Axel Koch

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Change mich am Arsch

Change mich am Arsch

 (2)
Erschienen am 23.02.2018

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Rezension zu "Change mich am Arsch" von Axel Koch

Zielgruppenfindung? (Rezi-Ex.)
EvyHeartvor 10 Monaten

Jeder, der arbeitet, wird früher oder später mit Veränderungen konfrontiert. Wie geht man damit um? Wie kann eine Veränderungen konkret aussehen, welche Maßnahmen können Unternehmen und Mitarbeiter ergreifen, damit wenig Leid entsteht? Im Buch reizte es mich, genau das herauszufinden. "Axel Koch deckt auf, warum wir mit dem Change-Wahnsinn einem kollektivem Irrtum aufsitzen und wie eine Balance zwischen Stabilität und Veränderung aussehen kann." verspricht das Buch und genau diese Balance fehlte mir. Auch "wie Unternehmen sich und ihre Mitarbeiter kaputtverändern" zeigt das Buch nicht. Denn der Text nimmt die Position der Opfer ein und besticht mit zahlreichen Fallbeispielen. Darin gehen jedoch die Studien unter, die belegen, dass Unternehmen kaputt gehen. Und erst im letzten Viertel zeigt der Autor, was Veränderungs-Betroffene tun können.

Übrigens: Das Wort "Change" kommt im Fließtext ca. 262 mal vor, oft auch in (unnötigen) Wortkombinationen. Ich verstehe, dass es das Buch beim Leser verankern soll, aber Leser, die mit Anglizismen Probleme haben, können schwer ins Buch finden, weil sie mit "Change" nicht so vertraut sind wie mit "Veränderung". Es geht im Buch im Menschen, die ernst genommen werden wollen. Ich denke, das Buch nimmt einen Teil der potentiellen Leser dadurch nicht ernst.


Worum geht es?


Das Buch ist unterteilt in 7 große Kapitel sowie Vor- und Nachwort. Das wirkt übersichtlich, ich habe von der inhaltlichen Unterteilung jedoch wenig gemerkt. Schwerpunkte sind Veränderungstempo, die Treiber der Veränderung, Flexiblität, Passend-machen, Kollaps infolge von Veränderungen (Unternehmen und Mitarbeiter), Veränderung von oben betrachtet und das Modell der Veränderungs-Ballance, das der Autor entwickelt hat.

Gut gefallen hat mir, dass auch das Thema "Veränderung mit steigendem Alter" ausführlich behandelt wird! Das war mein Highlight.

Gestaltung


Herzstück sind die Fallbeispiele, in denen der Autor von Menschen schreibt, die Veränderungsprozesse erlebt haben. Überwiegend sind diese negativ gestaltet und stark auf die Leute konzentriert - Chefs sind oft böse, nehmen die Sorgen der Mitarbeiter nicht wahr, Betriebsräte und Anwälte gibt es selten, auch Familie und Freunde selten. Die Figuren in den Texte wirken isoliert. Einerseits passt das zum Gefühl, allein und festgefahren zu sein - ich denke, hier hat der Autor gut die Bedürfnisse der Zielgruppe getroffen. Für mich war es jedoch zu einseitig. Auch der Stil gefällt mir nicht, weil er an kindlich wirkt, an ein Märchen erinnert - einfach beschrieben, stellenweise poetisch und im Präsens. Nur am Ende zeigt der Text Menschen, die sich gewehrt haben.

Gut finde ich, dass die Text nicht-serif formatiert sind - das macht sie toll lesbar. Leider erzählt der Autor im Fließtext manchmal die Geschichten weiter, sodass die Formatierung insgesamt nicht stimmig wirkt. Der Übergang zwischen Analyse und Erzählung ist nicht immer klar.

Außerdem verweist der Autor auf viele Studien - 167 Fußnoten gibt es im Buch. Dieser Teil ist, für sich allein genommen, gut. Der Autor nutzt die Studien zur Argumentation, aber das ist in Ordnung. Das Problem ist die Kombination.

Die Fallbeispiele sind ausführlich und sprechen die Emotionen an. Hinzu kommt, dass auch der Leser stetig angesprochen wird. Fast fühlt man sich wie ein Mensch auf einer Stadtführung. Als Leser denkt man darüber nach, wie man in dieser Situation gehandelt hätte, was man anders gemacht hätte und ob es Situationen gibt, in denen die Veränderung einen belasten könnte. Der (serife) wissenschaftliche Teil spricht das Denken an. Man folgt der Argumentation, hinterfragt Studien usw. Das Umschalten zwischen beiden Teilen fand ich kompliziert und es hat oft nicht geklappt. Fallbeispiele werden in Vorträgen oft genutzt, aber hier sind sie zu lang und zu tief erzählt.

An einer Stelle hatte ich sogar ein Logik-Problem, weil eine Frau in Ausbildung eine STELLE in der Personalabteilung hat ... Vielleicht absolviert sie die Ausbildung berufsbegleitend?

Im letzten Viertel bietet der Autor Lösungen an. Auf mich wirkt es, als ob er ein Mindset entwirft. Auch wenn er oft betont, dass jeder seinen eigenen Weg gehen soll, zeigt er wenige praktischen Anwendungen. Man solle sich seiner Angst bewusst sein, auf seine Intuition hören und die Arbeit nicht zu ernst nehmen. Das denke ich auch. Aber was macht jemand, der gerade starr vor Angst in einem Veränderungs-Prozess steckt? Eine simple Lösung wäre: Fragen. Vom Arbeitgeber Informationen fordern. Verbündete suchen.

Mit Hilfe des Veränderungs-Balance-Schemas kann man einschätzen, wie gestresst man durch Veränderungsprozesse ist. Während der Autor das entwirft, wirkt er kompetent und stellt viele wichtige Fragen zum Selbst-Erkunden. Das Schema selbst finde ich logisch aufgebaut, aber schwer erfassbar. Ein Baumdiagramm finde ich besser.

Am Ende scheint der Autor nichtmehr den Leser anzusprechen, sondern das Management. Aber auch das bekommt nur sehr wenige Tipps, wie es Veränderungsprozesse so gestalten kann, dass die Arbeitnehmer glücklich sind. Wie kann man das z.B. kommunizieren? Wie kann man dafür sorgen, dass eine Veränderung auch langfristig Erfolg hat?

Fazit


Auch wenn das Buch den Leser stetig anspricht, wirkt es distanziert. Das Buch stellt dar, wie sich Menschen (meist) in der Opferrolle fühlen, aber es fehlt die Praxis. Ich habe Wut gespürt, sodass der Text trotz einiger Sachlichkeit nicht sachlich wirkt. Das Buch bietet viele Ansätze, aus denen man mehrere gute Bücher hätte machen können, aber es fehlt etwas.

Würde ich dieses Buch jemandem empfehlen, der in einem Veränderungsprozess unglücklich ist? Ja, denn jede Information ist wichtig und vielleicht ist dieses Buch genau das, was er/sie/es braucht.

Aber jemand, der Veränderung mit Angst sieht, könnte durch die ersten 3/4 ängstlicher werden.

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