Avram Kantor Schalom

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Inhaltsangabe zu „Schalom“ von Avram Kantor

"Kein Deutscher wird dieses Haus je betreten!", hatte Menachem zu seinem Sohn gesagt, der "die Deutsche" geheiratet hat. Für die Holocaust-Überlebenden Menachem und Nechamke Silber, die in Israel ihre Heimat gefunden haben, ist eine solche Verbindung unvorstellbar. Doch nach dem Tod Menachems steht plötzlich Gil, der "deutsche" Enkel, vor Nechamkes Tür, und sie kann gar nicht anders, als ihn freundlich aufzunehmen. Diese Begegnung wühlt die ganze Familie auf. Und dann besteht auch noch der Verdacht, Gil könnte der unbekannte Tote eines Busunglücks sein. Gleichzeitig fürchtet Nechamke, ihr israelischer Enkel sei bei seinem Militäreinsatz ums Leben gekommen. In beiden Fällen stellt sich die Befürchtung als unbegründet heraus - und die Familie findet wieder zusammen.

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  • Ein wunderbares Buch mit einer wundervollen Botschaft

    Schalom

    WinfriedStanzick

    18. March 2013 um 12:50

    Avram Kantor, Schalom, Hanser 2012, ISBN 978-3-446-24014-8   Die Vergangenheit ist in Israel nicht vergangen. Für die Menschen- sie werden immer älter und weniger- die wie auch immer die Lager der Nazis und den Holocaust überlebt haben und nach Israel gekommen sind, sind die Deutschen und alles was mit Deutschland zusammenhängt, der Inbegriff des Bösen und erinnern sie täglich neu an das, was sie „dort“ erlebt haben.   Die Überlebenden  haben in ihrer neuen Heimat Familien gegründet und Kinder groß gezogen, nur eines haben sie nie getan: über das, was sie „dort“ erlebt haben, zu sprechen. So geht es auch der alten Nechama, der Hauptperson dieses bewegenden Jugendbuches von Avram Kantor. Der in Israel lebende Sohn Avri denkt an einer Stelle zu Beginn des Buches über dieses Schweigen nach, dass auch sein Leben und das seines Bruder Jaki überschattete: „Wieder fragte er sich, wie es geschehen konnte, dass es ihnen nie in den Sinn gekommen war, ihre Eltern zu fragen was mit ihnen passiert war, bevor sie hierherkamen. Als wäre das alles in einer anderen Welt geschehen, an der Jaki und er keinen Anteil hatten. Dass sie von sich aus nichts erzählt hatten, konnte Avri inzwischen verstehen, aber wie war es möglich, dass er und sein Bruder überhaupt keine Fragen gestellt hatten? Zu Hause wurde nie ausdrücklich darüber gesprochen, aber es hing immer etwas Seltsames in der Luft. Niemand hatte ihnen verboten etwas zu fragen, sie hatten es einfach nicht getan, Gott weiß warum.“   Jaki hat irgendwann eine deutsche Frau kennengelernt, die in Israel ein Praktikum machte. Als sein Vater Menachem ihm daraufhin sein Haus verbot („es kommen keine Deutschen in mein Haus!“) geht er mit ihr nach München. Den Sohn, der geboren wird, geben sie den Namen Gil.   Als Gil in das Alter kommt, in dem er seinen Zivildienst in Deutschland ableisten soll, entscheidet er sich dafür, das in Israel zu tun, das er als seine zweite Heimat ansieht. Er möchte bei seiner Großmutter Nechama wohnen, die über dieses Ansinnen völlig aus dem Häuschen gerät. Sie fühlt sich dem Diktum ihres Mannes verantwortlich und weigert sich standhaft, sowohl Gil als auch seine Mutter zu sehen. Als es aber dann doch zu einer Begegnung kommt, ist Nechama von dem freundlichen Gil ins innerste Mark getroffen und sie spürt , wie ihre Widerstände davonschwimmen wie Felle in einem Fluss. Gil sieht aus wie ihr geliebter Mann,  mit dem sie sozusagen täglich in innerer Verbindung steht.   Es ist nicht zuletzt die weise und kluge Zurückhaltung von Jakis deutscher Frau, die Nechama immer nur „die da“ nennt, die schlussendlich die Mauern brechen lässt und das Eis schmilzt: „Nechama spürte die Wärme der anderen Frau, auch die Arme, die sich um ihre Hüften legten, und sie schreckte nicht zurück.“   Ein wunderbares Buch mit einer wundervollen Botschaft: Nur durch Offenheit, Respekt und Herzlichkeit können die entsetzlichen Wunden überwunden werden, die der Holocaust den Völkern, den Familien und den Einzelnen geschlagen hat. Es hätte für dieses Buch keine geeignetere Übersetzerin geben können als Mirjam Pressler, die schon Avram Kantors berühmten Roman „Die erste Stimme“ ins Deutsche übertragen hat.      

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  • Rezension zu "Schalom" von Avram Kantor

    Schalom

    LaLecture

    05. January 2013 um 18:56

    Eine eigenwillige, alte Dame; eine traurige Vergangenheit, die die Familie gespalten hat; ein Enkel, der alles durcheinanderbringt - Genau der richtige Stoff, für einen berührenden Familienroman Inhalt Als junge Frau überlebte Nechama nur knapp das Konzentrationlager der Nazis. Nun, etliche Jahre nachdem sie nach Israel ausgewandert ist, ist sie noch immer nicht gut auf Deutsche zu sprechen - auch nicht auf Frau und Kinder ihres eigenen Sohns. Doch dan kündigt Jaki ihr an, dass sein ältester Sohn Gil sich in den Kopf gesetzt hat, ein Jahr in Isreal zu leben und Nechama ist gezwungen, ihre Werte zu überdenken... Meinung Man braucht Geduld, um dieses Buch zu lesen, aber wenn man die Ruhe und die Zeit hat, versteht man wie klug und witizg es ist und das der Autor ein wahrer Meister sein muss Auf den ersten Seiten verwirrte "Schalom" mich erst einmal. Der Schreibstil ist ungewöhnlich und wechselt ständig zwischen banalen Altäglichkeiten und kleinen, aber wichtigen Andeutungen, was die Vergangenheit und die Charaktere betrifft. Insofern braucht man etwas Geduld für die Lektüre, da man nicht erwarten darf, dass einem sofort alle Informationen vor die Nase gelegt werden. Da der personale Erzähler es vermeidet, Namen zu nennen, muss man sich zunächst "einlesen" und herausfinden, um wen es geht, doch dann bemerkt man, dass Avram Kantor scheinbar ein wirklicher Menschenkenner ist. Er versteht es, sich in die verschiedenen Figuren (in diesem Falle Nechama, ihr Nachbar Professor Sad und ihre Söhne Jaki und Avri) hineinzuversetzen und ihren gut ausgearbeiteten, nicht fehlerfreien, aber dafür sehr authentischen Charakter darzustellen, dass der Leser die sie beinahe vor Augen sieht. Zudem beschreibt er Nechamas Alltag so genau und so realistisch, dass der Leser des öfteren schmunzeln muss, weil man sich vorstellen kann, dass die Geschichte genau so passiert sein könnte. Kantor schreibt unterhaltsam ohne sich über die Charaktere lustig zu machen, benutzt poetische Beschreibungen, ohne schwülstig oder unverständlich zu wirken und erwärmt mir mit seiner Geschichte das Herz. Die schrullige, alte Nechama habe ich auf den knapp 230 Seiten sehr in's Herz geschlossen. Sie hatte eine schwere Vergangenheit, auf die der Autor nicht näher eingeht und ist schon sehr alt (mind. 80), weshalb man ihr ihre Schroffheit und ihre manchmal etwas verdrehten Gedankengänge nicht übelnehmen kann. Man kann sich über sie amüsieren, ohne sie auszulachen und sie in's Herz schließen, obwohl sie nicht unbedingt sympathisch ist. Leid tut sie dem Leser auch des öfteren, wenn sie mit ihrem verstorbenen Mann Menachem redet, dem sie auch nach seinem Tod noch treu ergeben ist und von dem sie glaubt, dass er noch immer bei ihr ist. Auch die Nebencharaktere Avri und Jaki, ihre beiden Frauen, und ihre Ansichten lernen wir im Laufe des Romans kennen. Besonders unterhaltsam ist es, Gespräche und Konflikte zwischen Nechama und ihren Söhnen aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, denn gerade dann kommt erst die ganze Schrulligkeit der alten Dame zum Vorschein. Auf Gil konzentriert sich der personale Erzähler nie, sodass er, obwohl er an praktisch der ganze Handlung "Schuld" ist, eher eine geheimnisvolle, aber sympathische Nebenfigur bleibt. Am mysterösisten ist wohl Professor Sad, offenbar auch ein Deutscher, der ein seltsames, angespanntes Verhältnis zu Nechama hat. Zu Beginn glaubte ich noch an ein Geheimnis, das eventuell ihrer beider Leben verbindet, doch gegen Ende hin muss sich wohl jeder selbst um die Bedeutung des seltsamen alten Mannes für das Buch Gedanken machen. Als Nechama ihren Enkel Gil kennen lernt, erinnert dieser sie sofort an Menachem und das Buch entwickelt sich zu einer Familien-Tragikomödie vom feinsten. Gil verschwindet kurz darauf und bringt alles durcheinander. Plötzlich ist die Großmutter, die sich noch nie so um eines ihrer Enkelkinder gesorgt hat, in Aufruhr, ruft dauernd bei ihren Söhnen an, statt auf deren Anrufe zu arbeiten und überdenkt sogar noch einmal ihre Einstellung gegenüber Deutschen. Die Handlung ist amüsant, berührend, traurig und findet schließlich das passende und befriedigende Ende. Gleichzeitig bleiben, wie es im Leben nun mal so ist, auch einige Fragen unbeantwortet. Manch einer würde sicherlich sagen, dass viele Handlungsstränge einfach unbeendet gelassen werden, aber ich persönlich bin vollkommen zufrieden. Fazit Ein ungewöhnlicher, kluger und komischer Roman, den man sicherlich als "literarische Kunst" bezeichnen kann. Mit einfachen und doch großen Worten erzählt Avram Kantor die Geschichte einer alten Dame und ihrer gespaltenen Familie, die schließlich doch wieder irgendwie zusammenwächst. Dabei findet vor allem sein feinfühliger Schreibstil und seine Art, sich in seine Proagonisten hineinzuversetzen bei mir Gefallen. Ich vergebe 4, 5 Sterne, da das Buch sich doch manchmal etwas zu lange mit Alltagsbeschreibungen aufhält und empfehle diesen Roman jedem, der Lust auf eine geniale und wunderschöne Familiengeschichte hat.

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