Avner W Less , Bettina Stangneth Lüge! Alles Lüge!

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Inhaltsangabe zu „Lüge! Alles Lüge!“ von Avner W Less

Wie übersteht man 275 Stunden allein mit Adolf Eichmann? Wie schafft man es, so lange die Lügen und Entschuldigungen vom dem zu ertragen, der Millionen Menschen in den Tod deportiert hatte, darunter auch den eigenen Vater? – Avner Werner Less hat genau das erlebt. Nun hat Bettina Stangneth jenes Buch rekonstruiert, das der Eichmann-Verhörer selber nicht beenden konnte. Als man ihn 1960 bat, Eichmann zu verhören, wäre Less am liebsten davongelaufen. Zu viele hatte er im Holocaust verloren. Dann aber übernahm er die Aufgabe gerade deshalb: Er wollte verstehen. Er begann zu schreiben, über Eichmann, über sich, er notierte das, was keinen Platz im 3564-seitigen offiziellen Verhörprotokoll fand – Fragen, seine Gedanken, aber auch seinen Ekel. All das mit scharfer Beobachtungsgabe, beeindruckender Urteilskraft, feinem Sarkasmus, vor allem aber mit dem Wunsch, der Welt zu erklären, was er aus dem Phänomen Eichmann gelernt hat. Bettina Stangneth, die sich selber intensiv mit Eichmann auseinandergesetzt hat, rekonstruiert die Aufzeichnungen des Eichmann-Verhörers aus unzähligen Notizen und Tagebucheintragungen und stellt ihnen Gespräche mit dem Sohn und mit Freunden von Avner Werner Less an die Seite. Es ist diese Verflechtung von Dokumentation und Biografie, die "Lüge! Alles Lüge!" zu einem besonderen Leseerlebnis macht: Unversehens wird er einem ganz nah, der Mann, der Eichmann unter anderem deshalb überlebte, weil er es schaffte, trotz allem ein glücklicher Mensch zu sein, der sich auch nach Auschwitz nicht verbieten lassen wollte, Gedichte zu schreiben.

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  • Rezension zu "Lüge! Alles Lüge!" von Avner W Less

    Lüge! Alles Lüge!

    michael_lehmann-pape

    19. September 2012 um 11:20

    Im Angesicht des Bösen Bettina Stangneth setzt ihren Forschungsschwerpunkt in die Lügentheorie und hat bereits „Eichmann vor Jerusalem“ veröffentlicht. Nun geht sie in diesem allgemeinen Thema an dieser speziellen Figur noch einen Schritt weiter und verarbeitet die Notizen und Aufzeichnungen des Mannes, der Adolf Eichmann „275 Stunden“ damals in Israel verhört hat zu einem durchaus in Teilen aufwühlenden, vor allem aber intensiven Buch, in welchem sie zugleich das Leben des Mannes Avner Werner Less biographisch darstellt. Nicht nur die Lüge und die Professionalität des Lügners, der sich in weiten Teilen wohl selbst von seinen Lügen hat überzeugen lassen, bilden hier eine wichtige und intensive Leseerfahrung, gerade auch die innere Entwicklung dessen, der das Verhör leitet, die Abgrenzung, der Versuch hinter all den Lügen die Wahrheit zu sehen und dann mit all dem Schrecklichen einen eigenen Umgang zu finden, bildet für den Leser eine echte Erfahrung bei der Lektüre. Des Öfteren mag man im Buch durchaus den fast Aufschrei des Titels verstehen, sich selbst immer wieder daran zu erinnern, wie viel, das wohl alles, was Eichmann von sich gibt, verbogene Fakten und komplexe Lügen sind. Extreme und Herausforderungen an die eigene Person, die Less durchaus im Vorfeld bereits vor sich gesehen hat. „Als man ihn im Mai 1960 dazu bestimme, Adolf Eichmann zu verhören, wäre er am liebsten davon gelaufen“. Denn auch er war einer, dessen Ziel es war, „das Erlebte zu vergessen um zu überleben“. Verständlich, führt man sich seine Biographie zu Gemüte und ebenso verständlich dann auch die weitere Entwicklung des Avner Werner Less nach diesen aufwühlenden Wochen mit Eichmann und dessen anschließendem Prozess. Wer genau war der Mann, der Eichmann zum Reden brachte? Wie verarbeitete er die eigenen Schläge des Lebens, welchen Umgang fand er mit der Selbstdarstellung Eichmanns? Einer, der neben den offiziellen Protokollen und Hinweisen eben auch seine eigenen Gedanken , seine privaten Notizen hinterlassen hat. Allein das schon ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr dieses Verhör die Grenzen des hochprofessionellen Verhörspezialisten. Für diese Verarbeitung und den Umgang mit all dem gilt, was Less viel später im Nachgang sagte: „Das ist etwas, was man eigentlich nie vergisst. Auch heute, nach 21 Jahren, bin ich genauso von dem Thema gefesselt wie damals eigentlich. Es lebt mit einem mit“. Bettina Stangneth öffnet eine fast vergessene Tür einerseits, indem Sie das Verhör Eichmanns aus den Augen seines Verhörers lebendig werden lässt und eine andere, noch nie geöffnete, Tür andererseits, indem sie eben nicht Eichmann in den Mittelpunkt des Buches stellt, sondern den Mann auf der anderen Seite des Tisches, Less. Einer, der trotz allen Grauens sich die Fähigkeit zum Humor und seine Lebensfreude bewahrt hat. Bettina Stangneth legt ein intensives Buch vor über die Grausamkeit, zu welcher der Mensch fähig ist, über den Umgang mit einem menschlichen Monster und, vor allem, darüber, wie es einem Menschen gelingt, trotz harter Erlebnisse und der Auseinandersetzung mit einem Massenmörder sich den eigenen Gefühlen von Hass und Verachtung den Menschen gegenüber nicht zu unterwerfen. Eine höchst lesenswerte Lebensbeschreibung.

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