fischer baumler

Arundhati Roy Das Ministerium des äußersten Glücks

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Inhaltsangabe zu „Das Ministerium des äußersten Glücks“ von Arundhati Roy

Arundhati Roy, die Autorin des Weltbestsellers 'Der Gott der kleinen Dinge', kehrt zurück! Ihr lange herbeigesehnter Roman 'Das Ministerium des äußersten Glücks' führt uns an den unwahrscheinlichsten Ort, um das Glück zu finden. Eine Reihe ausgestoßener Helden ist hier mit ihrem Schicksal konfrontiert, aber sie finden eine Gemeinschaft, sie bilden eine Familie der besonderen Art.

Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht unverhofft ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine 5-jährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im ersten Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf fest zwei Menschen, als hätten sie sich eben erst getroffen – dabei kennen sie einander schon ein Leben lang.

Voller Inspiration, Gefühl und Überraschungen beweist der Roman auf jeder Seite Arundhati Roys Kunst. Erzählt mit einem Flüstern, einem Schrei, mit Freudentränen und manchmal mit einem bitteren Lachen ist dieser Roman zugleich Liebeserklärung wie Provokation: eine Hymne auf das Leben.

Indien, mal liebenswert und menschenfreundlich, auf der anderen Seite voller Gewalt und Menschenverachtung.

— Waschbaerin

Ein wirklich außergewöhnliches, intensives und starkes Werk! Sehr gut geschrieben und wunderbar erzählt.

— LeonoraVonToffiefee

Schrecklich schön. Indien auf großartiger Leinwand. Nicht einfach - aber es lohnt sich!

— fantafee

Ein rauschhafter Schmöker, der von Glück, Hass, Liebe, Bürgerkrieg, Indien, Kaschmir, Friedhöfen und alten Vögeln erzählt. Ganz großes Kino!

— blaustrumpfine

Ein beeindruckendes Kunstwerk, unterhaltend, berührend und unglaublich aufschlussreich.

— sursulapitschi

Harte Kost, genial umgesetzt, die dem Leser viel Geduld abverlangt und ihn angesichts der Weltlage deprimiert zurücklässt.

— thursdaynext

Tief berührend

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Eines der besten Bücher 2017!

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  • Ungewöhnliche Sicht auf Indien

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    UteSeiberth

    20. October 2017 um 15:32

    Vor vielen Jahren habe ich den "Gott der kleinen Dinge " gelesen und war angetan von diesem Indien,das Roy da beschreibt.So wollte ich auch dieses Buch von ihr lesen,bin aber dieses Mal nicht so gut hinein gekommen.Die meisten Personen leben auf einem Friedhof in Delhi und eine von ihnen ist ein Hermaphrodit mit männlichen und weiblichen Merkmalen.Auch zwei gefunden Babys spielen eine wichtige Rolle.Leider musste ich mich recht anstrengen um den Faden nicht zu verlieren und das fand ich manchmal recht anstrengend.

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  • Das Ministerium des Äussersten Glücks

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Susibelle

    06. October 2017 um 22:39

    Leider kann ich keine wirklich ausschlaggebende Rezension zu diesem Buch verfassen. Es fiel mir schwer dieses Buch zu lesen. Jetzt im Nachhinein bereue ich es, dass ich mir viel zu wenig Zeit für dieses Buch genommen habe. Denn das Buch will erarbeitet werden. Mein Problem war aber, dass ich zu Beginn viele der Personen nicht besonders sympathisch fand und ich mich immer wieder ein wenig durch die Geschichte gequält habe. Teilweise sogar quer gelesen habe. Jetzt, rückblickend finde ich das sehr schade. Das Buch wurde eigentlich irgendwann immer besser. Leider habe ich die Seiten zum Teil so überflogen, so das ich einiges nicht so ganz mit bekommen habe. Hätte ich gewusst das mir das Buch immer mehr gefallen würde, hätte ich mir viel mehr Zeit genommen. Vielleicht war es auch einfach nicht der richtige Zeitpunkt und ich lese es irgendwann noch einmal. Der Schreibstil von Arundhati Roy gefällt mir ausgesprochen gut und ich werde auch den "Gott der kleinen Dinge" irgendwann mal lesen. Dieses Buch fordert seine Leser jedenfalls und man braucht eine Menge Geduld (die ich leider zu dem Zeitpunkt nicht hatte), für die man aber am Ende belohnt wird. Ein sehr anspruchsvolles Buch, man merkt das viele Jahre Arbeit in ihm stecken.

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  • Leserunde zu "Das Ministerium des äußersten Glücks" von Arundhati Roy

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    aba

    "Wie erzählt man eine zerbrochene Geschichte? Indem man sich langsam in alle verwandelt. Nein. Indem man sich langsam in alles verwandelt." 20 Jahre lang hat die literarische Welt auf dieses Werk gewartet. Aber die lange Wartezeit hat sich gelohnt: Mit "Das Ministerium des äußersten Glücks" kehrt die indische Autorin Arundhati Roy zurück und erobert weltweit die Bestsellerlisten innerhalb kürzester Zeit. In ihrem neuen Roman stellt sie uns ganz besondere Charaktere vor und nimmt uns auf eine faszinierende Reise quer durch den indischen Kontinent mit. Wieder einmal beweist Arundhati Roy, dass sie eine großartige Schriftstellerin ist. Sie überzeugt mit ihrem grandiosen Schreibstil und die Liebe zu ihrer Heimat spürt man auf jeder Seite.Rechtzeitig vor dem Erscheinungstermin habt ihr die Möglichkeit, in einer exklusiven Leserunde diesen außergewöhnlichen Roman der Booker Prize Gewinnerin Arundhati Roy zu lesen.Zum InhaltArundhati Roy, die Autorin des Weltbestsellers "Der Gott der kleinen Dinge", kehrt zurück! Ihr lange herbeigesehnter Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks" führt uns an den unwahrscheinlichsten Ort, um das Glück zu finden. Eine Reihe ausgestoßener Helden ist hier mit ihrem Schicksal konfrontiert, aber sie finden eine Gemeinschaft, sie bilden eine Familie der besonderen Art.Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht unverhofft ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine 5-jährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im ersten Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf fest zwei Menschen, als hätten sie sich eben erst getroffen – dabei kennen sie einander schon ein Leben lang.Voller Inspiration, Gefühl und Überraschungen beweist der Roman auf jeder Seite Arundhati Roys Kunst. Erzählt mit einem Flüstern, einem Schrei, mit Freudentränen und manchmal mit einem bitteren Lachen ist dieser Roman zugleich Liebeserklärung wie Provokation: eine Hymne auf das Leben.Seid ihr bereit für eine Leseprobe?Zur AutorinArundhati Roy wurde 1959 geboren, wuchs in Kerala auf und lebt in Neu-Delhi. Den internationalen Durchbruch schaffte sie mit ihrem Debüt "Der Gott der kleinen Dinge", für das sie 1997 den Booker Prize erhielt. Aus der Weltliteratur der Gegenwart ist er nicht mehr wegzudenken. In den letzten zehn Jahren widmete sie sich außer ihrem politischen und humanitären Engagement vor allem ihrem zweiten Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks".Möchtet ihr eine ganz neue Welt kennenlernen? Wollt ihr ganz besondere Romancharaktere treffen, die mit ihren Schicksalen unter die Haut gehen?Wenn die Antwort auf diese Fragen "ja" ist, dann dürft ihr diese exklusive Leserunde nicht verpassen.Zusammen mit S. FISCHER verlosen wir exklusiv und noch vor dem Erscheinungstermin 25 Exemplare von "Das Ministerium des äußersten Glücks" unter allen, die sich im Rahmen unserer Leserunde über diesen überwältigenden Roman austauschen und eine Rezension schreiben möchten. Bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 25.07. und antwortet auf folgende Frage:Warum seid ihr die Richtigen für die Teilnahme an unserer exklusiven Leserunde?Überzeugt uns!Ich freue mich jetzt schon auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!* Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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  • Ein Buch voller Wärme und Großherzigkeit, als auch schier unerträglicher Grausamkeit

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Waschbaerin

    05. October 2017 um 13:42

      Es heißt, Arundhati Roy habe an dem Buch DAS MINISTERIUM des ÄUSSERSTEN G L Ü C K S“ zehn Jahre lang geschrieben. Wer in dieses Buch eintaucht, der versteht sofort warum es so lange dauerte, dieses Werk zu vollenden. Es ist ein lebendiger Roman, voller Wärme und Großherzigkeit, als auch schier unerträglicher Grausamkeit. Beides will vom Leser erarbeitet werden.  Mit welchen Vorstellungen verbinden wir Indien heute,  70 Jahren nach der Unabhängigkeit vom British Empire? Kinderarbeit? Armut? IT Spezialisten? Gurus und Bollywood?  In  „Das Ministerium des äußersten Glücks“ erlebt man als Leser ein ganz anderes Indien. Ich muss gestehen, dieses Land, das dort beschrieben wird, habe ich mir in diesen Auswirkungen nie vorgestellt.  Im Grunde sind es zwei Roman, die erst gegen Ende des Buches zusammenlaufen. Aftab wird geboren. Ein Junge, wie seine Mutter immer wieder betont und wie sie viele Jahre versichert. Doch Aftab ist nicht eindeutig ein Junge, er hat auch die Merkmale eines Mädchens. Seite 22: „ Während der ersten Lebensjahre war Jahanara Begums Geheimnis sicher. Sie wartete darauf, dass sein Mädchenanteil heilte....“ Mädchensein als Makel. Es ist nicht mehr zu leugnen, er gehört zu den Hijras, Menschen, die nicht eindeutig des weiblichen oder männlichen Geschlechts zuzuordnen sind, da sie beide Merkmale an ihrem Körper vereinen. Doch Aftab entwickelt sich, begreift irgendwann, dass  er sich fühlt wie ein Mädchen. Er - nein sie muss ihren ganz eigenen Lebensweg gehen. Es wird ihr nicht einfach gemacht. Doch sie trifft auf Menschen, die das gleiche Schicksal teilen. Jahre später lebt sie auf dem Friedhof, schläft zwischen Gräbern. Baut mit Saddam Hussein, einem anderen Menschen, der aus seinem Leben gefallen ist, ein Gästehaus neben den Friedhof, eröffnet danach ein Bestattungsinstitut, bei dem Verstorbene einen würdigen Abschied finden, die es sich ansonsten nicht leisten könnten. Aftab oder besser Anjum ist nicht mehr allein. Es gibt mehrere Gestrandete, die sie in ihrem Leben begleiten.  Dieser Teil des Buches ist meist in einer blumigen Sprache verfasst wie wir sie im Westen kaum verwenden. Voller Wärme, Zuneigung und Mitmenschlichkeit, dass es den Leser anrührt.  Doch nach und nach wandelt sich der Schreibstil, die Sprache wird härter, genau wie die erzählte Geschichte. Es ist von Umsiedlung  der Armen die Rede. Seite 132: „Irgendjemand zahlt immer den Preis für den Fortschritt“ – wie wahr.  Seite 133: „Überschüssige Mütter hockten wie Spatzen auf dem Schutt, der einst ihr Zuhause gewesen war, und sangen überschüssige Kinder in den Schlaf“. Stärker kann man Armut und das Gefühl unerwünscht zu sein nicht beschreiben. Es sind Menschen, die nicht gebraucht werden. Auch das ist Indien.  Vor dem 7. Kapitel steht: „Der Tod, ein dürrer Bürokrat, fliegt aus den Ebenen heran – „(Agha Shahid Ali)  Es beginnt das, was ich als den zweiten Roman bezeichnen möchte.  Wir finden uns in der Welt der Herrschaft mit ihren Dienstboten, während sich dort gleichzeitig schmutzige Kinder mit Babys auf den Hüften amüsieren, indem sie auf Klingeln drücken und vor Vergnügen glucksen davonlaufen. (Seite 188). Welche Gegensätze. Seite 195: „Aus der Union-Carbide-Düngemittelfabrik in Bhopal trat Gas aus und tötete Tausende.“ Wer könnte je dieses Unglück vergessen. Auch hier zahlten die Armen den Preis für den Fortschritt.  Es kommt die Gewalt hinzu. Soldaten. Ethnischen Gruppen. Menschen verschwinden. Werden umgebracht, indem man ihnen Steine an die Füße bindet und in Fäkaliengruben wirft. Tote mit ausgestochenen Augen. Seite 226: Einer der übelsten Männer wird beschreiben. „Eine Seuche wie er bleibt besser in Quarantäne“. Grausamkeiten, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Ein viertel Jahrhundert Kaschmir Konflikt. (Seite 233).  Wir lernen Thilo kennen. Von der Mutter im Waisenhaus abgegeben um später von ihr adoptiert zu werden. Der einzige gangbare Weg der Mutter, ihr Kind selbst großziehen zu können. Welch kranke Welt. Thilo ist die Person, die mich in diesem Roman am meisten beeindruckte. Ich sehe sie genau vor mit, mit ihrem dunklen Teint. Auch ihr wird im Leben kein roter Teppich ausgerollt. Und trotzdem. Sie und Naga heiraten. Später trennt sich Thilo von ihm. Seite 276: „Naga heiratete sie, weil er sie nicht wirklich erreichen konnte. Und weil er sie nicht erreichen konnte, konnte er sie nicht gehen lassen. (Es stellt sich natürlich eine weitere Frage: Warum heiratete Thilo Naga? Ein großzügiger Mensch würde antworten, weil sie Schutz brauchte. Ein weniger großzügiger Mensch würde behaupten, weil sie ein Versteck brauchte.)" Immer wieder ein Weg, dieser Gewalt zu entrinnen.  Die Beschreibung der Gewalt, die Menschen einander antun, nur weil sie einer anderen Glaubensrichtung, anderen ethnischen Gruppen angehören, hat mich schockiert und mir manchmal den Atem geraubt. S. 282: „Das sind alles Pakistanis und Afghanen“, sagte Ashfaq Mir, ohne sich umzudrehen oder Naga Asu dem Blick zu lassen. „Ihre Haltbarkeitsdauer beträgt höchstens sechs Monate. Am Ende des Jahres werden alle eliminiert sein. Aber wir töten keine Kaschmiri-Jungen. NIE, Nie. Außer sie gehören zum harten Kern.“ Welch unmenschliche Bezeichnung für menschliches Leben - 'Haltbarkeitsdatum‘. Etwas das abläuft und dann auf dem Müll entsorgt wird, bezeichnen wir damit. Genau so werden Menschen, die es in Indien im Überfluss gibt, benannt und auch behandelt. S. 284: „Durchschnittsalter eines Milton 17-20 Jahre“.  Ich muss gestehen, diese Ausdrucksweisen haben mich oftmals geschockt und ich brauchte beim Lesen einige Tage Pause zwischen bestimmten Abschnitten. Wollte ganz mit dem Lesen aufhören, da es zu arg wurde und entschied mich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte fürs Weiterlesen, weil ich nicht aufhören konnte. Etwas zog mich immer wieder in den Bann dieses Buches. Wenn Menschen so ein Schicksal ertragen können, dann kann auch ein Leser ertragen, darüber zu lesen. Trotzdem, mir ging das Schicksal dieser Menschen sehr nah. Zwar ist es „nur ein Roman“, doch heißt es, die Autorin habe diese Geschichte nicht aus der Luft gegriffen, sondern an der Realität festgemacht.  Dann ein fast tröstliches Ende. Beide Geschichten laufen zusammen und ich als Leser atmete auf. Plötzlich erschien mir der Friedhof wie eine kleine friedliche Insel, auf der Menschen Mensch sein dürfen.  Dieser Roman ist kein Schmöker, den man sich mal so nebenher zu Gemüte führt um nach der letzten Seite den Deckel zu schließen um zur Tagesordnung überzugehen. Dieses Buch wirkt nach, lässt die Gedanken des Lesers so schnell nicht mehr los. Ich bin mir sicher, dieser Roman gehört zu der Kategorie von Büchern, die auf lange Zeit Bestand haben werden.

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  • Wie ein modernes indisches Märchen

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    LeonoraVonToffiefee

    02. October 2017 um 15:20

    Wenn mich meine Freunde gefragt haben, worum es in diesem Buch geht musste ich jedes Mal ein wenig überlegen. Spontan würde ich sagen, es geht um ein Baby. Und um Indien. Und vielleicht ist ja auch Indien dieses Baby? Die Geschichte dreht sich um Anjum, die als Junge geboren wurde aber sich entscheidet eine Frau zu sein. Um Saddam Hussein, der jemanden rächen möchte und deshalb seinen Namen geändert hat. Um Thilo, die einen verlorenen Mann liebt. Um den verlorenen Mann. Um den Mann der Thilo liebt. Und um Indien, ein Land im Wandel und ein Land, insbesondere eine Region im Krieg mit sich selbst. Eine Geschichte voller Konflikte, Verlust, Umbrüchen, Wandel, Selbstfindung, Angst, Liebe und Identitätssuche. Dabei entsteht keine gradlinige Geschichte, vielmehr ist sie in großen und kleinen Kreise um den Kern dieser Erzählung angelegt, schweift mal weiter mal weniger weit aus und kommt aber immer wieder auf eins zurück: den Friedhof in dem alles seinen Anfang und sein Ende findet.An manchen stellen mutet das Buch wie ein Märchen an, es ist bunt und detailreich erzählt. Unglaublich viele Menschen, Namen, Orte und Einzelschicksale werden angesprochen, dass man leicht durcheinander kommt. Trotzdem trägt es zur ausladenden Geschichte bei und versucht damit das Bild eines riesigen Landes zu zeichnen, das in seiner Fülle und seinen Problemen unmöglich auf diese Seiten passt. Auch am Ende des Buches bleiben unglaublich viele Fragen und Unklarheiten über das Kernthema - die Konfliktgeladene Region Kaschmir - zurück, trotzdem versucht es einen Einblick in genau diese Region zu geben. Das Buch ist lang und dicht, ich brauchte meine Zeit zum lesen. Es ist definitiv schwierig meine Meinung, meine Gedanken hier ganz eindeutig darzulegen, weil mich das Buch in seiner Gesamtheit doch ein wenig überwältig hat. Ich bin fasziniert davon, wie ein einzelner Mensch eine so gewaltige und ausufernde Geschichte in all seinen Einzelheiten schreiben kann. Definitiv eine Meisterleistung. Die Dame kann schreiben und eine Geschichte erzählen!Ich bin jedenfalls begeistert! Es ist keine leichte Kost, das Buch verlangt Zeit und Aufmerksamkeit, aber wenn man ihm beides schenkt wird man mit großer Erzählkunst und einer außergewöhnlichen Geschichte belohnt. 

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  • Eine zertrümmerte Geschichte

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Buecherschmaus

    27. September 2017 um 17:50

    „Romane sind Eintöpfe“, so betitelte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Arundhati Roy vom Sommer dieses Jahres. Eine Aussage, der mancher Schriftstellerkollege und so mancher Kritiker und Leser sicher gerne vehement widersprechen möchte. Und so hat der lang erwartete Roman der Autorin, die 1997 mit ihrem Erstling „Der Gott der kleinen Dinge“ einen phänomenalen, weltweiten Erfolg hatte und den Booker Prize gewann, nicht nur positive Kritiken erhalten. „Gescheitert“, „ihrem Stoff nicht gewachsen“, am häufigsten „chaotisch“ waren einige der Urteile. Vielleicht keine Eintopfliebhaber, oder zumindest nicht in der Lage, die subtilen Geschmäcke der einzelnen Zutaten und ihren manchmal ungewohnten Zusammenklang zu genießen. Nicht nur in der Küche gibt es Freunde der Trennkost oder des Simple Food. Diese tun sich mit dem „Ministerium des äußersten Glücks“ wahrlich keinen Gefallen. Arundhati Roy packt allerhand Zutaten in ihren „Romaneintopf“, würzt mit unzähligen Aromen und kreiert einen so poetischen wie politisch scharfen literarischen Hochgenuss.Die 56jährige studierte Architektin Roy gilt seit ihrem literarischen Erfolg Ende der neunziger Jahre als eine der wichtigsten Stimmen Indiens. Und diese hat sie immer wieder erhoben, wenn es galt, gegen politische oder religiöse Ausgrenzung, Menschenrechtsverletzungen, Pogrome oder den erstarkenden Hindunationalismus in ihrer Heimat vorzugehen. Anders als viele ihrer Kollegen lebt die Autorin immer noch in Delhi, reist viel durchs Land, kommt mit den Leuten ins Gespräch. Sie ist eine erklärte Globalisierungskritikerin und engagierte Umweltaktivistin. Spätestens seit ihrem Engagement im immer noch schwelenden Kaschmir-Konflikt gilt sie für viele Nationalisten als Volksfeindin.Aber Arundhati Roy betont immer wieder, in ihren politischen Essays sowohl wie im vorliegenden Roman, dass Indien eben nicht nur das Land der Hindus, das der höheren Kasten ist. Sie preist die Vielfalt, das Zusammenleben, von Hindus, Moslems, Christen sowohl wie das der unterschiedlichen Kasten, die sie als eins der Grundübel der indischen Gesellschaft auch im modernen Indien entdeckt. So sind beispielsweise auch heutzutage nur wenige Ehen kastenübergreifend.Im „Ministerium des äußersten Glücks“ erzählt Roy eigentlich zwei unterschiedliche Geschichten, die sie am Ende zusammenführt. In beiden erzählt sie von den Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten in der indischen Gesellschaft. Da tauchen sowohl das Giftgasunglück in Bhopal 1984, als auch die schweren Ausschreitungen im Bundesstaat Gujarat 2002 auf, bei denen nach einem Brandanschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern unter Duldung der Regierungspartei BJP regelrecht Hatz auf die muslimische Bevölkerung gemacht wurde (der Spiegel titelte damals „Blutrausch wie im Mittelalter“). Massaker an den unberührbaren Kasten der Dalits und Adivasis sind genauso Thema wie die zunehmende Islamfeindlichkeit nach 9/11 und der Kaschmirkonflikt, der seit 1947 schwelt (oder auch zeitweise lichterloh brennt). Ziemlich viele politische Themen, die Arundhati Roy unter den Nägeln brennen und die sie hier, wie ich finde, großartig in eine oder wie gesagt zwei Geschichten einflicht.Da ist einmal die Geschichte von Anjum, die als kleiner Junge Aftab auf die Welt kam, deren Eltern aber zu ihrem großen Entsetzen feststellen mussten, dass das Kind nicht nur ein Geschlecht besitzt, sondern sowohl Junge als auch Mädchen ist. Hijra werden in Indien diese inter- oder transsexuellen Menschen genannt und es gibt (zumindest auf den Wahlzetteln) neben männlich und weiblich noch die Option „anderes“. Wer allerdings denkt, dass die indische Gesellschaft hier mit mehr Toleranz reagiert, irrt. Zwar werden Hijras teilweise aus Aberglauben gefürchtet, aber gesellschaftlich weitgehend geächtet, leben oft in Kommunen zusammen und haben als Broterwerb oft nur die Prostitution oder Bettelei zur Auswahl. Anjum kommt diese Furcht zu Hilfe, als sie dadurch nur knapp einem Massaker entkommt. Sie zieht sich daraufhin ganz auf einen Friedhof in Alt-Delhi zurück, lebt zwischen den Gräbern, zieht nach und nach andere Außenseiter, für die auch kein Platz in der Gesellschaft zu sein scheint, an. Das Jannat („Paradies“) Gästehaus entsteht, Arundhati Roys Lob auf die Unkonventionalität, die Abweichung, sowohl was Geschlecht als auch Religion oder Kaste angeht. Die Protagonisten sind zerrissen wie ihr Land, auch durch sie gehen unsichtbare Grenzen hindurch.Die zweite Geschichte, die erzählt wird, ist noch komplexer. Sie handelt von vier Freunden, drei Männern, die alle die gleiche Frau lieben, die Studentin Tilottama. Sie entwickeln sich in Laufe der Jahre alle sehr unterschiedlich. Der eine wird kritischer Journalist, später Regierungsinformant und heiratet Tilo; der andere geht in den Untergrund, um im Kaschmirkonflikt gegen die Regierung zu kämpfen und bleibt Tilos große Liebe; der dritte wird Mitglied des Inlandgeheimdienstes. Letzterer ist die wohl am meisten negativ besetzte Figur. Dennoch gestaltet Roy ihn nicht nur äußerst ambivalent, weder gut noch böse, sondern sie verleiht ihm als einzigem die Ich-Perspektive. Ein interessanter Schachzug. Die Geschichte der Drei in unruhigen, politisch instabilen Zeiten bildet den mittleren Teil des Buchs. Ab hier wird die Geschichte disparat, bietet nicht nur zwei Perspektiven, sondern fügt auch anderes Textmaterial wie Akten, Notizen, Pamphlete, Gedichte und Lieder hinzu. Außerdem bekommt sie ein höheres Tempo. Manch Leser fühlt sich ein wenig wie in ein Labyrinth von Figuren, Geschehnissen und Fakten gezogen. Die Autorin behält aber alle Fäden fest in der Hand und vereinigt die beiden Erzählstränge man Ende zu einer Art Märchenschluss. Trotz all des Chaos und der Widersprüche, all des Elend und der Grausamkeit ist Hoffnung für sie möglich, ja sogar „äußerstes Glück“. Vielleicht liegt es hier in der kleinen Gegengesellschaft auf dem Jannat-Friedhof.Arundhati Roy hat ein Anliegen, nein, sie hat sogar viele. Das ist bei einer solch engagierten, politischen Person nicht verwunderlich. Durch ihre poetische Sprache, ihre Liebe zum Detail und ihre Figuren, durch ihren Humor und die Genauigkeit ihres Blicks wird daraus aber nie ein Dozieren, ein Pamphlet, sondern ein wunderbarer literarischer Eintopf mit vielen delikaten Aromen.„Ich wollte keinen folgsamen, zivilisierten Roman schreiben, so wie sich die Leute einen Roman vorstellen, sondern wollte die Erwartungen brechen, denn die Dinge sind brüchig hier, bei uns, in dieser Welt. Ich erzähle eine zertrümmerte Geschichte.“

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  • Indien : Schrecklich schön

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    fantafee

    12. September 2017 um 22:11

    Nein, einfach macht es einem die Autorin nicht. Man muss sich das Glück dieses Buches wirklich erkämpfen. Auf großer Leinwand wird die Geschichte Indiens zwischen den 1960er Jahren und heute anhand mehrerer Figuren erzählt. Man taucht man ein in die Welt von Anjum, einer Hijra (geschlechtsuneindeutiger Mensch, weder Mann noch Frau). Man erfährt wie sie als Junge erzogen wurde, sich aber immer mehr als Frau fühlt und sich zu einer Geschlechtsumwandlung entschließt. Zusammen mit Gleichgesinnten lebt sie lange in einer Kwabgah, Wohngemeinschaft, bis sie später auf einen alten Friedhof zieht. Hier in ihrem „Hotel" finden immer mehr Aussenseiter eine neue Heimat. Darunter auch Tilottama, meist nur Tilo genannt, eine starke Frau, mit bewegten Vergangenheit. Anhand dieser beiden Hauptpersonen und vielen Nebendarstellern wird die bewegende Geschichte Indiens und besonders der Kaschmirkonflikt wie mit einem Scheinwerfer beleuchtet. Manchmal grell, brutal und voller Gewalt, so möchte man seinen Blick abwenden und gleichzeitig voller Poesie, Liebe, Hoffnung und in einer Farbenpracht, die das Herz bewegt und die Augen öffnet. Wer sich auf darauf einlässt und sich von den vielen fremden Namen und Begriffen nicht fürchtet, wird mit einer grandiosen Reise durch Indien belohnt. Ich hatte anfangs wirklich meine Probleme, mein Lesetempo war unglaublich langsam, denn öfters musste man das Gelesene wirken lassen. Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mir Zitate heraus geschrieben habe. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Buch am Ende so beeindruckt zurücklässt.Für mich eine Leseentdeckung!

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  • Ein äußerst beglückendes Leseerlebnis!

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    blaustrumpfine

    12. September 2017 um 16:37

    Seit langem hat mich kein Buch mehr so begeistert wie dieses! Allerdings habe ich auch sechs Wochen dafür gebraucht, sehr viel länger als für andere Bücher desselben Umfangs. Es ist kein leichter Stoff, den Arundhati Roy hier webt, aber dafür ist es ein unglaubliches faszinierendes Geflecht verschiedener Erzählstränge, die abwechselnd in der Altstadt von Delhi und im Kaschmirtal spielen und von verschiedenen Personen und Episoden der indisch-kaschmirischen Geschichte erzählen. Da gibt es Anjum, eine Hijra, die als Aftab mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurde, als Junge aufwächst, aber sich irgendwann in einer missglückten Operation zur Frau operieren lässt. Fortan lebt sie in der Kwabgah, einem Ort in der Altstadt Delhis, an dem Menschen mit ganz unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten zusammenleben. Dann ist da Tilo oder auch S. Tilottama, Geliebte des kaschmirischen Aufständischen Musa, zeitweilige Ehefrau von Naga, dem berühmten indischen Journalisten, der heimlich mit dem Nachrichtendienst kooperiert, und heimliche Angebetete von Garson Hobart, ihrem dritten Studienfreund, mittlerweile ranghoher Mitarbeiter des Nachrichtendiensts. Die verworrene Geschichte der vier, die sehr unterschiedlichen Wege, die sie nach ihrer gemeinsamen Studienzeit gehen und die glücklich-unglückliche Liebesgeschichte von Tilo und Musa bildet den zweiten Erzählstrang der Geschichte. Weitere Rollen spielen zwei berüchtigte Folterer der indischen Armee, Amrik Singh und HKP Pinky, Bismillah, die Frau mit der Stimme wie eine Bushupe und der Wildheit und Ruchlosigkeit eines Mafiabosses aus Chicago, Miss Jebeen die Erste und Miss Udaya Jebeen die Zweite, der Hausbootbewohner Gulrez genannt Gul-kak mit seinem Gockel und seinen zwei Kätzchen, Dr. Azad Bhartiya, Begum Renata Mumtaz Madam, eine rumänische Bauchtänzerin, Tilos Mutter Maryam Ipe, Saddam Hussain, dessen Vater als angeblicher Kuhmörder gelyncht wurde, eine Bandikutratte, die mollige Ankita genannt Rolypoly, ein kaschmiri-englisches Alphabet, Genossin Maase Revathy sowie ein Mistkäfer. Ein fesselnder Roman um die Verwerfungen in und um Kaschmir, Aufstände, Verhöre und Folterungen, die Probleme im heutigen Indien mit seinem Hindu-Nationalismus, dem Kastensystem und dem alltäglichen Rassismus, Menschen, die nicht ins Raster passen, ungeahnte Babyfunde auf den Straßen Delhis und Solidarität zwischen Außenseitern und an ungewöhnlichen Orten. Gewidmet ist er den Ungetrösteten – nach der Lektüre fühlt man sich wahrhaft getröstet!

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  • Überleben im Chaos der Revolution

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Ginevra

    09. September 2017 um 20:30

    Anjum ist eine "Hijra", ein intersexueller Mensch - sie durchlebt einige Jahrzehnte indischer Geschichte voller politischer Querelen. Zunächst ihre Kindheit, in der ihre Mutter versucht, sie zum langersehnten Sohn zu erziehen, und die einen hinduistischen Schrein aufsucht, um Unterstützung zu erbeten.Anjum sieht auf der Straße die schillernden, geschminkten Hijras, die ein relativ freies Leben führen und sich in kleine Wohngemeinschaften zusammenschließen. Von der restlichen Bevölkerung werden sie gefürchtet, aber weitgehend in Ruhe gelassen. Kurz entschlossen zieht Anjum als Jugendliche in diese liebenswerte, etwas kratzbürstige Gemeinschaft ein und führt fortan ein Leben als Frau. Eines Tages nimmt Anjum ein kleines, elternloses Mädchen auf, das wiederum herrenlose Tiere "adoptiert". So wächst die Gemeinschaft, und Konflikte bleiben nicht aus. Nachdem Anjum auf einer Pilgerreise von der indischen Polizei entführt und gefoltert wird, ändert sich alles für sie - und sie zieht um: auf einen Friedhof, in dem sie ihre eigene kleine Wahlgemeinschaft gründet...Arundathi Roy, geb. 1961, ist eine politische Aktivistin und Autorin, die durch zahlreiche Reden und Veröffentlichungen berühmt wurde. Ihr erster Roman "Der Gott der kleinen Dinge" handelt von den Folgen politischer Grausamkeit und persönlicher Gewalt auf die Menschen, die in der Gesellschaft ganz unten stehen. Die Autorin kritisiert auch das Kastendenken, sowie Intoleranz zwischen religiösen und politischen Strömungen.In Arundathi Roys neuem Roman begegnen wir einer Menge tapferer Menschen, die ums Überleben kämpfen - und die dennoch ihre Ideale nicht verraten. Auf der anderen Seite lernen wir auch die Gegenseite kennen, die Unterstützer eines brutalen Regimes, die ihre Macht mit aller Gewalt sichern. Auch das Thema Flucht und Migration wird problematisiert, denn nicht alle Anträge auf Asyl in den USA entsprechen den Tatsachen... doch der Roman vermittelt auch die Hoffnung,, dass eine höhere Gerechtigkeit dafür sorgt, dass niemand sein Glück in der Grausamkeit findet, sondern an den Schuldgefühlen zugrunde geht.Mir hat an diesem Buch sehr gut gefallen, wie aus vielen zusammengesetzten Einzelgeschichten am Ende eine große Geschichte wird, die im Kleinen die Geschichte des Vielvölkerstaates Indien und seine bewegte politische Entwicklung repräsentiert. Es ist ausgerechnet ein Friedhof, auf den sich die Ausgestossenen der Gesellschaft einfinden - und aus dem sie ein kleines, funktionierendes Biotop voller Menschlichkeit zaubern. Die Hauptfiguren sind nicht immer sympathisch und schon gar nicht pflegeleicht - aber sie haben Mut, Charakter und werden mir ganz sicher lange im Gedächtnis bleiben!Fazit: ein toll erzähltes, niemals langweiliges, berührendes und facettenreiches Buch - 5 von 5 Sternen!

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  • Jenseits von Bollywood

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    sursulapitschi

    06. September 2017 um 13:58

    Dieses Buch ist kompliziert und großartig. Man muss ein bisschen beißen, bis man ankommt. Es erzählt von Indien in allen Spielarten. Ein buntes Land, ein wunderliches Land mir allerlei Gestalten der schrägsten Sorte, aber auch ein Land mit unglaublich vielen Problemen. Hier geben sich Traditionen und Toleranz die Hand an jeder Ecke. Indien ist ein einziger Widerspruch.Zunächst meint man, die Geschichte des Hermaphroditen Aftab zu lesen, der als Junge aufwächst und lieber eine Frau wäre. Nach und nach stellt man dann fest, dass Aftabs Geschichte nur der Rahmen ist für eine viel größere Geschichte, die bis heute nicht zu Ende erzählt ist.Man blickt ausführlich in das Leben von nahezu jedem, dem man hier begegnet und erhält so Streiflichter Indiens. Es geht um tragische Schicksale, verwirkte Leben, Not aus unterschiedlichsten Gründen, Randexistenzen und es geht um Kaschmir, das schon seit Jahrzehnten um Unabhängigkeit kämpft, wo der Kampf immer erbitterter wird, je länger er dauert.Der Erzählstil ist eigen und wunderbar, humorvoll, poetisch, ironisch, voller höchst indischer Wortschöpfungen und ungewohnten Bildern, die durchaus blumig sein können und dennoch Grauenhaftes beschreiben. Ab und an findet man hier eine Tragödie im Nebensatz. Das Lesen erfordert höchste Aufmerksamkeit. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich mit diesem Buch anzufreunden, auch wenn man direkt von diesem außergewöhnlichen Schreibstil gefesselt ist. Vermutlich müsste ich es auch gleich noch einmal lesen, um wirklich alles zu verstehen. Das Thema ist unglaublich komplex.„Das Ministerium des äussersten Glücks“ ist ein beeindruckendes Kunstwerk, unterhaltend, berührend und unglaublich aufschlussreich. Natürlich lässt sich ein Land mit so vielschichtigen Problemen, unterschiedlichsten Naturellen und verzwickten politisch-religiös-traditionellen Befindlichkeiten nicht richtig fassen. Aber nach dem Lesen dieses Buches hat man einen Eindruck davon, wie das indische Leben jenseits von Bollywood aussieht. Ein großes Buch, absolute Leseempfehlung.

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  • Eine Geschichte, die man sich erarbeiten muss, was sich aber lohnt

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    FlotterAnton

    31. August 2017 um 08:30

    Diese Geschichte hat mich an meine Grenzen geführt; nicht aufgrund des hohen sprachlichen Niveaus sondern aufgrund der Komplexität. Zu Beginn gab es so viele offene Fragen und lose Enden, aber ab einem gewissen Zeitpunkt gab es mit jedem weiteren Kapitel Erklärungen und Zusammenhänge wurden erkennbar. Auch emotional hat mich das Buch sehr mitgenommen. Hierzu hat sicherlich auch die detaillierte und intensive Schilderung durch die Autorin beigetragen. Es gibt so viel Armut, Leid, brutale Gewalt, Hinterhältigkeit und Korruption, aber zwischendurch gibt es auch Hoffnungsschimmer, Mitgefühl und Liebe. Teilweise fühlte ich mich von den vielen Informationen überfrachtet, zumal mir diese Vielschichtigkeit innerhalb der Bevölkerungs- und Glaubensgruppierungen nur rudimentär bekannt waren. Als Manko empfand ich die vielen eingefügten indischen Begriffe und Gedichte, die meinen Lesefluss gestört haben. Hilfreich hierbei war das am Ende eingefügte Glossar. Insgesamt ein Buch, das wahrlich nicht leicht zu lesen ist – man muss sich darauf einlassen. Ich hatte das Glück es in einer Leserunde lesen zu dürfen, was durch Hinweise und Erklärungen der anderen Teilnehmer hilfreich war.

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  • Tief berührend

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Marie1971

    29. August 2017 um 19:46

    "Nicht weil sie ihn weniger liebte, sondern weil die angeschlagenen Engel, die auf dem Friedhof Wache hielten über ihre angeschlagenen Schützlinge, die Tür zwischen den Welten offenliessen, so dass sich die Seelen der Lebenden und der Verstorbenen treffen konnten wie Gäste bei einer Party. Das machte das Leben weniger zwingend und den Tod weniger endgültig. Und alles war etwas leichter zu ertragen". Die indische Autorin Arundhati Roy hat in ihrem Buch "Das Ministerium des äussersten Glücks" mit dieser Passage sicherlich nicht nur für mich eine sehr starke Botschaft mitgeteilt. Aber davon gibt es so viele in dem Buch, so dass man mit einer Zusammenfassung der Geschichte diesem sicherlich nicht gerecht werden kann. Roy verbindet politische und zwischenmenschliche Geschehnisse, dieses mit einer Wortwahl die nicht anders als einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann. Vieles erscheint aus der Realität herausgefiltert und verstärkt somit die Emotionen beim Lesen. Vordergründig geht es um eine Hirja, deren Leben von Geburt an belichtet wird. Anjum wird mit zwei Geschlechtsteilen geboren und muss sich in einem Land, das von Vorurteilen, politischer Unterdrückung, schwerster Armut nur so strotzt, behaupten. Sie und viele andere werden, aus verschiedenen Gründen diskriminiert, verfolgt, teilweise misshandelt und finden trotzdem einen Weg aus diesem Elend hinaus um ihr Glück zu finden. Die Geschehnisse berühren tief da sie ungefiltert und authentisch dargestellt werden. Dem Leser wird manches zugemutet, wobei zu beachten ist, ab welchem Alter dieses Buch gelesen werden soll. Da die Gewaltszenen unverschönt dargestellt sind, sollte ein bereits erwachsenes Publikum sich mit dieser Geschichte befassen. Auch ist es sicherlich kein Mainstream Buch das kommerziell ausgerichtet ist und ein Massenpublikum zu begeistern weiss. Eher wird sich eine kleinere Leserschaft mit der Geschichte auseinandersetzen und für Indien und seine spezielle Problematik ihr Herz zu öffnen wissen. Für mich persönlich eine absolut lesenswerte Geschichte.

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  • Das Ministerium des äussersten Glücks

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Buecherwurm1973

    28. August 2017 um 13:19

    Eine der Protagonisten ist Anjum. Sie ist eine Hijra, sie gehört dem dritten Geschlecht an, eine die beide Geschlechter in sich vereint. Auf dem Friedhof baut sie ein Gästehaus für Minderheiten. Jeder, der von der Gesellschaft ausgestossen wurde, ist hier herzlich willkommen. Mit jedem Gast erfährt der Leser eine Geschichte mehr vom Elend Indiens oder was es heisst ein Unberührbarer zu sein. Weitere tragende Figuren sind Naga (Journalist), Musa (Widerstandskämpfer) und Biplab (Mitarbeiter des Nachrichtendienstes). Sie sind alle in dieselbe Frau verliebt und deshalb miteinander im Kaschmir-Konflikt involviert. Sie zeigen welche Schicksale und Lebensgeschichten so ein Konflikt bringt. Mich hat zum Beispiel ein kleiner Junge berührt, der dermassen einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, dass er das Regime mehr verehrt als seine Eltern. Mich hat selten ein Buch so herausgefordert wie dieses. Ich mag das. Wenn man sich auf so ein Buch einlässt, bewirkt es, dass man sich bewusster damit auseinandersetzt. Arundhati Roy will noch viel mehr. Sie will der westlichen Welt ein Blick hinter die Kulisse Indiens zeigen. Immer wieder verschieben sich die Perspektiven und man versteht nicht, in welchem Verhältnis sie zum Gelesenen stehen. Doch der Kreis schliesst sich immer wieder, fügt sich zu einem Ganzen, in Anjums Gästehaus. Wer seinen Horizont erweitern will, mehr über Indien wissen will, als man aus den Nachrichten erfährt, ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Man erfährt viel über die Geschichte, den Katastrophen und den verschiedenen Kulturen und Religionen die dieses Land prägen. Jedoch braucht es viel Geduld. Durch die Massen an Informationen und Geschichten, die auf den Leser einprasseln, liest sich das Buch nicht einfach weg. Man braucht hin und wieder eine Pause, um alles zu verarbeiten. Für einen Leser aus der westlichen Welt ist die Gewalt und die Zustände Indiens nicht einfach zu lesen. 

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  • Der Friedhof in Delhi

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Milagro

    27. August 2017 um 20:55

    Indien, Kaschmir, ein  Friedhof in Delhi, Religionsgemeinschaften, Verzweiflung, Mut und viele Menschen am Rande der Gesellschaft. Um diese Punkte und jede Menge weiterer schlingt sich eine faszinierende Geschichte der indischen Autorin Arundhati Roy. Ihr Buch passt hervorragend in die politische und gesellschaftliche Situation Indiens, 70 Jahre nach der Unabhängigkeit. Roy beschreibt so intensiv und genau jede einzelne Person ihrer Geschichte, dass ich  letztlich das Gefühl hatte, über Bekannte und Freunde zu lesen. Niemand bleibt blass, jede Handlung erscheint folgerichtig, nachvollziehbar.Völlig fremd erscheint aber zunächst der erste Erzählstrang auf dem Friedhof, dann taucht  locker als weiterer Strang ein Mädchen im Jungenkörper auf. Da wird bereits klar, das wird keine einfach strukturierte, langweilige Erzählung. Schon dort ganz am Anfang war ich gefangen vom Stil und der Atmosphäre der Geschichte. Es gibt eine unendliche Vielfalt von Personen, das könnte abschrecken, darf es aber nicht. Jede dieser Personen taucht wieder auf, es finden sich Hinweise auf den Werdegang oder die Beziehungen. Jeder Abschnitt war für mich eine einzelne Erzählung, teils von tiefer Traurigkeit, teils von Hoffnung gezeichnet. Bunt, dunkel, verstörend, laut und vielfältig, so wie dieser Moloch Delhi ist, ist auch die Geschichte. Der Friedhof als Dreh- und Angelpunkt ist schon abgedreht genug, die Lebensläufe der Protagonisten kommen dazu und dann mischt sich die Politik in diese Leben ein, mit Korruption und Gewalt. Die Familien brechen, Freundschaft ersetzt die Familie, und was genau ist eigentlich “Familie“?  Immer wieder führt Roy Stränge zusammen, die lose erschienen. Gleichwohl bleibt man als Leser immer gefangen, mit schwerem Herz vielleicht, aber man will nicht die Hoffnung verlieren.  Die Abschnitte bringen jeweils zu Ende, was begonnen wurde in der Geschichte, einzelne Personen, Orte und Geschehen fügen sich zu einem Ganzen. Alles macht nach und nach Sinn, konzentriertes Lesen vorausgesetzt. Eine Personenübersicht ist bestimmt hilfreich, wenn man Pausen einlegen muss ( was man allerdings nicht tun sollte), das Glossar habe ich nur zu Beginn genutzt. Vielmehr habe ich mich im Internet intensiv über die Geschichte Indiens und die politische Situation in Kaschmir informiert, das ist nicht erforderlich,  die Autorin beschreibt  klasse, es war mir persönlich allerdings wichtig, um noch mehr zu erfahren, denn in der Presse habe ich diese Konflikte nicht mitbekommen.Ich habe lange kein so fesselndes Buch mehr gelesen. 

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  • Salz in die Wunde

    Das Ministerium des äußersten Glücks

    Linatost

    27. August 2017 um 19:31

    Die Autorin legt mit diesem Buch ihren Finger direkt in die Wunden von Indien. Es ist nicht unbedingt eine geschlossene Geschichte. Aber doch dreht sich alles um eine Handvoll Protagonisten. Jede für sich ist eine Randfigur, die aufgrund ihres Lebensmodelles immer wieder aneckt. Allen voran ist Anjum, geboren als Zwitter, die Figur eines Mannes im Geiste eine Frau. Sie ist eine Hijra, wollte immer unbedingt Mutter werden, was ihr verwehrt wurde, dafür wird Sie Zuflucht für alle verlorenen und schenkt Ihnen so eine neue Familie. Daneben lernen wir drei Männliche Studenten kennen die alle auf ihre Weise verliebt sind in ihre Kommilitonin. Mit einem verbindet sie eine Liebe bis in den Tod, den anderen heiratet sie und bleibt so lange bis militante Truppen ihr nichts mehr anhaben können. Der Dritte gewährt ihr Zuflucht aber es bleibt eine unerwiderte Liebe. Über allem schwebt der Konflikt zwischen Kaschmir und dem Rest von Indien. Sowie der Konflikt zwischen Hindus und Muslimen. Bis ich dieses Buch las, war mir nicht bewusst, dass auch in Indien Glaubenskriege oder –konflikte herrschen. Mit diesem Buch hab ich definitiv etwas dazu gelernt. Es lohnt sich, sich durch die komplizierten Namen und Zusammenhänge zu wühlen. Das Buch belohnt mit einfühlsamen Szenen und bunten Bildern aus Indien.

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