Astrid Dehe

 4,3 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor*in von Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442, Nagars Nacht und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Astrid Dehe und Achim Engstler lernten sich 1990 während eines Forschungsseminars zu Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ kennen, verloren sich ein paar Jahre später aus den Augen, trafen sich 2007 wieder und bilden einige Jahre lang eine Arbeitsgemeinschaft. Ihre Zusammenarbeit begann mit Erwachsenenbildungsprojekten zum Aphorismus und zum Tagebuchschreiben. Aus dem Projekt „Der andere Kafka“ entstand ihr erstes gemeinsames Buch, der Essayband „Kafkas komische Seiten“. Ein Urlaubsfund auf der Insel Baltrum führte zu ihrem gefeierten belletristischen Text, der vorliegenden Novelle „Auflaufend Wasser“.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches „Immer wissen, daß man zu danken hat“ (ISBN: 9783964110114)

„Immer wissen, daß man zu danken hat“

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Neu erschienen am 31.05.2024 als Taschenbuch bei St. Michaelsbund.

Alle Bücher von Astrid Dehe

Cover des Buches Auflaufend Wasser (ISBN: 9783423144117)

Auflaufend Wasser

 (14)
Erschienen am 01.06.2015
Cover des Buches Nagars Nacht (ISBN: 9783869308296)

Nagars Nacht

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Erschienen am 11.08.2014
Cover des Buches „Immer wissen, daß man zu danken hat“ (ISBN: 9783964110114)

„Immer wissen, daß man zu danken hat“

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Erschienen am 31.05.2024
Cover des Buches Kafkas komische Seiten (ISBN: 9783869303628)

Kafkas komische Seiten

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Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches Auflaufend Wasser (ISBN: 9783948272258)

Auflaufend Wasser

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Erschienen am 06.10.2022
Cover des Buches Der flüchtige Ruhm des Herrn Neubronner (ISBN: 9783423281157)

Der flüchtige Ruhm des Herrn Neubronner

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Erschienen am 07.04.2017

Neue Rezensionen zu Astrid Dehe

Cover des Buches „Immer wissen, daß man zu danken hat“ (ISBN: 9783964110114)
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Rezension zu "„Immer wissen, daß man zu danken hat“" von Astrid Dehe

Immer wissen, daß man zu danken hat
Mira123vor 2 Tagen

Jetzt ist das Eis gebrochen und ich packe mir regelmäßig Bücher von der Arbeit ein. Was nicht unbedingt ideal für meinen Stapel der Schande ist, aaaaaber ich gebe mir Mühe, dass ich nicht übertreibe. Auf dieses Buch wurde ich neugierig, weil es hier um Franz Kafka geht. Jap, das war mein Gedankenprozess: "Ooooooh, Kafka!" Wie Kafka irgendwas mit Kindern am Hut haben kann, war mir zwar nicht ganz klar, aber ich war bereit dazu, mich überraschen zu lassen und noch was Neues über diesen Autoren zu lernen. Auch wenn ich nicht viel mehr erwartet hatte, als vielleicht diese Geschichte von Kafka und der verlorenen Puppe, die sich auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie ein Lauffeuer verbreitet. 

Joa, und hier sind wir schon am ersten Punkt, den ich hier gelernt habe: Die Geschichte, wie sie online so gerne geteilt und inzwischen sogar in Kinderbüchern verbreitet wird, stimmt so nicht ganz. Wie das eigentlich abgelaufen ist, könnt ihr entweder im Originaltext von Kafkas letzter Lebensgefährtin Dora Diamant nachlesen oder in diesem Büchlein. 

Auf diese und andere Geschichten, Gerüchte und auf verschiedene Fragen geht die Autorin mithilfe von vielen Textausschnitten und Zitaten von und über Kafka ein. Anschließend kontextualisiert sie diese in einem längeren Fließtext. Fließtext und Zitate werden durch eine unterschiedliche Schriftfarbe von einander abgehoben: Der Fließtext ist schwarz, die Zitate sind blau. An sich halte ich diese Abgrenzung für eine gute Idee und für sehr hilfreich – in der Praxis ist aber der Unterschied gerade bei schlechterem Licht oder dem Licht einer Nachtischlampe kaum zu erkennen. Zumindest für mich. Kann natürlich auch einfach an meinen schlechten Augen liegen, who knows?

Überraschend war für mich das bunte und verspielte Design. Das habe ich von einem Buch über Kafka nicht erwartet. Alles, was von dem Typen handelt oder von ihm geschrieben wurde, wird ja heute am liebsten in sehr dunklen Farben gedruckt, am liebsten mit Ungeziefer drauf, egal ob es tatsächlich um "Die Verwandlung" oder den "Bau" geht oder nicht. Da war das mal eine nette Abwechslung.

Wer dieses Buch lesen möchte, sollte ein gewisses Grundwissen über Franz Kafka mitbringen. Der Text ist trotzdem gut verständlich, aber bei einem so kurzem Buch kann natürlich nicht auf jedes Detail aus Kafkas Leben eingegangen werden.

Mein Fazit? Ein nettes Fachbuch für Zwischendurch!

Cover des Buches Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442 (ISBN: 9783958290464)
karatekadds avatar

Rezension zu "Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442" von Astrid Dehe

Ein geheimnisvolles Manuskript
karatekaddvor 9 Jahren

Ein Kopist und eine junge Patriziertochter,    gezeichnete Visionen eines fantasievollen Mädchens, rudimentäres Wissen über ein geheimnisvolles Buch, eine unidentifizierbare Schrift. Die Visionen könnten politische Brisanz enthalten im Florenz des Jahres 1442, es regiert Cosima Medici.
Was bleibt? Ein geheimnisvolles Manuskript mit geheimnisvollen Bildern und einer bis heute nicht entschlüsselten Schrift.

Präsentiert vom Autorenpaar Astrid Dehe und Achim Engstler im Steidl-Verlag Göttingen.



* * *
Matteo Fini ist der Stammhalter einer Familie, die ein geheimnisvolles Buch bewahrt welches niemand entziffern kann. Lediglich einige Verse sind es, die Matteo auswendig gelernt hat und diese Verse und das Buch an seinen Sohn weitergeben soll. Matteo arbeitet als Kopist, er schreibt Bücher ab. Eines Tages erhält er einen Auftrag: Er soll die Visionen von Evelina di Adimaris aufzeichnen. Fortan eilt er für einen imensen Lohn in deren Palast und skizziert ihre visionären Beschreibungen.

Matteo kommt mit seinen Notizen kaum hinterher, mühevoll vervollständigt er nachträglich immer diese Skizzen. Ein Bild kehrt wieder, das Bild von der Burg mit den Schwalbenzinnen.
"Ich sah eine Burg, die sich wandeln wollte, die mehr war als Stein. Zinnen hat sie wie die Schwänze von Schwalben, die das Licht durchpflügen im schnellen Pflug. Verzweigen will sich die Burg, sie treibt Gärten und Wälder, Seen und Sterne. In Kreisen blühen neue Länder auf. Mond und Sonne sind Eins, weder trennt sie Tag noch Nacht." [1]
Ketzerisch erscheinen die Gedanken zuweilen, im Geiste der Fraticelli, im Geiste der Catari. Ist Matteos Buch, das Libre di C, in diesem Geiste geschrieben? Mit der Zeit sieht er sich im Florenz des Cosima de´ Medici Verfolgungen ausgesetzt. Kann er beides retten, das übereignete Buch und die Zeichnungen der wunderschönen, klugen und manchmal entrückten Evelina?
"Das Zeichen der Fische. Sie sind ein Paar. Hell wird das Wasser, in dem sie schwimmen durch das Licht des Sterns, den jeder von ihnen steigen lässt, an einem langen Band. sie halten es zwischen den Kiemen. Kaum erst geboren sind ihre Frauen, liegen in Zubern, tauchen auf aus den Wassern. Auch sie haben einen Stern, aber noch ist er fern. Die Sterne, sie streben empor, mit einem Band an den Zuber geknüpft.  Alles strebt dann empor, alles richtet sich darum auf. Die Zuber, die Frauen. Schon greifen sie nach dem Band, Schon grüßen sie mit der freien Hand. Innerer Ring. Verwundert geht ihr Blick nach links. Äußerer Ring. Staunend schauen sie nach rechts." [2]
* * *
Er quält sich, der Kopist, er müht sich, er hat die Worte im Kopf: wie bildet er sie nach? Kerzenfarben nimmt er, zeichnet und zeichnet. Tierkreise, Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen, Tiere, Kräuter, eine Menge nackter Frauen, Seite um Seite, Bild um Bild.  Er vernachlässigt andere Aufgaben und plötzlich ist Schluss. Fürstlich der Preis, wenn er alle Seiten aushändigt dem Sekretär. Schon sucht man nach dem unverständlichem Buch...

* * *
Was ist das für ein Buch, welches Astrid Dehe und Achim Engstler so detailreich beschrieben haben? Poetisch der Text, mit dem sie die Bilder eines über 500 Jahre alten Manuskripts beschreiben. Die Beschreibungen legen sie der Evelina in den Mund. Das sogenannte Voynich-Manuskript liegt dem Roman zugrunde.  Ein mysteriöses Werk und einer Schriftsprache, die bis heute nicht wirklich entschlüsselt werden konnte. Dehe und Engstler liefern eine literarische Erklärung für etwas, an dem sich fast schon Generationen von Wissenschaftlern die Zähne ausbissen.  
"Der sowohl rätselhafteste als auch faszinierendste Abschnitt des Manuskripts stellt auf fast jeder Seite Gruppen nackter Frauen mit gewölbten Bäuchen dar, die in Becken oder Wannen sitzen, die durch Leitungen oder Röhren verbunden sind. Die Leitungen münden häufig in teils organisch, teils mechanisch wirkende End- und Verbindungsstücke. Diese Ambivalenz führte dazu, den Inhalt des Abschnitts sowohl mit anatomischen Gegenständen (z. B. der menschlichen Reproduktion) zu verknüpfen, als auch (dem Augenschein folgend) ihn schlicht als „bäderkundlichen“ (balneologischen) Abschnitt zu bezeichnen." [3]
"Aha!", möchte man meinen. Und rätselt weiter. Es empfielt sich, die Bildersammlung unter Wikipedia Commons gelegentlich anzusehen. Die Suche nach dem jeweiligen Bild, welches Evelina gerade dem Matteo ausbreitet, ist ebenso interessant wie die Lektüre selbst. Finden wir den Text in den Bildern wieder? Ein Kreislauf von Werden und Vergehen, vom Kosmos, dargestellt in den Tierkreiszeichen.Manchem mag es vorkommen, wie ein "Apotheker Buch", eine botanische und kräuterkundliche Sammlung. Oder eine häretische Erörterung der Weltenordnung, in Geheimschrift verfasst und nur Eingeweihten verständlich. Der Hinweis auf die Katharer und die Pairfaits unter diesen, kommt nicht von ungefähr. 

Auf der Verlagsseite erklären die Autoren in einem Video dass der Text sie "spontan inspiriert hat". Ach so, der Text. Sie haben ihn "übersetzt" und dabei dessen Illustrationen  "abgemalt".


Wenn es wahr ist, was ein gewisser Torsten Timm annimmt, dann hat ein Autokopist einfach verschiedene Zeichenketten erfunden, diese aneinander gereiht und immer wieder abgewandelt.[4] Begibt sich der Leser auf die Spuren des Manuskripts, dann erscheint dies eine sehr interessante Erklärung zu sein. Jedoch ist die von Astrid Dehe und Achim Engstler viel schöner, finde ich.
* * *
Nun haben sie also einen historischen Roman geschrieben. Der Umgang mit Farben, Tinte und Pergament wird beschrieben, ein paar Einblicke in die politischen Gegebenheiten im Florenz des Jahres 1442 geben sie auch. Aber es sind die Bilder, die sie schreibend malen, das Bild des jungen Kopisten, der einer schönen jungen träumenden Erzählerin gegenüber sitzt und die von ihr erzählten Bilder, rätselhaft und vielfältig, mal mehr - mal weniger bunt, welche den Roman ausmachen.

Mir bleibt nur noch, Achim Engstler für den Roman zu danken und euch einen letzten Tipp dazu zu geben.
Legt ein Tablet neben euch und sucht die Bilder zum Beispiel auf Voynich Manuscript Manager. Auf Leseprobe 1, 2 und 3 könnt ihr schon mal probelesen.


* * *
DNB / Steidl - Verlag /  Göttingen 2015 / ISBN: 978-3-95829-046-4 / 304 S.


Bebildert gibt es den Text hier

 © KaratekaDD

Cover des Buches Auflaufend Wasser (ISBN: 9783423144117)
miss_frys avatar

Rezension zu "Auflaufend Wasser" von Achim Engstler

Du stehst auf einer Plat. Bei auflaufend Wasser. Im Nebel.
miss_fryvor 9 Jahren

Nach einer wahren Begebenheit erzählt "Auflaufend Wasser" die Geschichte vom Baltrumer Navigationsschüler Tjark Evers, am 23. Dezember 1866 auf dem Weg von der Navigationsschule auf dem Festland auf die Heimatinsel. Aber weder er noch die Ruderer, die ihn morgens in tiefem Nebel am Oststrand Baltrums absetzen und sofort wieder verschwunden sind, bemerken im ersten Moment ihren Fehler: Sie haben nicht die Insel erreicht, sondern nur eine Sandbank. Tjark hat keinen Kompass mitgenommen. Es ist neblig. Und die Flut kommt.
Um die im Januar 1867 in einer Zigarrenkiste auf Wangeroog angespülten Tagebuchaufzeichnungen herum, die Tjark Evers an seine Familie richtete, hat das Autorenduo Dehe/Engstler die letzten Stunden des EInundzwanzigjährigen rekonstruiert. Das ist auf 120 Seiten beklemmend real und so intensiv, dass man den Geruch des Meeres förmlich aus den Seiten saugen kann. Dabei ist der Text nie dramatisch, nie zu fantastisch, nie abgehoben. Er skizziert vielmehr das Inselleben des 19. Jahrhunderts, klar und häufig fast nüchtern und erfasst eindrucksvoll das Leben an und mit der See: Respekt vor einem Element, gegen das der Mensch machtlos war und es immer noch ist, das drei Viertel unseres Planeten bedeckt und "kommt nicht und geht, sondern atmet, ein urzeitliches, über die Erde hingestrecktes Tier".
"Auflaufend Wasser" wird dabei zu einem Kammerspiel: der junge Mann und das Meer, das hier beinahe den zweiten Protagonisten darstellt; die See als Tier, als zornvoller Dämon, unberechenbar, unersättlich, von Menschen nicht kontrollierbar.
Dehe und Engstler umschiffen hierbei geschickt die Klippe zu Kitsch und Tränendrüse. Ihr Tjark tobt und wütet nicht gegen sein Schicksal, sondern ist ihm ergeben. Respektiert die See, der er als Seemann und Insulaner ohnehin gehört, und ob sie ihn nun früher oder später zu sich holt, überlässt er letztendlich ihr, muss er ihr überlassen, kann sich ihr nicht widersetzen, findet sich mit seinem Schicksal ab. Den Fehler hat er gemacht, und er sieht ihn ein: kein Kompass, keine Bitte des Wartens an die Ruderer, bis er die Dünen des Oststrandes erreicht hat. EIn Gefühl von Sieg, es ohne Hilfsmittel nach Hause geschafft zu haben. Gegen die See, gegen den Nebel. Bei auflaufend Wasser.

Bis ans Ende des Buches halten sich die Autoren an ihre schlichten, klaren Schilderungen, spekulieren realistisch und nachvollziehbar über Tjarks Innenleben und seine Gedanken, aber überzeichnen ihn nie.
Die nachdrücklichsten Aussagen überlassen sie ohnehin seinen eigenen  Aufzeichnungen: "Ich habe das Wasser jetzt ans Knie. Ich will mich gleich ertränken, denn Hilfe ist nicht mehr da. Es ist 9 Uhr. Ihr geht gleich zur Kirche. Betet nur für mich Armen, daß Gott mir gnädig sei. Ich grüße euch zum letzten Mal".

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