Arto Paasilinna Heißes Blut, kalte Nerven

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Inhaltsangabe zu „Heißes Blut, kalte Nerven“ von Arto Paasilinna

Im Januar 1918, kurz bevor ein Bürgerkrieg Finnland erschüttert, wird ein Junge namens Antti Kokkoluoto geboren. Ihm wird schon bei der Geburt das genaue Todesdatum prophezeit: Am 12. Juli 1990 wird er siebzigjährig sterben - keinen Tag früher, keinen Tag später. Und tatsächlich, Antti gerät im Laufe seines Lebens immer wieder in höchst lebensbedrohliche Situationen, überlebt aber Kanonenhagel und Krankheiten. Als sich sein Todestag schließlich nähert, hat Antti eine famose Idee. Er will es noch einmal so richtig krachen lassen und ein großes Fest ausrichten.

Eine faszinierende Reise durch die Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert

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— Jassi1993

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    • 212
  • Schwarz, sarkastisch, böse und skurril.

    Weltretten für Anfänger

    Igelmanu66

    »Ich versuche, beim Präsidenten vorzusprechen. Oder ich besuche das Gefängnis, demoliere sämtliche Schlösser und lasse alle Insassen frei.« »Aber wenn die Bestien dort dich töten?«, stöhnte Anneli Immonen. Surunen musste zugeben, dass auch diese Möglichkeit bestand. Die Reise in eine Diktatur war bisweilen lebensgefährlich. Nur ungern lässt Musiklehrerin Anneli Immonen ihren Liebsten, den Magister der Fremdsprachen Viljo Surunen, in den Sommerferien gen Mittelamerika reisen. Doch die beiden überzeugten Mitglieder von Amnesty International sind sich einig, dass etwas getan werden muss, um den politischen Gefangenen in der Diktatur Kalmatien zu helfen. An Ort und Stelle muss Surunen bald und schmerzhaft erfahren, dass mit normalen Methoden das Ziel nicht erreicht werden kann… Mal wieder lässt der finnische Kultautor einen seiner Landsmänner auf die Welt los, wobei das Buch in Finnland bereits 1986 erschien. Ich frage mich, weshalb wir so lange auf die deutsche Übersetzung warten mussten. Vielleicht, weil das Buch reichlich ernste Themen aufgreift? Und weil einem manchmal das Lachen im Hals steckenbleibt? Der imaginäre Staat Kalmatien und das im späteren Verlauf als weiterer Schauplatz hinzukommende osteuropäische Kytislawonien stehen unzweifelhaft für diverse reale Länder, in denen es um Werte wie Meinungsfreiheit und Menschenwürde schlecht bestellt ist, in denen einige skrupellos ihre Machtposition ausüben und die breite Masse nur noch mit dem Versuch zu überleben beschäftigt ist. Länder, in denen Korruption und Bestechung zum normalen Alltag gehören und in denen jeder weiß, dass er länger lebt, wenn er einfach schweigt, gehorcht und wegsieht. Genau diese Dinge hat Surunen nicht vor, weshalb er – obwohl er sich eigentlich vorsehen wollte – schon nach kurzer Zeit verhaftet wird. Diese Erfahrung legt in seinem friedliebenden Wesen den berühmten Schalter um und er beschließt, die geltenden Spielregeln für seine Zwecke auszunutzen. Wie er das dann tut, ist wieder ein großer Spaß und mein Gerechtigkeitsempfinden freute sich. Natürlich glaube ich nicht, dass Taten wie diese – selbst für einen Finnen – möglich wären. Obwohl es schön wäre ;-) Man fragt sich wirklich, wie eine Lösung mit nicht-finnischen Methoden überhaupt aussehen könnte. Wer jetzt an die Großmächte denkt, auch die tauchen hier auf. Und tragen ihren Teil zum Szenario bei. Auch dies ein Punkt, der leider sehr realistisch erscheint. Paasilinna schreibt gewohnt bissig, spart nicht mit Sarkasmus und kreiert so manche skurrile Situation. So wurde das Ganze, trotz ernstem Grundthema, für mich zum Lesevergnügen. Fazit: Schwarz, sarkastisch, böse und skurril. Gefiel mir sehr! »So war das Leben in der Welt der Beziehungen. Ein ziemlich infames System, das niemand gutheißen konnte, auf das sich aber die Welt stützte.«

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    • 5
  • Schwarzer Humor und ein interessanter Überblick über ein Jahrhundert finnischer Geschichte

    Heißes Blut, kalte Nerven

    Igelmanu66

    »Hanna belächelte den tierischen Ernst ihres Mannes. Sie erklärte, dass Linnea es nicht böse meine und dass sie keineswegs eine primitive Wahrsagerin, sondern eine in jeder Hinsicht vernünftige Frau aus dem Volk sei, die nur zufällig eine besondere Begabung besitze. Tuomas solle doch bitte schön seinen großen Mund halten, wenn die Frauen über Seelisches und über Erscheinungen sprächen, wovon die dickschädeligen Männer absolut nichts begreifen würden.« Was Tuomas so gar nicht begreifen kann, ist, dass seine sonst so vernünftige Frau der Weissagung von Linnea, ihres Zeichens Hebamme, Wahrsagerin und Fischerin, Glauben schenkt. Es ist Januar 1918, gerade wurde sein jüngster Sohn Antti geboren und dieser wird, allen Kriegsgefahren zum Trotz, laut Linnea ein alter Mann werden und erst im Jahr 1990 sterben, präzise am 12. Juli. In der Folge kann der Leser Antti durch ein aufregendes Jahrhundert finnischer Geschichte begleiten. Dabei gerät er - ebenfalls im Bewusstsein der überlebenssichernden Prophezeiung – in viele gefährliche Situationen, erlebt Höhen und Tiefen und ist irgendwann auch im Jahr 1990 angekommen… Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Als alter Paasilinna-Fan musste ich es natürlich lesen, trotzdem hatte mich die Inhaltsangabe zunächst nicht sonderlich gereizt. Nun stelle ich fest, dass die Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert hochinteressant ist und von Paasilinna in gewohnt schwarzhumoriger Art und Weise und in seinem ganz besonderen Stil dargestellt wird. Das Thema „Tod“ bietet sich für schwarzen Humor aber auch bestens an und gestorben wurde zu dieser Zeit bekanntlich reichlich. »Antti stirbt nicht im Krieg, hab keine Angst. Bei Tuomas bin ich mir nicht ganz sicher und bei den Pferden auch nicht, aber Tuomas ist ja schon recht alt, und Pferde kann man sich jederzeit neu kaufen.« Auch die Charaktere sind typisch für Paasilinna. Sie haben es meist faustdick hinter den Ohren, viel Gutes in sich, diverse Schwächen und Charakterfehler und sind trotzdem – oder gerade deshalb – so sympathisch. Randnotiz für Fans: Natürlich taucht auch irgendwann Seppo Sorjonen, der menschliche Running Gag, auf. Ich verrate aber natürlich nicht, in welcher Funktion ;-) Im Vorwort gibt die Übersetzerin übrigens schon mal ein paar Anmerkungen, die den deutschen Leser, der womöglich nicht gut mit der finnischen Geschichte vertraut ist, beim Verständnis unterstützen. Ich fand das sehr hilfreich! Wer sich allerdings überhaupt nicht für Geschichte interessiert und keine Schilderungen von Kriegsaktivitäten lesen mag, findet zu diesem Buch wahrscheinlich nur schlecht Zugang. Auch Leser, die sich mit dem Thema „Tod“ nur ernsthaft befassen möchten oder können, sind hier nicht richtig. Denn auch wenn Paasilinna an der einen oder anderen Stelle gerne mal einen gesellschafts- oder sozialkritischen Seitenhieb landet, ist bei ihm nun mal schwarzer Humor angesagt. Fazit: Schräg, viel schwarzer Humor und ein interessanter Überblick über ein Jahrhundert finnischer Geschichte.

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    • 9
  • Hut ab! Mit diesem Buch bin ich Hin und Hergerissen. Ein Kultautor aus Finnland!

    Heißes Blut, kalte Nerven

    Floh

    Der gelobte Kultautor Finnlands Arto Paasilinna macht nicht nur mit seinem Titel „Heißes Blut, kalte Nerven“ unheimlich neugierig, sondern auch mit einem interessanten Klapptext. Mit seinem Roman "Heißes Blut, kalte Nerven" bewegt sich der Autor auf einen sehr gewagten und vielversprechenden Gebiet. Was wäre wenn? … wenn man wüsste, wann sein letztes Stündlein geschlagen hat? Welches Leben würde man führen, wenn man allerlei Katastrophen und Unfälle überlebt, die eigentlich hätten tätlich enden sollen? Hier gibt sich der Autor mutig, aber entschlossen auf gewitztes Terrain. Und es hat sich gelohnt. Erst kürzlich bin auf den Autor aufmerksam geworden. In einem Zeitschrifteninterview hat mir seine offene Art, sein Witz und der skurrile Humor gefallen. Da wollte ich gleich mehr von ihm lesen und habe mich nach seinem neuesten Werk umgesehen und habe so „Heißes Blut, kalte Nerven“ entdeckt. Arto Paasilinna hat eine Sprachmelodie, die lange in meinem Kopf nachklingt und einen sehr bewegenden, aufmunternden und tiefgründigen, jedoch auch mit Witz und Galgenhumor geprägten Roman einmalig untermalt. Erschienen im Luebbe Verlag (https://www.luebbe.de/) Inhalt: "Im Januar 1918, kurz bevor ein Bürgerkrieg Finnland erschüttert, wird ein Junge namens Antti Kokkoluoto geboren. Ihm wird schon bei der Geburt das genaue Todesdatum prophezeit: Am 12. Juli 1990 wird er siebzigjährig sterben – keinen Tag früher, keinen Tag später. Und tatsächlich, Antti gerät im Laufe seines Lebens immer wieder in höchst lebensbedrohliche Situationen, überlebt aber Kanonenhagel und Krankheiten. Als sich sein Todestag schließlich nähert, hat Antti eine famose Idee. Er will es noch einmal so richtig krachen lassen und ein großes Fest ausrichten... Eine faszinierende Reise durch die Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert" Schreibstil: Mit dem Nordfinnischen Autor Arto Paasilinna erlebt man schriftstellerisches Geschick und grandiose Einzigartigkeit von der ersten Seite an! Sein Stil besitzt eine ganz einzigartige Note, an die man sich zunächst gewöhnen muss. Arto Paasilinna bringt den Lesern das 20. Jahrhundert um 1920 bis knapp 1990 nahe und spielt mit der Not und den Ängsten des Krieges und der Moderne und breitet eine Vielfalt an Facette und einträchtigen Sequenzen in seinen wohl gewählten Zeilen aus. Seine Dialoge würzt er mit einer besonderen zeitgemäßen Sprache, schwingt mit Poesie, Singsang und Schönklang und entfaltet eine enorme Kunst besonderen Humors. Dieser Humor könnte beinahe als Rabenschwarz oder Galgenhumor betitelt werden und ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Dennoch auf gewisse Weise tiefgründig, melancholisch gewürzt und mit einer Emotionsgewalt, die die Haut und Sinnesorgane benetzt. Lesen mit jeder Faser, wenn man das Geschehen auf sich wirken lässt. Arto Paasilinna hat eine Art, die sicherlich nicht jedem direkt zugänglich ist, aber man sollte es als neugieriger Leser ruhig versuchen und wird vielleicht mit einem unvergesslich polarisierenden Roman belohnt. Autor Arto Paasilinna schreibt sehr lebendig, facettenreich und bildhaft. Der Autor hat Talent und Wiedererkennungswert, zwar nicht für die große Leserschaft, aber für ein gewissen Publikum sicherlich! Sein Buch ist so filmreif verfasst, dass sich innerlich lebendige Bilder ergeben, und das Lesen zu einem Erlebnis mit allen Sinnen wird! Charaktere: Dank der Charaktere fühlte ich mich mitten drin! So speziell ausgearbeitete und besondere Persönlichkeiten sind mir selten in einem Roman begegnet. Als Hauptakteur begleiten wir das riskante dennoch untötliche Leben von Antti Kokkoluoto. Antti Kokkoluoto besetzt eine prägnante Rolle als unvergesslicher Hauptprotagonist. Als Antti geboren wurde stand nicht nur sein Geburtsdatum fest, sondern sogleich auch sein Todesdatum. Erstaunlicherweise erleben wir Anttis Leben im Zeitraffer, bis sich sein Ende nähert und Antti nochmals alles geben will. Ein großes Fest soll es sein nach dem Motto: Wenn ich nur noch einen Tag zu Leben hätte… Antti habe ich mit jeder Zeile mehr und mehr und mehr ins Herz geschlossen. Je älter und reifer er wird, umso mehr Sympathie empfinde ich für diesen Mann und sein brisantes und gewagtes Leben. Eine außergewöhnliche "Lebensgeschichte", die zu Herzen geht, die Augen öffnet und Blickwinkel verstellt, die erschüttert, belebt, Spaß bringt, bewegt und nachdenklich stimmt. Schade, dass man solche Tiefgründigkeit mit diesem seltenen Sarkasmus so selten findet. Hier lernen wir nicht nur Antti Kokkoluoto kennen, nein hier lernen wir zudem ganz besondere Rollen und Nebenrollen aus allen Ebenen und Jahrzehnten des Charakters Antti kennen. Wir erleben seine Entwicklung von Kindestagen an bis zum Jetzt der 1990iger Jahre. Hier schöpft der Autor aus den Vollen, er hat so viele Charaktermerkmale und so viel Poesie erschaffen, dennoch bleibt Dreh- und Angelpunkt der damals noch kleine Antti Kokkoluoto mit seiner Lebensgeschichte. Schauplätze: Die einzelnen Schauplätze sind auf wenige Kulissen beschränkt. Im Fokus steht hier das Leben im kalten und kargen Finnland. Das Leben des Antti Kokkoluoto. Der Krieg, die Gesellschaft, die Ausbildung, die Liebe, die Gefahren, die Jugend bis zum Alter. Dann das berauschende Fest und die Zeit dannach… Schauplätze, die dem Roman neue Bilder schenken und ein facettenreiches Wechselbad an Kulisse, Gedanken und Orte bieten. Auch der Leser begibt sich, dank der detaillierten und sehr nah differenzierten Formulierungen des Autors Arto Paasilinna, zusammen in das Leben von Antti. Von humorig, sarkastisch, ironisch, faszinierend, bis traurig, melancholisch, poetisch und gefühlvoll zu dramatisch, befangen und befreit. Arto Paasilinna hat ein Händchen für bildhafte Darstellung. Meinung: ...reicht von absolut fasziniert, völlig begeistert, total angetan bis etwas unzufrieden und zwiespältig. Der Autor hat einen tollen und einzigartigen Stil, keine Frage. Dennoch ist dieses Buch ein schwieriges Werk. Man wird es entweder Lieben, oder sich langweilen. Ich wollte das Buch so gerne mögen, da ich hohe Erwartungen an dem Autor hatte. Mir gefallen auch viele seiner Künste, aber dennoch hat mit etwas gefehlt, etwas was dieses Buch wirklich unvergessen werden lässt. Ich gebe dem Autor eine weitere Chance und werde mir eines seiner älteren Werke beschaffen und mir ein genaueres Bild schaffen. Dennoch muss ich loben, dass ich hier endlich wieder einen Autor gefunden habe, der mit einer Novität glänzt und mich mit einer sehr eigenen und einzigartigen Note sehr überrascht hat. Zudem ist die Buchgestaltung und das Cover eine absolut hochwertige Rundung. Sagenhafte Charaktere, faszinierende Welten und wertvolle Botschaften. Cover / Buch: Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist angenehm, die Kapitel nicht allzu lang. Das Cover hat mich beeindruckt und ist stimmig zum besonderen Inhalt des Romans. Der Autor: "Arto Paasilinna wurde 1942 im lappländischen Kittilä/Nordfinnland geboren. Er ist Journalist und einer der populärsten Schriftsteller Finnlands. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Inzwischen hat er rund 40 Romane mit großem Erfolg veröffentlicht, von denen einige verfilmt und in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Auch bei uns erwarten die Fans jedes Jahr ungeduldig eine neue skurrile Geschichte vom finnischen Kultautor." Fazit: Dieses Buch verdient alle 5 Sterne, wenn man dem Autor verfallen ist. Es ist sicherlich kein Werk für Jedermann, auch ich hatte etwas Anlaufschwierigkeiten und gebe dem Autor noch eine weitere Chance und auch verdiente 3,5 Sterne für dieses beeindruckende und seltsame Buch! Trotz meiner Bedenken und Kritik, bin ich noch immer voller Freude, dieses Buch gelesen und kennengelernt zu haben.

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