Astrid Dehe , Achim Engstler Auflaufend Wasser

(8)

Lovelybooks Bewertung

  • 10 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(7)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Auflaufend Wasser“ von Astrid Dehe

Nur ein Bleistift und einige Notizen in einer angeschwemmten Zigarrenkiste zeugen von dem Drama, das sich vor 150 Jahren nahe der Insel Baltrum abgespielt hat: Der Navigationsschüler Tjark Evers, der seine Familie mit einem Besuch überraschen möchte, wird im dichten Nebel nicht auf der Insel, sondern auf einer vorgelagerten Sandback abgesetzt und das Wasser steigt unaufhörlich. Während seine Stiefel voll Wasser laufen, im dichten Grau nur das Glucksen der Wellen zu hören ist, hadert Tjark mit dem Himmel. Zwischen Traum und Wirklichkeit ringt er um sein Leben und trifft schließlich eine bittere Entscheidung.

Stöbern in Romane

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen

[4/5] Skurril und rätselhaft geht es weiter, stets unvorhersehbar und überraschend dazu. Nur dieses Ende...!!!

Marysol14

Sonntags in Trondheim

WE are Family :-)

Ivonne_Gerhard

Wenn Prinzen fallen

Wer „Wolf of Wall-Street“ mochte, wird dieses Buch auch mögen.

CocuriRuby

Schloss aus Glas (Filmausgabe)

Eine ungezähmte Kindheit, wild und wahr.

SABO

Der Weihnachtswald

Wunderschöne Geschichte mit Überraschender Handlug und kurzer Länge in der Mitte.

Kati1272

Lied der Weite

Lebendig und voller Menschlichkeit erzählt Haruf ohne anklagend zu werden.

sommerlese

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Du stehst auf einer Plat. Bei auflaufend Wasser. Im Nebel.

    Auflaufend Wasser

    miss_fry

    Nach einer wahren Begebenheit erzählt "Auflaufend Wasser" die Geschichte vom Baltrumer Navigationsschüler Tjark Evers, am 23. Dezember 1866 auf dem Weg von der Navigationsschule auf dem Festland auf die Heimatinsel. Aber weder er noch die Ruderer, die ihn morgens in tiefem Nebel am Oststrand Baltrums absetzen und sofort wieder verschwunden sind, bemerken im ersten Moment ihren Fehler: Sie haben nicht die Insel erreicht, sondern nur eine Sandbank. Tjark hat keinen Kompass mitgenommen. Es ist neblig. Und die Flut kommt. Um die im Januar 1867 in einer Zigarrenkiste auf Wangeroog angespülten Tagebuchaufzeichnungen herum, die Tjark Evers an seine Familie richtete, hat das Autorenduo Dehe/Engstler die letzten Stunden des EInundzwanzigjährigen rekonstruiert. Das ist auf 120 Seiten beklemmend real und so intensiv, dass man den Geruch des Meeres förmlich aus den Seiten saugen kann. Dabei ist der Text nie dramatisch, nie zu fantastisch, nie abgehoben. Er skizziert vielmehr das Inselleben des 19. Jahrhunderts, klar und häufig fast nüchtern und erfasst eindrucksvoll das Leben an und mit der See: Respekt vor einem Element, gegen das der Mensch machtlos war und es immer noch ist, das drei Viertel unseres Planeten bedeckt und "kommt nicht und geht, sondern atmet, ein urzeitliches, über die Erde hingestrecktes Tier". "Auflaufend Wasser" wird dabei zu einem Kammerspiel: der junge Mann und das Meer, das hier beinahe den zweiten Protagonisten darstellt; die See als Tier, als zornvoller Dämon, unberechenbar, unersättlich, von Menschen nicht kontrollierbar. Dehe und Engstler umschiffen hierbei geschickt die Klippe zu Kitsch und Tränendrüse. Ihr Tjark tobt und wütet nicht gegen sein Schicksal, sondern ist ihm ergeben. Respektiert die See, der er als Seemann und Insulaner ohnehin gehört, und ob sie ihn nun früher oder später zu sich holt, überlässt er letztendlich ihr, muss er ihr überlassen, kann sich ihr nicht widersetzen, findet sich mit seinem Schicksal ab. Den Fehler hat er gemacht, und er sieht ihn ein: kein Kompass, keine Bitte des Wartens an die Ruderer, bis er die Dünen des Oststrandes erreicht hat. EIn Gefühl von Sieg, es ohne Hilfsmittel nach Hause geschafft zu haben. Gegen die See, gegen den Nebel. Bei auflaufend Wasser. Bis ans Ende des Buches halten sich die Autoren an ihre schlichten, klaren Schilderungen, spekulieren realistisch und nachvollziehbar über Tjarks Innenleben und seine Gedanken, aber überzeichnen ihn nie. Die nachdrücklichsten Aussagen überlassen sie ohnehin seinen eigenen Aufzeichnungen: "Ich habe das Wasser jetzt ans Knie. Ich will mich gleich ertränken, denn Hilfe ist nicht mehr da. Es ist 9 Uhr. Ihr geht gleich zur Kirche. Betet nur für mich Armen, daß Gott mir gnädig sei. Ich grüße euch zum letzten Mal".

    Mehr
    • 2

    wandablue

    20. November 2015 um 00:37
  • Tragisch, mitreißend, authentisch

    Auflaufend Wasser

    Makollatur

    06. October 2015 um 15:32

    Das Autorenduo Dehe/Engstler präsentiert in diesem Text die Geschichte des Navigationsschülers Tjark Evers, der 1866 auf dem Weg in sein Heimatdorf auf der Insel Baltrum auf tragischste Weise zu Tode kommt. An einem nebeltrüben Tag, kurz vor Weihnachten wird der junge Evers in einem Boot zu einem Stück Land gebracht, welches er irrtümlich für seine Heimatinsel hält. Dabei handelt es sich aber lediglich um eine Sandbank, welche die Ebbe entstehen ließ und die Flut bereits wieder zu sich nimmt. Schnell erkennt Tjark seinen Fehler, kann dem drohenden Schicksal aber nicht mehr entgehen. Die steigende Flut leckt schon an seinen Stiefeln, und mehr und mehr ergreift die Verzweiflung Besitz von ihm. In einem kleinen Taschenbuch hinterlässt er ein paar Zeilen, die seinen Verwandten Aufschluss über sein Schicksal geben sollen. Phasen des Traumes, in denen Erzählungen und Erinnerungen aus seiner Vergangenheit an die Oberfläche seines Geistes treten, wechseln mit jenen harter Einsicht und Resignation. Schließlich, versöhnt mit dem Meer, gibt sich Tjark Evers dem Wasser hin, als dessen Teil er sich als Schiffer und Inselbewohner ohnedies bereits fühlt. Die Geschichte des jungen Mannes, der im Meer zu Tode kommt, ist eine von vielen. Dehe/Engstler verstehen es, durch exzellente Recherche und mit Hilfe präziser, schnörkelloser Sprache und Stilistik dem Werk eine Tiefe zu geben, die es für jeden Leser zu einem Erlebnis werden lässt. Unwillkürlich fühlt man den Wind auf der Haut und das Salz auf der Zunge. "Auflaufend Wasser" besticht auch dadurch, dass es sich hierbei um die Rekonstruktion eines echten Unglücksfalles handelt. Dadurch erhält der Text den wichtigen Faktor der Authentizität. Nicht für jeden Leser-Typ geeignet, aber durchaus eine Perle im weiten literarischen Ozean.

    Mehr
  • Ein Denkmal für Tjark

    Auflaufend Wasser

    wandablue

    Ein Denkmal für Tjark Viele Volkslieder und Shanties sind dem Meer gewidmet, denn die Sehnsucht des Menschen nach dem Meer setzt seine Phantasie in Gang. Es sind Phantasien von Freiheit und Größe, vom Bezwingen der Elemente und vom Bezwungen werden. Denn die Shanties, oft durchsetzt mit Witz und beissender Selbstironie, verschweigen nicht, dass der Mensch im himmlischen Element Meister und Schicksal zugleich erkennt. Besonders gut wissen das alle Inselbewohner. Denn es gibt zu viele Zeugnisse, die ihnen dies kundtun. Eines davon betrifft einen blutjungen Mann, geboren zu Baltrum am 9.12.1845, zu Tode gekommen am 23.12.1866. Der Steuermannschüler Tjark Ulrich Honken Evers fasst den folgenschweren Entschluß, Weihnachten doch nicht in Timmel, in der Navigationsschule zu verbringen, sondern einen Überraschungsbesuch zu Hause zu machen und bricht zu diesem Behufe am allerfrühsten Morgen des 23. Dezember 1866 auf, um sich von einigen Schiffern mit einem Boot auf die Heimatinsel Baltrum übersetzen zu lassen. Einer von ihnen will nach Langeoog und wird an dessen Strand abgesetzt, dichter Nebel liegt über der Küste und man steuert sogleich die Ostküste Baltrums an. Land. Sand. Gott sei Dank. Es ist der vierte Advent, Sonntagmorgen. Tjark schultert seinen Seesack, bald ist er in Westdorf, es beginnt der Frühgottesdienst, er wird sich neben die Eltern und Geschwister in die Bank schieben, morgen ist Heilige Nacht. Die Männer, die ihn brachten, legen ab ... Tjark läuft los und was ist das? Wasser. Hat er die Orientierung verloren? So dichter Nebel, man sieht kaum die Hand vor Augen. Er schlägt eine andere Richtung ein, wieder Wasser. Er zieht konzentrische Kreise, in jeder Richtung Wasser. Der junge Mann ist wie vor den Kopf geschlagen. Er ist nicht auf dem Festland, sondern auf einer Plat (sprich Plaat) abgesetzt worden, einer Sandbank, die bei Flut ... geflutet sein wird. Einundzwanzig Jahre alt ist der junge Mann und hat eine glänzende Zukunft vor sich. Er ist Seemann, er kann sich nichts vormachen. Es ist auflaufend Wasser. Er hat keine Chance. In einer Stunde wird er tot sein oder eineinhalb. Das kleine Dokument, das von diesem Unfall im Jahre 1866 erzählt, das Büchlein, das übrig blieb, in das der junge Mann, nass bis auf die Knochen und beinahe erfroren, ein paar letzte Worte an die Lieben richtet und für sein Seelenheil zu beten bittet, nehmen die Autoren Dehe und Engstler zum Anlaß ihm ein kleines, literarisch wertvolles Denkmal zu setzen. Zu recht. Fazit: Erschütternd. Kategorie: gehobene Literatur Verlag: Steidl Verlag, Göttingen, 2013

    Mehr
    • 8
  • Nordsee/Mordsee

    Auflaufend Wasser

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. December 2013 um 11:57

    23.12.1866 - Osterhook /im Osten von Baltrum. Zwei oder drei Grad Wassertemperatur. Inselstrand? - Platensand! Nebelschwaden, Nebelwände, Nebeldickicht. Geträumt? Die falsche Richtung eingeschlagen? Ohne Kompass (es gibt noch kein Handy, kein Smartphone, kein Navi). An falscher Stelle aus dem Kahn ausgesetzt! Zu spät für eine Rettung. Zu früh für ein Leben. Ein paar Zeilen zum Abschied. Tjark Evers lebt immer noch. Im Museum. Und in einer berührenden Novelle.

    Mehr
  • Ein Kleinod

    Auflaufend Wasser

    Fuhlsbuecher

    30. May 2013 um 16:19

    Ein Buch für Küstenbewohner. Und ein Buch für Bücherfreunde, denn im Hause Steidl stimmt mal wieder alles: Ein guter Text wird in schönster Form dargeboten. Erstklassige Druckqualität (die Druckerschwärze ist wirklich schwarz, edles Ganzleinen, angenehmes Papier. So sind schöne Bücher! Die Geschichte ist eher ernst. Ein junger Mann will zu Weihnachten seine Familie auf Baltrum besuchen und lässt sich an der Ostseite der Insel absetzen (wir schreiben das Jahr 1866), um von hier ins Dorf zu laufen. Aber das Schicksal ist nicht gnädig mit ihm. Das vermeintliche Ostufer ist nur eine Sandbank, und die einsetzende Flut und der dichte Nebel machen den Heimweg unmöglich. In dieser aussichtslosen Situation macht Tjark Evers etwas Ungewöhnliches: Er beginnt zu schreiben. In ein Büchlein notiert er sein Verhängnis, bittet um Gnade, „denn Hülfe ist nicht mehr da. Gott sei mir Sünder Gnädig.“ Aber zwischen den Zeilen ist noch sehr viel mehr zu lesen. Und so geben uns die Autoren ein knappes Bild des Lebens auf einer kleinen Nordseeinsel im 19. Jahrhundert. Ein sehr dichtes und beeindruckendes Buch.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks