Asne Seierstad

 4,1 Sterne bei 93 Bewertungen
Autorin von Der Buchhändler aus Kabul, Einer von uns und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Asne Seierstad

Åsne Seierstad

Alle Bücher von Asne Seierstad

Cover des Buches Der Buchhändler aus Kabul (ISBN: 9783548604305)

Der Buchhändler aus Kabul

 (46)
Erschienen am 01.02.2004
Cover des Buches Einer von uns (ISBN: 9783036957401)

Einer von uns

 (29)
Erschienen am 28.04.2016
Cover des Buches Zwei Schwestern (ISBN: 9783036957746)

Zwei Schwestern

 (6)
Erschienen am 27.09.2017
Cover des Buches Der Buchhändler aus Kabul (ISBN: 9783036961118)

Der Buchhändler aus Kabul

 (3)
Erschienen am 01.09.2020
Cover des Buches Der Engel von Grosny (ISBN: 9783100725240)

Der Engel von Grosny

 (2)
Erschienen am 13.05.2009
Cover des Buches Tagebuch aus Bagdad (ISBN: 9783548605043)

Tagebuch aus Bagdad

 (2)
Erschienen am 01.02.2005
Cover des Buches Mit dem Rücken zur Welt (ISBN: 9783875362213)

Mit dem Rücken zur Welt

 (1)
Erschienen am 01.01.2001
Cover des Buches The Bookseller of Kabul (ISBN: 9781844080472)

The Bookseller of Kabul

 (2)
Erschienen am 04.03.2004

Neue Rezensionen zu Asne Seierstad

Cover des Buches Der Buchhändler aus Kabul (ISBN: 9783548604305)graphidas avatar

Rezension zu "Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad

Der Autorin ist ein sehr facettenreiches Bild gelungen von einem Land, dessen Moralvorstellungen bei mir zu Irritationen geführt hat.
graphidavor 2 Monaten

Dieses Buch zu beschreiben ist nicht einfach. Die Geschichte des Buchhändlers wurde von der Journalistin Åsne Seierstad aufgrund eigener Erlebnisse aufgeschrieben. Fünf Monate hat sie bei dem Sultan Khan und seiner Familie, seinen Frauen und seinen Kindern verbracht. Ihre Erlebnisse hat sie in einem lesenswerten Buch festgehalten.

 

Mit großem Einfühlungsvermögen und schonungsloser Klarheit schildert sie den Alltag einer afghanischen Familie, die Wirren des Krieges, das Leben unter der Herrschaft der verschiedenen Regimes, die Härte der Taliban und der eigenen Landsleute erlebt.

Das Gesetz ist das Familienoberhaupt und alle haben sich seinen Anweisungen zu fügen, so antiquiert sie auch sein mögen. Einerseits ist Sultan ein belesener Mann, andererseits ein diktatorischer Herrscher im eigenen Haus. Menschenrechte, Frauenrechte, Selbstständigkeit, Freiheit – Fehlanzeige.

Die Frauen haben keinerlei Rechte, nicht einmal das Recht auf eine Intimsphäre. Der Wert der Frauen misst sich an ihrer Arbeitskraft, an ihrer Jungfräulichkeit und später an der Anzahl der Kinder, bevorzugt der männlichen Nachkommen. Sie beten zu Allah und hoffen auf seinen Beistand, damit das nächste Kind ein Junge sein möge, nicht noch eine Tochter.

 

Schon im Kindesalter ist die Aufgabe der Mädchen zu putzen, die Wünsche der Männer zu erfüllen, sei es der älteren Verwandten oder der jüngeren Brüder. Eine 7jährige geht bei uns selbstverständlich zur Schule, sie muss weder um 4 Uhr aufstehen um sauber zu machen oder zu kochen, noch die Kleidung der männlichen Familienmitglieder waschen und bereitlegen.

 

Sehr früh werden die Kinder verheiratet, ohne jegliches Mitspracherecht; entscheidend ist allein der Stand des Bräutigams und seine Gebote für das Mädchen. 14-jährige die sich schlechte ‚vermitteln‘ lassen müssen sich dann mit einem dreimal so alten Mann und den bereits vorhandenen Kindern abfinden, für die sie nun zu sorgen hat.

 

Der Autorin ist ein sehr facettenreiches Bild gelungen von einem Land, dessen Moralvorstellungen bei mir zu Irritationen geführt hat. Immer wieder habe ich mich gefragt: wie ist das möglich ?

 

Die Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland könnten krasser nicht sein. Wird in dem einen Land in Bildung investiert besteht die Hauptaufgabe im anderen Land in Unterdrückung. Den Frauen wird von klein auf keinerlei Wertschätzung entgegengebracht, sie sind Arbeitskraft und Geburtseinrichtung und versteckt vor den Blicken der Männer. Was macht es mit einer Frau die die Welt nur durch ein Fadengitter wahrnimmt, den Blick begrenzt, die Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt ? Vielleicht ist unser Blick auf Burkatragende Frauen auch einseitig, denn sie scheint nicht nur eine Last, sondern bietet auch Schutz und manche Frau scheint völlig überfordert, wenn sie diesen Schutz ablegen soll.

 

Die Wertvorstellungen und das Rechtsverständnis könnte zwischen dem einen und dem anderen Land nicht unterschiedlicher sein. Ich habe das Buch immer wieder weglegen müssen, um das Gelesene zu sacken zu lassen, so unglaublich ist die Schilderung.

 

Insgesamt gab das Buch einen tiefen Einblick, der manchmal verwirrend und manchmal abstoßend war, der aber auch deutlich machte, dass eine Veränderung nur durch Bildung möglich macht. Die Integration der Menschen die Afghanistan verlassen um in Europa eine neue Heimat zu finden kann nur durch Bildung, Aufklärung und Vermittlung der hiesigen Werte gelingen.

 

Männer sollten lernen, dass Frauen nicht ihre billige Arbeitskraft ist, dass sie nicht für sie zur Verfügung stehen, wann immer es ihnen passt, sie lassen jeden Respekt vermissen und verhalten sich so unglaublich, dass es schmerzt.

 

Und die Frauen müssen ermutigt werden in ihrem Selbst-Bewusstsein, ihrer Selbstwahrnehmung, ihrem Recht auf Respekt.

 

Das Buch wurde (zu Recht) mehrfach ausgezeichnet und es ist gut, dass sich die Autorin nicht hat einschüchtern lassen und die Veröffentlichung trotz 13 Jahre andauernder Prozesse gelungen ist. Der wahre Buchhändler fühlte sich in seiner Ehre verletzt, wobei es wohl eher um die schonungslose Ehrlichkeit ging, die er der Autorin anlastete.

 

Der Buchhändler aus Kabul war aufschlussreich und bot einen Einblick in afghanische Lebensweise und Traditionen, soweit dies durch ein Nichtfamilienmitglied überhaupt möglich ist.

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Cover des Buches Der Buchhändler aus Kabul (ISBN: 9783036961118)graphidas avatar

Rezension zu "Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad

Lesenswerte, facettenreiche, irritierende Beschreibung einer anderen Kultur.
graphidavor 2 Monaten

Dieses Buch zu beschreiben ist nicht einfach. Die Geschichte des Buchhändlers wurde von der Journalistin Åsne Seierstad aufgrund eigener Erlebnisse aufgeschrieben. Fünf Monate hat sie bei dem Sultan Khan und seiner Familie, seinen Frauen und seinen Kindern verbracht. Ihre Erlebnisse hat sie in einem lesenswerten Buch festgehalten.

Mit großem Einfühlungsvermögen und schonungsloser Klarheit schildert sie den Alltag einer afghanischen Familie, die Wirren des Krieges, das Leben unter der Herrschaft der verschiedenen Regimes, die Härte der Taliban und der eigenen Landsleute erlebt.

Das Gesetz ist das Familienoberhaupt und alle haben sich seinen Anweisungen zu fügen, so antiquiert sie auch sein mögen. Einerseits ist Sultan ein belesener Mann, andererseits ein diktatorischer Herrscher im eigenen Haus.

 

Menschenrechte, Frauenrechte, Selbstständigkeit, Freiheit – Fehlanzeige.

Die Frauen haben keinerlei Rechte, nicht einmal das Recht auf eine Intimsphäre. Der Wert der Frauen misst sich an ihrer Arbeitskraft, an ihrer Jungfräulichkeit und später an der Anzahl der Kinder, bevorzugt der männlichen Nachkommen. Sie beten zu Allah und hoffen auf seinen Beistand, damit das nächste Kind ein Junge sein möge, nicht noch eine Tochter.

Schon im Kindesalter ist die Aufgabe der Mädchen zu putzen, die Wünsche der Männer zu erfüllen, sei es der älteren Verwandten oder der jüngeren Brüder. Eine 7jährige geht bei uns selbstverständlich zur Schule, sie muss weder um 4 Uhr aufstehen um sauber zu machen oder zu kochen, noch die Kleidung der männlichen Familienmitglieder waschen und bereitlegen.

Sehr früh werden die Kinder verheiratet, ohne jegliches Mitspracherecht; entscheidend ist allein der Stand des Bräutigams und seine Gebote für das Mädchen. 14-jährige die sich schlechte ‚vermitteln‘ lassen müssen sich dann mit einem dreimal so alten Mann und den bereits vorhandenen Kindern abfinden, für die sie nun zu sorgen hat.

Der Autorin ist ein sehr facettenreiches Bild gelungen von einem Land, dessen Moralvorstellungen bei mir zu Irritationen geführt hat. Immer wieder habe ich mich gefragt: wie ist das möglich ? 

Die Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland könnten krasser nicht sein. Wird in dem einen Land in Bildung investiert besteht die Hauptaufgabe im anderen Land in Unterdrückung. Den Frauen wird von klein auf keinerlei Wertschätzung entgegengebracht, sie sind Arbeitskraft und Geburtseinrichtung und versteckt vor den Blicken der Männer. Was macht es mit einer Frau die die Welt nur durch ein Fadengitter wahrnimmt, den Blick begrenzt, die Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt ? Vielleicht ist unser Blick auf Burkatragende Frauen auch einseitig, denn sie scheint nicht nur eine Last, sondern bietet auch Schutz und manche Frau scheint völlig überfordert, wenn sie diesen Schutz ablegen soll.

Die Wertvorstellungen und das Rechtsverständnis könnte zwischen dem einen und dem anderen Land nicht unterschiedlicher sein.

Ich habe das Buch immer wieder weglegen müssen, um das Gelesene zu sacken zu lassen, so unglaublich ist die Schilderung.

Insgesamt gab das Buch einen tiefen Einblick, der manchmal verwirrend und manchmal abstoßend war, der aber auch deutlich machte, dass eine Veränderung nur durch Bildung möglich macht. Die Integration der Menschen die Afghanistan verlassen um in Europa eine neue Heimat zu finden kann nur durch Bildung, Aufklärung und Vermittlung der hiesigen Werte gelingen.

Männer sollten lernen, dass Frauen nicht ihre billige Arbeitskraft ist, dass sie nicht für sie zur Verfügung stehen, wann immer es ihnen passt, sie lassen jeden Respekt vermissen und verhalten sich so unglaublich, dass es schmerzt.

Und die Frauen müssen ermutigt werden in ihrem Selbst-Bewusstsein, ihrer Selbstwahrnehmung, ihrem Recht auf Respekt.

Das Buch wurde (zu Recht) mehrfach ausgezeichnet und es ist gut, dass sich die Autorin nicht hat einschüchtern lassen und die Veröffentlichung trotz 13 Jahre andauernder Prozesse gelungen ist. Der wahre Buchhändler fühlte sich in seiner Ehre verletzt, wobei es wohl eher um die schonungslose Ehrlichkeit ging, die er der Autorin anlastete.

 

Der Buchhändler aus Kabul war aufschlussreich und bot einen Einblick in afghanische Lebensweise und Traditionen, soweit dies durch ein Nichtfamilienmitglied überhaupt möglich ist.

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Cover des Buches Einer von uns (ISBN: 9783036957401)Seehase1977s avatar

Rezension zu "Einer von uns" von Asne Seierstad

Die Terroranschläge von Oslo und Utøya– Eine schier unerträgliche, aber würdige und messerscharfe Analyse
Seehase1977vor 2 Monaten

Am 22. Juli 2011 verübt Anders Behring Breivik die Terroranschläge in Oslo und auf der Insel Utøya. Insgesamt kommen 77 Menschen ums Leben. 69 davon Jugendliche, Teilnehmer eines Zeltlagers der Jugendorganisation AUF. Breivik wird noch am selben Tag festgenommen und gesteht in vollem Umfang. Terrorismus und mehrfache vorsätzliche Tötung, so lautet die Anklage. Anders Behring Breivik wird am 24. August 2012 zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverfahrung verurteilt, doch das Trauma, das Leid und der Schmerz wird die Überlebenden und Hinterbliebenen der Opfer ein Leben lang begleiten…

Meine Meinung:

Ich glaube, noch nie ist mir eine Rezension so schwer gefallen wir zu diesem Buch, das ich schon vor Wochen gelesen habe und das mich bewegt und aufgewühlt hat und das nachwirkt wie kein anderes Buch aus der Rubrik True Crime. „Einer von uns: Die Geschichte eines Massenmörders“ von Åsne Seierstad ist harte Kost, das Geschriebene unfassbar und nur schwer zu ertragen. Ich habe diese zu Recht preisgekrönte und detailliert recherchierte Reportage dennoch nicht als voyeuristisch oder effekthascherisch empfunden, sondern als Appell gegen Hass und Intoleranz die unsere Gesellschaft zu vergiften drohen und als Wertschätzung für die Opfer, Überlebenden und Hinterbliebenen.

Gleich zu Beginn schildert Seierstad Auszüge des Blutbads auf Utøya und ich frage mich schon jetzt, ob ich weiterlesen, ob ich das emotional tatsächlich bis zum Ende durchstehen kann. 

Doch erstmal wird Breiviks Leben intensiv beleuchtet, seine Kindheit und Jugend, frühe psychologische Auffälligkeiten, sein Streben zu gefallen, dazuzugehören und Anerkennung zu erfahren sind allgegenwärtig und doch muss er Zurückweisung und Ablehnung erfahren. Ich komme nicht umhin, Mitleid für Breivik zu empfinden und frage mich, ob ich solche Gefühle zulassen darf, nachdem ich doch weiß, zu was er als Erwachsener fähig ist, nämlich zwei Terroranschläge akribisch zu planen, diese eiskalt und erbarmungslos umzusetzen. Morde, die er bis heute nicht bereut. Doch denke ich zu klein, zu emotional? Macht man es sich nicht zu leicht, jemanden für seine schrecklichen Taten zu verurteilen, zu denunzieren? Mörder werden nun mal nicht als solche geboren.

Es folgen die Biografien einiger der Opfer, junge Menschen mit ambitionierten und bewundernswerten Zielen, mit kleinen und großen Wünschen und ganz alltäglichen Problemen. Wenn Åsne Seierstad nach etwas mehr als der Hälfte des Buches auf die Insel Utøya zurückkehrt, dann kenne ich einige Namen derjenigen, die panisch flüchten, sich vor dem Attentäter zu verstecken versuchen, auf einer Insel, die dafür viel zu klein zu sein scheint. Ich kenne die Wünsche und Ziele derjenigen, die Anders Behring Breivik kaltblütig erschießt… und ich weine um jeden Einzelnen von ihnen…

Mein Fazit:

Es ist immer schwer, die richtigen Worte zu finden und ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, doch dieses Buch von Åsne Seierstad ist etwas Besonderes, es beschreibt nicht nur die Geschichte eines Massenmörders, sein Leben und seine Taten, sondern erzählt intensiv und ausführlich und auf beeindruckende Weise auch die Geschichten der Opfer. Ein großartiges Buch, dass dazu beiträgt, dass dieser schreckliche Terroranschlag und seine Opfer nie vergessen werden. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich an diese nur schwer zu ertragende Lektüre wagen wollen.


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Asne Seierstad wurde am 10. Februar 1970 in Oslo (Norwegen) geboren.

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