Astrid Dehe , Achim Engstler Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442

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Inhaltsangabe zu „Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442“ von Astrid Dehe

Florenz 1442. Die Medici beherrschen die Stadt, ihr Wort ist Gesetz. Widersacher werden aus dem Weg geräumt, Anders denkende verfolgt. In dieser Atmosphäre von Misstrauen und Verrat gerät der junge Kopist Matteo gleich zweifach in Bedrängnis. Nach dem Tod des Vaters hat er eine Familienpflicht zu erfüllen: Er muss ein altes Buch bewahren, das seit Generationen vom Vater auf den ältesten Sohn übergeht. Die Verfasser dieses Libro dei C sind unbekannt, seine Sprache versteht niemand. Der Überlieferung nach wird die Schrift sich offenbaren, wenn die Zeit reif ist. Dann wird das Buch die letzte, entscheidende Waffe gegen das Böse sein. Matteo aber glaubt nicht an den Teufel und die düstere Weltsicht seiner Vorväter. Seine Träume sind von ganz anderer Art: eine eigene Werkstatt, ein eigenes Haus. Doch der Lohn eines Kopisten ist bescheiden. Verlockend daher der unverhoffte Auftrag des Patriziers di Adimari. Er soll die Traumbilder seiner Tochter Evelina aufzeichnen: bizarr poetische Visionen von Wurzelwesen, ungekannten Pflanzen, Tieren und Königinnen, die nackt in Blütenkelchen baden. Eine Welt der Frauen, eine 'schöne Welt, bewegt von Liebe'. Diese Visionen aber sind gefährlich, denn zu stark stehen sie im Widerspruch zur kirchlichen Doktrin, zu sehr bedrohen sie die Macht Cosimo de‘ Medicis. Ungute Zeichen verdichten sich, auf dem Pergament wie in den dunklen Gassen von Florenz. Am Ende bleibt dem Kopisten nur sein Handwerk, um sich und die schöne Evelina zu retten, ihre Bilder und das Libro dei C

Wirklich ein sehr gutes Buch um ein geheimnisvolles Manuskript.

— karatekadd

Spannend, mysteriös, geheimnisvoll. Ein Erklärungsversuch zur Entstehung eines nicht zu entschlüsselnden Manuskripts.

— LitteraeArtesque

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  • Ein geheimnisvolles Manuskript

    Unter Schwalbenzinnen Florenz, Frühling 1442

    karatekadd

    13. December 2015 um 13:42

    Ein Kopist und eine junge Patriziertochter,    gezeichnete Visionen eines fantasievollen Mädchens, rudimentäres Wissen über ein geheimnisvolles Buch, eine unidentifizierbare Schrift. Die Visionen könnten politische Brisanz enthalten im Florenz des Jahres 1442, es regiert Cosima Medici. Was bleibt? Ein geheimnisvolles Manuskript mit geheimnisvollen Bildern und einer bis heute nicht entschlüsselten Schrift. Präsentiert vom Autorenpaar Astrid Dehe und Achim Engstler im Steidl-Verlag Göttingen. * * * Matteo Fini ist der Stammhalter einer Familie, die ein geheimnisvolles Buch bewahrt welches niemand entziffern kann. Lediglich einige Verse sind es, die Matteo auswendig gelernt hat und diese Verse und das Buch an seinen Sohn weitergeben soll. Matteo arbeitet als Kopist, er schreibt Bücher ab. Eines Tages erhält er einen Auftrag: Er soll die Visionen von Evelina di Adimaris aufzeichnen. Fortan eilt er für einen imensen Lohn in deren Palast und skizziert ihre visionären Beschreibungen. Matteo kommt mit seinen Notizen kaum hinterher, mühevoll vervollständigt er nachträglich immer diese Skizzen. Ein Bild kehrt wieder, das Bild von der Burg mit den Schwalbenzinnen. "Ich sah eine Burg, die sich wandeln wollte, die mehr war als Stein. Zinnen hat sie wie die Schwänze von Schwalben, die das Licht durchpflügen im schnellen Pflug. Verzweigen will sich die Burg, sie treibt Gärten und Wälder, Seen und Sterne. In Kreisen blühen neue Länder auf. Mond und Sonne sind Eins, weder trennt sie Tag noch Nacht." [1] Ketzerisch erscheinen die Gedanken zuweilen, im Geiste der Fraticelli, im Geiste der Catari. Ist Matteos Buch, das Libre di C, in diesem Geiste geschrieben? Mit der Zeit sieht er sich im Florenz des Cosima de´ Medici Verfolgungen ausgesetzt. Kann er beides retten, das übereignete Buch und die Zeichnungen der wunderschönen, klugen und manchmal entrückten Evelina? "Das Zeichen der Fische. Sie sind ein Paar. Hell wird das Wasser, in dem sie schwimmen durch das Licht des Sterns, den jeder von ihnen steigen lässt, an einem langen Band. sie halten es zwischen den Kiemen. Kaum erst geboren sind ihre Frauen, liegen in Zubern, tauchen auf aus den Wassern. Auch sie haben einen Stern, aber noch ist er fern. Die Sterne, sie streben empor, mit einem Band an den Zuber geknüpft.  Alles strebt dann empor, alles richtet sich darum auf. Die Zuber, die Frauen. Schon greifen sie nach dem Band, Schon grüßen sie mit der freien Hand. Innerer Ring. Verwundert geht ihr Blick nach links. Äußerer Ring. Staunend schauen sie nach rechts." [2] * * * Er quält sich, der Kopist, er müht sich, er hat die Worte im Kopf: wie bildet er sie nach? Kerzenfarben nimmt er, zeichnet und zeichnet. Tierkreise, Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen, Tiere, Kräuter, eine Menge nackter Frauen, Seite um Seite, Bild um Bild.  Er vernachlässigt andere Aufgaben und plötzlich ist Schluss. Fürstlich der Preis, wenn er alle Seiten aushändigt dem Sekretär. Schon sucht man nach dem unverständlichem Buch... * * * Was ist das für ein Buch, welches Astrid Dehe und Achim Engstler so detailreich beschrieben haben? Poetisch der Text, mit dem sie die Bilder eines über 500 Jahre alten Manuskripts beschreiben. Die Beschreibungen legen sie der Evelina in den Mund. Das sogenannte Voynich-Manuskript liegt dem Roman zugrunde.  Ein mysteriöses Werk und einer Schriftsprache, die bis heute nicht wirklich entschlüsselt werden konnte. Dehe und Engstler liefern eine literarische Erklärung für etwas, an dem sich fast schon Generationen von Wissenschaftlern die Zähne ausbissen.   "Der sowohl rätselhafteste als auch faszinierendste Abschnitt des Manuskripts stellt auf fast jeder Seite Gruppen nackter Frauen mit gewölbten Bäuchen dar, die in Becken oder Wannen sitzen, die durch Leitungen oder Röhren verbunden sind. Die Leitungen münden häufig in teils organisch, teils mechanisch wirkende End- und Verbindungsstücke. Diese Ambivalenz führte dazu, den Inhalt des Abschnitts sowohl mit anatomischen Gegenständen (z. B. der menschlichen Reproduktion) zu verknüpfen, als auch (dem Augenschein folgend) ihn schlicht als „bäderkundlichen“ (balneologischen) Abschnitt zu bezeichnen." [3] "Aha!", möchte man meinen. Und rätselt weiter. Es empfielt sich, die Bildersammlung unter Wikipedia Commons gelegentlich anzusehen. Die Suche nach dem jeweiligen Bild, welches Evelina gerade dem Matteo ausbreitet, ist ebenso interessant wie die Lektüre selbst. Finden wir den Text in den Bildern wieder? Ein Kreislauf von Werden und Vergehen, vom Kosmos, dargestellt in den Tierkreiszeichen.Manchem mag es vorkommen, wie ein "Apotheker Buch", eine botanische und kräuterkundliche Sammlung. Oder eine häretische Erörterung der Weltenordnung, in Geheimschrift verfasst und nur Eingeweihten verständlich. Der Hinweis auf die Katharer und die Pairfaits unter diesen, kommt nicht von ungefähr.  Auf der Verlagsseite erklären die Autoren in einem Video dass der Text sie "spontan inspiriert hat". Ach so, der Text. Sie haben ihn "übersetzt" und dabei dessen Illustrationen  "abgemalt". Wenn es wahr ist, was ein gewisser Torsten Timm annimmt, dann hat ein Autokopist einfach verschiedene Zeichenketten erfunden, diese aneinander gereiht und immer wieder abgewandelt.[4] Begibt sich der Leser auf die Spuren des Manuskripts, dann erscheint dies eine sehr interessante Erklärung zu sein. Jedoch ist die von Astrid Dehe und Achim Engstler viel schöner, finde ich. * * * Nun haben sie also einen historischen Roman geschrieben. Der Umgang mit Farben, Tinte und Pergament wird beschrieben, ein paar Einblicke in die politischen Gegebenheiten im Florenz des Jahres 1442 geben sie auch. Aber es sind die Bilder, die sie schreibend malen, das Bild des jungen Kopisten, der einer schönen jungen träumenden Erzählerin gegenüber sitzt und die von ihr erzählten Bilder, rätselhaft und vielfältig, mal mehr - mal weniger bunt, welche den Roman ausmachen. Mir bleibt nur noch, Achim Engstler für den Roman zu danken und euch einen letzten Tipp dazu zu geben. Legt ein Tablet neben euch und sucht die Bilder zum Beispiel auf Voynich Manuscript Manager. Auf Leseprobe 1, 2 und 3 könnt ihr schon mal probelesen. * * * ► DNB / Steidl - Verlag /  Göttingen 2015 / ISBN: 978-3-95829-046-4 / 304 S. Bebildert gibt es den Text hier  © KaratekaDD

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