Astrid Erll Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen

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Inhaltsangabe zu „Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen“ von Astrid Erll

Gedächtnis und Erinnerung als interdisziplinäres Forschungsfeld. Welche Forschungstraditionen und Konzepte gibt es? Wie unterscheidet sich der Gedächtnisbegriff in einzelnen Disziplinen? Wie lässt sich die Gedächtnis bildende Wirkung von Literatur und Medien analysieren? Wie kann der Beitrag literarischer Texte zur Erinnerungskultur beschrieben werden? Der Band bündelt die vielfältigen Ansätze und Methoden. Neue Themen der 2. Auflage sind z. B. Gedächtnismedienforschung und transkulturelle Erinnerung in Zeiten der Globalisierung.

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  • Rezension zu "Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen" von Astrid Erll

    Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen

    michael_lehmann-pape

    23. January 2012 um 11:43

    2. Auflage des Einführungsbuches „Gedächtnis“ „ist ein Thema, das zusammenführt wie kaum ein anderes“. Mit diesem Satz aus der Einleitung eröffnet Astrid Erll in der zweiten Auflage des Buches bereits in bester Weise das umfassende Spektrum ihres Themas. Weit übergreifend beschäftigen sich gegenwärtig die verschiedensten wissenschaftlichen Fachrichtungen und kulturelle Symbolsystem mit der „Erinnerungspraxis und deren Reflektion“. Nicht umsonst hat sich „Gedächtnis und Erinnerung“ zu einem Leitbegriff der Kulturwissenschaften an sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Gut daher, dass Astrid Erll nun in der zweiten Auflage den rasanten Entwicklungen des Themas Rechnung trägt, ihr Buch von 2004 grundlegend aktualisiert und zwei neue Kapitel hinzufügt. Zum einen eines über transnationale und transkulturelle Gedächtnisprozesse und zum anderen eines über den aktuellen Stand der medienkulturwissenschaftlichen Ansätze im Blick auf „Gedächtnis“. Dies stellt sich vor allem als wichtig dar in den fundiert neu aufgenommenen Betrachtungen der digitalen Medien, die noch ganz andere Formen von „Erinnerungskulturen“ in den letzten Jahren in den Raum gesetzt haben, als vor einem Jahrzehnt denkbar gewesen wäre. Nach einer Einleitung und Begriffklärung stellt Erll ihre Einführung in das kulturwissenschaftliches Thema des Gedächtnisses, des „kollektiven“ Gedächtnisses und des kulturellen Erinnerns wohlgeordnet und sprachlich verständlich vor die Augen des Lesersn den Begriff des „kollektiven Gedächtnisses“ möglichst weit fassend, um auch unterschiedlichste Diskurse und Strömungen integrieren zu können. So ist der Beginn mit einem Abriss der Forschungsgeschichte und der damit einhergehenden „Erfindung“ des „kollektiven Gedächtnisses“ ein logischer, erster Schritt. Sehr gut gelöst findet sich dann im nächsten Hauptteil zum einen ein Übersicht über disziplinspezifische Zugänge zum Thema (Geschichte, Oral History, Kunst und Literatur etc.), als die Autorin auch Einblick gibt in die vielfältigen interdisziplinären Vernetzungsmöglichkeiten (und bereist vorliegenden Vernetzungen). Gerade dann die Hauptteile über „Medien und Gedächtnis“, sowie „Literatur als Medium des kollektiven Gedächtnisses“ zeigen die vorhandene Breite der (immer schon vorliegenden) Erinnerungskulturen, deren stete Weiterentwicklung gerade in der modernen Welt und deren systematische „Entdeckung“ durch die aktuelle Forschung breit auf. Dass die „Gedächtnisgeschichte“ letztlich immer auch zugleich eine „Mediengeschichte“ ist und dass jene transportierenden Medien vielfältig je zu Zeiten anders geartet vorlagen sind wichtige Grundlagen zum Verständnis des umfassenden Themas des „kollektiven Gedächtnisses“. Grundlegend fließen in all die Betrachtungen des Buches beständig vielfältige Impulse und Ergebnisse, als auch Darstellungen, der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung ein. Erll lenkt den Blick hierbei überzeugend gerade auf die übergreifende Qualität der Disziplinen. Die Gedächtnisforschung ist tatsächlich jener kulturwissenschaftliche Zweig, der transnational, interkulturell und interdisziplinär Forschung und gesellschaftliches „Erinnern“ in sich birgt. Als Lösung vorliegender Dilemmas in Fragen der Einordnung und Zugehörigkeit des Forschungsfeldes legt Erll zu guter Letzt noch die Grundlagen einer „erinnerungshistorischen Literaturwissenschaft“ vor, im Zuge derer sie die Literatur (in breitem Verständnis) als Medium des kollektiven Gedächtnisses konzipiert. Ein Feld, in dem, so es allgemeine Anerkennung finden würde, die einzelnen Forschungs- und Diskursbereiche eine „Sammelstelle“ ebenso finden würde wie Parameter für weitere Betrachtungen. Trotz des hohen wissenschaftlichen Anspruches (das Buch ist sprachlich beileibe keine leicht fließende Unterhaltungslektüre), bietet das Buch eine umfassende und konstruktive Einführung in dieses zentrale Feld menschlichen Seins und wissenschaftlicher Forschung. Ein Verständnis eröffnet sich, dass durchaus seine Wirkung auf auch aktuelle Diskussionen der digitalen (und damit nicht-vergesslichen und informationsgefluteten Welt) hat und haben wird.

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