Das Ministerium des äußersten Glücks

von Arundhati Roy 
4,3 Sterne bei46 Bewertungen
Das Ministerium des äußersten Glücks
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Positiv (39):
Lilith79s avatar

Komplexer und faszinierender Roman über das moderne Indien mit all seinen Facetten und Konflikten

Kritisch (1):
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Leider für mich sehr langatmig.

Alle 46 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Ministerium des äußersten Glücks"

In ihrem lange herbeigesehnten Roman 'Das Ministerium des äußersten Glücks' führt uns Arundhati Roy, Autorin des Weltbestsellers 'Der Gott der kleinen Dinge', an den unwahrscheinlichsten Ort, um das Glück zu finden. Eine Reihe ausgestoßener Helden ist hier mit ihrem Schicksal konfrontiert, aber sie finden eine Gemeinschaft, sie bilden eine Familie der besonderen Art.

Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht unverhofft ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine dreijährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im ersten Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf fest zwei Menschen, als hätten sie sich eben erst getroffen – dabei kennen sie einander schon ein Leben lang.

Voller Inspiration, Gefühl und Überraschungen beweist der Roman auf jeder Seite Arundhati Roys Kunst. Erzählt mit einem Flüstern, einem Schrei, mit Freudentränen und manchmal mit einem bitteren Lachen ist dieser Roman zugleich Liebeserklärung wie Provokation: eine Hymne auf das Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783100025340
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:560 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:10.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 10.08.2017 bei Argon erschienen.

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    Lilith79s avatar
    Lilith79vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Komplexer und faszinierender Roman über das moderne Indien mit all seinen Facetten und Konflikten
    Komplexer und faszinierender Roman über das moderne Indien mit all seinen Facetten und Konflikten

    Arundhati Roy ist die Autorin eines meiner absoluten Lieblingsbücher aller Zeiten, "Der Gott der kleinen Dinge", der schon vor ca. 20 Jahre erschien. Danach schrieb sie lange Zeit "nur" politische Texte und engagierte sich in Indien humanitär und politische. Dieses Jahr erschien nun ihr 2. Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks".

    Der Roman beginnt mit einer der zentralen Hauptfiguren, Anjum, einer Hijra (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Hijra ), die rein biologisch intersexuell ist und als Teenager aus ihrer verständnislosen Familie in eine Gemeinschaft anderer Hijras zieht. Doch auch aus dieser "Ersatzfamilie" zieht sie sich nach einem traumatisierenden Erlebnis zurück und verbringt ihr Leben von dort an skurrilerweise auf einem verlassenen Friedhof, auf dem sie sich zusammen mit anderen Außenseitern der indischen Gesellschaft häuslich einrichtet.

    Lose verflochten mit ihrer Geschichte ist die Geschichte von 4 Studienfreunden, 3 Männer und eine Frau um die sich in dieser Gruppe alles dreht: die gleichsam charismatische wie verschlossene Tilo. Die drei Männer sind seit dem Schauspiel-Studium mehr oder weniger unglücklich in sie verliebt und der Lebensweg der 4 kreuzt sich in den nächsten Jahrzehnten immer wieder, verbunden dadurch, dass jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise in den Kaschmir-Konflikt und dessen blutigen Auswüchsen verwickelt ist.

    Anhand dieser Personen (und noch einiger mehr) wird ein Bild Indiens der letzten Jahrzehnte gezeichnet, die großen Themen die dabei im Vordergrund stehen sind der Kaschmir-Konflikt (eine eher euphemistische Bezeichnung für einen blutigen jahrzehntelangen Krieg), die Auswirkungen von Globalisierung und Kapitalismus auf die indische Gesellschaft, Religionskonflikte, die Auswüchse des hinduistischen Nationalismus, die Unterdrückung von Minderheiten...all dies und die Auswirkungen davon wird durch die Erlebnisse der Helden der Geschichte lebendig gemacht.

    Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas Schwierigkeiten hatte in das Buch zu finden, denn grade am Anfang werden sehr viele indische Begriffe benutzt, bei denen man ein Glossar gebrauchen könnte (es gibt zwar eins, aber das deckt nur wenige Begriffe ab), allein dass ich vorher schon ungefähr wusste was Hijras sind (ihre gesellschaftliche Stellung ist deutlich komplizierter als die von Transsexuellen oder Intersexuellen in westlichen Gesellschaften), war zum Beispiel eher Zufall. Allerdings dauert es nicht lange bis man sich in die Geschichte hineinfindet und auch ohne tiefes Wissen über Indien und den Kaschmir-Konflikt problemlos zurecht kommt und ab da entfaltete die Geschichte für mich ihre volle Wirkung. Man merkt Arundhati Roy eine gewisse Wut und vielleicht sogar Zynismus im Bezug auf die politischen Verhältnisse in Indien an, trotzdem bleibt das Buch voller Wärme für ihre Hauptfiguren und auch der Kaschmir-Konflikt wird durch die unterschiedlichen Augen, die im Buch darauf schauen von mehreren Seiten beleuchtet.

    Für mich deshalb wieder ein sehr wertvolles und lehrreiches und komplexes Buch, für das man sich allerdings Zeit nehmen muss und dass sich nicht mal schnell nebenher liest. Auch sind die darin beschriebenen Grausamkeiten nichts für zarte Gemüter, aber das ist die Realität auch nicht. Und die Realität, die in diesem Buch beschrieben wird, lässt sich leider auf Regionen der ganzen Welt übertragen, genauso wie die Hintergründe der geschilderten Konflikte, so dass das Buch nicht nur ein Bild von Indien zu zeichnen scheint, sondern vom Zustand der ganzen aktuellen Weltlage. Die leider genauso wenig rosig scheint, wie der Inhalt dieses Romans, in der es aber auch genauso viel Hoffnung und Liebe im Kleinen gibt, wie sie auf Anjums' Friedhof im Buch zu finden ist.

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    c_awards_ya_sins avatar
    c_awards_ya_sinvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Der lang erwartete zweite Roman von Arundhati Roy!
    Gesellschaftskritik aus Indien

    Zwanzig Jahre nach ihrem ersten Roman - "Der Gott der kleinen Dinge" - und vielen politischen Schriften, kommt nun der langersehnte zweite Roman von Arundhati Roy.

    Getreu ihrem Leben als politische Aktivistin, Journalistin, Globalkritikerin und nebenbei Booker Preisträgerin (für ihren ersten Roman), ist "The Ministry of Utmost Happiness" ein sehr politischer Roman.

    Man wird tief in die Probleme des heutigen Indiens hineingezogen. Ein Land zwischen Moderne und Tradition, bitter arm und reich. Ein Vielvölkerstaat mit den verschiedensten Sprachen, Religionen und Interessen. Es werden Naturkathastrophen, Feminismus, das dritte Geschlecht Indiens - die Hijras -, Kasten, der Kaschmirkonflikt und einiges mehr angesprochen.

    Wer vorher noch nicht mit der Geschichte Indiens vertraut war, zumindest im Groben, der wird vor allem im ersten Teil mit Fakten überhäuft, so dass die Handlung leicht verloren gehen kann. Roy setzt viel an Wissen voraus und reiht nur die Fakten nur so aneinander.

    Das Buch ist ganz klar an Leser des indischen Subkontinents gerichtet, was auch durch die vielen Worte, die auf Urdu verwendet werden, deutlich wird. Ich finde dies sehr gelungen und authentisch. Für den europäischen Leser ist es aber natürlich nicht ganz leicht sich genaue Vorstellungen der Dinge zu machen. Es wird jedoch im Groben immer klar um was es sich handelt, zum Beispiel eine eher traditionelle Hose etc..

    Mir hat dieses Buch sehr gefallen, es ist jedoch klar zu sagen, dass es kein klassischer 08/15-Roman ist, den man mal so nebenher liest. Wer sich nicht mit der Politik Indiens und einer Gesellschaftskritik auseinandersetzen möchte, der sollte sich einen anderen guten Roman über Indien aussuchen. Dieser erwartet von einem, dass man sich über das gelesene Gedanken macht.

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    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor einem Jahr
    Ungewöhnliche Sicht auf Indien

    Vor vielen Jahren habe ich den "Gott der kleinen Dinge " gelesen und war angetan von diesem Indien,das Roy da beschreibt.So wollte ich auch dieses Buch von ihr lesen,bin aber dieses Mal nicht so gut hinein gekommen.Die meisten Personen leben auf einem Friedhof in Delhi und eine von ihnen ist ein Hermaphrodit mit männlichen und weiblichen Merkmalen.Auch zwei gefunden Babys spielen eine wichtige Rolle.Leider musste ich mich recht anstrengen um den Faden nicht zu verlieren und das fand ich manchmal recht anstrengend.

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    Susibelles avatar
    Susibellevor einem Jahr
    Das Ministerium des Äussersten Glücks

    Leider kann ich keine wirklich ausschlaggebende Rezension zu diesem Buch verfassen. Es fiel mir schwer dieses Buch zu lesen. Ich möchte es euch trotzdem empfehlen, denn jetzt im Nachhinein bereue ich es, dass ich mir viel zu wenig Zeit für dieses Buch genommen habe, denn das Buch will erarbeitet werden. Mein Problem war aber, dass ich zu Beginn viele der Personen nicht besonders sympathisch fand und ich mich immer wieder ein wenig durch die Geschichte gequält habe, teilweise sogar quer gelesen habe. Jetzt, rückblickend finde ich das sehr schade. Das Buch wurde eigentlich irgendwann immer besser. Leider habe ich die Seiten zum Teil so überflogen, so das ich einiges nicht so ganz mit bekommen habe. Hätte ich gewusst das mir das Buch immer mehr gefallen würde, hätte ich mir viel mehr Zeit genommen. Vielleicht war es auch einfach nicht der richtige Zeitpunkt und ich lese es irgendwann noch einmal. Der Schreibstil von Arundhati Roy gefällt mir ausgesprochen gut und ich werde auch den "Gott der kleinen Dinge" irgendwann mal lesen. Dieses Buch fordert seine Leser jedenfalls und man braucht eine Menge Geduld (die ich leider zu dem Zeitpunkt nicht hatte), für die man aber am Ende belohnt wird. Ein sehr anspruchsvolles Buch, man merkt das viele Jahre Arbeit in ihm stecken.

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    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Indien, mal liebenswert und menschenfreundlich, auf der anderen Seite voller Gewalt und Menschenverachtung.
    Ein Buch voller Wärme und Großherzigkeit, als auch schier unerträglicher Grausamkeit

     

    Es heißt, Arundhati Roy habe an dem Buch DAS MINISTERIUM des ÄUSSERSTEN G L Ü C K S“ zehn Jahre lang geschrieben. Wer in dieses Buch eintaucht, der versteht sofort warum es so lange dauerte, dieses Werk zu vollenden. Es ist ein lebendiger Roman, voller Wärme und Großherzigkeit, als auch schier unerträglicher Grausamkeit. Beides will vom Leser erarbeitet werden.


     Mit welchen Vorstellungen verbinden wir Indien heute,  70 Jahren nach der Unabhängigkeit vom British Empire? Kinderarbeit? Armut? IT Spezialisten? Gurus und Bollywood?


     In  „Das Ministerium des äußersten Glücks“ erlebt man als Leser ein ganz anderes Indien. Ich muss gestehen, dieses Land, das dort beschrieben wird, habe ich mir in diesen Auswirkungen nie vorgestellt.


     Im Grunde sind es zwei Roman, die erst gegen Ende des Buches zusammenlaufen. Aftab wird geboren. Ein Junge, wie seine Mutter immer wieder betont und wie sie viele Jahre versichert. Doch Aftab ist nicht eindeutig ein Junge, er hat auch die Merkmale eines Mädchens. Seite 22: „ Während der ersten Lebensjahre war Jahanara Begums Geheimnis sicher. Sie wartete darauf, dass sein Mädchenanteil heilte....“ Mädchensein als Makel. Es ist nicht mehr zu leugnen, er gehört zu den Hijras, Menschen, die nicht eindeutig des weiblichen oder männlichen Geschlechts zuzuordnen sind, da sie beide Merkmale an ihrem Körper vereinen. Doch Aftab entwickelt sich, begreift irgendwann, dass  er sich fühlt wie ein Mädchen. Er - nein sie muss ihren ganz eigenen Lebensweg gehen. Es wird ihr nicht einfach gemacht. Doch sie trifft auf Menschen, die das gleiche Schicksal teilen. Jahre später lebt sie auf dem Friedhof, schläft zwischen Gräbern. Baut mit Saddam Hussein, einem anderen Menschen, der aus seinem Leben gefallen ist, ein Gästehaus neben den Friedhof, eröffnet danach ein Bestattungsinstitut, bei dem Verstorbene einen würdigen Abschied finden, die es sich ansonsten nicht leisten könnten. Aftab oder besser Anjum ist nicht mehr allein. Es gibt mehrere Gestrandete, die sie in ihrem Leben begleiten.


     Dieser Teil des Buches ist meist in einer blumigen Sprache verfasst wie wir sie im Westen kaum verwenden. Voller Wärme, Zuneigung und Mitmenschlichkeit, dass es den Leser anrührt.


     Doch nach und nach wandelt sich der Schreibstil, die Sprache wird härter, genau wie die erzählte Geschichte. Es ist von Umsiedlung  der Armen die Rede. Seite 132: „Irgendjemand zahlt immer den Preis für den Fortschritt“ – wie wahr.  Seite 133: „Überschüssige Mütter hockten wie Spatzen auf dem Schutt, der einst ihr Zuhause gewesen war, und sangen überschüssige Kinder in den Schlaf“. Stärker kann man Armut und das Gefühl unerwünscht zu sein nicht beschreiben. Es sind Menschen, die nicht gebraucht werden. Auch das ist Indien.


     Vor dem 7. Kapitel steht: „Der Tod, ein dürrer Bürokrat, fliegt aus den Ebenen heran – „(Agha Shahid Ali)  Es beginnt das, was ich als den zweiten Roman bezeichnen möchte.


     Wir finden uns in der Welt der Herrschaft mit ihren Dienstboten, während sich dort gleichzeitig schmutzige Kinder mit Babys auf den Hüften amüsieren, indem sie auf Klingeln drücken und vor Vergnügen glucksen davonlaufen. (Seite 188). Welche Gegensätze. Seite 195: „Aus der Union-Carbide-Düngemittelfabrik in Bhopal trat Gas aus und tötete Tausende.“ Wer könnte je dieses Unglück vergessen. Auch hier zahlten die Armen den Preis für den Fortschritt.


     Es kommt die Gewalt hinzu. Soldaten. Ethnischen Gruppen. Menschen verschwinden. Werden umgebracht, indem man ihnen Steine an die Füße bindet und in Fäkaliengruben wirft. Tote mit ausgestochenen Augen. Seite 226: Einer der übelsten Männer wird beschreiben. „Eine Seuche wie er bleibt besser in Quarantäne“. Grausamkeiten, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Ein viertel Jahrhundert Kaschmir Konflikt. (Seite 233).


     Wir lernen Thilo kennen. Von der Mutter im Waisenhaus abgegeben um später von ihr adoptiert zu werden. Der einzige gangbare Weg der Mutter, ihr Kind selbst großziehen zu können. Welch kranke Welt. Thilo ist die Person, die mich in diesem Roman am meisten beeindruckte. Ich sehe sie genau vor mit, mit ihrem dunklen Teint. Auch ihr wird im Leben kein roter Teppich ausgerollt. Und trotzdem. Sie und Naga heiraten. Später trennt sich Thilo von ihm. Seite 276: „Naga heiratete sie, weil er sie nicht wirklich erreichen konnte. Und weil er sie nicht erreichen konnte, konnte er sie nicht gehen lassen. (Es stellt sich natürlich eine weitere Frage: Warum heiratete Thilo Naga? Ein großzügiger Mensch würde antworten, weil sie Schutz brauchte. Ein weniger großzügiger Mensch würde behaupten, weil sie ein Versteck brauchte.)" Immer wieder ein Weg, dieser Gewalt zu entrinnen.


     Die Beschreibung der Gewalt, die Menschen einander antun, nur weil sie einer anderen Glaubensrichtung, anderen ethnischen Gruppen angehören, hat mich schockiert und mir manchmal den Atem geraubt.


    S. 282: „Das sind alles Pakistanis und Afghanen“, sagte Ashfaq Mir, ohne sich umzudrehen oder Naga Asu dem Blick zu lassen. „Ihre Haltbarkeitsdauer beträgt höchstens sechs Monate. Am Ende des Jahres werden alle eliminiert sein. Aber wir töten keine Kaschmiri-Jungen. NIE, Nie. Außer sie gehören zum harten Kern.“ Welch unmenschliche Bezeichnung für menschliches Leben - 'Haltbarkeitsdatum‘. Etwas das abläuft und dann auf dem Müll entsorgt wird, bezeichnen wir damit. Genau so werden Menschen, die es in Indien im Überfluss gibt, benannt und auch behandelt. S. 284: „Durchschnittsalter eines Milton 17-20 Jahre“.


     Ich muss gestehen, diese Ausdrucksweisen haben mich oftmals geschockt und ich brauchte beim Lesen einige Tage Pause zwischen bestimmten Abschnitten. Wollte ganz mit dem Lesen aufhören, da es zu arg wurde und entschied mich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte fürs Weiterlesen, weil ich nicht aufhören konnte. Etwas zog mich immer wieder in den Bann dieses Buches. Wenn Menschen so ein Schicksal ertragen können, dann kann auch ein Leser ertragen, darüber zu lesen. Trotzdem, mir ging das Schicksal dieser Menschen sehr nah. Zwar ist es „nur ein Roman“, doch heißt es, die Autorin habe diese Geschichte nicht aus der Luft gegriffen, sondern an der Realität festgemacht.


     Dann ein fast tröstliches Ende. Beide Geschichten laufen zusammen und ich als Leser atmete auf. Plötzlich erschien mir der Friedhof wie eine kleine friedliche Insel, auf der Menschen Mensch sein dürfen.


     Dieser Roman ist kein Schmöker, den man sich mal so nebenher zu Gemüte führt um nach der letzten Seite den Deckel zu schließen um zur Tagesordnung überzugehen. Dieses Buch wirkt nach, lässt die Gedanken des Lesers so schnell nicht mehr los. Ich bin mir sicher, dieser Roman gehört zu der Kategorie von Büchern, die auf lange Zeit Bestand haben werden.

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    LeonoraVonToffiefees avatar
    LeonoraVonToffiefeevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wirklich außergewöhnliches, intensives und starkes Werk! Sehr gut geschrieben und wunderbar erzählt.
    Wie ein modernes indisches Märchen

    Wenn mich meine Freunde gefragt haben, worum es in diesem Buch geht musste ich jedes Mal ein wenig überlegen. 
    Spontan würde ich sagen, es geht um ein Baby. Und um Indien. Und vielleicht ist ja auch Indien dieses Baby? 


    Die Geschichte dreht sich um Anjum, die als Junge geboren wurde aber sich entscheidet eine Frau zu sein. Um Saddam Hussein, der jemanden rächen möchte und deshalb seinen Namen geändert hat. Um Thilo, die einen verlorenen Mann liebt. Um den verlorenen Mann. Um den Mann der Thilo liebt. Und um Indien, ein Land im Wandel und ein Land, insbesondere eine Region im Krieg mit sich selbst. 


    Eine Geschichte voller Konflikte, Verlust, Umbrüchen, Wandel, Selbstfindung, Angst, Liebe und Identitätssuche. Dabei entsteht keine gradlinige Geschichte, vielmehr ist sie in großen und kleinen Kreise um den Kern dieser Erzählung angelegt, schweift mal weiter mal weniger weit aus und kommt aber immer wieder auf eins zurück: den Friedhof in dem alles seinen Anfang und sein Ende findet.


    An manchen stellen mutet das Buch wie ein Märchen an, es ist bunt und detailreich erzählt. Unglaublich viele Menschen, Namen, Orte und Einzelschicksale werden angesprochen, dass man leicht durcheinander kommt. Trotzdem trägt es zur ausladenden Geschichte bei und versucht damit das Bild eines riesigen Landes zu zeichnen, das in seiner Fülle und seinen Problemen unmöglich auf diese Seiten passt. Auch am Ende des Buches bleiben unglaublich viele Fragen und Unklarheiten über das Kernthema - die Konfliktgeladene Region Kaschmir - zurück, trotzdem versucht es einen Einblick in genau diese Region zu geben. 


    Das Buch ist lang und dicht, ich brauchte meine Zeit zum lesen. Es ist definitiv schwierig meine Meinung, meine Gedanken hier ganz eindeutig darzulegen, weil mich das Buch in seiner Gesamtheit doch ein wenig überwältig hat. Ich bin fasziniert davon, wie ein einzelner Mensch eine so gewaltige und ausufernde Geschichte in all seinen Einzelheiten schreiben kann. Definitiv eine Meisterleistung. Die Dame kann schreiben und eine Geschichte erzählen!


    Ich bin jedenfalls begeistert! Es ist keine leichte Kost, das Buch verlangt Zeit und Aufmerksamkeit, aber wenn man ihm beides schenkt wird man mit großer Erzählkunst und einer außergewöhnlichen Geschichte belohnt. 

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    Eine zertrümmerte Geschichte

    „Romane sind Eintöpfe“, so betitelte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Arundhati Roy vom Sommer dieses Jahres. Eine Aussage, der mancher Schriftstellerkollege und so mancher Kritiker und Leser sicher gerne vehement widersprechen möchte. Und so hat der lang erwartete Roman der Autorin, die 1997 mit ihrem Erstling „Der Gott der kleinen Dinge“ einen phänomenalen, weltweiten Erfolg hatte und den Booker Prize gewann, nicht nur positive Kritiken erhalten. „Gescheitert“, „ihrem Stoff nicht gewachsen“, am häufigsten „chaotisch“ waren einige der Urteile. Vielleicht keine Eintopfliebhaber, oder zumindest nicht in der Lage, die subtilen Geschmäcke der einzelnen Zutaten und ihren manchmal ungewohnten Zusammenklang zu genießen. Nicht nur in der Küche gibt es Freunde der Trennkost oder des Simple Food. Diese tun sich mit dem „Ministerium des äußersten Glücks“ wahrlich keinen Gefallen. Arundhati Roy packt allerhand Zutaten in ihren „Romaneintopf“, würzt mit unzähligen Aromen und kreiert einen so poetischen wie politisch scharfen literarischen Hochgenuss.
    Die 56jährige studierte Architektin Roy gilt seit ihrem literarischen Erfolg Ende der neunziger Jahre als eine der wichtigsten Stimmen Indiens. Und diese hat sie immer wieder erhoben, wenn es galt, gegen politische oder religiöse Ausgrenzung, Menschenrechtsverletzungen, Pogrome oder den erstarkenden Hindunationalismus in ihrer Heimat vorzugehen. Anders als viele ihrer Kollegen lebt die Autorin immer noch in Delhi, reist viel durchs Land, kommt mit den Leuten ins Gespräch. Sie ist eine erklärte Globalisierungskritikerin und engagierte Umweltaktivistin. Spätestens seit ihrem Engagement im immer noch schwelenden Kaschmir-Konflikt gilt sie für viele Nationalisten als Volksfeindin.
    Aber Arundhati Roy betont immer wieder, in ihren politischen Essays sowohl wie im vorliegenden Roman, dass Indien eben nicht nur das Land der Hindus, das der höheren Kasten ist. Sie preist die Vielfalt, das Zusammenleben, von Hindus, Moslems, Christen sowohl wie das der unterschiedlichen Kasten, die sie als eins der Grundübel der indischen Gesellschaft auch im modernen Indien entdeckt. So sind beispielsweise auch heutzutage nur wenige Ehen kastenübergreifend.
    Im „Ministerium des äußersten Glücks“ erzählt Roy eigentlich zwei unterschiedliche Geschichten, die sie am Ende zusammenführt. In beiden erzählt sie von den Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten in der indischen Gesellschaft. Da tauchen sowohl das Giftgasunglück in Bhopal 1984, als auch die schweren Ausschreitungen im Bundesstaat Gujarat 2002 auf, bei denen nach einem Brandanschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern unter Duldung der Regierungspartei BJP regelrecht Hatz auf die muslimische Bevölkerung gemacht wurde (der Spiegel titelte damals „Blutrausch wie im Mittelalter“). Massaker an den unberührbaren Kasten der Dalits und Adivasis sind genauso Thema wie die zunehmende Islamfeindlichkeit nach 9/11 und der Kaschmirkonflikt, der seit 1947 schwelt (oder auch zeitweise lichterloh brennt). Ziemlich viele politische Themen, die Arundhati Roy unter den Nägeln brennen und die sie hier, wie ich finde, großartig in eine oder wie gesagt zwei Geschichten einflicht.
    Da ist einmal die Geschichte von Anjum, die als kleiner Junge Aftab auf die Welt kam, deren Eltern aber zu ihrem großen Entsetzen feststellen mussten, dass das Kind nicht nur ein Geschlecht besitzt, sondern sowohl Junge als auch Mädchen ist. Hijra werden in Indien diese inter- oder transsexuellen Menschen genannt und es gibt (zumindest auf den Wahlzetteln) neben männlich und weiblich noch die Option „anderes“. Wer allerdings denkt, dass die indische Gesellschaft hier mit mehr Toleranz reagiert, irrt. Zwar werden Hijras teilweise aus Aberglauben gefürchtet, aber gesellschaftlich weitgehend geächtet, leben oft in Kommunen zusammen und haben als Broterwerb oft nur die Prostitution oder Bettelei zur Auswahl.
    Anjum kommt diese Furcht zu Hilfe, als sie dadurch nur knapp einem Massaker entkommt. Sie zieht sich daraufhin ganz auf einen Friedhof in Alt-Delhi zurück, lebt zwischen den Gräbern, zieht nach und nach andere Außenseiter, für die auch kein Platz in der Gesellschaft zu sein scheint, an. Das Jannat („Paradies“) Gästehaus entsteht, Arundhati Roys Lob auf die Unkonventionalität, die Abweichung, sowohl was Geschlecht als auch Religion oder Kaste angeht. Die Protagonisten sind zerrissen wie ihr Land, auch durch sie gehen unsichtbare Grenzen hindurch.
    Die zweite Geschichte, die erzählt wird, ist noch komplexer. Sie handelt von vier Freunden, drei Männern, die alle die gleiche Frau lieben, die Studentin Tilottama. Sie entwickeln sich in Laufe der Jahre alle sehr unterschiedlich. Der eine wird kritischer Journalist, später Regierungsinformant und heiratet Tilo; der andere geht in den Untergrund, um im Kaschmirkonflikt gegen die Regierung zu kämpfen und bleibt Tilos große Liebe; der dritte wird Mitglied des Inlandgeheimdienstes. Letzterer ist die wohl am meisten negativ besetzte Figur. Dennoch gestaltet Roy ihn nicht nur äußerst ambivalent, weder gut noch böse, sondern sie verleiht ihm als einzigem die Ich-Perspektive. Ein interessanter Schachzug. Die Geschichte der Drei in unruhigen, politisch instabilen Zeiten bildet den mittleren Teil des Buchs. Ab hier wird die Geschichte disparat, bietet nicht nur zwei Perspektiven, sondern fügt auch anderes Textmaterial wie Akten, Notizen, Pamphlete, Gedichte und Lieder hinzu. Außerdem bekommt sie ein höheres Tempo. Manch Leser fühlt sich ein wenig wie in ein Labyrinth von Figuren, Geschehnissen und Fakten gezogen. Die Autorin behält aber alle Fäden fest in der Hand und vereinigt die beiden Erzählstränge man Ende zu einer Art Märchenschluss. Trotz all des Chaos und der Widersprüche, all des Elend und der Grausamkeit ist Hoffnung für sie möglich, ja sogar „äußerstes Glück“. Vielleicht liegt es hier in der kleinen Gegengesellschaft auf dem Jannat-Friedhof.
    Arundhati Roy hat ein Anliegen, nein, sie hat sogar viele. Das ist bei einer solch engagierten, politischen Person nicht verwunderlich. Durch ihre poetische Sprache, ihre Liebe zum Detail und ihre Figuren, durch ihren Humor und die Genauigkeit ihres Blicks wird daraus aber nie ein Dozieren, ein Pamphlet, sondern ein wunderbarer literarischer Eintopf mit vielen delikaten Aromen.
    „Ich wollte keinen folgsamen, zivilisierten Roman schreiben, so wie sich die Leute einen Roman vorstellen, sondern wollte die Erwartungen brechen, denn die Dinge sind brüchig hier, bei uns, in dieser Welt. Ich erzähle eine zertrümmerte Geschichte.“

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    fantafees avatar
    fantafeevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schrecklich schön. Indien auf großartiger Leinwand. Nicht einfach - aber es lohnt sich!
    Indien : Schrecklich schön

    Nein, einfach macht es einem die Autorin nicht. Man muss sich das Glück dieses Buches wirklich erkämpfen.

    Auf großer Leinwand wird die Geschichte Indiens zwischen den 1960er Jahren und heute anhand mehrerer Figuren erzählt. Man taucht man ein in die Welt von Anjum, einer Hijra (geschlechtsuneindeutiger Mensch, weder Mann noch Frau). Man erfährt wie sie als Junge erzogen wurde, sich aber immer mehr als Frau fühlt und sich zu einer Geschlechtsumwandlung entschließt. Zusammen mit Gleichgesinnten lebt sie lange in einer Kwabgah, Wohngemeinschaft, bis sie später auf einen alten Friedhof zieht. Hier in ihrem „Hotel" finden immer mehr Aussenseiter eine neue Heimat. Darunter auch Tilottama, meist nur Tilo genannt, eine starke Frau, mit bewegten Vergangenheit. Anhand dieser beiden Hauptpersonen und vielen Nebendarstellern wird die bewegende Geschichte Indiens und besonders der Kaschmirkonflikt wie mit einem Scheinwerfer beleuchtet. Manchmal grell, brutal und voller Gewalt, so möchte man seinen Blick abwenden und gleichzeitig voller Poesie, Liebe, Hoffnung und in einer Farbenpracht, die das Herz bewegt und die Augen öffnet.

    Wer sich auf darauf einlässt und sich von den vielen fremden Namen und Begriffen nicht fürchtet, wird mit einer grandiosen Reise durch Indien belohnt. Ich hatte anfangs wirklich meine Probleme, mein Lesetempo war unglaublich langsam, denn öfters musste man das Gelesene wirken lassen. Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mir Zitate heraus geschrieben habe. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Buch am Ende so beeindruckt zurücklässt.

    Für mich eine Leseentdeckung!

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    blaustrumpfines avatar
    blaustrumpfinevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein rauschhafter Schmöker, der von Glück, Hass, Liebe, Bürgerkrieg, Indien, Kaschmir, Friedhöfen und alten Vögeln erzählt. Ganz großes Kino!
    Ein äußerst beglückendes Leseerlebnis!

    Seit langem hat mich kein Buch mehr so begeistert wie dieses! Allerdings habe ich auch sechs Wochen dafür gebraucht, sehr viel länger als für andere Bücher desselben Umfangs. Es ist kein leichter Stoff, den Arundhati Roy hier webt, aber dafür ist es ein unglaubliches faszinierendes Geflecht verschiedener Erzählstränge, die abwechselnd in der Altstadt von Delhi und im Kaschmirtal spielen und von verschiedenen Personen und Episoden der indisch-kaschmirischen Geschichte erzählen.

    Da gibt es Anjum, eine Hijra, die als Aftab mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurde, als Junge aufwächst, aber sich irgendwann in einer missglückten Operation zur Frau operieren lässt. Fortan lebt sie in der Kwabgah, einem Ort in der Altstadt Delhis, an dem Menschen mit ganz unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten zusammenleben.

    Dann ist da Tilo oder auch S. Tilottama, Geliebte des kaschmirischen Aufständischen Musa, zeitweilige Ehefrau von Naga, dem berühmten indischen Journalisten, der heimlich mit dem Nachrichtendienst kooperiert, und heimliche Angebetete von Garson Hobart, ihrem dritten Studienfreund, mittlerweile ranghoher Mitarbeiter des Nachrichtendiensts. Die verworrene Geschichte der vier, die sehr unterschiedlichen Wege, die sie nach ihrer gemeinsamen Studienzeit gehen und die glücklich-unglückliche Liebesgeschichte von Tilo und Musa bildet den zweiten Erzählstrang der Geschichte.

    Weitere Rollen spielen zwei berüchtigte Folterer der indischen Armee, Amrik Singh und HKP Pinky, Bismillah, die Frau mit der Stimme wie eine Bushupe und der Wildheit und Ruchlosigkeit eines Mafiabosses aus Chicago, Miss Jebeen die Erste und Miss Udaya Jebeen die Zweite, der Hausbootbewohner Gulrez genannt Gul-kak mit seinem Gockel und seinen zwei Kätzchen, Dr. Azad Bhartiya, Begum Renata Mumtaz Madam, eine rumänische Bauchtänzerin, Tilos Mutter Maryam Ipe, Saddam Hussain, dessen Vater als angeblicher Kuhmörder gelyncht wurde, eine Bandikutratte, die mollige Ankita genannt Rolypoly, ein kaschmiri-englisches Alphabet, Genossin Maase Revathy sowie ein Mistkäfer.

    Ein fesselnder Roman um die Verwerfungen in und um Kaschmir, Aufstände, Verhöre und Folterungen, die Probleme im heutigen Indien mit seinem Hindu-Nationalismus, dem Kastensystem und dem alltäglichen Rassismus, Menschen, die nicht ins Raster passen, ungeahnte Babyfunde auf den Straßen Delhis und Solidarität zwischen Außenseitern und an ungewöhnlichen Orten. Gewidmet ist er den Ungetrösteten – nach der Lektüre fühlt man sich wahrhaft getröstet!

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    Ginevras avatar
    Ginevravor einem Jahr
    Überleben im Chaos der Revolution



    Anjum ist eine "Hijra", ein intersexueller Mensch - sie durchlebt einige Jahrzehnte indischer Geschichte voller politischer Querelen. Zunächst ihre Kindheit, in der ihre Mutter versucht, sie zum langersehnten Sohn zu erziehen, und die einen hinduistischen Schrein aufsucht, um Unterstützung zu erbeten.
    Anjum sieht auf der Straße die schillernden, geschminkten Hijras, die ein relativ freies Leben führen und sich in kleine Wohngemeinschaften zusammenschließen. Von der restlichen Bevölkerung werden sie gefürchtet, aber weitgehend in Ruhe gelassen. Kurz entschlossen zieht Anjum als Jugendliche in diese liebenswerte, etwas kratzbürstige Gemeinschaft ein und führt fortan ein Leben als Frau. 
    Eines Tages nimmt Anjum ein kleines, elternloses Mädchen auf, das wiederum herrenlose Tiere "adoptiert". So wächst die Gemeinschaft, und Konflikte bleiben nicht aus. Nachdem Anjum auf einer Pilgerreise von der indischen Polizei entführt und gefoltert wird, ändert sich alles für sie - und sie zieht um: auf einen Friedhof, in dem sie ihre eigene kleine Wahlgemeinschaft gründet...

    Arundathi Roy, geb. 1961, ist eine politische Aktivistin und Autorin, die durch zahlreiche Reden und Veröffentlichungen berühmt wurde. Ihr erster Roman "Der Gott der kleinen Dinge" handelt von den Folgen politischer Grausamkeit und persönlicher Gewalt auf die Menschen, die in der Gesellschaft ganz unten stehen. Die Autorin kritisiert auch das Kastendenken, sowie Intoleranz zwischen religiösen und politischen Strömungen.

    In Arundathi Roys neuem Roman begegnen wir einer Menge tapferer Menschen, die ums Überleben kämpfen - und die dennoch ihre Ideale nicht verraten. Auf der anderen Seite lernen wir auch die Gegenseite kennen, die Unterstützer eines brutalen Regimes, die ihre Macht mit aller Gewalt sichern. Auch das Thema Flucht und Migration wird problematisiert, denn nicht alle Anträge auf Asyl in den USA entsprechen den Tatsachen... doch der Roman vermittelt auch die Hoffnung,, dass eine höhere Gerechtigkeit dafür sorgt, dass niemand sein Glück in der Grausamkeit findet, sondern an den Schuldgefühlen zugrunde geht.


    Mir hat an diesem Buch sehr gut gefallen, wie aus vielen zusammengesetzten Einzelgeschichten am Ende eine große Geschichte wird, die im Kleinen die Geschichte des Vielvölkerstaates Indien und seine bewegte politische Entwicklung repräsentiert. Es ist ausgerechnet ein Friedhof, auf den sich die Ausgestossenen der Gesellschaft einfinden - und aus dem sie ein kleines, funktionierendes Biotop voller Menschlichkeit zaubern. Die Hauptfiguren sind nicht immer sympathisch und schon gar nicht pflegeleicht - aber sie haben Mut, Charakter und werden mir ganz sicher lange im Gedächtnis bleiben!


    Fazit: ein toll erzähltes, niemals langweiliges, berührendes und facettenreiches Buch - 5 von 5 Sternen!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    "Wie erzählt man eine zerbrochene Geschichte?
    Indem man sich langsam in alle verwandelt.
    Nein.
    Indem man sich langsam in alles verwandelt."

    20 Jahre lang hat die literarische Welt auf dieses Werk gewartet. Aber die lange Wartezeit hat sich gelohnt: Mit "Das Ministerium des äußersten Glücks" kehrt die indische Autorin Arundhati Roy zurück und erobert weltweit die Bestsellerlisten innerhalb kürzester Zeit.
    In ihrem neuen Roman stellt sie uns ganz besondere Charaktere vor und nimmt uns auf eine faszinierende Reise quer durch den indischen Kontinent mit.
    Wieder einmal beweist Arundhati Roy, dass sie eine großartige Schriftstellerin ist. Sie überzeugt mit ihrem grandiosen Schreibstil und die Liebe zu ihrer Heimat spürt man auf jeder Seite.

    Rechtzeitig vor dem Erscheinungstermin habt ihr die Möglichkeit, in einer exklusiven Leserunde diesen außergewöhnlichen Roman der Booker Prize Gewinnerin Arundhati Roy zu lesen.

    Zum Inhalt
    Arundhati Roy, die Autorin des Weltbestsellers "Der Gott der kleinen Dinge", kehrt zurück! Ihr lange herbeigesehnter Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks" führt uns an den unwahrscheinlichsten Ort, um das Glück zu finden. Eine Reihe ausgestoßener Helden ist hier mit ihrem Schicksal konfrontiert, aber sie finden eine Gemeinschaft, sie bilden eine Familie der besonderen Art.
    Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht unverhofft ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine 5-jährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im ersten Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf fest zwei Menschen, als hätten sie sich eben erst getroffen – dabei kennen sie einander schon ein Leben lang.
    Voller Inspiration, Gefühl und Überraschungen beweist der Roman auf jeder Seite Arundhati Roys Kunst. Erzählt mit einem Flüstern, einem Schrei, mit Freudentränen und manchmal mit einem bitteren Lachen ist dieser Roman zugleich Liebeserklärung wie Provokation: eine Hymne auf das Leben.


    Seid ihr bereit für eine Leseprobe?

    Zur Autorin
    Arundhati Roy wurde 1959 geboren, wuchs in Kerala auf und lebt in Neu-Delhi. Den internationalen Durchbruch schaffte sie mit ihrem Debüt "Der Gott der kleinen Dinge", für das sie 1997 den Booker Prize erhielt. Aus der Weltliteratur der Gegenwart ist er nicht mehr wegzudenken. In den letzten zehn Jahren widmete sie sich außer ihrem politischen und humanitären Engagement vor allem ihrem zweiten Roman "Das Ministerium des äußersten Glücks".

    Möchtet ihr eine ganz neue Welt kennenlernen? Wollt ihr ganz besondere Romancharaktere treffen, die mit ihren Schicksalen unter die Haut gehen?
    Wenn die Antwort auf diese Fragen "ja" ist, dann dürft ihr diese exklusive Leserunde nicht verpassen.

    Zusammen mit S. FISCHER verlosen wir exklusiv und noch vor dem Erscheinungstermin 25 Exemplare von "Das Ministerium des äußersten Glücks" unter allen, die sich im Rahmen unserer Leserunde über diesen überwältigenden Roman austauschen und eine Rezension schreiben möchten. Bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 25.07. und antwortet auf folgende Frage:

    Warum seid ihr die Richtigen für die Teilnahme an unserer exklusiven Leserunde?

    Überzeugt uns!

    Ich freue mich jetzt schon auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!

    * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.
    Zur Leserunde

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    Roy ist eine der besten Schreiberinnen auf dem Subkontinent. Eine geniale Beobachterin Indiens, ironisch im Ton, herzhaft in der Sache.

    [Man will] nur staunen über diese Beharrlichkeit, aufzubegehren, und über die poetische Kraft, mit der sie dies tut. Beides zusammen verleiht ihr eine einmalige Größe.

    […] ein rasanter Roman, der ein Füllhorn von Romanen ist […]

    So fasziniert dieser Roman […]. Nach der Lektüre wird man nie mehr mit den Augen eines unschuldigen Globetrotters ein Land wie Indien bereisen können.

    So erweist sich 'Das Ministerium des äußersten Glücks' als große Romanallegorie auf Indiens Geschichte seit der Unabhängigkeit […] formvollendeter und überkultureller kann kaum erzählt werden.

    Das ist ein Sujet alttestamentarischer Wucht und Schwere, die in der kraftvollen, poetischen Sprache Roys einen angemessenen Hallraum findet.

    […] ein überwältigendes Panorama Indiens […] ein Palimpsest mit tausend Schichten und Geschichten, ein reales Märchen, labyrinthisch verflochten wie ein Banyan-Baum mit tausend Luftwurzeln […]

    Arundhati Roy gelingt das Kunststück aus diesem komplexen Material einen ebenso emotional bewegenden wie politisch engagierten Roman zu schmieden.

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