Bei diesem Buch habe ich länger über eine mögliche Bewertung nachdenken müssen: Die Grundidee ist nämlich sehr gut, der Schreibstil angenehm, handwerklich habe ich sozusagen nichts auszusetzen – und dennoch habe ich mich durch die Seiten geschleppt und mich immer wieder beim Querlesen erwischt.
Zum Inhalt: Tempest lebt in einer Art „Waterworld“, die nach der Überflutung des größten Teils der Landmasse der Erde – lange vor ihrer Geburt – entstanden ist. Die Menschen leben mit dem Ertrinken als häufiger Todesursache, doch es gibt eine Art Firma, die Ertrunkene birgt und so lange aufbewahrt, bis die Angehörigen das Geld aufgetrieben haben, um eine Wiedererweckung für 24 Stunden zu bezahlen. Tempest will diese Chance nutzen, um nicht nur ein letztes Mal Zeit mit ihrer Schwester Elysea zu verbringen, sondern auch etwas über ihre verschwundenen beziehungsweise vermutlich verstorbenen Eltern herauszufinden. Dabei trifft sie auf Lor, der unter der Hand für seinen Freund als Wächter eingesprungen ist und die beiden Schwestern während der kommenden 24 Stunden begleiten soll.
Das Buch wartet also mit einer tollen Grundidee auf, die viel Figuren- und Handlungstiefe verspricht. Dazu kommt ein 24-Stunden-Countdown, die Erzählperspektive wechselt zwischen Tempest und Lor, und ja: Es passiert tatsächlich einiges, auch einige Wendungen und Enthüllungen sind eingebaut. Und dennoch empfand ich die Geschichte als schleppend, denn Handlung ist eben nicht automatisch Entwicklung. Ganze Passagen ließen sich querlesen, ohne dass mir anschließend etwas Wesentliches für das Verständnis gefehlt hätte.
Dabei gibt es durchaus Aspekte, die zeigen, welches Potenzial in der Geschichte steckt. Besonders interessant fand ich die nach und nach enthüllten Regeln rund um die Wiedererweckung und das Verhältnis zwischen Erwecktem und Wächter. Dadurch verändert sich auch der Blick auf Lor und seine bisherige Lebensweise, und gerade hier hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht.
Auch waren längst nicht alle Wendungen tatsächlich überraschend, und am Ende fehlte mir vor allem die Konsequenz bei der Umsetzung der eigenen Grundidee. Gerade eine Geschichte, die Tod und Wiedererweckung an klare Regeln und einen hohen Preis knüpft, sollte meiner Meinung nach den Mut haben, die daraus entstehenden Konsequenzen auch auszuhalten.
Nicht die Grundidee ist schwach. Im Gegenteil – sie ist so gut, dass man beim Lesen ständig interessantere Möglichkeiten sieht, was man damit hätte machen können. Und das kann am Ende frustrierender sein als ein Buch, das einfach nur mittelmäßig ist.
★★☆☆☆ trotz interessanter Elemente insgesamt nicht überzeugend







