, die nie in der Ehe ausgesprochen wurden, zerstören den Traum von einer Familie und zerstören die Leben beider Protagonisten auf unterschiedliche Art und Weise. Der Autor hat in diesem Buch sehr eindringlich, sachlich und ehrlich viele Themen aufgegriffen, die noch immer in der Gesellschaft zu hitzigen Diskussionen führen. Ein Hauptthema ist hier die Fremdenfeindlichkeit, der Rassismus, welcher sich durch das komplette Buch zieht. Es wird klar unterschieden zwischen den Weißen und ihren in der Gesellschaft angesehenen Positionen und den Schwarzen, die niedere Jobs ausüben und vor denen man sich in Acht nehmen sollte. So merken hier auch Philip und Marylin schnell, wie rassistisch ihr soziales Umfeld denkt und handelt. Ein weiteres Thema ist die Beziehung bzw. die Ehe, in die Marylin mehr oder weniger gedrängt wurde und welcher sie nicht entfliehen konnte. Man liest durch die Zeilen von ihrer Anspannung und ahnt, dass etwas nicht stimmt. Zudem wird in dieser „Zwangs“-Ehe kaum ehrlich miteinander gesprochen. Damals war dies vielleicht so üblich, doch all die unausgesprochenen Dinge können letztendlich, wie bei Phlilip und Marylin, zu einer emotionalen Katastrophe führen. Insgesamt betrachten ist diese Story eher bedrückend, traurig und regt stark zum Nachdenken an. An den Schreibstil musste ich mich zunächst gewöhnen, da manche Wörter und Ausdrücke nicht überarbeitet, sondern in der Urform belassen wurden. Das Buch kann ich jedoch uneingeschränkt jedem ans Herz legen.

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  • Wiederentdeckung aus den 1920'er Jahren

    Marylin
    Forti

    Forti

    16. June 2017 um 19:43

    Marylin ist ein Buch, das 1928 als Fortsetzungsroman in einer österreichischen Zeitschrift erschienen ist. Der Leser sollte sich also auf eine spezielle Lektüre einstellen. Das äußert sich einerseits in der Erzählweise eines Fortsetzungsromans, andererseits und vor allem aber in der fast 90 Jahre alten Sprache, die sich manchmal durchaus ungewohnt liest, manchmal Dinge andeutet, die damals wohl leicht verständlich waren, heutzutage aber nicht so offensichtlich sind.Alles in allem liest das Buch sich aber gut - mit der gebührenden Aufmerksamkeit wird man keine Probleme haben, der Handlung zu folgen.Erzählt wird eine Geschichte, über die der Verlag im Klappentext und auf seiner Homepage mehr preis gibt, als ich vor der Lektüre hätte wissen wollen. Es ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte ohne Kitsch. Gleichzeitig erfährt der Leser einiges über das Leben in den USA zu Zeiten der Rassentrennung. Der Roman ist hierbei nie belehrend.Arthur Rundt bietet einen interessanten Blick auf die USA der 1920'er Jahre. Er kannte die USA zwar durch mehrere Reisen, bewahrte sich aber dennoch den Blick von außen, wodurch dieser Roman wohl erst möglich wurde. Die 1920'er Jahre sind in diesem Buch nicht voll von glamourösen Parties, stattdessen wird das Leben ganz normaler Menschen beschrieben. Das Nachwort von Primus-Heinz Kucher ist sehr wissenschaftlich - hier hätte ich mir mehr und einfacher formuliertes Hintergrundwissen zur Thematik gewünscht.Insgesamt eine tolle, unbedingt lesenswerte Wiederentdeckung!

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  • New York, New York

    Marylin
    leselea

    leselea

    15. June 2017 um 20:05

    Der Roman Marylin erschien erstmalig 1928 als Fortsetzungsroman in der österreichischen „Neuen Freien Presse“. Der ursprünglich in 43 Folgen abgedruckte Text liegt nun dank dem Verlag Edition Atelier als Buchformat vor und kann somit leichter von einem breiten Publikum konsumiert werden. Und diese Chance sollte die Leserschaft nutzen! Denn der Roman von Arthur Rundt – trotz seiner Produktivität als Autor, Journalist, Dramaturg und Theaterdirektor am Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten – analysiert präzise und auf den Punkt den alltäglichen Rassismus in den Vereinigten Staaten und damit ein Problem, das seit den 1920er Jahren – trotz aller Fortschritte – nicht an Relevanz verloren hat. Erzählt wird von Philip und der titelgebenden Marylin. Ersterer verliebt sich in letztere auf der gemeinsamen Hin- und Rückfahrt zur Arbeitsstätte. Er folgt ihr, stellt ihr nach und macht ihr schließlich ganz offiziell den Hof. Marylin flüchtet zunächst vor Philips Avancen – erst von Chicago nach Cleveland und schließlich ins pulsierende New York –, gibt ihm letztlich aber doch nach. Dennoch gestaltet sich die Beziehung weiterhin nicht so leicht, wie von Philip ursprünglich erhofft: Erst will Marylin nicht heiraten, dann vermeidet sie um jeden Preis eine Schwangerschaft. Etwas steht zwischen den Eheleuten und Philip benötigt nahezu 150 Seiten – und die Geburt eines dunkelhäutigen Kindes –, um zu erfahren, was ihn stets von seiner Frau getrennt hat. Marylin verewigt die scharfsinnigen Beobachtungen, die Rundt während seiner Reisen durch Amerika über die dortige Gesellschaft gemacht hat. Schnörkellos, pointiert und gänzlich unsentimental legt er das Leben in einer der aufstrebendsten Metropolen der damaligen Zeit dar, deren Alltag nicht nur durch Musik, Tanz und Kunst am Broadway geprägt wird, sondern eben auch durch eintönige Arbeitstage und das engstirnige, feindselige und rassistische Denken der weißen Bevölkerung. Trotz aller Nüchternheit ist Marylin daher ein atmosphärischer Roman, der einerseits durch sein weitschweifendes Erzählen das New York der 1920er Jahre vor dem Auge des Leser entstehen lässt, gleichzeitig aber durch seine Konzentration auf für diese Zeit selbstverständliche Begeben- und Einzelheiten Vorgänge ein Blick hinter die rauschende Fassade der Großstadt wirft. Für so viel Inhalt benötigt Rundt nur wenige Seiten – in der Buchform umfasst der Text etwa 150 Seiten. Marylin ist knapp gehalten: Hier wurde kein Wort zu viel gesetzt, kein erzählerischer Umweg genommen, sich nicht in Beschreibungen verloren. Dennoch hätte es für mich fast noch komprimierter sein können, hätte das Geschehen noch verdichteter präsentiert werden dürfen, um den Leser mit voller Wucht zu treffen. Zudem überzeugen mich die Entwicklungen kurz vor Schluss (Marylins Flucht in die Südsee) nicht vollends, hier macht es sich Rundt etwas zu leicht, wo er doch vorher den Mut bewiesen hat, auch das schwer Auszuhaltende in Worte zu fassen. Nichtsdestotrotz überzeugt Marylin, das von einer längst vergangenen Welt erzählt, dessen Gedanken traurigerweise bis heute nicht völlig ausgestorben sind, in jeglicher Hinsicht. Volle Leseempfehlung!

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  • Ein Spiegel für uns alle

    Marylin
    Thoronris

    Thoronris

    15. June 2017 um 15:59

    „Marylin“ ist im Jahr 1928 als Fortsetzungsroman in der „Neuen Freien Presse“ erschienen und liegt jetzt erstmals als Buch vor. Es ist gut, dass der Verlag „Edition Atelier“ diese Perle entdeckt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat, denn es ist ein wundervolles Stück Geschichte. Was dieses Buch so herausragend macht, ist für mich vor allem der Schreibstil. Schon zu Beginn werden uns Beobachtungen geschildert in einer simplen, naiven Art, die an ein Kind erinnert, das vollkommen unreflektiert seine Umwelt wahrnimmt. Gleichzeitig bemerkt man als Leser jedoch beim Fortschreiten der Handlung, dass gewisse eingestreute Wörter wie „selbstverständlich“ und „natürlich“ zeigen, dass der Autor eine große Distanz zu dem hat, was er beobachtend beschreibt. So selbstverständlich er also Handlungen und Normen der Zeit dem Leser auch präsentiert, so deutlich wird doch, dass ein negatives Werturteil darüber gefällt wird. Durch die klare, schlichte Sprache, die ganz selten nur auf Emotionen schließen lässt, wirkt das Werturteil nur umso stärker. Natürlich wissen wir heutzutage, dass Rassismus schlecht ist. Und natürlich ist uns bewusst, dass das Amerika in seinen „goldenen zwanziger Jahren“ ein sehr, sehr großes Problem mit Rassismus hatte. Doch gerade durch die Sprache des Romans wird deutlich, dass Amerika sich seines Problems gar nicht bewusst ist. Man ist eben rassistisch. Jeder ist es. Menschen dunkler Hautfarbe sind „Zeug“, welches als Liftboy dienen kann oder als Boxer oder Sänger der Unterhaltung dient. Eine Freundschaft mit ihnen zu führen, ist ein sehr liberaler Zug, wie Philip, unser Protagonist, stolz feststellt, aber damit hausieren geht er dennoch nicht. Man ist lieber angepasst und macht mit beim Weg nach oben, beim sozialen Aufstieg, beim Gefühl, dass wir alles schaffen können, wenn wir nur wollen. Und zunächst schafft Philip alles, was er will: Er will Marylin für sich gewinnen, das gelingt. Er will eine gut bezahlte Anstellung, das gelingt. Er will Marylin heiraten – auch das gelingt, wenn auch nur nach Mühen. Doch die Fassade des liberalen Mannes, dem gelingt, was immer er anfasst, bröckelt schon früh. Lange will Marylin nicht mir ihm zusammen ziehen, geschweige denn ihn heiraten. Dass sie einige Zeit ebenso viel verdient wie er, bereitet ihm Bauchschmerzen. Als ihr eine leitende Position angeboten wird, in der sie mehr verdienen würde als er, bricht er beinahe weinend zusammen. Und dann kommt der große Tag, an dem für ihn tatsächlich alles zusammenbricht. An jenem Tag zeigen auch seine Freunde, wer sie wirklich sind. Der Rassismus ist so stark verwurzelt, dass die Freunde nicht einmal merken, dass ihre Gedanken und Aussagen von Rassismus geleitet werden. Sie sind so erfüllt von Hass und Abscheu, dass sie ohne zu zögern das Schlechteste von einem vormals geliebten Menschen denken. Und der liberale Philip ist zu schwach, um diesen Einflüsterungen zu widerstehen. Auch wenn er sich am Ende stärker und mutiger zeigt, als man es ihm zuvor zugetraut hat, bleibt er doch über lange Strecken schwach. Und das ist auch das eine, einzige Problem, welches ich mit diesem Roman habe: Philip will Marylin, aber warum will sie ihn? Auch wenn wir manchmal in ihre Perspektive schlüpfen, so verstehe ich doch nie, was sie in ihm sieht. Er ist sturköpfig und trotzdem schwach, er gibt sich liberal, aber ist nicht mutig genug, das auch öffentlich zu tun. Er ist das perfekte Produkt der Zeit: Immer nach vorne, immer weiter, nie zurückblicken, keinen Gedanken verschwenden an Konflikte. Er kann bedenkenlos umziehen, ist nirgends gebunden, solange es nur immer weiter und weiter geht in seinem Leben, auswärts. Sein Ehrgeiz stammt daher nicht einmal aus dem Wunsch, reich zu werden. Nein, es ist das Ziel, mehr zu verdienen als die Ehefrau, um als Versorger der Familie gelten zu können. Eine Ansicht, die in dieser Zeit eigentlich schon überholt war und erst nach den beiden großen Kriegen zurückkehrte. Er ist liberal und stolz darauf, aber im Herzen ist er zugleich sehr konservativ. Was also sieht eine Frau wie Marylin in ihm? Wieso lässt sie sich mit ihrem Hintergrund auf ihn ein? Trotz dieser Kritik ist das Buch sehr gut – und sehr wichtig. Auch wenn der offensichtliche Rassismus der Zeit überwunden ist, so hält uns das Buch doch auch heute noch einen Spiegel vor. Wie liberal sind wir wirklich, wenn wir gezwungen wären, für diese Werte einzustehen? Wie oft nehmen wir Dinge als selbstverständlich hin, die eigentlich grausam sind? Das Buch ist so nüchtern und sachlich geschrieben und genau deswegen gelingt es dem Autor, den Finger direkt in die Wunde zu legen.FAZIT: Mit „Marylin“ ist es Arthur Rundt gelungen, ein offensichtliches Problem in eine Sprache zu verpacken, durch welche es normalisiert und emotionslos wird. Genau dadurch aber schauen wir überhaupt erst hin, genau dadurch, dass uns ein Spiegel vorgehalten wird, dass uns gezeigt wird, wie gerne wir offensichtliche Probleme ignorieren, weil sie offensichtlich sind, bekommt der Roman ein scharfes Schwert. Das Buch verlangt Aufmerksamkeit und meine hat es mühelos erhalten. Es ist anspruchsvoll zu lesen und gewiss keine Unterhaltungslektüre, doch wenn man sich darauf einlässt, ist es aufweckender als jeder Kaffee. Über einige inhaltliche Mängel kann man da leicht hinwegsehen.

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