Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

von Axel Hacke 
4,4 Sterne bei24 Bewertungen
Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen
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Absolute Leseempfehlung!

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Grundsätzlich kluge Gedanken, die Erzählweise und der Ton des Geschriebenen waren aber leider nicht wirklich meins.

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Inhaltsangabe zu "Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen"

Wir leben in aufgewühlten und aufwühlenden Zeiten, die Grundlagen unseres bisherigen Zusammenlebens sind bedroht: Zeit, sich wieder einmal ein paar wichtige Fragen zu stellen.
Was bedeutet es eigentlich für jeden Einzelnen, wenn Lüge, Rücksichtslosigkeit und Niedertracht an die Macht drängen oder sie schon errungen haben? Wenn so erfolgreich in der Öffentlichkeit gegen alle bekannten Regeln des Anstands verstoßen wird? Was heißt unter diesen Bedingungen genau: ein anständiges Leben zu führen?
Axel Hackes Buch ist kein Pamphlet, denn Pamphlete gibt es genug; es ist vielmehr ein assoziatives Nachdenken über das Zusammenleben der Menschen und die schon von Anton Tschechow gestellte Frage: »Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten?« Es ist ein Plädoyer dafür, die Antwort erst einmal nicht bei anderen, sondern bei sich selbst zu suchen – und dabei vielleicht am Ende ein wenig Demut, auch etwas Neugier auf andere zu entdecken. Denn vermutlich geht es in unserer komplizierten Welt zuallererst nicht um die Lösung aller Probleme. Die hat ohnehin keiner, und wer so tut, als hätte er sie, dem sollte man misstrauen. Sondern es gilt, eben diese Tatsache mit Anstand zu ertragen und sich dabei mit der großen und immer neu zu stellenden Frage zu beschäftigen: Wie wollen wir eigentlich miteinander umgehen?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783956142000
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:Kunstmann, A
Erscheinungsdatum:30.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 30.08.2017 bei Kunstmann, A erschienen.

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    Aliras avatar
    Aliravor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Absolute Leseempfehlung!
    Wie wollen wir miteinander umgehen?

    Der Text des Buches handelt vom Zusammenleben der Menschen und der immer wieder auftretenden Frage „Wie wollen wir miteinander umgehen?“ Gerade in Zeiten, die immer rauer werden, sollte sich jeder mit dem Begriff „Anstand“ auseinandersetzen. Und weil es für „Anstand“ viele Definitionen gibt, ein paar Zitate aus diesem absolut lesenswerten Buch:

    Es geht, wenn es um Anstand geht, um eine grundsätzliche Solidarität mit anderen Menschen, ein Empfinden dafür, dass wir alle das Leben teilen, ein Gefühl, das für die großen und grundsätzlichen Fragen ganz genauso gilt wie für die kleinen, alltäglichen Situationen.

    Alle populistischen Führer unserer Zeit finden ihren Anhang nicht nur unter denen, die den Anschluss an ein wirtschaftlich auskömmliches Leben schon verloren haben, sondern es gibt auch halbwegs gut Situierte, die Angst haben, dass sie schon bald nicht mehr so gut situiert sein könnten. Es geht um die Angst vor dem Absturz und das Gefühl, dass diese Angst nicht wahrgenommen wird.

    2017 hat man untersucht, wie zu diesem Zeitpunkt die AfD ihre Anhänger rekrutierten: Die AfD fand Unterstützer aus der Mitte der Gesellschaft. Sie sei „die Partei der sich ausgeliefert fühlenden Durchschnittsverdiener“. Der Menschen, die große Angst vor Katastrophen und vor dem Gefühl, auf die gegenwärtige Politik einen Einfluss nehmen zu können. Und diese Zukunftsangst konzentriert sich auf einen Punkt: die Zuwanderer aus anderen Ländern.

    Wenn man Angst hat, ist es sehr nützlich, sich diese Angst einzugestehen. Weil sie durch Unterdrücken nämlich noch viel größer wird. Das heißt auch, sie nicht für sich behalten, sondern sie mit anderen zu teilen. Zu erfahren, dass man damit nicht alleine ist. Zweitens hilft es, den Verstand einzuschalten, soferne das möglich ist. Das bedeutet, Realität ins Spiel zu bringen und vernünftig mit dieser Angst umzugehen, damit diese Angst nicht zu Hass wird.

    Wir leben in Frieden, in Freiheit und zu einem großen Teil auch in Wohlstand. Wenn es um unser Zusammenleben geht, kann ein wenig Interesse für die, mit denen man zusammenleben muss oder sogar will, nicht schaden.

    Wem die allgemeine Wirklichkeit zu unüberschaubar und unkontrollierbar ist, wer das Gefühl hat, in dieser Wirklichkeit ein Niemand zu sein, einer, der nicht gefragt wird und der nichts zu sagen hat und ohne Zugriff ist auf die Entwicklung des Lebens im Großen und im Kleinen, der baut sich seine eigene Wirklichkeit. Weil der Mensch sich selbst nicht aushält, wenn er sich als komplett bedeutungslos empfindet.

    Die Selbstradikalisierung vieler Menschen: ihre Flucht in einen Hass auf alles Fremde und Ungewohnte; in Ernährungsweisen, von denen man sich am Ende nichts anderes als die Rettung der Welt erhofft; in einen Fitnesswahn, der in die komplette Ich-Fixierung führt; in den Wahn einer politischen Korrektheit, in der jeder umstellt ist von Sprachgesetzen, die es um jeden Preis einzuhalten gilt; das alles ist Ausdruck jener großen Suche nach Sicherheit und Selbstwertgefühl in einer zutiefst verunsichernden Zeit. Am Ende führt es (und hat natürlich schon geführt) zu Fanatismus, zur Verschließung gegenüber dem anderen und Neuen, zur Unfähigkeit, was die Auseinandersetzung mit anderen angeht.

    Es geht darum: Was will ich eigentlich selbst? Man muss eine Haltung haben, man muss sie sich erarbeiten. Und es hilft reden. Es hilft der Versuch, zu überzeugen. Das hört nie auf. Und vielleicht heißt, seinen Verstand zu gebrauchen: zu verstehen, dass der andere seine Gründe hat, warum er sich verhält, wie er sich verhält, und versuchen, diese Gründe zu verstehen. Reden hilft immer.

    Wir müssen gewisse Kompliziertheiten in unserer Welt aushalten und verstehen, dass sie nicht lösbar sind, obwohl man versuchen muss, sie zu lösen. Und dass man sich die Flucht ins Simple verbietet.

    Die Dummheit als Gefühlsfehler, die ihren Ursprung in Furcht vor dem Leben, in Angst vor der Zukunft, ja in Panik hat. Und in der Unfähigkeit, damit auf andere Art als hassend umzugehen.

    Bestimmten Leuten bringt man natürlich nie Anstand bei. Man muss nur zusehen, dass sie nirgendwo Oberhand gewinnen und den Ton bestimmen dürfen.

    Menschen, die gar nicht unanständig sind, werden manchmal von den Unanständigen einfach mitgezogen.

    Der Mensch ist ein Herdentier. Er passt sich dem an, was in seiner Herde gilt, an Normen und Standards des Verhaltens, ob man das gut findet oder nicht – und deswegen muss man aufpassen auf das, was gilt.

    Zu den wirklichen Fähigkeiten des Menschen gehört: hinter sich zu lassen, was in anderen Jahrtausenden wichtig war für sein Überleben, jetzt aber nicht mehr wichtig ist. Hinauszuwachsen über seine Instinkte, seine unmittelbaren Gefühle, seine Bequemlichkeit und Faulheit und Neigung zur Seelendummheit, über seine Standardeinstellungen und default settings. Zu dem zu finden, was ihm auch gegeben ist, was er aber bisweilen erst einmal in sich suchen muss: das Verstehen und den Verstand, alles, was er an Größe in sich trägt.

    Und dabei ist nicht nur von denen die Rede, die wir verstehen, die uns ähnlich sind, die wir mögen, mit denen wir sympathisieren, die unsere Ziele teilen, die ein Leben führen, das aussieht wie unseres. Sondern auch von den Feigen, den Verängstigten, den Unverschämten, den Dummen, den Lauten, den Leisen, den Störrischen, den Fremden, denen wir etwas schulden. Was schulden wir ihnen? Jedenfalls Respekt und den Versuch, zu verstehen. Anerkennung, Rücksicht, Wohlwollen, Freundlichkeit und jene Solidarität, die Grundlage dessen ist, was wir den menschlichen Anstand nennen könnten.

    Der eine Sache jedes Einzelnen ist und damit eine Sache von uns allen.

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    dominonas avatar
    dominonavor 7 Monaten
    Die Zeiten ändern sich, aber bestimmte Dinge bleiben

    ...so wie der Anstand oder etwa nicht? Das Buch stellt sich eine wichtige Frage und beantwortet sie zeitgemäß, kurz und bietet weiterführende Lektüre. Ich persönlich stimme dem Autor zwar nicht in allem zu, aber halte dieses Buch dennoch für wertvoll, um sich vor Augen zu führen, wer und was wir Menschen sind.

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    seschatvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Anstand ist mehr als ein Wort, nämlich eine Haltung.
    Anstand heute

    Was bedeutet Anstand in Zeiten von sozialen Medien und zunehmenden Unsicherheiten? Quo vadis schöne neue Welt?

    Der Münchener Literat Axel Hacke hat sich genau diese Fragen gestellt und ist dabei tief in die von Humanität und Umgangsformen geprägte Materie eingetaucht. Und schnell wird klar, Hackes Anstandsbegriff reicht deutlich über Adolph Knigges Benimmregeln hinaus. Im Fokus seiner Betrachtungen steht nämlich der respektvolle und tolerante Umgang mit Menschen verschiedener Herkunft, Gesinnung, Religion etc. Deutlich spricht er sich hierbei dafür aus, den vermeintlichen Gesellschaftsfeinden, die mit anonymen Shitstorms und Pranks das Internet dominieren, mit Freundlichkeit zu begegnen. Ließe sich so der drohende "Zivilisationsverlust" stoppen? Man kann dies nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, aber versuchen sollte man es. Eines steht jedenfalls fest, Hackes angeführte, aktuelle Bespiele aus Politik und Gesellschaft für die wachsende Verrohung um uns herum sollten nachdenklich stimmen. Denn hierbei geht es um unsere Zukunft und darum, wie wir in dieser miteinander leben wollen. 

    Hackes kenntnisreicher Plauderton, den er bei seinen Erörterungen anwendet, hat mir stilistisch imponiert, weil er von sprachlichem Können und tiefgründiger Recherche wie Verstehen zeugt. Seine Betrachtung wird durch die Diskussion mit dem besten Freund und die Zitation von antiken wie modernen Literaten und Philosophen facettenreich und damit spannend. Dieser anhaltende Perspektivwechsel fesselt den Leser und verdeutlicht den Wandel des Anstandsbegriffs innerhalb der Zeit.

    FAZIT

    Anstand ist mehr als ein Wort, nämlich eine Haltung. Lasst uns "anständig" menschlich sein. Ein lesenswerter und verdienter SPIEGEL-Bestseller.



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    S
    Streifivor 9 Monaten
    Ein Buch das zum Nachdenken anregt

    Ich lese Axel Hackes Bücher wirklich gerne und bin bei diesem hier wieder nicht enttäuscht worden. In Zeiten, in denen der Ton sowohl im Internet als auch im Alltag gefühlt immer rauher wird, ist dieses Buch ein guter Anlass mal innezuhalten und zu überlegen, was man den auch selbst dagegen tun kann.

    Es zeigt, dass Anstand etwas ist, über das man sich auch mal Gedanken machen sollte, aber nicht unbedingt etwas was für alle gleich definiert ist.

    Mich hat dieses Buch durchaus nachdenklich zurückgelassen und es hat mir etwas mitgegeben, was ich versuche einfach wieder konsequenter zu tun: Sei freundlich!

    Von daher von mir eine Leseempfehlung! Wir sollten einfach alle mal innehalten und versuchen auch unser eigenes Verhalten zu reflektieren.

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    Schwaetzchens avatar
    Schwaetzchenvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Axel Hacke hat ein Plädoyer für Anstand, Würde und Menschlichkeit geschrieben.
    Axel Hacke hat ein Plädoyer für Anstand, Würde und Menschlichkeit geschrieben.

    „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“



    Axel Hacke hat ein Plädoyer für Anstand, Würde und Menschlichkeit geschrieben. Warum sind wir Menschen in unserer Gesellschaft so so rabiat im Umgang miteinander geworden? Warum fällt es so schwer andere Menschen zu respektieren und zu akzeptieren, egal, ob wir sie verstehen und mögen, oder nicht?

    Dieses Buch ist mehr als ein Aufruf zu mehr Anstand, es ist eine Suche nach Antworten, die uns aufzeigt, dass wir das besser können, wenn wir es wollen.

    Fangen wir an. Jeder bei sich. Jetzt. 

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    LillySjs avatar
    LillySjvor einem Jahr
    Kurzmeinung: must have! Das beste Sachbuch des Jahres. Es sollte in jedem Haushalt verteilt werden.
    Für mich ein must-have Buch

    Inhalt:
    Wir leben in schwierigen Zeiten.
    Jeder von uns kennt Situation, wo er selber oder andere völlig unangemessen angepöbelt werden, mit einer Aggressivität, die uns die Sprache verschlägt.

    Axel Hacke nimmt sich in diesem Buch der schwierigen Frage über den Anstand an.
    Erstmal muss überhaupt geklärt werden, was ist denn Anstand?

    Seine Erläuterungen, Gedanken und Analysen kleidet er in ein Gespräch mit einem Freund.

    Was für Auswirkungen hat die Globalisierung und das Internet auf den Menschen?
    Gab es nicht schon immer Leute, die Parolen rausgehauen haben? Was hat sich verändert, das wir es plötzlich so deutlich und überall mitbekommen?
    Warum sind die Pöbler wie sie sind? Warum hauen sie mit einer solchen Aggressivität um sich?
    Und was können wir gegen all das tun? So wohl im Internet als auch ganz allgemein?

    Meine Meinung:
    Ein ganz wunderbares Buch, das erklärt und nachdenklich macht.

    Mir persönlich hat es sehr geholfen, den Frust- und Wutbürger besser zu verstehen. Ja, ich möchte sogar sagen, es hat mir geholfen, Mitgefühl zu entwickeln. Generell bin ich ja ein sehr empathischer Mensch, aber auf Intoleranz habe ich bisher immer nur mit Intoleranz reagiert. Das hat sich verändert. Ich denke jetzt eher: "Du arme Socke!".

    Unteranderem haben mir dabei zwei Aspekte des Buches gut geholfen.

    "Weil wir, ich sag`s schon wieder, in einer komplizierten Welt leben, in der im Riesenraum des Internets und der Globalisierung dauernd Dinge zusammenstoßen, die andernfalls irgendwie easy aneinander vorbeischweben würden. Und weil es eben ein Unterschied ist, ob man sich gegenüber sitzt und sich die Dinge ins Gesicht sagen muss oder man über seine Computertastatur gebeugt mal eben etwas in den Raum hinauströtet, und dann Kaffee kochen geht und die Sache vergisst, während der andere einen Eisbeutel auf die Beule legt, die ihm mit der erwähnten Rassismus-Keule geschlagen worden ist, oder wutschäumend eine Antwort verfasst, die der erste aber schon nicht mehr liest, weil er, wie gesagt, Kaffee kocht und dann seine Mutter anrufen muss.Und aus dem Baumarkt muss er ja auch noch was besorgen."

    Zusammen mit Axel Hackes Erläuterungen, warum Menschen ihre Keule mal in die Runde werfen, ziehe ich für mich die Schlussfolgerung daraus: Lass den anderen wüten, er meint nicht mich. Und wenn die Keule angeflogen kommt, gehe einfach einen Schritt zu Seite. Den er sitzt eh schon nicht mehr hinter dem PC.
    (Als Anmerkung: Die Rede ist von dem einfach Wutbürger, nicht von waschechten Nazis, die Asylantenheime abfackeln.)

    Der zweite Aspekt, der mir geholfen hat, hat ebenfalls mit meinem gewachsenem Verständnis zu tun, warum manche Menschen aggressiv sind.
    Viele sind überfordert mit unsere neuen Welt, fühlen sich verunsichert und ausgeliefert. Da es mir nicht so geht, kann ich es mir doch eigentlich leisten, etwas Nachsicht zu üben, wenn ich beim Bäcker angerempelt werde, statt gleich zurück zu meckern.

    " "Ich meine nicht nur >in Notsituationen<, ich meine ganz grundsätzlich: immer erst einmal den Menschen freundlich begegnen."
    "Warum sollte man das tun?"
    "Vielleicht, weil es der einzige Weg ist, die Welt wirklich zum Positiven hin zu verändern. Du wirst scheitern, wenn du versuchst, andere Menschen zu ändern, denn der einzige Mensch, den du wirklich ändern kannst, bist du selbst. Und wenn du selbst der Welt freundlicher entgegentrittst, hast du die möglicherweiße schon ein wenig gebessert."
    [....]
    "Freundlichkeit wird ausgenutzt."
    "Ich habe ja nicht gesagt, dass du blöd sein sollst." "

    In seinen Gedanken des Wutbürgers gegenüber wirkt er keinesfalls arrogant, sondern er versucht zu verstehen. Das war mir sehr sympathisch, denn ich hatte vorher schon arrogant Gedanken.

    Einziger Kritikpunkt ist, dass alles in einem durchgeschrieben ist. Ich hätte mir Kapitel gewünscht, in denen man doch schneller mal nachschlagen kann. Aber es lässt sich trotzdem leicht lesen und es ist sehr verständlich geschrieben.

    Für mich ein must-have Buch.
    Neben "Die Macht der Geographie" von Tim Marshall ist dieses Werk mein Sachbuch des Jahres.
    5 Sterne

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein großartiges Buch, es passt perfekt zur aktuellen Situation und gibt viele Denkansätze!
    Pflichtlektüre!

    Axel Hacke beschäftigt sich in seinem aktuellen Buch mit der Frage, was Anstand eigentlich bedeutet und ob er in unserer Gesellschaft heute weitestgehend verloren gegangen ist. Eine Frage, die viele Bereiche anspricht und mit der er einen Nerv trifft. Angesichts von Pöbeleien im Internet, Hetzkampagnen in sozialen Medien und auch dem Einzug der AFD in den Deutschen Bundestag müssen wir uns alle die Frage stellen, wie wir miteinander umgehen wollen.
    Der rote Faden seines Buches ist das Gespräch mit einem Freund im Biergarten, während dem sie immer wieder auf die Frage von Anstand, Respekt, miteinander umgehen und miteinander reden können kommen. Nach einem kurzen Dialog schiebt der Autor dann seine Überlegungen zu dem Thema ein, beruft sich auf weiter Autoren und Denker, die sich auch schon diese Fragen gestellt haben. All dies geschieht auf höchst kurzweilige und unterhaltsame Art, die für den Leser sehr ansprechend ist. Hacke läuft nie Gefahr, sich im Elfenturm der Wissenschaft wiederzufinden, wo keiner ihn mehr versteht. Im Gegenteil, er hat ein Buch geschrieben, dass gerade durch seine leichte Lesbarkeit und lockere Art alle Menschen anspricht, die sich für das Thema interessieren.
    Meiner Meinung nach sollte Axel Hackes neues Buch „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ Pflichtlektüre sein. Es gibt viele sehr gute Denkanstöße für die alltägliche Debatte und dennoch bleibt sehr klar: eine Zauberlösung gibt es nicht, wir müssen uns alle jeden Tag wieder Fragen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. 

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    melli_2897s avatar
    melli_2897vor einem Jahr
    Konnte hauptsächlich durch den Schreibstil überzeugen

    In seinem neuesten Buch holt der als Kolumnist der Süddeutschen Zeitung bekannt gewordene Axel Hacke einen Begriff aus der Mottenkiste, entstaubt ihn und bringt ihn in einen aktuellen Kontext: den Anstand.

    In lockerem Stil und wohltuend verständlichem Deutsch versucht er sich selbst zu beantworten, was es in dieser Zeit bedeutet, ein anständiger Mensch zu sein. Er streift dabei viele Themen aus Politik und Gesellschaft z.B. den Populismus eines Trump, die Auswirkungen der Digitalisierung oder die Verrohung der Sprache in den neuen sozialen Medien wie Facebook.

    In sehr nachvollziehbarer Weise erklärt er die Anstands-Defizite, die gerade vor allem im öffentlichen Diskurs festgestellt werden können, aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen. So muss z.B. die Fremdenfeindlichkeit bei einer Spezies, bei der über Tausende von Jahren die Begegnung mit einem Fremden sehr selten und eher gefährlich war, nicht besonders überraschen.

    Nach Beleuchtung des Themas von verschiedenen Seiten steuert das Buch auf das Fazit zu, das man so zusammenfassen könnte:

    ·   Man sollte versuchen, dem Gegenüber ernsthaft zuzuhören und ihm nicht schon von Vorneherein böse Absichten unterstellen, sondern bemüht sein, sich in seine Lage zu versetzen.

    ·   Man sollte dem Gegenüber grundsätzlich - zumindest solange es geht - freundlich begegnen.

    ·    Man sollte seine Meinungen aber klar und deutlich artikulieren.

    Die Stärke des Buches ist aus meiner Sicht auch ein Grund für gewisse Schwächen. Der leichte Stil und der Plauderton - Abschnitte des Buches sind sogar fiktive Dialoge mit einem Freund - bewirken, dass die Thesen nicht oberlehrerhaft vorgetragen werden und man Denkanstöße zu einer Vielzahl von Themen erhält.

    Andererseits hätte man sich schon manchmal eine bessere Gliederung gewünscht, um zu wissen, an welcher Stelle der Argumentationsführung man sich befindet. Ich persönlich hätte mir auch etwas mehr Tiefe gewünscht bei der Behandlung der Frage, welche Funktion der Anstand in unserer modernen Industriegesellschaft grundsätzlich hat. Warum ist es vorteilhaft, wenn wir uns alle anständig verhalten?

    Aber trotz dieser vom Autor vermutlich bewusst genommenen Schwächen stellt das Buch aus meiner Sicht einen interessanten Beitrag zu den Themen Debattenkultur und gesellschaftliches Miteinander dar, schon allein dadurch, dass über einen so verstaubten Begriff wie Anstand neu diskutiert wird.

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    P
    Patrischavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein so kleines Buch mit so großem Inhalt. Beeindruckend und wichtig für jeden von uns!
    " Aber was ist das eigentlich genau: Anstand ? "

    Der Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, Axel Hacke, nimmt uns in seinem aktuellen Werk mit auf die Reise nach der Antwort was Anstand eigentlich ist und wie die Gesellschaft momentan miteinander umgeht. 

    Angefangen mit einem Gespräch zwischen Hacke und seinem besten Freund, der " anständig handelt ", weil es ihm eben nicht egal ist unter welchen Bedingungen sein Bier aus der Kneipe hergestellt wird, spannt Hacke den Bogen weiter über Michelle Obamas Rede im Herbst 2016, der NS-Zeit, der Tour de France 2003, der Installation des Künstlers Manuf Halbouni in Dresden 2017 uvm. Wie diese Ereignisse und Personen miteinander zusammenhängen und was sie mit der Frage nach Anstand zutun haben, erklärt Hacke interessant und gut verständlich im laufe seines Buches.

    Was dieses Buch allerdings besonders lesenwert und unterhaltsam macht, ist die Weiterführung des Gesprächs zwischen Hacke und seinem besten Freund. Der Leser taucht ein in die Atmosphäre einer typischen Eck-Kneipe, in der die beiden sich über ihre Ansichten zum Weltgeschehen unterhalten, persönliche Erfahrungen austauschen und sich auf die Suche nach dem Anstand machen. Sie geben Impulse, machen aufmerksam und bringen den Leser zum Nachdenken.

    Abgerundet mit Zitaten berühmter Dichter und Denker, wie zum Beispiel Kästner, Knigge, Kant, Harari und David Foster Wallace, macht Hacke sein Buch zu einem kleinen Schatz. Am Ende steht immer noch die Frage was Anstand eigentlich ist, aber das muss und sollte jeder für sich beantworten. Hacke gibt uns eine Idee davon und viele Impulse, um die Gesellschaft ein bisschen friedlicher, fairer und menschlicher zu gestalten. Was man damit anfängt ist die Sache jedes Einzelnen, genau wie der persönliche Umgang mit dem Anstand !

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    Claris avatar
    Clarivor einem Jahr
    Wunsch und Wirklichkeit des Umgangs miteinander.

    In diesem kleinen Büchlein über den Begriff des Anstands hat der Schriftsteller Axel Hacke in feuilletonistischer Art und Weise versucht, uns mit seiner Definition von Anstand bekannt zu machen.

    A. Hacke beschreibt auf Seite zwanzig in wenigen Worten, wie man Anstand interpretieren kann, und das klingt ganz einfach: Begriffe wie Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness fallen in diesem Zusammenhang ebenso wie Aufrichtigkeit im Handeln und Reden und, sehr wichtig wie mir scheint, die Fähigkeit, das eigene Denken kritisch zu überprüfen.
    Schnell wird aus seinen folgenden Ausführungen jedoch klar, dass „Anstand“ in der Tat seit längerer Zeit der Verrohung herkömmlichen Umgangsformen gewichen ist. Es fällt im Alltag gar nicht so sehr auf, wie weit wir uns vom Verfall guter Sitten und der Grenzüberschreitung im persönlichen Umgang entfernt haben.
    An zahlreichen Beispielen macht A. Hacke seine Thesen fest. Er nennt die Namen einer Vielzahl bekannter Dichter, Philosophen und Denker, um seine Argumente zu untermauern. Kästner, Fallada, Marc Aurel, Kant und nicht zuletzt David Foster Wallace und viele andere mehr werden in Zitaten herangezogen, um über Formen des Anstands zu referieren.
    Vom Steinzeitmenschen bis in die Gegenwart reichen Hackes Vergleiche, was Formen des Anstands und des Umgangs miteinander betrifft. Durch seine Zeilen erfährt man, wie über die Jahrtausende durch Bildung, Entwicklung und Forschung ein faires Miteinander erst möglich wurde. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Studie von Norbert Elias „Über den Prozess der Zivilisation“ hingewiesen.
    Da das Buch eher die Erwartung an ein Feuilleton erfüllt, muss der geneigte Leser keine wissenschaftliche Studie erwarten. Der Bericht ist gewissermaßen ein Parforceritt im Plauderton durch die Geschichte und heutige Gegenwart.
    Dazu gehören natürlich Tablets und Smartphones, die Paare, Eltern und Kinder im Beisammensein vereinsamen lassen, weil die Technik das Gespräch verdrängt.
    In langen Passagen widmet sich der Autor den schrillen Tönen auf Facebook.

    Axel Hacke fasst in seinem Buch zusammen, wie wir die Welt und die Formen unseres Umgangs erleben. Seine Ausführungen lassen uns von einer versöhnlichen Welt träumen, in der man Rücksicht nimmt, Gegensätze friedlich austrägt und insgesamt ein harmonisches Miteinander pflegt. Eine schöne, einträchtige Welt, wie wir alle sie uns wünschen würden! Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, und Hoffnungen auf ein besseres Zusammenleben sind eine schöne Utopie!
    Man kann Hackes Ausführungen als berechtigte Zivilisationskritik betrachten.
    Sein Werk mag auch als ein Appel an uns alle gelten, uns um Umgangsformen zu bemühen, die uns Respekt, Höflichkeit und Zuhören abverlangen. In seltenen Fällen bei aufgeklärter Bildung und Erziehung mag das gelingen. Doch wenn man einmal mit Lehrern spricht, dann weiß man, wie schwer diese hoffnungsvollen Vorsätze an der Wirklichkeit integrativer Vielfalt zerschellen! Darüber hinaus bietet die derzeitige globale Politik keinen Hoffnungsschimmer auf eine bessere Welt.
    Ich empfehle das Büchlein dennoch, weil es auf einfache Weise vermittelt, was uns allen so sehr fehlt: Eintracht, Freundlichkeit und----Menschenliebe!

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