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littleowl

vor 3 Jahren

(18)

Die Brüder Karl und Lorenz wachsen in einem kleinen Kaff in der Oberpfalz auf, doch von Dorfidylle ist hier keine Spur. Ihre Mutter stürzt sich gleich zu Beginn vom Balkon der Ferienpension, zurück bleiben außer den beiden Jungen ihr lebensuntüchtiger Vater, eine praktisch antike Haushälterin und der Dauergast Herr Murmelstein. Im selben Sommer wird das Leben der Brüder gleich nochmal auf den Kopf gestellt, als die kratzbürstige Elsa im Dorf auftaucht. Karl verliebt sich auf den ersten Blick in sie und auch zu Lorenz scheint sie eine besondere Verbindung zu haben. Doch wenige Jahre später zieht Elsa plötzlich nach Amerika und hinterlässt eine Lücke im Leben der beiden. Den Geist der Vergangenheit können weder Lorenz noch Karl hinter sich lassen, selbst dann nicht, als sie erwachsen sind und versuchen, sich in der Kunstszene durchzuschlagen.

Der Roman besteht aus zwei großen Teilen: Die Kindheit von Lorenz und Karl und ihr Leben als junge Erwachsene. Die beiden Abschnitte sind so komplett unterschiedlich, dass man sie eigentlich getrennt voneinander bewerten müsste.
Die Kindheit auf dem Land wird realistisch beschrieben und die Autorin versucht nicht, eine Idylle vorzutäuschen. Die Sprache ist einfach und schnörkellos, aber voll von Symbolen. Das hat mir sehr gut gefallen, weil dadurch ich beim Lesen wirklich manchmal innegehalten und versucht habe, zwischen den Zeilen zu lesen.
Selten fand ich es so unangenehm, die Welt durch die Augen einer Figur zu sehen wie bei diesem Roman. Karl ist als Kind naiv, passiv und weinerlich und vor allem bessert sich all das mit dem Älterwerden nicht. Seine blinde Verliebtheit zu Elsa, die nicht einmal einen Dämpfer erhält, als sie ihn dazu bringt, für sie zu klauen, habe ich einfach nur mitleidig mitangesehen. Später seine bekifften Gedanken zu lesen fand ich aber noch weniger unterhaltsam. Wirklich aufgeregt habe ich mich über die Darstellung seines Drogenentzugs, weil er einfach komplett verharmlost wird. Eine so schwere Abhängigkeit zu überwinden dauert Jahre, nicht Tage!
Elsa lernen wir fast nur als Kind kennen, im zweiten Teil taucht sie erst ganz am Schluss wieder auf. Sie ist zwar nicht immer symphatisch, aber mit ihrer Mischung aus Kratzbürstigkeit, Verschlossenheit und Verletzlichkeit sicher die interessanteste Figur. Rückblickend sehe ich sie mit anderen Augen, weil ihr Verhalten später teilweise erklärt wird.
Toll fand ich den sehr realistischen Einblick in die moderne Kunstszene, deren Oberflächlichkeit und Skrupellosigkeit hier schonungslos offengelegt werden.
Außerdem wird der Roman sehr bereichert durch die vielschichtigen Nebenfiguren, besonders ins Herz geschlossen habe ich "das Murmeltier", Frau Kratzler und auch Irina Graham. Irina verkörpert zwar eigentlich die erbarmungslose Kunstszene, gleichzeitig bekommt man durch sie aber auch einen Blick hinter die Fassade.

Insgesamt ein Roman mit einigen Macken, aber trotzdem lesenswert.

Autor: Astrid Rosenfeld
Buch: Elsa ungeheuer

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lord-byron

vor 3 Jahren

Das Buch liegt auch noch auf meinem SuB.

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