Südstaatenromane sind ja so ein Thema. Vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, ich lese sie dennoch recht gerne - unter der Bedingung, dass sie nicht zu schnulzig sind und ein Mindestmaß an Kontextualisierung von Sklaverei und Rassismus stattfindet. Dementsprechend kommt es leider recht selten vor, gerade bei Unterhaltungsromanen aus dem 20. Jahrhundert, dass ich so einen Roman finde, der mich von vorne bis hinten begeistert.
In diesem Roman geht es um das Eheleben der Lavinia DeLong, die in die Reiche Pflanzeraristokratie South Carolinas einheiratet. Aufgewachsen als Tochter eines Anwalts aus Boston entspricht sie nicht den Wünschen ihrer Schwiegermutter und muss auch erst in der Gesellschaft erst einmal ihren Platz erkämpfen. Die Handlung erstreckt sich dabei über gut 30 Jahre bis in die Rekonstruktionsära, den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg.
Schreibstiltechnisch hat mich Ashley Carrington überzeugen können. Der Roman ließt sich leicht und locker, keine sonderlich literarische Sprache, erzeugt dennoch genug Atmosphäre, um in die Geschichte und in Glanz und Glorie des alten Südens einzutauchen. Die namensgebende Plantage Belmont Park und die Pracht Charlestons werden schön beschrieben, und vor allem vom gesellschaftlichen Ritus, Veranstaltungen und dem städtischen Leben der Pflanzeraristokratie bekommt man sehr viel mit.
Die Protagonist:innen konnten mich leider wenig überzeugen. Bei den Dingen die Lavinia tut reicht es bei mir von Genervtheit und Unverständnis hin bis zu Verachtung. Sie ist unglaublich naiv, rachsüchtig, und vor allem ein Paradebeispiel der Doppelmoral. Im ersten Teil des Buches geht es vornahmlich darum, dass Lavinia versucht sich gegen ihre Schwiegermutter zu beahupten, die als richtiger Besen und Antagonistin vermarktet wird. Machtkämpfe, Weinen, wie unfair sie doch behandelt wird, und Bibelzitat-Wettkämpfe enden damit, dass irgendwann Waffenstillstand geschlossen wird, und sich das Buch einem neuen Thema zuwenden muss. Und so übernimmt Lavinia die Herrschaft über Belmont Park. (Die Möglichkeit, hier tiefer in den Alltag einer Frau einzutauchen, die ein ganzes Herrenhaus managen muss, wird hier schön übersehen.) Und im Endeffekt stellt sich heraus, dass Lavinia genau die gleiche Pisgurn wie der Drachen ist, gegen den wir beim Lesen alle mitfiebern hätten sollen.
Was mir aber mitunter am meisten aufgestossen ist, ist die Tatsache, dass Lavinia in Boston, in New England, in der Hochburg des Abolitionismus und der Free Soil Bewegung aufgewachsen ist. Noch dazu als Tochter eines Anwaltes gerade zu derjenigen gebildeten Bevölkerungsschicht gehört, die eine sehr Starke Meinung zur Thematik der Sklaverei hat. Nicht so Lavinia. Die Guteste versucht in ihrer Naivität einem Sklavenjungen das Lesen beizubringen und bekommt bekommt die dementsprechende rüde Zurechtweisung. Ihr wird dann erklärt, wie gut es den Sklaven im Süden geht, und dass diese nicht dafür gemacht seien zu lesen, frei zu sein und Bildung zu bekommen. Das hier, meine Damen und Herren, war dann auch schon die einzige Auseinandersetzung, die Lavinia mit der "besonderen Institution hat. Ich hatte ja erwartet, dass neben dem Kampf der heiligen Lavinia gegen den Schwiegerdrachen (der ironischerweise Georgina heisst), der zweite tonangebende Plot eine Auseinandersetzung mit Sklaverei als Konsequenz des AUfeinanderprallens zweier Welten sein wird. Nicht so mit Ashley Carrington. Unser guter Autor denkt sich: "Racism is quirky" und macht seine Hauptfigur zur Vorkämpferin des Reaktionsismus. Immer wieder kann man sich anhören, wie gut es die versklavten Menschen im Süden im Vergleich zu den Lohnarbeitern in den Industriebetrieben des Nordens hätten. Durchaus ein valider Point, Selbstreflexion wäre dennoch angebracht. Der Gipfel der Gefühle wird dann aber mit dem Ende des Buches erreicht: Lavinia muss mit ihrer klugen Art und Wortgewandtheit die Plantage vor der Zerstörrung durch brandschatzende Yankees retten! Emotional wird darüber Lamentiert wie gut es die Sklaven hier haben - dazu passendes Bildmaterial wird herumgereicht - , und dass sie persönlich und die Leute von Belmont Park persönlich den USA keinen Krieg erklärt hatten. Der guten Lavinia kommt es nicht in den Sinn, dass sie als Teil der Bevölkerungsschicht, die mit ihrer politischen Geltungssucht und wirtschaftlich eklatanten Defiziten den gesamten Süden in den Krieg gestürzt hat, eventuell nun die Konsequenzen zu tragen hätte. Dannach wird weitergemacht wie bisher. Cotton is King, Pflanzeraristokratie forever. Lavinia bzw. der Autor haben dann sogar noch die Frechheit, mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Südens und der Rekonstruktionsära, dem wirtschaftliche und sozialen Leid, dass die weiße Bevölkerung durchmachen muss, den eigenen Rassismus gegen die nun befreite dunkelhäutige Bevölkerung rechtzufertigen.
Nicht nur das Lavinia Sklaverei geil findet, auch beim Autor hatte ich dieses Gefühl zeitenweise. So spielen dunkelhäutige Personen im Buch höchstens eine Statistenrolle, die zeigen soll, den Sklaven auf Belmont Park geht es Besser als dem Rest der Welt. Schleimend, lächelnd, buckelnd. Außer natürlich die zeitweilige Kammerdienerin Lavinias, die ganz dem Narativ entspricht, Schwarze wären faul, hinterhältig und gemein.
Den Satz an Nebenfiguren kann man leider auch vergessen: Lavinias Mann ist uninteressant und rückgradlos, bei Onkel Stuart wird immer wieder angedeutet, dass er einen etwas anderen Blick auf die Sklaverei hat, was leider nie weiter aufgegriffen wird, und die beiden Tanten sind sich so ähnlich, dass sie sich nur darin unterscheiden, dass die eine die ganze Zeit Bibelzitate bringt und die andere irgendwann stirbt. Dann gibt es eine Reihe von Freundinnen, die immer wieder mal durchs Bild rauschen, aber keinen wirklichen Beitrag zur Handlung haben und auch eine Brieffreundin, von der man aber nichts mitbekommt, außer dass sie existiert und man sich Lavinias Briefe an sie durchlesen darf. Sterben ist bei den ganzen Randfiguren generell so eine Sache. Nachdem man lange nichts mehr von ihnen gehört hat, taucht plötzlich als Randnotiz auf, dass sie verstorben sind. Man hätte hier definitiv sich auf wenigere Nebenfiguren konzentrieren können, diese facettenreicher gestalten und stärker in die Geschichte miteinbinden können, und vor allem nicht alle umbringen!
Verabschiedet haben sich auch Logik und Konsistenz der Handlung. Immer werden kleine Handlungsstränge oder nur einzelne Episoden in die Geschichte miteingebunden, die dann nie wieder aufgegriffen werden und auch so absolut keine Relevanz für die Handlung haben. So hatte Lavinia eine Kammerzofe, die mit ihr aus Boston hierhergekommen war, irgendwann den Aufseher der Plantage geheiratet hatte, und mit ihrer Familie bei Ausbruch des Krieges in die Ferne zog. Never to be mentioned again. Abgeseh davon wurde scheinbar kein neuer Aufseher eingestellt. Oder auch hat Lavinia ganz am Anfang ihrer Zeit in Belmont Park das Garteln für sich entdeckt, macht es dann nie wieder oder auch ihr dringender Wunsch reiten zu lernen verspricht zwar neue Handlungsmöglichkeiten, wird dann aber nie wieder erwähnt.
In Teilen war das Buch interessant und unterhaltsam, die Figuren haben allerdings ihren Teil dazu beigetragen, warum mir das Buch als widerwertig in Erinnerung bleiben wird.













