Atticus Lish Vorbereitung auf das nächste Leben

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Inhaltsangabe zu „Vorbereitung auf das nächste Leben“ von Atticus Lish

Die uigurische Kriegswaise Zou Lei hat es allein und mittellos bis in die USA geschafft. Illegal eingewandert und stets auf der Hut vor den Behörden, schlägt sie sich in New York mit Küchenjobs durch. Der Soldat Brad Skinner ist gerade zum dritten Mal aus dem Irak zurückgekehrt. Traumatisiert und arbeitslos begegnet er eines Tages Zou Lei und eine leidenschaftliche Liebe zwischen Verzweiflung und Hoffnung beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit und Halt treiben sie durch New York City, trainieren ihre Körper bis an den Rand der Erschöpfung. Doch inmitten der vielen Kulturen, der Heimatlosen und Überlebenskünstler, der Verrohung und Versöhnung braut sich ein Unheil zusammen, das sie für immer auseinanderzureißen droht. Atemlos begleitet der Leser im mal harten, mal weichen Wechsel von Licht und Schatten die Liebenden durch die Straßen New Yorks und wird sie nie mehr vergessen. Atticus Lish hat den großen Roman über unsere urbane Gegenwart geschrieben.

Wer "Berlin Alexanderplatz" mag, kann sich auch mit diesem modernen amerikanischen Großstadtroman anfreunden.

— gst
gst

Der amerikanische Alptraum benachteiligter Menschen nach 9/11. Leben, geprägt von Unsicherheit, Ungerechtigkeit und Verstörung. Realität.

— Buchstabenliebhaberin
Buchstabenliebhaberin

Eindringlich und ungeschönt erzählt Atticus Lish von zwei Menschen am Rande der amerikanischen Gesellschaft.

— leselea
leselea

Lesenswerte Sozialstudie, jedoch mit ermüdender Detailfülle und holpriger Übersetzung.

— wandablue
wandablue

Tiefgründig, ungeschönt und realistisch - regt zum Nachdenken an und wirkt lange nach

— raven1711
raven1711

Ein ganz besonderer Schreibstil, das gerade wegen seiner Emotionslosigkeit zu fesseln versteht.

— danischwarz
danischwarz

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  • Niederdrückender und verstörender Gesellschaftsroman

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    gst

    gst

    17. April 2017 um 11:20

    „Die wohl schönste und unsentimalste Liebesgeschichte dieses Jahrzehnts“, hat The New York Times über dieses mit dem PEN/Faulkner Award 2015 ausgezeichnete Buch geschrieben. Meiner Meinung nach kann diese Aussage auf die falsche Fährte locken. Denn auch, wenn die Liebe in diesem Buch eine Rolle spielt, würde ich es niemals unter Liebesromanen einordnen. In diesem Buch geht es um die Beziehung zwischen einer illegalen Einwanderin aus China und einem traumatisierten, noch sehr jungen Irak-Veteranen. Als Leser taucht man tief in den „amerikanischen Traum“ ein, der sich für viele als Alptraum entpuppt. So auch für die Protagonisten, die an der unteren Stufe der Hierarchieleiter stehen und sich vergeblich bemühen, sie zu erklimmen. Es handelt sich um ein trostloses Buch, das Amerika von einer Seite zeigt, wie man sie selten vorgesetzt bekommt. Der Autor schreibt sehr detailverliebt und es lässt sich kaum eine Entwicklung seiner Figuren feststellen. In der Aneinandereihung der Bilder sieht man deutlich, wie einer der Rettungsanker des anderen ist. Mich hat die Schilderung des New Yorker Großstadtmillieus an Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ erinnert. Die Geschichte des entlassenen Gefangenen Franz Biberkopfs lässt sich gut mit dem aus der Army ausgeschiedenen Skinner vergleichen. Beide straucheln haltlos durch die Großstadt, die in beiden Romanen den Rahmen der Handlung gibt. Auch wenn zwischen der Entstehung der Romane neun Jahrzehnte liegen, sind die Personen am Rand der Gesellschaft auf der Suche nach Heimat und Zukunftsperspektive ähnlich verloren. Auch der Schreibstil von Atticus Lish und Alfred Döblin lässt sich gut vergleichen: abgehackt, mit unvollständigen Sätzen oder ausgedehnten Augenblicksbeschreibungen; was das Lesen sehr ermüdend gestaltet. Seite 268: „Sie strahlte die Tabletts mit dem Druckspüler ab, bevor sie sie in den Korb rammte, der in die Spülmaschine geschoben wurde, einen sechzig mal sechzig Zentimeter großen Edelstahlkasten, der über einen Schlauch mit einem fest an der Wand montierten Spülmittelspender verbunden war. Sie legte den Hebel um und ließ sie laufen.“ Während solche Bilder ausführlichst gemalt werden, bleibt das Innere der Protagonisten lange Zeit diffus. Seite 267: „Die Welt erschien ihm düster oder enttäuschend, und sie war auch nicht anders als andere Frauen: Sie hatte bestimmte Funktionen. Und er hatte gesehen, wie der Sprengstoff diese Funktionen von innen nach außen kehrte, er kannte das Innere der Menschen, und dort war nichts. Es war widerlich. Es war langweilig, Es war ekelerregend, das war alles.“Fazit: Das Buch gefiel mir über weite Strecken nicht, es war langweilig, es war widerlich, es war ekelerregend. Trotzdem entwickelte sich ein gewisser Sog. Ich kämpfte mich durch nicht enden wollende Dialoge, die zwar die augenblickliche Stimmung schilderten, die Geschichte aber nicht weiterbrachten. Der verzweifelte Überlebenskampf im Dschungel der Großstadt war im Rückblick aber doch irgendwie spannend. Fragte ich mich zu Beginn der Lektüre noch, ob es sich lohne, die mehr als 500 Seiten zu lesen, kann ich nach den letzten Seiten doch zugeben, dass mir der Inhalt des Buches im Gedächtnis bleiben wird. 

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  • Leserunde zu "Vorbereitung auf das nächste Leben" von Atticus Lish

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    katja78

    katja78

    Vorbereitung auf das nächste Leben Wir laden euch zu einer weiteren tollen Leserunde ein & sind gespannt auf eure Meinungen zu dieser Neuerscheinung au dem Arche Verlag. Atemlos begleitet der Leser im mal harten, mal weichen Wechsel von Licht und Schatten die Liebenden durch die Straßen New Yorks und wird sie nie mehr vergessen. Atticus Lish hat den großen Roman über die verletzte Seele Amerikas geschrieben - eine Geschichte über Liebe und Krieg, über Urbanität und über das Leben an den Rändern der Gesellschaft. Die uigurische Kriegswaise Zou Lei hat es allein und mittellos bis in die USA geschafft. Illegal eingewandert und stets auf der Hut vor den Behörden, schlägt sie sich in New York mit Küchenjobs durch. Der Soldat Brad Skinner ist gerade zum dritten Mal aus dem Irak zurückgekehrt. Traumatisiert und arbeitslos begegnet er eines Tages Zou Lei, und eine Liebe zwischen Verzweiflung und Hoffnung beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit und Halt durchstreifen sie die Stadt, treiben Fitness bis an den Rand der Erschöpfung. Doch inmitten der vielen Kulturen, der Heimatlosen und Überlebenskünstler, der Reichen und Armen, der Verrohung und Versöhnung braut sich ein Unheil zusammen, das sie für immer auseinander zu reißen droht. ATTICUS LISH, geboren 1971, ist der Sohn des berühmten amerikanischen Lektors und Autors Gordon Lish. Er ist Übersetzer aus dem Chinesischen, hat in einer Styropor-Fabrik gearbeitet, auf dem Bau, als Personaltrainer, bei einem Umzugsunternehmen, als Wachmann, als Verkäufer in einem Fastfood-Restaurant sowie im Telefonmarketing. Vor 9/11 diente er kurz als Marine in der US-Armee. Später war er längere Zeit Englischlehrer in China, wo ihn seine Reisen u.a. nach Kashgar und Yili führten, in das Gebiet der Uiguren. Er lebt mit seiner Frau in New York City Wir suchen für diese Leserunde bis zu 20 Leser, die das Buch gerne gemeinsam in einer Leserunde lesen & anschließend rezensieren möchten. Blogger dürfen sich gerne mit ihrer Blog-Url bewerben. Bewerbungsfrage: Welche Erwartungen habt ihr an das Buch? Weitere Neuerscheinungen vom Arche Verlag findet ihr hier. *** Wichtig *** Ihr solltet Minimum 2-3 Rezensionen in eurem Profil haben, damit ich sehen kann wie ihr eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig/aktuell sie sind. Der Erhalt eines Rezensionsexemplares ist verpflichtend für die Teilnahme an der Leserunde. Dazu gehört das zeitnahe Posten in den Leseabschnitten und das anschließende Rezensieren des Buches Erwiesene Nichtleser werden nicht ausgewählt.

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  • Vorbereitung auf das nächste Leben

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Tiffi20001

    Tiffi20001

    08. May 2016 um 17:24

    Klappentext:Du darfst deine Hoffnung nicht aufgeben, für uns beide nicht, sagte sie, denn vielleicht wird etwas Gutes passieren.„Die wohl schönste und unsentimentalste Liebesgeschichte dieses Jahrzehnts“ New York Times„Ein erstaunlicher Roman über eine Welt, in der es trotz der ungeheuren Ausdehnung manchmal keinen Ort gibt, an den man gehen kann; eine Welt, die dennoch so eng ist, dass ihre Bewohner sich in ihrem Getümmel verlieren können. Dieses Buch erzeugt diesen grenzenlosen, epischen Glücksrausch, den man normalerweise nur bei der Lektüre großer Klassiker erwartet.“ Cathleen Shine in The New York Review of Books„Dieser Roman ist nicht weniger als ein Triumph“ The Financial TimesBuchgestaltung:Das Cover zeigt neben dem Titel „Vorbereitung auf das nächste Leben“ schemenhaft zwei Personen und im Hintergrund sind mehrere Wolkenkratzer einer Stadt zu erkennen, wobei das Cover überwiegend in hellen Brauntönen gehalten wurde. Das Cover gefällt mir generell gesehen ganz gut, da ich die Verschmelzung zwischen den Figuren und dem Hintergrund sehr gelungen finde. Die Idee mit der schemenhaften Darstellung der Personen gefällt mir auch sehr gut, da ich sie ungewöhnlich finde und sie mich dadurch auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Persönlich gefällt mir aber die Farbgestaltung nicht so gut, da die vielen Brauntöne als zu einheitlich empfinde und das Cover dadurch nicht wirklich ins Auge sticht, sodass ich leider die Befürchtung habe, dass das Buch in der Buchhandlung leicht übersehen werden könnte.Der Titel dagegen gefällt mir sehr gut, da er meiner Meinung nach zum Inhalt passt und auch sehr auffallend auf das Cover aufgedruckt wurde. Hierbei finde ich es besonders toll, dass das Wort „Leben“ sehr groß geschrieben wurde, da dadurch das Buch sofort Interesse bei mir geweckt hat. Der Klappentext gibt leider nur einen sehr knappen Einblick in das Buch und ich hätte mir hier eine ausführlichere Beschreibung gewünscht, da ich meist Bücher aufgrund der Inhaltsbeschreibung kaufe. Ich hätte mir deshalb anstatt der abgedruckten Meinungen zum Buch einen besseren Einblick in die Handlung erwartet.Insgesamt gesehen eine Buchgestaltung, die trotz einiger Schwächen, dennoch noch Lust auf das Buch macht. Eigene Meinung:Obwohl mich die Buchgestaltung leider nur bedingt überzeugen konnte, bin ich dennoch mit großen Erwartungen an das Buch gegangen und diese wurde auch zum großen Teil erfüllt.Die Geschichte beginnt meiner Meinung nach bereits sehr schnell sehr spannend zu werden, vor allem da ich den Inhalt des Buches an sich sehr interessant finde. Ich fand es toll, dass in dem Buch die untere soziale Schicht von Amerika behandelt wurde, da ich zum diesem Thema noch nie einen Roman gelesen habe und mir bis dahin eigentlich nur die andere Seite von Amerika bekannt war. Das Buch wird auf dem Klappentext als „schönste und unsentimentalste Liebesgeschichte dieses Jahrzehnts“ beworben und dem kann ich nur zustimmen. Die Geschichte, die sich zwischen den beiden Hauptfiguren Zou Lei und Brad Skinner entwickelt ähnelt wirklich einer Liebesgeschichte, man kann sie aber nicht mit den typischen Romanen zu diesem Thema vergleichen, da die Emotionen meiner Meinung nach nur sehr bedingt ausgedrückt werden. Leider konnte mich das Buch deshalb in diesem Punkt nicht wirklich fesseln, da mir die Beziehung zwischen den beiden zu „emotionslos“ war und ich mich deshalb nicht vollkommen mit den beiden Figuren identifizieren konnte. Die Darstellung der Einzelschicksale der beiden dagegen konnten mich überzeugen, da beide auf ihre eigene Art und Weise sehr tragisch und dramatisch sind, mir hat es dabei sehr gut gefallen, wie die Lebensumstände der beiden beschrieben wurde.Der Sprachstil des Buches ist zu Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, vor allem da er mir in manchen Punkten zu sachlich war, als ich mich jedoch darauf eingelassen habe, konnte mich der Schreibstil durchaus begeistern, da er sehr ungewöhnlich ist. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass die Handlung manchmal etwas „emotionaler“ beschrieben worden wäre, sodass ich mich noch besser mit der Handlung identifizieren hätte können. Fazit:Ein interessantes Buch zu einem spannenden und sehr wichtigem Thema, das mir persönlich aber zu „emotionslos“ war und das ich deshalb leider nur bedingt empfehlen kann.Autor:ATTICUS LISH, geboren 1971, ist der Sohn des berühmten amerikanischen Lektors und Autors Gordon Lish. Er ist Übersetzer aus dem Chinesischen, hat in einer Styropor-Fabrik gearbeitet, auf dem Bau, als Personaltrainer, bei einem Umzugsunternehmen, als Wachmann, als Verkäufer in einem Fastfood-Restaurant sowie in einem Callcenter. Vor 9/11 diente er kurz als Marine in der US-Armee. Später war er längere Zeit Englischlehrer in China, wo ihn seine Reisen u.a. auch nach Xinjiang führten, in das autonome Gebiet der Uiguren im Nordwesten des Landes. Er lebt mit seiner Frau in New York City. Allgemeine Infos:Titel: Vorbereitung auf das nächste LebenAutor: Atticus LishVerlag: ArcheSeitenzahl: 528Preis: 24,99 EURISBN: 978-3716027455

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  • Leben am Abgrund

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Babscha

    Babscha

    02. April 2016 um 17:38

    "Sie richtete sich auf und stellte sich neben ihn. Sie legte den Arm um seinen Hals, stieg in seine Arme, er hob sie hoch und hielt sie fest. So hielt er all seine Besitztümer und sie, so lang er konnte, während die Sonne unterging." Ein Buch über zwei Leben, ein Buch über zwei Menschen. Nach schweren politischen Unruhen ist Zou Lei aus ihrer uigurischen Heimat geflüchtet und hat sich bis nach Amerika durchgeschlagen, wo sie unter erbärmlichsten Verhältnissen in New York City um ihr Überleben kämpft. Brad Skinner ist mit gerade mal 23 Jahren schwersttraumatisierter Irakkriegveteran und versucht, völlig vereinsamt und perspektivlos am gleichen Ort unter massiver Zuhilfenahme von Drogen und Alkohol eine Antwort auf die Frage zu finden, wofür sich ein Weiterleben überhaupt noch lohnt. Das Schicksal führt die beiden zusammen. Eine Liebesgeschichte? Wohl kaum. Eher die düstere, erdrückende, an die Nieren gehende Geschichte von zwei Personen, die am untersten Rand der Gesellschaft vegetieren, ohne Unterstützung, ohne Chance, die nur noch sich selbst haben und in den wenigen klaren Momenten echter Gemeinsamkeit verzweifelt versuchen, einen Ausweg aus dem Elend zu finden, in dem jeder von ihnen gefangen ist. Und was sich da im Einzelnen abspielt, wie sich das Ganze entwickelt und wie es endet, ist unmöglich in kurzen Worten widerzugeben, sondern nur selbst in diesem ganz speziellen, außergewöhnlichen Werk nachzulesen. Atticus Lish, der Autor, kennt sich offensichtlich bestens mit Leben und tieferen Zusammenhängen sowohl der amerikanischen Streitkräfte wie auch der diversen zersplitterten chinesischen Volksgruppen und deren Leben im Untergrund und der Parallelwelt New Yorks aus. Und zwar derart gut, dass es einem als Leser manchmal fast zu viel wird ob der ganzen hierzu episch erzählten Einzelheiten, die dem Hauptstrang des Buches, nämlich den Leben der beiden Hauptprotagonisten, streckenweise etwas den drive nehmen. Das ist aber eigentlich auch schon der einzige Kritikpunkt am Buch, das ansonsten von hoher Sachkenntnis des entbehrungsreichen Lebens auf der Talsohle des big apple geprägt ist. Und es spiegelt in seinen stärksten Szenen das ganze Elend zweier bedauernswerter Menschen wider, die ohne eigenes Verschulden Verdammte ihrer Lebensumstände sind. Wie auch das Leben einer megastarken Frau, die mit all ihrer Kraft versucht, ihren immer mehr abgleitenden Partner im Leben zu halten und allen Umständen zum Trotz eine Perspektive zu finden, wie es für sie beide doch noch weitergehen könnte. Ein äußerst anstrengendes, schwierig zu lesendes, aber unter die Haut gehendes Buch, das auf jeden Fall lange nachhallt und in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt. Und allein deshalb schon eine Leseempfehlung.

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    • 2
  • Ein interessantes und wichtiges Thema todlangweilig präsentiert!

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Insider2199

    Insider2199

    Ein interessantes und wichtiges Thema todlangweilig präsentiert! Der 1971 in New York geborene Autor, Sohn des berühmten amerikanischen Lektors und Autors Gordon Lish, der u.a. als English-Lehrer in China arbeitete, wo er u.a. mit dem Volk der Uiguren in Berührung kam, stellt hier sein Debüt vor: Zum Inhalt (Klappentext): Die uigurische Kriegswaise Zou Lei hat es allein und mittellos bis in die USA geschafft. Illegal eingewandert und stets auf der Hut vor den Behörden, schlägt sie sich in New York mit Küchenjobs durch. Der Soldat Brad Skinner ist gerade zum dritten Mal aus dem Irak zurückgekehrt. Traumatisiert und arbeitslos begegnet er eines Tages Zou Lei und eine leidenschaftliche Liebe zwischen Verzweiflung und Hoffnung beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit und Halt treiben sie durch New York City, trainieren ihre Körper bis an den Rand der Erschöpfung. Doch inmitten der vielen Kulturen, der Heimatlosen und Überlebenskünstler, der Verrohung und Versöhnung braut sich ein Unheil zusammen... Meine Meinung: Der Roman beginnt wie so viele andere sehr vielversprechend. Die beiden Protagonisten werden in sehr anschaulichen und v.a. detailreichen Bildern beschrieben, und sehr schnell entsteht ein lebendiges Bild dieser beiden Außenseiter; die Atmosphäre eher düster und dunkel, jedoch eine sehr gelungene Milieu-Studie über das Amerika, das man weniger kennt, zumindest was Bücher angeht, Filme kenne ich doch Einige aus dieser „Unterschicht“. Indem der Autor also ein wichtiges Thema wählt und den Scheinwerfer auf die dunklen Stellen der USA richtet, leistet er dadurch einen nachhaltigen Beitrag – was sicherlich auch der Grund dafür ist, dass der Roman z.Z. in Amerika so viel Anklang findet – aber reicht dies allein für eine gute Bewertung? Ich denke nicht, denn auf die Umsetzung kommt es doch an. Würden zehn verschiedene Autoren über dieses Thema schreiben, ergäbe es zehn unterschiedliche Romane, aber sie wären sicher nicht alle gleich gut, nur weil sie ein wichtiges Thema in den Vordergrund stellen. Für mich war es eines der langweiligsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, denn der Roman weist doch meines Erachtens einige Schwächen auf: da wäre zum einen die Tatsache, dass es keinen wirklichen Erzählfluss bzw. erkennbare Dramaturgie gibt; es handelt sich eher um eine Aneinanderreihung von detailliert beschriebenen Bildern (also eine sehr fotografische/filmische Erzählweise), die sich sehr oft furchtbar zäh lesen lassen, weil sie sich mehrfach in Unwichtigem verlieren und nichts zur Handlung beitragen. Ein Beweis für fehlende Dramaturgie ist z.B., dass es nach 200 Seiten – nachdem die beiden Protagonisten eingeführt wurden und der Roman bereits in den zweiten Akt übergeht – einen plötzlichen Cut gibt und eine völlig neue Figur mit ihrem Background eingeführt wird. Es ist als ob man mittendrin wieder von vorne beginnen würde. Dabei stellt sich am Ende heraus, dass es dem Plot besser getan hätte, wenn diese Zusatzinfos gefehlt hätten. Abgesehen davon ziehen sie das Buch nur unnötig in die Länge – insg. hätte eine Kürzung um mind. 200 Seiten dem Roman mehr als gut getan. Zum anderen sind die Motivationen der Figuren tw. unklar., v.a. laufen diese oft sinnlos durch die Gegend (keiner weiß warum, wahrscheinlich nicht mal sie selbst LOL); die Figuren machen auch keinerlei Entwicklung durch und der Schluss wirkt konstruiert, liest sich eher enttäuschend, und man könnte sich fragen, was der Autor dem Leser damit sagen will. Die Situation war am Anfang düster und aussichtslos, blieb im Mittelteil so (ohne sich zu verstärken oder abzunehmen) und endete auch damit. Wo besteht der Sinn im Erzählen einer Geschichte, wenn A nicht (durch B oder andere Umstände) zu C führt? Wenn man Zou Lei am Schluss ansieht, steht sie genau da, wo sie am Anfang stand. Sprachlich ist der Roman sehr gewöhnungsbedürftig. Unabhängig von einer eher schlechten Übersetzung hat mir der Schreibstil nicht besonders gefallen: meist kurze Sätze, alles wirkt abgehackt und distanziert. Hinzu kommt, dass es keine Anführungszeichen gibt, was zwar heutzutage nicht mehr ungewöhnlich ist, aber in Kombination mit dem Sprachstil und den schwierig zu lesenden Dialogen (aufgrund der Sprachbarrieren von Zou Lei) den Lesefluss noch zusätzlich erschwert und v.a. oft verwirrend ist, d.h. anspruchsvoll, aber auf eine eher unangenehme, ermüdende Art und Weise. Fazit: Ich habe in diesem Jahr bei LovelyBooks erfreulicherweise unheimlich interessante und qualitativ hochwertige Bücher in der Niveau-Challenge gelesen, aber dieser Roman war der Flop des Jahres, da muss ich schnell noch ein anderes Buch dranhängen, damit das Jahr für mich nicht so negativ endet. Ein Roman zwar mit wichtigem Thema, aber todlangweilig, weil ohne Dramaturgie und Entwicklung der Figuren und einem "unangenehm" anspruchsvollen Schreibstil, der den Lesefluss noch zusätzlich erschwert. Wäre es keine Leserunde gewesen, hätte ich den Roman in der Mitte zugeklappt, daher gibt es leider nicht mehr als 2 Sterne und von mir keine Leseempfehlung, sorry.

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    • 2
  • Authentisch & schockierend

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Isaopera

    Isaopera

    23. January 2016 um 22:33

    Der Roman begleitet einen heimgekehrten amerikanischen Soldaten, der vom Irak-Krieg traumatisiert ist, sowie eine chinesische Einwanderin, die illegal in Amerika arbeitet und von ihrem Boss über den Tisch gezogen wird.  Die Umstände werden insgesamt sehr authentisch geschildert, allerdings häufig auch etwas drastisch. Es gibt eine Nebenhandlung mit einem anderen Typen, der über Ecken mit den beiden zu tun hat. Seine Lebensgeschichte wird sehr ausführlich dargelegt und für mich persönlich waren diese Passagen sehr langatmig. Es handelt sich nicht um eine klassische Liebesgeschichte, denn Romantik existiert quasi nicht. Allerdings ist es auf eine eigene Art auch eine schöne Geschichte zwischen den beiden. Insgesamt hat mir der Schreibstil nicht ganz so gefallen und ich hätte mir wörtliche Rede mit Anführungszeichen gewünscht...das trug nicht unbedingt zur Klarheit der Geschichte bei.

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  • ein knallharter, direkter, und total unverblumter Roman

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Bibilotta

    Bibilotta

    09. January 2016 um 20:44

    Meine Meinung: Es handelt sich hier um eine Liebesgeschichte, die es gewaltig in sich hat. In New York treffen die zwei Hauptprotagonisten aufeinander. Einmal Zou Lei, eine illegal eingereiste Kriegswaise, die sich in New York mit Küchenjobs durchschlägt, aber auch immer einen Blick auf die Behörden hat, damit diese sie nicht schnappen. Dann ist da der Soldat Brad Skinner. Er ist traumatisiert aus seinem Irak Einsatz zurückgekehrt und versucht sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und mit dem Drama, das er erlebt hat klarzukommen. Allerdings ist das als Arbeitsloser nicht so einfach. Doch eines Tages trifft er auf Zou Lei … und eine Liebe entfacht. Doch gerade diese Liebe hat einen schweren Stand, den die beiden zu meistern versuchen … wäre da nicht noch der gewalttätige Jimmy … Sohn von Skinners Vermietern … So sehr Skinny und Zou Lei sich gegenseitig Halt und Kraft geben … gemeinsam Fitness bis zur Erschöpfung treiben und mit ihren unterschiedlichen Kulturen sich auseinandersetzen … sich ihrer Liebe hingeben … so schwer kann es auch werden, wenn Unheil sich ankündigt und alles anders kommt, als erhofft…   Ich hatte zu Beginn mit dem Schreibstil so meine Probleme. Ich musste mich erst was einlesen, bis ich mit den Worten, Sätzen und Abläufen von Atticus Lish richtig warm wurde. Es ist nicht seine Art „blumig“ zu schreiben, sondern eher sehr direkt und auf den Punkt gebracht.  Wer hier auf große Ausschmückungen hofft, der liegt hier falsch, denn vieles wird sehr kurz und knackig abgehandelt. Auch was die Brutalität angeht, wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und die Grausamkeiten sehr klar und deutlich rüber gebracht. Doch wenn man sich die Geschichte im gesamten anschaut, passt das genau richtig.  Es wird hier aufgezeigt, wie hoffnungslos und düster das Leben einiger Menschen leider sich gestaltet. Die Gesellschaft und ihre Schichten ist hier ein großes Thema … und es wird klar und deutlich aufgezeigt, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist. Mich hat die Geschichte sehr berührt und mitgenommen … nachdem ich endlich richtig drin war… Erschreckend, knallhart und direkt wird hier dem Leser eine Welt aufgezeigt, vor der wir sehr gerne allesamt die Augen schliessen, weil wir sie so nicht wahrhaben wollen. Hier wird das aktuelle Thema „illegale Einwanderer“ aufgegriffen, was ja heutzutage in aller Munde ist und Dauerthema schlechthin. Die unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung und all ihre Probleme kommen hier auch nicht zu kurz.  Aber auch das Thema Rassismus, die sozialen Zustände der USA und der Krieg und seine Folgen für die Soldaten und Betroffenen, werden hier aufgeführt. Eine Paket, das so einiges brisantes, heißes und sehr schlimmes beinhaltet. Leider fand ich es stellenweise sehr langatmig und fast schon öde… bis es mal wieder wirklich richtig gut weiterging. Das hat mich leider zum „Überfliegen der Seiten“ teilweise verleitet … Wer hier also auf eine Liebesgeschichte vom Feinsten hofft, der ist hier falsch. Es wird zwar eine aufgeführt, doch um diese Liebesgeschichte baut sich viel mehr an Themen auf, wie man im ersten Moment vermutet hätte. Knallhart, grausam und unverblümt wird man hier mitgerissen. Fazit: „Vorbereitung auf das nächste Leben“ von Lish Atticus ist ein knallharter, direkter und brutaler Roman, der mich regelrecht betroffen gemacht hat. Es gibt hier keine blumige Liebesgeschichte, sondern knallharte Fakten, die es zu bewältigen und zu verdauen gilt. Auch wenn ich zu Beginn meine Probleme hatte mit dem Schreibstill und der unverblumten Schreibeweise klar zu kommen, so hat es mich doch mitgerissen, gerüttelt, geschüttelt und zum Weinen gebracht. Eine Story, die lange in Erinnerung bleibt und zum Nachdenken anregt. 4 von 5 Bewertungspunkten für diese knallharte, offene und direkte Story.

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  • Amerika heute

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    Dieses Buch lässt mich nicht los. Was für eine unglaubliche, besondere Geschichte, das muss man sich auch erst mal trauen. Atticus Lish wirft dich mitten ins moderne, heutige New York, doch er zeigt nicht die glitzernde, angesagte Weltstadt, hier geht es direkt und ohne Umschweife an den äußersten Rand dieser Gesellschaft: Illegale trifft auf Kriegstäteropfer trifft auf White Trash. Ich bin großer Fan kurzer Sätze. Hauptsatz an Hauptsatz, Atticus Lish trifft da voll und ganz meinen Geschmack. Ich mag diese distanzierte Sprache, dieses Beschreibende, das viel Raum für eigene Gefühle und Gedanken lässt. Ja, er produziert damit Bilder, schnell, unbarmherzig, teilweise stroboskopartig. Zum Inhalt: Da ist die fleißige, sympathische Zou Lei, die mit viel Disziplin und harter Arbeit versucht, es zu etwas zu bringen. Doch als illegale Einwanderin, Muslima, Angehörige einer chinesischen Minderheit, ist sie der Willkür ihrer Arbeitgeber, Vermieter, Polizei und Einwanderungsbehörde oft schutzlos ausgeliefert. Im Buch wird deutlich, wie sehr sich die Bedingungen für Flüchtlinge seit 9/11 verschärft haben. Nichtsdestotrotz macht sie jeden noch so fiesen Job, trainiert ihren Körper, um stark und belastbar zu sein. Sie gibt alles und kommt doch kein Stück von der Stelle. Dann lernt sie Skinner kennen. Hochgradig traumatisierter Ex-Irak-Soldat, der von Tabletten und Alkohol benebelt durch New York taumelt, orientierungslos. Hoffnungslos und ohne Perspektive. Was die beiden verbindet: Ihre Liebe zum Sport, beide lieben es, ihre Körper zu stählen, zu laufen, fit zu sein. Muskelbepackt. Das Buch ist keine romantische Liebesgeschichte. Es ist die realistische Darstellung von zwei Menschen, die eine Gemeinsamkeit haben, sich dadurch anziehend finden und versuchen, sich gegenseitig Halt zu geben. Ein aussichtsloses Unterfangen ... Eine unerträglich Spannung erhält das Buch durch den gewalttätigen Jimmy, ein Unsympath, wie er schlimmer nicht sein könnte. White Trash, Abschaum. Roh, abgestumpft, eine Gefahr für die Menschheit. Ich habe seine Geschichten nicht gern gelesen, auch wenn ich verstehe, warum Lish sie in dieses Buch packen musste. Es ist so klar, dass etwas zwischen den Dreien passieren wird. Aber es passiert anders, als erwartet. Lish baut die Spannung quälend langsam auf (auch für mich hätten es hier einige Seiten weniger sein können im zweiten Drittel des Buches), und dann überschlagen sich die Ereignisse, ich hab immer noch Schnappatmung, wenn ich dran denke. Ich hab den Schluss verschlungen. Ich bin damit einverstanden, er ist für mich schlüssig. Logisch. Gerecht? Das mag jeder selbst entscheiden. Um Gerechtigkeit geht es in diesem Buch nicht. Im Gegenteil. Es zeigt das Leben abseits der hippen Gutverdiener, es zeigt eine Welt, in der jeder ums Überleben kämpft. Und jeder mit seinen Mitteln und auf seine Art und Weise. Amerika heute. Mein Fazit: Das Buch ist für mich ein besonderes Zeitzeugnis, es zeigt verschiedene Facetten unserer aktuellen Welt, die uns im besten Falle verborgen bleiben. Nichtsdestotrotz sind sie vorhanden, und so weit weg sind sie nicht. Im Gegenteil. Wie man sieht, mich hat das Buch sehr berührt. 5 Sterne!

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    • 8
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    30. December 2015 um 16:36
  • Blick auf amerikanische Underdogs

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    irismaria

    irismaria

    08. December 2015 um 16:03

    Im Mittelpunkt des Romans "Vorbereitung auf das nächste Leben" des amerikanischen Autors Atticus Lish stehen zwei Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. da ist zum einen der Soldat Brad Skinner, der mehrmals im Irak war und nun die Army verlassen hat. Er wird mit seinen traumatischen Erfahrungen alleine gelassen und zieht durch New York. Dort lernt er Lou Zei kennen, eine uigurisch-chinesische illegale Migrantin, die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Mit den beiden erlebt man die heruntergekommenen Viertel New Yorks und die Gewalt, die dort herrscht. Gut gefallen hat mir, dass der Autor den Blick auf andere Menschen richtet, als sie normalerweise im Mittelpunkt eines Buches stehen. Ihre Hoffnungen und Träume aber auch die harte Realität sind gut wiedergegeben. Nicht so gut fand ich die sprachliche Ausgestaltung (liegt vielleicht auch an der Übersetzung), die manchmal holprig wirkte und dass die einzelnen Szenen viel zu ausführlich beschrieben waren, was schnell langatmig wirkte. Hier wäre weniger mehr gewesen. Wen das und ausgedehnt dargestellte Gewaltszenen nicht stören und wer sich für einen Blick auf amerikanische Underdogs interessiert, dem kann ich "Vorbereitung auf das nächste Leben" empfehlen.

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  • Das Land der begrenzten Möglichkeiten

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Zwei Menschen am unteren Rand der Gesellschaft in einem Land, das sich noch immer gern das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nennt. Wie sehr dies eine Illusion ist, zeigt uns Atticus Lish in seinem mit dem PEN-Faulkner-Award ausgezeichneten Roman. Er zeigt es mit unerbittlicher Härte, ungeschönt und manchmal schwer zu ertragen. Mit knapper, spröder Sprache, die leider in der Übersetzung oft sehr holprig daher kommt, erzählt er von Zou Lei, einer illegalen Immigrantin aus China, ihrem Heimatland aus großer materieller Not entflohen und voller Hoffnung auf ein besseres Leben in New York gelandet. Dort versucht sie in der chinesischen Community mit Jobs in der Gastronomie zu überleben, haust in elenden Migrantenunterkünften, schuftet sich ab, kämpft und muss doch erfahren, dass sie als Angehörige der uigurischen Minderheit auch hier immer hintan stehen wird. Es ist schmerzhaft zu sehen, wie all ihr Streben an den doch sehr begrenzten Möglichkeiten scheitert. Doch sie müht sich, trotz der Sprachprobleme, die auch in China Town nicht verschwinden, sind es der chinesischen Sprachvarianten doch so viele. Atticus Lish bedient sich bei den Dialogen hier einer stark gebrochenen Grammatik. Das ist nicht leicht zu lesen, aber sehr authentisch. Sehr realitätsnah sind auch die keineswegs immer freundlichen Rangeleien unter den Menschen, die hier im sozialen Abseits um ihre Existenz kämpfen. Zou Lei bleibt dabei sehr allein. Ein Trost ist ihr die körperliche Ertüchtigung, das Laufen. Das hat sie mit Brad Skinner, einer Zufallsbekanntschaft gemein. Auch Skinner steht im gesellschaftlichen Aus, wenn auch aus anderen Gründen. Er ist Ex-Soldat, aus dreimaligem Irak-Einsatz mit schwerem psychischem Trauma heimgekehrt, verfolgt von entsetzlichen Träumen, in denen sein Kamerad neben ihm immer wieder von einer Sprengladung zerfetzt wird. Er isoliert sich, zieht sich zurück, lebt von Psychopharmaka und Alkohol. Auch dieses Leben zu verfolgen, ist bedrückend. Zwischen Zou Lei und Skinner kommt es zu einer Beziehung, körperlich zunächst, dann entwickelt sich aber zaghaft so etwas wie Liebe. Beide merken, wie sie einander brauchen, aneinander Halt finden. Skinners psychische Probleme machen es den Beiden schwer, besonders nachdem der kriminelle, rassistische Sohn seiner Vermieterin auftaucht. Ein Happy-End gehört nicht zu den begrenzten Möglichkeiten dieser Lebenswelt. Atticus Lish beschreibt Randexistenzen, die das moderne, glitzernde New York buchstäblich an seinen Rand schiebt, sehr eindringlich, detailgenau, manchmal nahezu unerträglich atmosphärisch. Dabei entsteht ein faszinierendes, düsteres Porträt der Stadt. Stellenweise verzettelt sich der Autor dabei, die Passagen geraten dann unnötig lang. Auch hat die Übersetzung leider offenkundige Mängel, so dass das Buch sprachlich darunter leidet. Dennoch ist "Vorbereitung auf das nächste Leben" ein eindrucksvoller Blick auf die amerikanische Gesellschaft, weit ab von den unbegrenzten Möglichkeiten, die sie verspricht und die viele ihrer Bürger sich höchstens im nächsten Leben erhoffen können.

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    • 3
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    05. December 2015 um 10:07
  • Eine ganz besondere Geschichte die vor allem durch schonungslose Ehrlichkeit und Kühle hervorsticht

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    aly53

    aly53

    29. November 2015 um 23:36

    Dieser Roman ist etwas ganz besonderes. Darin beschreibt Atticus Lish zwei Menschen die unterschiedlicher  und dennoch auch irgendwie ähnlicher nicht sein können. Zum einen haben wir da die junge Zou Lei, sie hat es mit ihrer Mutter in China nicht leicht. Sie arbeiten hart, haben Angst vor Abschiebung. Aber dennoch hoffen sie auf ein besseres Leben. In New York schlägt sie sich mehr als recht durch, geht schlechtbezahlter Arbeit nach, lebt am Minimum und trainiert bis zum umfallen. Dann hätten wir da noch den Ex-Soldaten Brad Skinner. Er kommt aus dem Krieg zurück und findet sich mehr schlecht als recht in der Gesellschaft wieder ein. Seine Alpträume machen ihn zu einem Mitglied am Rande Gesellschaft. Er wird gewalttätig, trinkt und findet nicht so recht seinen Platz im Leben. Dann treffen die beiden doch irgendwie verlorenen Seelen in Amerika aufeinander. Sie nähern sich einander an und werden Freunde und irgendwann erwächst daraus Liebe. Doch vorsicht, hierbei geht es nicht um eine Herzschmerz allesumfassende Liebe. Diese ist anders schonungslos,klar mit allen Ecken und Kanten versehen. Es wird nichts beschönigt und nichts verklärt. Und gerade das macht sie so echt. Sie geben sich Halt, stützen sich und leben, lieben miteinander. Gleich zum Anfang hat uns der Autor anhand der sehr intensiven und unverklärten Art und Weise aufgezeigt, welches Schicksal die beiden ereilt hat. Schon da hat mich das sehr berührt, einfach weil es authentisch und ehrlich ist. Man spürt direkt, was dabei in den Menschen vorgeht. Es hat mich mitgerissen, mir Tränen in die Augen getrieben und meine Gefühle immer wieder hin und hertanzen lassen. Jedoch wird dieser Roman nicht von großen Gefühlen begleitet, es ist vielmehr das ganze Zusammenspiel, das den Leser auf seine ganz besondere Art und Weise berührt. Dabei fand ich besonders gut dargestellt wie er den Krieg, Rassismus und auch die sozialen Umstände verdeutlicht hat. Denn dieser Aspekt nimmt einen großen Raum in diesem Buch ein. Das ganze wird recht nüchtern und kühl rübergebracht, was aber umso authentischer wirkt, da es einfach zu der Geschichte passt. Die Emotionen dabei nimmt man eher zwischen den Zeilen wahr. Die Verzweiflung, aber auch die Hoffnungen und Ängste sind sehr gut spürbar. Mich hat dieser Roman schockiert, berührt aber auch nachdenklich gemacht. Man muss auch anmerken das es etwas schwere Kost ist, die man nicht in einem Rutsch durchlesen kann. Dafür nimmt das ganze einfach zu sehr mit. Auch den Schreibstil fand ich als etwas gewöhnungsbedürftig. Ich musste mich da erst am Anfang reinfuchsen, doch ist man erstmal drin, gewöhnt man sich daran und ab da kann man sich auch völlig dem Schicksal der beiden Menschen hingeben. Eine bestimmte Perspektive erfährt man hierbei nicht, man blickt jedoch in das Leben von Zou Lei und Skinner. Ich würde sagen, es ist aus der dritten Perspektive geschrieben. Was mich jedoch gestört hat, es gab einige Wiederholungen, dadurch entstanden für mich ein paar Längen. Dennoch ist es etwas besonderes, was man unbedingt gelesen haben sollte. Mich hat es auch danach nicht losgelassen. Der Schreibstil des Autors ist klar, eindringlich und mitreißend gestaltet. Das Buch ist in drei Teile gegeliedert, die einzelnen Kapitel sind normal bis lang gehalten. Das Cover und auch der Titel passen gut zum Buch. Fazit: Eine ganz besondere Geschichte die vor allem durch schonungslose Ehrlichkeit und Kühle hervorsticht und umso mehr berührt. Zwei Menschen die unterschiedlicher aber irgendwie auch ähnlicher nicht sein können, berühren den Leser auf ganz besondere Art und Weise. Eine klare Leseempfehlung. Ich vergebe 5 von 5 Punkten.

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  • Das Aus für den amerikanischen Traum

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    wandablue

    wandablue

    Das Aus für den amerikanischen Traum. Recht umfassend ist das Romandebüt von Atticus Lish, der die Unterschicht der USA mittels des aus dem Irak heimgekehrten und aus der Army ausgemusterten Soldaten Skinner und der illegalen Migrantin uigurisch-chinesischer Abstammung Lou Zei ins Visier nimmt. Unbestritten ist es ein Verdienst Lishs, sich den Randfiguren der amerikanischen Gesellschaft zu widmen. Die wenigen Protagonisten sind gut ausgesucht. Stilmässig arbeitet der Autor ohne Geschmeidigkeit. Er hämmert seine Sätze auf den harten Beton. Hauptsatz an Hauptsatz, stakkatohaft. Es gibt keine Konjunktionen. Sehr geglückt sind die Dialoge, die bruchstückhaft bleiben, um die Sprachbarrieren darzustellen, dennoch intensiv sind. Gut sind auch die detailversessenen Anfangs- und Ankunftsszenen in New York, man sieht durch die Augen der Agierenden, so ensteht ein umfassendes Bild der armen Viertel New Yorks, in denen eigene Gesetze herrschen. Es wird aufgezählt, nicht erzählt, gefilmt, nicht geschildert. Dies passt zum Auftakt. Durch seine Fixierung auf auflistende Details hat der Autor jedoch meine Aufmerksamkeit im weiteren Verlauf des Romans mehr und mehr verloren. Die Düsterkeit der Atmosphäre, die Armseligkeit der Schauplätze, die Ausweglosigkeit der Protagonisten, die den amerikanischen Traum von „Jeder kann es schaffen, wenn er sich nur genug anstrengt“ Lügen strafen, alles das ist Stoff für ein außerordentliches Buch. Die stets allgegenwärtige Angst vor Abschiebung und Willkür, die absolute Verlorenheit traumatisierter Soldaten, die Gewaltbereitschaft drangsalierter Menschen gepaart mit ihrer Hilflosigkeit, Frustration und Wut, zusammen mit der Gleichgültigkeit seitens der Gesellschaft und der Politik, diese Elemente bestimmen den Roman, es ist das Aus für den amerikanischen Traum. Und doch kann ich in den allgemeinen Jubel nur verhalten einstimmen. Sprachliche Holprigkeiten, der Übersetzung geschuldet, ergeben zahlreiche Brüche im Erzählfluss, Nähe zu den Protagonisten unterbindet der Autor durch die gewählte Sprache sowie so, so wurde die Lektüre schnell mühsam. Atticus Lish ist momentan für mich noch kein großer Erzähler, sondern eher ein Schreiber, der mit Worten fotografiert. Da fehlt noch was! Aber da geht auch noch was! Fazit: Eine Gegenwartsstudie, die sicher ihren literarischen Wert hat, mich als Leser aber relativ früh schon verloren hat. Kategorie: Gegenwartsliteratur Verlag: Arche, 2015

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    • 3
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    28. November 2015 um 09:40
    wandablue schreibt ... Atticus Lish ist momentan für mich noch kein großer Erzähler, sondern eher ein Schreiber, der mit Worten fotografiert. ...

    Das Buch ist bis jetzt an mir vorbeigegangen, klingt aber hochinteressant. Wanda, ich liebe deine Rezis, vor allem oben zitierten Satz, hammer!

  • Land der begrenzten Möglichkeiten

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    leselea

    leselea

    26. November 2015 um 17:25

    Die Aussicht stand für alles, was möglich war. Die Stadt erschreckte sich über eine riesige Fläche in die Welt hinaus, war schrankenlos. Der Horizont war keine Grenze. (S. 157) Amerika: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Land der Freiheit. Das Land, in dem es der kleine Mann durch harte Arbeit zu Reichtum und Ansehen bringen kann. Es ist eine alte Geschichte, die auch noch heute erzählt wird. Eine Geschichte, die auch Zou Lei, eine uigurische Kriegswaise in ihrer Kindheit gehört hat und die sie dazu veranlasst hat, illegal und mittellos in die Vereinigten Staaten einzuwandern. In New York schlägt sie sich mit Gelegenheitsjobs durch, haust mit anderen Illegalen in Verschlägen, lebt in ständiger Furcht vor den Behörden und verliert doch nicht die Hoffnung. Denn sie glaubt daran: Auch sie kann von der Tellerwäscherin zur Millionärin werden. Brad Skinner hat für Amerika und seine Ideale gekämpft. Drei Mal hat er sein Land im Irak verteidigt. Nun kehrt er schwer traumatisiert in seine Heimat zurück. Allein, ohne Job und ohne irgendeinen Halt im Leben versucht er, mit Alkohol und Tabletten die zähen Tage zu überstehen und die dunklen Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben. Als er zufällig Zou Lei begegnet, entwickelt sich zwischen beiden so etwas wie eine Beziehung: Zwei Verzweifelte, die versuchen, einander etwas Nähe zu schenken, und die sich in guten Stunden eine bessere Zukunft ausmalenkönnen. Doch Skinners Zustand verschlechtert sich stetig. Und mit der Entlassung von Jimmy, dem gewalttätigen Sohn von Skinners Vermieterin, gerät das fragile Gerüst, was sie „Leben“ nennen, noch mehr ins Wanken... Und hinter ihm – er drehte sich herum, um in diese Richtung zu blicken –, da draußen, wenn man immer weiter- und weiterging, war irgendwo der Krieg. (S. 269) Atticus Lish erzählt in seinem Roman Vorbereitung auf das nächste Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft. Das glitzernde, rauschende, sich selbst feiernde Amerika kennen sie nur vom Hörensagen. Ihr eigener Alltag ist geprägt von Dreck, Gewalt, Alkohol und Drogen, harter Arbeit, wenig Geld und der Gewissheit, dass sich dieser Zustand nie ändern wird. Alle Figuren, die in diesem Roman auftreten – ob die illegale Zou Lei, der Veteran Skinner, der vorbestrafte Jimmy oder all die anderen mittellosen und benachteiligten Nebenfiguren – werden vom Staat zurückgelassen. Ihre Probleme, die eigentlich die Probleme einer ganzen Gesellschaft sind, werden als selbstverschuldet abgestempelt. Lish zeigt auf, wie auf diese Weise ein Paralleluniversum entsteht, das seine eigenen Gesetze hat, in dem Hass, Fanatismus und Rassismus gedeihen und in dem jeder, um das nackte Überleben kämpfend, sich selbst der Nächste ist. Das alles erzählt Lish auf ungeschönte, schnörkellose und dabei brutal ehrliche Weise. Hauptsatz an Hauptsatz reiht sich aneinander, der Autor bedient sich einer einfachen Syntax, dennoch ist das Buch anspruchsvoll zu lesen. Nicht deutlich gekennzeichnete Rückblenden, ineinanderfließende Szenen und undeutlich skizzierte Orte und Zeiten machen die Geschichte nur schwer fassbar. Zudem muss sich der Leser durch das Kauderwelsch der Migranten kämpfen, den Sinn in ihren Sätzen suchen. Die Lektüre von Vorbereitung für das nächste Leben würde ich deswegen durchaus als fordernd beschreiben. Doch es lohnt sich meiner Meinung nach: Der Leser wird belohnt mit einer dichten und atmosphärischen Geschichte, er taucht ein in das harte, manchmal aber auch bunte und multikulturelle Leben in den Vororten von New York. Lish Schreibweise ist meiner Meinung nach jedoch zugleich Stärke und Schwäche des Romans: Sein Stil besitzt etwas Eindringliches und Hypnotisches, besonders in seiner Darstellung von Skinners Kriegserfahrungen und seiner Posttraumatischen Belastungsstörung. Gleichzeitig ermüdet diese Art zu Schreiben aber auch und zieht das Buch an mehr als an einer Stelle unnötig in die Länge: 100-200 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet, dem Leser aber gutgetan. Nichtsdestotrotz ist Vorbereitung auf das nächste Leben für mich ein sehr gelungener Roman, der authentisch die Realität aufzeigt, die sich hinter der Illusion vom Amerikanischen Traum verbirgt. Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das einen sicherlich bisweilen an seine Grenzen führt, dessen Lektüre sich aber letztendlich lohnt. Daher von mir 4 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung.

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  • Düster, hoffnungslos und brutal

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    22. November 2015 um 10:10

    New York ist ein Schmelztiegel – nicht nur für die unterschiedlichsten Nationen, sondern auch für allerlei Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, aus welchen Gründen auch immer. Hier in New York treffen unsere Protagonisten aufeinander: die Uigurin Zou Lei, der Ex-Soldat Brad Skinner und der gewalttätige Jimmy, Sohn von Skinners Vermietern. Zou Lei ist es im Leben noch nie gut gegangen. Schon in ihrer Heimat hat sie Ausgrenzung und Leid erfahren und dann ihre ganz Hoffnung auf ein Leben in Amerika gesetzt. Sie ist illegal in den USA und gerät zunächst einmal ins Gefängnis. Sie will das nicht noch einmal, doch das Leben auf den Straßen New Yorks ist schwierig. Zou Lei aber gibt niemals die Hoffnung auf und kämpft für ein besseres Leben. Sie begegnet Skinner. Er ist schwer traumatisiert, zu viel Tod hat er als Soldat gesehen und verursacht. Er benötigt dringend therapeutische Unterstützung, doch sein Land, für das er gekämpft hat, verweigert im die Hilfe. Zwischen Zou Lei und Skinner bahnt sich eine Beziehung an. Sie geben sich Halt in einer trostlosen Welt. Trotzdem wird es immer schlimmer mit Skinner. Mit dem Schreibstil hatte ich große Probleme. Die Sprache ist direkt, teilweise sehr abgehackt. Manchmal wurden Details mehr als ausführlich beschrieben, manches Mal aber auch kurz und knackig abgehandelt. Es hätte dem Roman sicherlich gut getan, wenn einiges gerafft worden wäre. Oft konnte ich die beschriebene Brutalität kaum ertragen. Der Roman zeigt, wie düster und hoffnungslos das Leben für Menschen ist, die von der Gesellschaft übersehen werden, sie können sich noch so sehr abstrampeln, sie werden immer Verlierer bleiben. Da so etwas in den meisten Geschichten nicht vorkommt, ist es gerade deshalb wichtig auch über dieses Thema zu schreiben. Der amerikanische Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“ wird nämlich immer eine Ausnahme bleiben. Eine Gesellschaftsstudie, auf die man sich einlassen muss.

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  • Zwei-Mann-Armee

    Vorbereitung auf das nächste Leben
    serendipity3012

    serendipity3012

    Zwei-Mann-Armee Brad Skinner war als Soldat im Irak. Dreimal. Viel Leid und Gewalt hat er erlebt, er hat getötet und gesehen, wie Kameraden getötet wurden. Nun ist er zurück in New York. Er findet ein Zimmer zur Untermiete bei einer Familie, deren Sohn gerade im Gefängnis sitzt. Jimmy wird bald entlassen werden. Und er ist gefährlich und gewalttätig. Skinner lernt bei seinen Streifzügen durch die Stadt die Uigurin Zou Lei kennen. Sie ist illegal eingewandert, eine starke junge Frau, die in ihrem Leben schon viel Leid, Ausgrenzung und Verfolgung erlebt hat und auf ein besseres Leben in Amerika hofft, zunächst einmal aber aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht wird – eine beängstigende Erfahrung, die ihr zeigt, dass sie den Behörden im Zweifelsfall schutzlos ausgeliefert ist. Auf keinen Fall möchte sie so etwas noch einmal erleben. Skinner und Zou Lei nähern sich einerseits schnell an – zwei Außenseiter am Rande der Gesellschaft, die sich aneinander festhalten in einem trostlosen Leben, von dem sie nicht wissen, was es noch für sie bereit hält und wie sie aus ihrer Situation herauskommen können. Andererseits hat man als Leser lange das Gefühl, gar nicht so genau zu wissen, was sie sonst noch verbindet – ist das Liebe? Romantik sieht anders aus. Nach und nach bekommt man ein genaueres Bild davon, was die beiden füreinander sind. Eine Zwei-Mann-Armee wären sie gerne, zwei gegen alle, die ihnen auf dem Weg zu einem besseren Leben im Weg stehen könnten. Zou Lei ist der zupackende Teil des Paares, während Skinner sein Kriegstrauma allein nicht überwinden kann. Beide verausgaben sich beim Fitnesstraining, aber es braut sich etwas zusammen, Skinner hat sich immer weniger im Griff, auch Zou Lei kommt nicht mehr an ihn heran. Und es wird deutlich, dass Jimmy, der Sohn seiner Vermieterin, ein gewalttätiger Verbrecher ist. Atticus Lish hat mit seinem Roman „Vorbereitung auf das nächste Leben“ eine trostlose, eine harte Geschichte geschrieben über das Leben in New York jenseits der Mittel- oder Oberschicht. Über das Leben von Verlierern in dieser Gesellschaft, sei es nun der Irak-Heimkehrer, dessen Traumatisierung von den Behörden nicht anerkannt und der folglich auch keine Hilfe erhält oder aber die illegale Einwanderin, die kaum eine Chance hat, aus einem Leben in der Parallelwelt herauszukommen, in der sie sich behaupten muss, hart arbeitet und sich gegen ungerechte Behandlung kaum wehren kann. Immer ist da die Gefahr, dass man sie entdeckt, einsperrt, abschiebt. Lishs Sprache ist direkt und meist schnörkellos – die Zustände, in denen beide leben, beschreibt er, wie sie sind. Sowohl, wenn es ums alltägliche Leben geht, als auch in den Rückblenden, die sich mit Skinners Zeit im Irak beschäftigen: Das sind jene Stellen, die durch ihre Unmittelbarkeit dann umso härter treffen. Lishs Sprache ist da geradeheraus, manchmal kurz und knapp – mehr gibt es nicht zu sagen. So gab es Stellen, die ich nur schwer ertragen konnte, so voller Gewalt und Skrupellosigkeit. Realistisch sind sie sicherlich. Andere Passagen dagegen wurden lang und nahmen dem Roman dadurch zeitweise seine Eindringlichkeit, manchmal hält sich die Geschichte an Unwichtigem auf, biegt ab, wo man als Leser eine andere Erwartung hatte. Einige sprachliche Ungenauigkeiten gibt es außerdem. Eine „Vorbereitung auf das nächste Leben“, dankenswerter Weise wurde der Titel aus dem amerikanischen Original wörtlich übersetzt, wie es längst nicht immer der Fall ist, mehr scheint dieses Leben von Zou Lei und Skinner nicht zu sein. Können sie in diesem Leben noch etwas erwarten? Man hofft, wenn man dieses Buch liest. Aber man verliert die Hoffnung, je mehr Seiten an einem vorbeifliegen – tatsächlich liest sich der Roman auch durch die gefällige Sprache sehr zügig. Womöglich liegt es an diesem Tempo, dass besagte kleinere Mängel für mich nicht schwer wogen. Atticus Lishs Roman ist eine meist gelungene Studie über das Leben derjenigen, die die Gesellschaft nicht auffangen kann oder will, die sie am liebsten gar nicht sehen will. Über die, die versuchen, einen Platz zu finden, wo es wahrscheinlich keinen Platz für sie gibt. Ein Roman über Außenseiter jenseits von Luxus, Geld und Glamour oder auch einfach abseits eines normalen bürgerlichen Lebens. Eine eindringliche Geschichte, deren Lektüre sich lohnt.

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    • 3
    serendipity3012

    serendipity3012

    20. November 2015 um 18:52
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