Arved Fuchs Im Schatten des Pols

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Inhaltsangabe zu „Im Schatten des Pols“ von Arved Fuchs

100 Jahre Shackleton Im eisigen Weddelmeer der gnadenlosen Antarktis schwimmt einsam ein winzig kleines hölzernes Boot. Seine roten Segel braucht es zur Stabilisierung gegen den Sturm, der es wie einen Spielball vor sich her treibt. An Bord befinden sich drei Männer und eine Frau, allesamt müde und angespannt. Kein Wunder, denn momentan scheint es ungewiss, ob sie ihr Ziel Südgeorgien noch erreichen werden, und vor allem: ob sie es rechtzeitig genug erreichen werden, denn vor einigen Tagen sind ihnen 200 Liter kostbares Trinkwasser ins Boot geplätschert, fast die Hälfte ihres Vorrates – die Tanks schlugen leck. Dies ist kein historisches Abenteuer, wir befinden uns im Jahr 2000. Doch eine manchmal beängstigend ähnliche Situation spielte sich hier schon 1916 ab: Es geht um die legendäre Rettungsaktion von Sir Ernest Shackleton, bei der er nach dem Sinken der ENDURANCE nach einem dramatischen Törn im Rettungsboot alle 27 Mitglieder seiner Expedition retten konnte. – Viel ist darüber geschrieben worden, doch die Reise eins zu eins zu wiederholen, dazu bedarf es schon ganz besonders außergewöhnlichen Mutes und einer genauen Planung. Arved Fuchs, Abenteurer. Expeditionsreisender, Seemann, ist für eben diese Tugenden bekannt. So glückte das Abenteuer, das Fuchs und seine Crew für immer in die Nähe des großen Ernest Shackleton hebt. (Quelle:'Flexibler Einband/29.04.2014')

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    Im Schatten des Pols

    R_Manthey

    21. August 2015 um 14:33

    Man muss nicht alles verstehen, auch wenn es immer wieder reizvoll zu sein scheint, begreifen zu wollen, warum Menschen Dinge tun, auf die man selbst nicht im Traum kommen würde, weil man sie als einen Beweis für irrationale Todessehnsucht ansieht. Der Beruf des professionellen Abenteurers scheint nicht auszusterben. Im Jahre 1914 verspürte einer von ihnen den dringenden Wunsch, den ramponierten Ruf seiner englischen Berufskollegen wieder herzustellen. An Nord- und Südpol hatten sie aus ihrer Sicht vernichtende Niederlagen eingesteckt. Ernest Shackleton beschloss daher, dass er unbedingt zum Ruhm Großbritanniens die Antarktis über den Pol durchqueren müsse. Was heute kaum noch sonderliche öffentliche Erregung hervorrufen würde, war damals eine Reise ins Ungewisse. Shackleton organisierte dieses Vorhaben mit zwei Schiffen, eines sollte ihn an den Start bringen, das andere die Expedition auf der Gegenseite des Kontinents abholen. Beide Schiffe hatten keinen Kontakt mehr nachdem sie die Reise begonnen hatten. Selbst wenn also Shackleton seine Durchquerung der Antarktis gelungen wäre, hätten er und seine Mannschaft nur dann eine Überlebenschance gehabt, wenn das zweite Schiff tatsächlich dort angekommen wäre, wo es gebraucht wurde. Dass dies keinesfalls sicher war, bewies Shackleton selbst, denn er schaffte es noch nicht einmal, an den Startpunkt zu gelangen. Sein Schiff saß viele Meilen von der Küste entfernt im Packeis fest und wurde schließlich zerquetscht. Der Fluch schlechter Ausrüstung und noch schlechteren Timings englischer Abenteurer hatte erneut zugeschlagen. Das folgende Drama, in dem es Shackleton schließlich gelang, seinen Teil der Mannschaft komplett zu retten, machte ihn zum Volkshelden. Nach einer Drift auf einer großen Eisscholle erreichte die Mannschaft nach vielen Monaten eine unbewohnte Insel, von der aus Shackleton zusammen mit fünf anderen in einem kleinen Rettungsboot hunderte von Meilen durchs Eismeer nach Südgeorgien segelte, von wo aus Nachrichten abgesandt und so die endgültige Rettung aller organisiert werden konnte. Neben der unglaublichen navigatorischen Leistung, die man erst versteht, wenn man das Buch von Arved Fuchs gelesen hat, muss man unbedingt die fürchterlichen körperlichen Entbehrungen erwähnen, die schließlich zu dieser Rettung geführt haben. Nachdem die Sechs auf wundersame Weise die Insel überhaupt erreicht hatten, mussten sie diese noch ein unwirtliches und hohes Gebirge überqueren, um schließlich auf der anderen Seite zu der Walfänger-Station zu gelangen, die endgültig das Überleben aller sicherte. Wahrscheinlich übersteigt es unser Vorstellungsvermögen, denn tatsächlich nachfühlen kann man diese Geschichte nicht. Bei Shackleton ging es um das Überleben seiner Mannschaft, für die er immerhin eine enorme Verantwortung verspürte. Was aber in aller Welt treibt 85 Jahre danach jemanden an, ohne Not dieselben Strapazen auf sich zu nehmen? Fuchs schreibt dazu (Seite 71): "Ist es zynisch, sich freiwillig auf eine Stufe mit verzweifelten Menschen zu begeben, die von keinem anderen Wunsch beseelt waren, als heil nach Hause zu kommen. Ist es der Kick, den der zivilisationsmüde Abenteurer braucht, wie der Junkie seine Spritze?" Bevor hier unterschwellige Selbstzweifel zum Vorschein zu kommen drohen, fährt Fuchs jedoch etwas kryptisch fort: "Ich unternehme Expeditionen, weil sie mir positive Lebenseindrücke vermitteln – und nicht, weil ich eine masochistische Ader in mir verspüre. Eine gewisse Leidensfähigkeit und eine Portion Fatalismus gehören wohl dazu, sind aber nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck." Wenn es nur um "positive Lebenseindrücke" gehen würde, könnte man meinen, dass man dies auch einfacher bekommen kann. Allerdings wäre einem dann weniger Aufmerksamkeit gewiss, was wiederum finanzielle Folgen hätte. Es muss eben doch spektakulär sein, nur zugeben kann man dies offenbar nicht. Wie auch immer – dieses Buch ist nicht lesenswert, weil man unbedingt die folgenden Abenteuer des Arved Fuchs mitfinanzieren möchte, sondern weil es tatsächlich eine Reihe von wichtigen Erkenntnissen über Shackleton und seine Expedition vermittelt. Man kann über Fuchs denken, was immer man will – sein Buch trägt enorm dazu bei die Ereignisse von 1916 besser zu verstehen und um die übermenschliche Leistung der sechs Leute zu würdigen, die in einem viel zu kleinen Boot ohne Motor und nur mit einem Sextanten ausgerüstet Südgeorgien erreichten. Um mit dem Sextanten zu navigieren, braucht man beide Hände und die Sonne. Man konnte sich aber auf dieser wackeligen Nussschale von Boot bei orkanartigem Sturm nicht freihändig bewegen ohne Gefahr zu laufen, ins eisige Meer gespült zu werden. Und die Sonne scheint dort fast nie. Auch die üblichen navigatorischen Tabellen fehlten der Besatzung, sodass erst schwierige Berechnungen den nötigen Kurs ergaben. Es ist daher ein Wunder, eine geniale Leistung oder vielleicht auch nur Glück, dass die Sechs nicht einfach ohne Rückkehrmöglichkeit an Südgeorgien vorbei segelten. Ein kleiner Rechen- oder Bedienungsfehler hätten dafür nämlich bereits gereicht. Die Ankunft Shackletons und seiner fünf Begleiter auf Südgeorgien ist wegen der extrem schwierigen Strömungs- und Windverhältnisse in diesem Seegebiet wahrscheinlich lediglich ein Glücksfall. So jedenfalls sieht es Fuchs nach seinen eigenen Erfahrungen. Darüber hinaus diskutiert er die Alternativen zu Südgeorgien, was wegen der Heldenverehrung des Ernest Shackleton schon etwas den Charakter eines Sakrilegs besitzt. Aber auch diese Diskussion hilft, wie das ganze Buch, die damaligen Ereignisse besser oder überhaupt erst zu verstehen. Insofern haben die zahlreichen "positiven Lebenseindrücke", die Fuchs und seine Begleiter durchnässt und bei eisigem Sturm verspürt haben müssen, auch für die Leser dieses Buches einen gewissen Sinn.

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  • Auf Shackletons Spuren

    Im Schatten des Pols

    MrsFoxx

    07. March 2014 um 14:15

    "Nicht ein Leben verloren" telegrafierte Sir Ernest Shackleton am 3. September 1916 an seine Frau. Knapp zwei Jahre zuvor machte er sich mit einer 22-köpfigen Mannschaft von Südgeorgien aus auf den Weg, die Antarktis zu durchqueren. Doch unerwartet harte Bedingungen am Südlichsten Zipfel der Welt lässt ihr Schiff ENDURANCE sinken und die Mannschaft findet nach monatelangem Treiben in der antarktischen See Zuflucht auf einer kleinen Insel. Da dort keine Hilfe zu erwarten ist, macht sich Shackleton mit nur 5 Männern auf eine unvergleichliche Odyssee, seine Mannschaft zu retten. Ihre einzige Hoffnung: die JAMES CAIRD, ein nur 7m langes Rettungsboot. Ihr Gegner: der Atlantische Ozean.  85 Jahre später macht sich der deutsche Forscher Arved Fuchs in einem originalgetreuen Nachbau des Rettungsbootes, seiner JAMES CAIRD II auf den Weg, Shackletons waghalsige Reise zu wiederholen.  Ein großartig geschriebenes Buch von der Nachahmung einer beispiellosen und unvergleichlichen Rettungsaktion. Flüssig und spannend geschrieben, lassen einen die kurzen eindrucksvollen Kapitel gar nicht mehr los. Gespickt ist das Ganze natürlich mit vielen großartigen Fotos und Karten, auf denen die Routen der verschiedenen Schiffe abgebildet sind. Arved Fuchs' Schilderungen über die Kälte, Nässe und die Eisberge in der stürmischen See ließen mich selbst bei 24°C immer wieder frösteln. Ein großartiges Buch, das mit Sicherheit nicht mein letztes von Arved Fuchs und einer seiner Expeditionen war.  Durch Zufall bin ich auf den deutschen Ausnahmeforscher gestossen, der als erster Mensch innerhalb eines Jahres den Nord- und Südpol zu Fuß erreichte. Begeistert hat er mich bei seinem Vortrag "Nordpoldämmerung", bei dem er Foto- und Filmaufnahmen seiner Greely-Expedition zeigte. Bei dieser Veranstaltung habe ich auch dieses Buch entdeckt, von ihm signiert bekommen, und bin nun gänzlich Fan von Arved Fuchs und seiner Crew.  Fazit: Auf Shackletons Spuren im härtesten Meer der Welt. Für alle Interessierte und Freunde der Antarktis oder den frühen Forschern: Lesen! Ihr werdet es großartig finden!

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