Astrid Holleeder

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Autor von Judas.

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Judas

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Erschienen am 12.04.2018

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Rezension zu "Judas" von Astrid Holleeder

Intensiv
michael_lehmann-papevor 7 Monaten

Intensiv

Kaum zu glauben ist es, schaut man in die Jahre zumindest seit 2003, dem erfolgreichen Mordanschlag auf Cor van Hout, lange Zeit engster Vertrauter, so was wie ein Freund, zudem Schwager von Willem Holleeder und beide eng verstrickte, breit bekannte, skrupellose Kriminelle in Amsterdam, dass Astrid Holleder, zudem ihre Schwester Sonja, Witwe van Houts, so lange, so intensiv noch Kontakt, ja eine innere Beziehung zu Willem aufrechterhielten, für den der Begriff „menschliches Monster“ wie geschaffen zu sein scheint.

Eine kriminelle Karriere, die in den Anfangstagen weltweit aufsehen erregte durch die (gelungene) Entführung Alfred „Teddy“ Heinekens. Gefasst, verurteilt und Jahre im Gefängnis folgten, große Teile des eigenen Anteils am Lösegeld aber wurden nicht gefunden und dienten als Grundlage für die weitere Karriere „ganz oben“ unter den gefühlskalten, harten Kriminellen Hollands und Amsterdams.

Wie skrupellos Willem Holleeder aber wirklich ist, wie viele Morde tatsächlich auf sein Gewissen gehen, auf seine Anweisung hin ausgeführt wurden, dass er weder Freund noch Geschwister verschonen würde, dass er schon 1996 hinter dem ersten Anschlag auf van Hout die Fäden zog, dass er, ohne mit der Wimper zu zucken, am Abend des Todes seines Schwagers trauernd seine beiden Schwestern unter Tränen in den Arm nimmt, um am nächsten Tag direkt wieder Druck auszuüben, dass alles erschließt sich erst aus diesem Werk aus „erster Hand“.

Und ebenso erschließt sich, in der Lebensgeschichte der Geschwister, in der schon früh angelegten Manipulationskraft Willems und seiner schneidenden Drohungen, dass sowohl Astrid Holleeder (die zudem noch Anwältin als Beruf gewählt hat, sinnigerweise im Bereich Strafrecht und damit fast schon wieder „im Lager“ ihres Bruders) als auch ihre Schwester eben nicht nur aus Angst, sondern auch aus basaler Bindung heraus mit diesem harten Gangster verbunden blieben.

Tragisch fast, aber nach der Lektüre und aus der Familiengeschichte heraus absolut verständlich sind daher die letzten Worte des Werkes, das Astrid Holleeder aus ihrem Versteck herausgeschrieben hat (denn Willem hat auf seine Art gerade Ohne Worte und Kontakte klargestellt, dass für sie und ihre Schwester die Mörder schon bestellt sind).

„Aber trotz dieser Gewissheit, Wim, ich liebe dich immer noch“.

Bis irgendwann klar wurde, dass auch seine Neffen und Nichten nicht sicher vor ihm sein wurden, dass der andere Bruder und die Schwester Sonja ohne weiteres auch aus dem Weg geräumt werden würden, dass auch Astrid nur solange ihres Lebens sicher sein konnte, wie sie Willem nicht in den Weg träte.

Wie in klassischen Gangsterfilmen werden dann Entscheidungen der Schwestern getroffen, wird sich „verkabelt“, wird Willem „in die Falle“ gelockt. Der nun im Gefängnis sitzt. Und doch weder Einsicht zeigt noch wirklich untätig wohl ist, was seine Rache angeht.

In Teilen wie ein Thriller zu lesen, in anderen Teilen herzergreifende Familiendramatik schon in Kindheitstagen und, vor allem, höchst informative Hintergründe und eine klare Schilderung einer Person, den in Holland wohl jeder kennt, der aber in den angrenzenden Ländern nicht unbedingt in vollem Umfang seiner psychopathischen Persönlichkeit und skrupellosen Vorgehensweise bekannt sein dürfte.

„Peter, der genauso wie Thomas „gehen“ sollte (sterben). Sandras (eine von Willems Geliebten) Sohn, der „gehen“ sollte, weil er Kontakt zu den Menschen hat, mit denen du Streit hast. Deine Schwester, die dir (ihren) Gewinn abtreten musste. Deine Schwester, die entscheiden soll, welches ihrer Kinder als Erstes erschossen wird“.

Das alles nur für einen und seinen Willen: Geld und Macht alleine für Willem Holleeder. Um jeden Preis.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre.

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