August Strindberg , Thomas Steinfeld Unter französischen Bauern

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Inhaltsangabe zu „Unter französischen Bauern“ von August Strindberg

Ein neugieriger und zugleich melancholischer Blick auf das ländliche Frankreich So ziemlich alles hätten wir von Strindberg erwartet: daß sich in einer Stockholmer Dach-kammer eine Romanfassung von Fräulein Julie fände, oder ein unterschlagenes Drama aus seinen Pariser Boh'me-Jahren, alles: nur nicht die Studie über die Lage der französischen Bauern, die Thomas Steinfeld, einer der hellhörigsten unter den Kennern der skandinavischen Kultur, wiederentdeckt hat. Im Jahre 1912 ist sie zum ersten Mal zugleich in schwedischer und deutscher Sprache erschienen. Aber was trieb Strindberg von Paris aufs Land' Was be-wegte ihn, sich für lange Wochen in einem Dorf anzusiedeln und mit den Bauern über ihre Probleme zu diskutieren' Weite Regionen per pedes apostulorum zu durchwandern und hinterher Bibliotheken über die Grundfragen der Landwirtschaft zu durchforschen' Er wurde zum Reporter, weil er wissen wollte, ob es das gibt, was wir als 'Fortschritt' begreifen, er suchte das Gespräch mit Darwin und Marx und Lasalle und Haeckel. Ein Glücksfall immer-hin, daß er Frankreich als das Bauernland schlechthin entdeckte - und das es in einem Winkel seiner Seele bis heute noch immer ist, zumal am Wochenende, wenn sich Arbeiter und Bürger wie eh und je in ihr Häuschen in der Campagne zurückziehen: bei Strindberg ist es präsent, dieses ländliche Frankreich, das wir lieben.
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  • Rezension zu "Unter französischen Bauern" von August Strindberg

    Unter französischen Bauern

    Liisa

    04. September 2010 um 18:46

    August Strindberg war ein schwedischer Schriftsteller und Dramatiker, der zu seinen Lebzeiten als der wohl bedeutendste seines Landes angesehen wurde. Seine Interessen waren weit gespannt und er hat sich zu vielen Themen geäußert. Trotzdem ist es überraschend, dass sein Interesse sich ausgerechnet auf die französischen Bauern richtete und er 1885 in ein französisches Dorf zog, um dort binnen eines Jahres die Situation der französischen Bauern und Landwirtschaft zu erkunden. Wenn ich in der letzten Zeit auf meine aktuelle Lektüre angesprochen erzählte, dass ich gerade August Strindbergs »Unter französischen Bauern: Eine Reportage« lese, erntete ich reichlich hochgezogene Augenbrauen und verwirrte Blicke. Was bitte, soll denn interessant daran sein, zu erfahren, wie die französischen Bauern Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt und gearbeitet haben? Wer liest denn sowas heute noch? Tja, ich z.B. lese heute noch sowas und wohl noch ein paar andere, die es den Herausgebern der Anderen Bibliothek danken werden, dass sie dieses Buch veröffentlicht haben. Denn ja, es ist ein sehr interessantes Buch. August Strindberg hat sich mit aller Macht auf dieses Thema geworfen und keine Mühen gescheut, um sich einen gründlichen Überblick zu verschaffen: sei es durch Lektüre von Agrar-Berichten, Zeitungsartikeln und Aufsätzen zum Thema, sei es durch ausgedehnte Reisen durch alle französischen Provinzen, in denen die Landwirtschaft eine Rolle spielt(e). Das Buch selber ist eine Mischung aus literarischem Reisebericht, Tagebuch und eben Reportage und beileibe nicht langweilig zu lesen. Was mich am meisten überrascht hat, ist wie aktuell die damaligen Probleme heute noch sind oder anders ausgedrückt: für mich hat sich durch die Lektüre des Buches mal wieder die alte Weisheit bestätigt, dass es unter der Sonne nichts Neues gibt. Es ist alles so oder doch sehr ähnlich schon einmal da gewesen. Stindbergs »Reportage« ist in vier Teile gegliedert: eine kurze Einleitung über »Land und Stadt«, ein Bericht über das Bauernleben in einem französischen Dorf, die eigentlichen Berichte von seinen Reisen durch das ganze Land und die dabei gemachten Beobachtungen und gezogenen Rückschlüsse im Bezug auf die Situation der französischen Bauern und Landwirtschaft sowie eine abschließende Zusammenfassung in denen Strindberg seine Erkenntnisse auf den Punkt bringt. Besonders interessant fand ich tatsächlich seine Reiseberichte: Strindberg ist ein genauer Beobachter von Land und Leuten. Nichts scheint seiner Aufmerksamkeit zu entgehen: die Beschaffenheit der Böden, Flora und Fauna, natürlich die Bauern und Tagelöhner, Pächter und Gutsbesitzer, Arbeitsmethoden, bäuerlichen Sitten und Trachten, Unterschiede derselben je nachdem wo im Lande er sich gerade aufhielt. Wo sich die Möglichkeit bietet, spricht er Bauern und sonstwie mit der Landwirtschaft befasste Menschen an und »interviewt« sie zur aktuellen Lage, zu ihrer Lebens- und Arbeitssituation. So entsteht nach und nach ein großes Bild, das er aus den vielen kleinen Puzzleteilen zusammensetzt. Die Probleme und Kämpfe in der Landwirtschaft scheinen bis heute dieselben zu sein. Heute hören wir von Problemen in der Landwirtschaft »wegen der Globalisierung« aber das ist nicht neu: die französischen Bauern stöhnten über Weizenimporte aus Russland und Indien, Rübenimporte aus Deutschland und Weinreben- bzw. Wein-Importe aus den USA, die ihnen die Preise noch mehr verhagelten. Sie klagten über eingeschleppte Krankheiten und Schädlinge (z.B. die Reblaus, die den Weinanbau in Teilen Frankreichs fast gänzlich in die Knie zwang - allerdings, wie Strindberg sich beeilt zu versichern und zu erklären, nicht als einziger Grund, denn Bodenausbeutung und zu spät begonnener Anbau neuer Weinreben taten das ihrige, um zur Katastrophe zu führen). Das Ende der Landwirtschaft wurde von den Bauern beklagt und befürchtet, die Löhne für Arbeiter, so sich überhaupt noch Arbeiter fanden (die jungen Leute wanderten erstmal in die Städte und die aufblühende Industrie ab), sanken immer weiter. Der Konflikt zwischen Stadt und Land war heiß, wurden den Landwirten für die Produkte, die sie in die Städte brachten (damit sich die Städter überhaupt ernähren konnten), doch Abgaben, Zöllen etc. abverlangt. Der Handel mit anderen Ländern - was Agrarprodukte anging - war ebenfalls ein Dorn im Fleisch der französischen Bauern, denn die Deutschen z.B. durften ihre Erzeugnisse auch in Frankreich verkaufen, umgekehrt aber die französischen Bauern nicht in Deutschland (Stichwort Freihandel). Neue Anbau-Methoden, industrielles Düngen, neue industriell gefertigte Werkzeuge und Maschinen veränderten das Arbeiten und erhöhten den Druck auf die Bauern mit Folgen weit über die Dörfer hinaus. Es ist wirklich spannend, diese Reportage zu lesen und die Parallelen zur heutigen Landwirtschaft zu entdecken. Sie ist auch ein kulturgeschichtliches Zeugnis der damaligen französischen Landbevölkerung und eröffnet dem Leser die Möglichkeit eine Ahnung davon zu bekommen, wie es sich im Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft in Frankreich lebte. Ob man allerdings Strindbergs These, dass es am besten sei, wieder zum sog. »petit cultivateur« (dem Kleinbauern, der in erster Linie und vorrangig vom erwirtschafteten Ertrag sich und seine Familie durchbringen können muss und dessen evtl. Überschuss dann für Steuern, Abgaben oder eben den Handel zur Verfügung steht) zurückzukehren, folgen möchte, ist eine ganz andere Frage. Hier scheint doch eine Art »Agrar-Utopie« zugrunde zu liegen, der Strindberg anhing oder wie Thomas Steinfeld in seinem lesenswerten Essay am Ende des Buches schreibt: Strindberg hing den Ideen des sogenannten Agrar-Sozialismus an und sein Idealbauer war zudem strikt antiklerikal und republikanisch gesinnt. Alles in allem ziehe ich ein positives Fazit nach dieser sicher ungewöhnlichen aber mit den Bezügen zur aktuellen Lage auch spannenden Lektüre.

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