Arzu Toker Kein Schritt zurück

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Inhaltsangabe zu „Kein Schritt zurück“ von Arzu Toker

Was bedeutet Ehre im Islam? Um wessen Ehre geht es? Arzu Toker setzt sich literarisch mit dem Verständnis von Ehre auseinander. Das ursprünglich für den Hörfunk verfasste Feature Die Balkonmädchen beschreibt den Konflikt zwischen dem Drängen junger Migrantinnen in Deutschland, frei zu leben, und den traditionellen Anforderungen ihrer Herkunftsfamilien. In dem Prosatext Verschenkte Freiheit klagt eine Mutter voller Wut und Schmerz über den Verlust ihrer Tochter an eine islamische Sekte. Das Nachwort ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit. Die Freiheit von religiösen Zumutungen. Die Freiheit von nationalen Fesseln. Ein Plädoyer für eine Utopie der Entwicklung gemeinsamer grenzüberschreitender Werte.

Ein anderes Bild der „türkischen Frau“. Kein Generationenkonflikt: Das geht uns alle an.

— Alexis
Alexis
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    Kein Schritt zurück
    Alexis

    Alexis

    12. February 2014 um 11:56

    Das Buch besteht aus zwei Teilen, dem Feature „Balkonmädchen“ (2008 im WDR als Hörspiel gesendet) und dem Essay „Verschenkte Freiheit“ Die Balkonmädchen Mädchen, die vom Balkon „fallen“, weil sie „Gefallene“ sind: Wenn die Töchter nicht unberührt in die Ehe gehen, kann die Familienehre nur durch ihren Tod wiederhergestellt werden. Diese islamische „Kultur“, in Deutschland ein Straftatbestand, kam nicht mit, als die ersten türkischen „Gastarbeiter“, oft junge Frauen, aus der Türkei nach Deutschland kamen. Sie zog später nach, mit den Männern, Vätern, Familien und Hodschas, gefördert und finanziert von saudiarabischen Fundamentalisten. Was das bedeutet und wie sich das anfühlt, davon handelt das Feature „Balkonmädchen“. Ein langes Gedicht wie eine Collage. Farben, Bilder, Ausblicke und Hintergründe, Gefühle, Stimmungen und Informationen. Informativ und zugleich berührend und farbig. Diesen Text hört man beim Lesen. Er hat einen eigenen Rhythmus, der keinen Regeln oder Kompositionslehren gehorcht. Das Feature informiert über Hintergründe, ist dabei aber nicht belehrend – man möchte mehr erfahren und mit jemandem sprechen, der diese Dinge erlebt hat. Zugleich ist es eine leidenschaftliche Anklage.  Verschenkte Freiheit Eine Mutter schreibt an ihre Tochter. Eine lange Folge von Briefen. Nach und nach erfährt man, dass sie aus der Türkei nach Deutschland kam, auch und vor allem der Freiheit wegen. Dass sie ihre Tochter frei erzogen hat, zur selbst denkenden und fühlenden, selbstbestimmten Frau. Dass die Tochter unter dem Einfluss einer islamischen Sekte beschlossen hat, das Kopftuch zu tragen, woraufhin die Mutter sie im Streit aus der Wohnung geworfen hat. Sie klagt, sie klagt an, sie kämpft, bittet und bettelt, erklärt und argumentiert, um die Tochter zurück zu rufen. Klage, Anklage, Bitte und Schrei, direkte, gesprochene Sprache wechseln ab mit einem nominalen, um schriftspachliche Korrektheit und Objektivität bemühten Stil, Die Verquickung dieser sehr unterschiedlichen Sprachqualitäten spiegelt kongenial die innere Befindlichkeit einer zutiefst besorgten und verzweifelten Mutter, die ihr Leid und ihre Wut herausschreit und gleichzeitig ihre Tochter mit Argumenten überzeugen möchte. Tokers Anliegen, die Frauenfeindlichkeit des Islam anzuprangern, ist in der Briefform lebendig umgesetzt. Leidenschaftlich und mitreißend - wie die „Balkonmädchen eine berührende und informative Innenansicht. Das Buch zeigt ein anderes Bild der „türkischen Frau“ und der türkischstämmigen Migranten als das allgemein bekannte – ein Bild, das vielen Deutschen, auch solchen, die sich professionell mit ihnen beschäftigen, unbekannt ist oder von ihnen ignoriert wird. Toker zeigt Anknüpfungspunkte für gemeinsames Handeln: Menschlichkeit und Menschenrechte. Ein wichtiges Buch.

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