Ich habe dieses Buch nach Erscheinung vor fast 10 Jahren gelesen und noch immer schwirrt es in meinem Kopf. Habt ihr auch so ein Buch gelesen, dass euch für immer irgendwie begleitet?
In diesem Fall geht es um den Massenmörder Anders Behring Breivik, der 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen (meist Jugendliche) tötete. Die meisten von euch werden sich sicherlich daran erinnern.
Die Journalistin Åsne Seierstad konnte mit den Bekannten und sogar mit Familienmitgliedern sprechen, um für dieses Buch zu recherchieren. Sie beschreibt schonungslos die Tat selbst (harter Tobak!!), aber zeigt auch auf, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Ich war damals beim Lesen fassungslos, wie Breivik minutiös die Tat vorbereiten konnte, ohne aufzufliegen. Und wie viele fehlerhaften Aneinanderreihungen seitens der Behörden dazu führten, dass es solche Ausmaße nehmen konnte. Hierbei geht sie überhaupt nicht anschuldigend vor und sucht auch nicht "nur das Böse".
"Einer von uns ist auch ein Buch über Zugehörigkeit und Gemeinschaft" heißt es in Ihrem Nachwort. So habe ich es auch empfunden.
Habt ihr es schon gelesen? Wenn ja, wie empfindet ihr es? Wenn nein, empfehle ich es denjenigen, die Interesse an wahren Begebenheiten haben und der Frage nach dem Wie und dem Warum nachgehen wollen.
Asne Seierstad
Lebenslauf
Neue Bücher
Der Krieg ist anderswo
Alle Bücher von Asne Seierstad
Einer von uns
Der Buchhändler aus Kabul
Der Buchhändler aus Kabul
Zwei Schwestern
Der Engel von Grosny
Land der vielen Wahrheiten
Tagebuch aus Bagdad
Mit dem Rücken zur Welt
Neue Rezensionen zu Asne Seierstad
Vor 13 Jahren kam es in Norwegen zu Anschlägen, die bis heute Fassungslosigkeit und absolute Leere hinterlassen.
Jeder von uns weiß, wo er an einem Tag gewesen ist, der die Welt veränderte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Anschlag von Norwegen handelt oder um den Amoklauf von Erfurt.
Um 15:25:22 Uhr, begann eine unglaubliche Gewalt, die für immer in den Geschichtsbüchern in Norwegen vorhanden sein wird. Verübt durch eine krankhafte Ideologie einer einzigen Person.
Ich habe persönlich immer Schwierigkeiten, wenn in den Medien Zahlen veröffentlicht und diese unter dem Wort Opfer geführt werden. Es kommt so rüber, als wären dies die einzigen Beteiligten. Am 22.07.2011 mussten 77 Menschen ihr Leben lassen. Unter den Opfern sind aber auch die Eltern, Geschwister, Verwandten, Freunde und Bekannten, die es an diesem schrecklichen Tag gab.
Der hinterhältige Angriff dieser einen Person, macht deutlich, zu was Menschen in der Lage sind, wenn ihre Ideologie, in ihren Augen, die Richtige ist. Es entzieht sich jeglicher Logik, dass jemand im Stande ist, schwerbewaffnet auf unbewaffnete und wehrlose Menschen solch ein Attentat zu verüben.
In diesem Buch zeigt sich nicht nur ein genaues Bild der ausführenden Person wieder, sondern auch von Jugendlichen, die an diesem Tag, vor 13 Jahren, ihr Leben lassen mussten. Ein Stückweit ist zu spüren, welche Ziele, Wünsche und Träume sie hatten und die ihnen durch einen Fingerdruck einfach genommen wurden.
Persönlich bin ich durch dieses Buch tief bewegt worden. Ich hatte von der ersten Zeile an das Empfinden, dass ich mittendrin bin. Dies hat mich absolut mitgenommen, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, den Schmerz der Angehörigen ein Stückweit spüren zu können.
Dieses Buch lässt für mich aber auch viele Fragen zurück und die Politik in Europa ist herausgefordert, damit sich solche Dinge nicht wiederholen. Leider haben Menschen Angst, wie sich in der Flüchtlingspolitik verhalten wird und ich kann nur darum bitten, die Ängste der Menschen in Europa ernst zu nehmen, damit sich der 22. Juli 2011 nicht wiederholt.
Ich möchte mit diesem Post heute, den 77 Menschen, die ihr Leben lassen mussten und deren Angehörige ein Stückweit eine Stimme geben. Sie sind alle die wahren Opfer dieses Tages und wir reden hauptsächlich über die 77 Menschen, die gestorben sind. Wissen wir aber mit Sicherheit, dass es bei diesen 77 geblieben
Der Lese_Rolli
Klappentext: "Als die Journalistin Åsne Seierstad von Sultan Khan, einem Buchhändler aus Kabul, eingeladen wird, für fünf Monate bei ihm und seiner Familie zu leben, ahnt sie nicht, was sie erwartet. Seit mehr als zwanzig Jahren trotzt Sultan Khan den Autoritäten ob Kommunisten oder Taliban , um die Bevölkerung von Kabul mit Büchern zu versorgen. Er wurde verhaftet und musste mit ansehen, wie seine Bücher auf offener Straße verbrannt wurden. Dennoch hat er seine Leidenschaft für das Lesen nie aufgegeben und Licht in einen der dunkelsten Orte der Welt gebracht, während er gleichzeitig mit harter Hand seinen Haushalt führte. Dies ist das intime Porträt eines Mannes und seiner Familie zwei Ehefrauen, fünf Kinder und viele Verwandte und ein einzigartiger Einblick in ein Land der extremen Widersprüche."
Tatsächlich habe ich mir etwas ganz anderes vorgestellt, als mir dieses Buch geboten hat. Ich ging eher von einer nett dargestellten, leicht kulturellen Erzählung. Dieses Buch ist weitaus mehr als das. Es ist Dokument, ein Bericht einer anderen Welt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, leicht und flüssig. Die Kapiteln handeln immer über eine andere Personen, die aber mit der Hauptfamilie auf irgendeine Art und Weise verbunden ist. Anfänglich hat der Leser das Gefühl, dass die einzelnen Kapiteln keinen eigentlichen Zusammenhang haben, aber schnell merkt man, dass sie sich zu einer Geschichte zusammen fügen.
Die Hauptprotagonisten sind der Sultan und seine Familie. Schwer zu sagen, wen ich am meisten mochte. Denn die eigene Kultur hält alle Fest im Griff. Die Beschreibung, durch die Handlungen und Geschichten, zeigt uns den Wesen der einzelnen Familienmitglieder. Letztendlich mochte ich Leila am meisten ...
Kulturell ist dieses Buch ein Meisterwerk. Es ist völlig objektiv geschrieben, ohne Vorurteile und Anschuldigungen. Jede einzelne Entscheidung wird aus der Sicht desjenigen, der sie trifft, erklärt bzw. beschrieben. Jede einzelne Geschichte ist spannend, und geht anders aus als man sich denkt. Wie oft habe ich gehofft und dann verzweifelt. Es werden sehr offen die Umstände, in denen die Afghaner leben, dargestellt. Umstände, die wir uns kaum vorstellen können. Sie leben anders, sie denken anders, falls sie sich das trauen, sie handeln anders. Dabei war das Volk früher, nicht viel anders als wir ...
Eine klare Empfehlung, vor allem für diejenigen, die neugierig sind. Allerdings keine leichte Kost.
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Asne Seierstad wurde am 10. Februar 1970 in Oslo (Norwegen) geboren.
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