Audur Jónsdóttir Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt

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Inhaltsangabe zu „Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt“ von Audur Jónsdóttir

Nicht nur für andere leben. Sich trauen. Unverkrampft atmen, wie es im Yoga immer heißt ... Als Sunna Nönnudóttir an einem frostigen, finsteren Dezembermorgen in aller Früh aufsteht, ihren Laptop anwirft und die Nachrichten im Internet liest, ist sie wie gelähmt vor Schock. Dort steht eine Suchmeldung der Polizei von Reykjavík: Arndis Theodorsdóttir, Kunsthistorikerin und Galeriebesitzerin, wird seit drei Tagen vermisst. Es ist keine der üblichen Suchmeldungen, in denen nach dem Verbleib von Touristen geforscht wird, die sich irgendwo auf Island verirrt haben. Und die vermisste Person ist keine Unbekannte für Sunna. Arndis war früher einmal Sunnas beste Freundin. Vor zehn Jahren hatten die beiden jungen Frauen für ein paar Monate zusammen in Barcelona Spanisch studiert. Danach haben sie sich aus den Augen verloren und nie wieder etwas voneinander gehört. Ist Sunnas Freundin einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Ist sie tot? Sunna lässt der Gedanke nicht los, dass in ihrer gemeinsamen Vergangenheit eine Spur sein könnte, die zu ihrer verschwundenen Freundin führt. Sie nimmt die Suche nach ihr auf – wodurch ihr Leben, das bislang gekennzeichnet war durch vielfache Ängste und Abhängigkeiten, eine ganz neue Wendung nimmt ...

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  • Rezension zu "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt" von Audur Jónsdóttir

    Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt
    Anin

    Anin

    08. August 2011 um 13:22

    „Heute liegt kein Schnee, und der Mond lässt sich nicht blicken. Finsternis liegt über der Welt und verschluckt dieses Land, in dem man sich sieben Monate des Jahres am liebsten von Schokolade ernähren würde, um das Hirn mit Endorphinen zu ertränken.“ Als Sunna an einem frostigen und finsteren Dezembermorgen in Island das Internet anschaltet, springt ihr die Suchmeldung einer vermissten jungen Frau ins Auge. Es handelt sich um Arndis Theodorsdottir ihre ehemals beste Freundin. Obwohl sich die beiden Frauen aus den Augen verloren haben, trifft sie die Nachricht wie ein Schlag. Sunna wird den Verdacht nicht los, dass Arndis Verschwinden etwas mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Barcelona zu tun haben könnte, wo die beiden ein paar Monate Spanisch studiert hatten. Sunna beschliesst sich auf die Suche nach ihrer Freundin zu begeben. Doch wie das Leben so spielt, muss sie sich erst mal mit „wichtigeren“ Sachen beschäftigen. Da ist zum Beispiel der Sohn ihres Mannes aus erster Ehe, der zu ihr zu Besuch kommt und für den sie sorgen muss, da ihr Mann wegen Unwetter in Reykjavik festsitzt. Auch ihre Mutter und ihre Arbeit beim Verlag nehmen viel Zeit in Anspruch. Erst als durch den Verlag ein Krimi- Workshop geplant ist und Sunna dazu verdonnert wird daran teilzunehmen, widmet sie sich endgültig der Suche nach ihrer Freundin. Immer wieder beschreibt die Autorin Szenen aus der Vergangenheit, wo Sunna und Arndis noch in Barcelona lebten. Mit der nötigen Distanz zur Vergangenheit beginnt Sunna allmählich die Freundschaft zu Arndis kritisch zu hinterfragen und muss erkennen, dass die Freundin nicht selbstlos wie bisher angenommen handelte. Immer mehr erinnert sich Sunna daran, wie sie von Arndis manipuliert wurde und Entscheidungen traf, die sie nun rückblickend bereut. Durch das Internet kommt Sunna schliesslich ihrer Freundin auf die Spur und begibt sich auf die Suche nach ihr und die Aufarbeitung der Vergangenheit. Der Autorin Audur Jonsdottir gelingt es mit einer ungewöhnlichen Sprache den Leser in den Bann zu ziehen. Besonders beeindruckt hat mich die Persönlichkeitsentwicklung der Protagonistin Sunna. Die anfangs beschriebene unsichere und leicht beeinflussbare Frau entwickelt sich mit der Suche nach Arndis und der Vergangenheitsbewältigung zu einer erwachsenen Frau, der es endlich gelingt die Zügel ihres Lebens selbst in die Hand zu nehmen. Einzig im Kontakt mit ihrem Ehemann wird mir Sunna zu naiv, fast dümmlich beschrieben. Das nehme ich der Autorin nicht ab. Das Ende bleibt offen und hinterlässt viele Fragen. Einige mögen dies, für mich ist dieser Roman aber somit unvollständig. Sehr gerne hätte ich Sunna noch etwas bei ihren nächsten Schritten begleitet. Auch der Fall Arndis bleibt teilweise ungeklärt, was ich nach 280 gelesenen Seiten sehr bedaure. Meiner Meinung nach wäre da noch etwas mehr möglich gewesen. Aber dennoch ein empfehlenswertes Buch und ein überraschendes zugleich.

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  • Rezension zu "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt" von Audur Jónsdóttir

    Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt
    savanna

    savanna

    07. August 2011 um 20:37

    Wenn man auf einer Insel zu Hause ist, hat die Aussage „Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt“ eigentlich immer Gültigkeit. Davon, in Erinnerungen weit über das umliegende Meer zu reisen, handelt dieser Roman. Die Enkelin des isländischen Literatur-Nobelpreisträgers Halldór Laxness hat mit „Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt“ eine Freundschaftsgeschichte zu Papier gebracht, die als erste ihrer Veröffentlichungen auch in deutscher Sprache erschien. Audur Jónsdóttir gehört mit Jahrgang 1973 zu den jüngeren Schriftstellerinnen Islands, die uns mit ihrer Neuerscheinung auf eine karge Insel im Nordatlantik und an Orte jenseits des Meeres entführt. Insbesondere dem spanischen Barcelona und dem marokkanischen Tanger fallen dabei weitere Rollen zu. Aus der Zeitung erfährt Sunna – Mitte Dreißig und in ihrem Job bei einem Verlag in Reykjavik latent unterfordert – dass ihre alte Studienfreundin Arndis als vermisst gemeldet wurde. Nachdem sich die beiden Isländerinnen damals während eines Auslandssemesters in Barcelona kennen gelernt hatten, brach der Kontakt bereits vor mehreren Jahren wieder ab. Dennoch treibt Sunna diese Meldung stärker um, als sie selbst erwartet hätte. Als sie dann noch von ihrer eigenen Mutter bedrängt wird, sich doch für diese verschwundene Freundin einzusetzen, beginnt Sunna in Arndis Vergangenheit zu forschen. Da es sich dabei ja zum Teil auch um ihre eigene Vergangenheit handelt, fügen sich plötzlich ungeahnte Puzzleteile ineinander. Den gesamten Roman über lässt Jónsdóttir den Leser zwischen Passagen der Gegenwart und der Vergangenheit springen. Während im Hier und Jetzt für Sunna ihr Lebensgefährte und sein Sohn die bestimmenden Elemente für ihr Leben auf Island sind, war dies in der Vergangenheit das Zusammenleben mit Arndis fern der Heimat. Nicht vorhersehbar sind die Gründe, weshalb die beiden Frauen den Kontakt zueinander nicht aufrecht gehalten haben, obwohl sie eine zeitlang sehr vertraut miteinander waren. Die jeweils persönlichen Gründe wurden von der Autorin tatsächlich sehr realistisch und nur allzu menschlich konstruiert. Die Geschichte um Sunna und Arndis ist gleichzeitig eine wehmütige und wie freudige Hommage an die Freundschaft und an ein Leben jenseits des selbst gewählten Weges.

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  • Rezension zu "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt" von Audur Jónsdóttir

    Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    26. June 2011 um 14:34

    Island-Verhältnisse Die überschaubare, fast intime Welt Islands mit seiner beeindruckenden Landschaft und den letztlich relativ nur wenigen Einwohnern ist der Ort, an dem Audur Jónsdóttir schreibt und auch ihren neuen Roman ansiedelt. Arndís, die ehemals beste Freundin Sunnas, wird vermisst. Sunna ist schockiert. Nicht nur, weil in Island Gewaltverbrechen oder das einfache Verschwinden von Personen weiterhin nicht zur Tagesordnung gehört, sondern auch, weil Sunna einiges weiß über ihre Freundin. Auch über dunkle Ereignisse der Vergangenheit. Seit langem zwar hat sie bereits von ihrer ehemals besten Freundin nichts mehr gehört, der Kontakt ist versandet, aber nun tritt die alte Freundschaft mit Macht wieder in den Raum. Mit Vehemenz macht sich Sunna auf die Suche nach ihrer Freundin. Liegt eine Spur des Verschwindens vielleicht in dem, was beide gemeinsam in Spanien erlebt haben, als sie für einige Monate zusammen dort studiert hatten? Sunas Recherchen werden durch einige Unwägbarkeiten erschert. Zum einen betreut sie zur Zeit den Sohn ihres Lebensgefährten, der außerhalb der Stadt weilt. Zum anderen steht Arbeit im Raum, ein Seminar will gehalten werden. Aber auch ihre eigenen Unsicherheiten und ihre Scheu, fast Lebensangst ist ein gewichtiges Hindernis ihrer Suche nach Arndís, vor allem, als sie recht schnell feststellen muss, dass die Suche nicht ohne Gefahren ist. Nicht nur in ihrer Einbildung fühlt sich Sunna bald schon verfolgt. Und sie wird recht damit behalten, dass die Ursache für das Verschwinden der Freundin in der gemeinsamen Vergangenheit zu finden sein wird. Eine Vergangenheit, in der schockierendes passiert ist, Ereignisse, denen sich Sunna nun Jahre später stellen werden muss und die sie nicht unverändert zurücklassen werden. Auch nicht, was ihre Freundin Arndís angeht. In Rückblenden legt Jónsdóttir diese gemeinsamen Erlebnisse der beiden Freundinnen als zweiten Erzählstrang im Roman an. Nachdem zunächst nicht nur die Hauptfigur, sondern auch der Leser im Dunkeln tappt, was das Verschwinden der Freundin und die Gründe für dieses angeht, lichtet sich im Verlauf des Romans mehr und mehr das Dickicht und die Zusammenhänge zwischen der aktuellen Bedrohung und den vergangenen Hintergründen tritt klarer in den Raum. Dies geschieht allerdings mit erheblich weniger Spannung, als es die eher kriminalistische Ausgangssituation des Buches in den Raum setzt. Eine Geschichte mit offenem Ende. Eine Offenheit, die ebenso die Suche nach Arndís betreffen wird, eine Frau, für die „Frauenrechte vor allem ihre eigenen Rechte immer waren“, wie auch für das ganze Beziehungsgeflecht Sunnas. Denn auch ihr Lebensgefährte Axel spielt nicht mit ganz offenen Karten und mit ihrer Mutter gilt es, noch einiges aufzuarbeiten.. In eher knapper Sprache, die einen durchgehenden Fluss aufweist und teils wie atemlos wirkt, wendet sich die Autorin letztlich viel weniger dem eigentlichen „Fall“ zu, sondern beschreibt mehr und mehr die Entwicklung ihrer Hauptfigur Sunna, die durch die intensive Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Beziehungen beginnt, sich zu entpuppen. Aus der Anfangs scheuen, zurückhaltenden und leicht beeinflussbaren Frau wird mit zunehmender Dauer eine starke Persönlichkeit, die den Gefahren trotzt, letztlich sich selber findet und das nicht zuletzt dadurch, dass ihr letztendlich alle Zusammenhänge und auch ihre eigene Rolle gerade in der Freundschaft mit Arndís deutlich wird. Ein im Kern durchaus interessanter Entwicklungsroman mit einigen Längen und gewöhnungsbedürftiger Sprache.

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