"Es gibt Wörter, die gibt es gar nicht. Zumindest nicht im Deutschen. Wörter wie das finnische Kalsarikännit, welches die interessante Beschäftigung des Sich-allein-zu-Hause-in-Unterhose-Betrinkens beschreibt. Oder das Wort dissetato, das die Italiener verwenden, wenn sie das Gegenteil von durstig beschreiben möchten. Haben Sie jemals von dem in Lappland verwendeten Längenmaß Poronkusema gehört, welches die Entfernung beschreibt, die ein Rentier zwischen zwei Pinkelpausen zurücklegt?"
(Aus dem Vorwort)
Es ist ein launiges Buch geworden, das die beiden Autoren Christian Koch und Axel Krohn da geschrieben haben und das die Leser*innen rund um die Welt und in viele Sprachen (ent)führt. Tatsächlich ist es erfreulich selten pseudowitzig, sondern kann sowohl mit Schenkelklopfern als auch mit subtilen humoristischen Einlagen aufwarten.
Nebenbei lernt man natürlich auch allerlei „Wissenswertes“, angefangen beim Wort, das im Japanischen für das Testen eines neuen Schwertes an Passanten steht (und hoffentlich wenig Verwendung findet, außer vielleicht in Anime-Serien), über den ältesten Furzwitz und die (wiederum in Japan) sehr gebräuchliche Gepflogenheit bei einem ersten Daten nach der Blutgruppe zu fragen, bis zum Wort für das erste Bier des Jahres im Freien und für die Macht des Aufgießers in Finnlands Saunen.
Aber das Buch setzt nicht nur auf Komik, sondern klärt auch über die Herkunft des Einhorns auf (der Auerochse stand wohl Pate; ich habe da allerdings eine Alternativtheorie, die mit Nashörnern zu tun hat), widmet sich dem Sprachensterben, listet Äquivalente von Sprichwörtern in anderen Sprachen auf und erzählt Geschichte, zum Beispiel über Marienkäfer und warum sie in England Ladybugs heißen. Das alles pointiert, mit vielen Seitenhieben und Esprit. Ein paar Fotos von Übersetzungsunfällen aus aller Welt komplettieren die Orchestrierung.
Kritisch muss angemerkt werden, dass die beiden Herren bei aller Weltgewandtheit anscheinend noch nicht in den Geschlechterdiskursen von heute angekommen sind. Hier wird ein ums andere Mal in die Klischeekiste gegriffen, ironisch vielleicht, aber doch nur allzu bereitwillig; da wäre weniger mehr gewesen.
Auch sehr nervig: es geht auch ein paar Mal um die indigenen Volksgruppen der Polarregionen (die - SPOILER - keine hundert Wörter für Schnee haben ...). Korrekt weisen die Herren Autoren daraufhin, dass der Begriff "Inuit" mittlerweile als politisch korrekter Sammelbegriff verwendet wird (wobei die „Inuit“ nur eine Volksgruppe sind) – und schreiben dann, ohne weiteres Daraufeingehen, durchgehend "Eskimo".
Mir ist bekannt, dass der Begriff "Eskimo" umstritten ist und einige offizielle Vertretungen der Volksgruppen den Namen mittlerweile übernommen haben. Dennoch wirft es einfach kein gutes Bild auf die Autoren, dass sie erst schreiben, dass sie sich der Problematik bewusst sind, dann aber beim Schreiben keine Rücksicht auf dieses Wissen nehmen.
"Hä?" ist aber überwiegend ein sehr unterhaltsames und auch kluges Buch, das auf vielen Gebieten überzeugt und Freude bereitet. Sie können beim nächsten Gespräch (oder in der nächsten Gesprächspause) auf jeden Fall mit der ein oder anderen Erkenntnis aus diesem Buch punkten. Und das wahrscheinlich sogar mit echter Begeisterung.
Axel Krohn
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Axel Krohn
»Ich bin eine Dame, Sie Arschloch!«
"Ich hab dich rein optisch nicht verstanden"
Hä? Die schönsten unübersetzbaren Wörter der Welt
Hilfe, er bleibt ein Frosch!
Das kleinste Klo steht in Bordeaux
Ich bin halt ein Ramontiker
Unsere unbekannten Nachbarn
Kein Wort zu Mutti!
Neue Rezensionen zu Axel Krohn
„Ich bin eine Dame, Sie A“ ist ein Buch aus der Feder der Autoren Axel Krohn und Sören Sieg.
Die beiden Autoren haben aus verschiedenen Situationen Gespräche von Leuten gesammelt. Manchmal sind sie schon humorvoll. Meistens lesen sie sich aber einfach herunter. Bei einigen wusste ich erst gar nicht, was sie mir sagen wollen.
Außerdem frage ich mich, wie man solche Gespräche manchmal mitgehört haben will. Ich weiß jetzt aber auch nicht, ob dazu Leute befragt wurden oder alles von den Autoren „mitgehört“ wurde. Manchmal konnte ich mir das wirklich nicht vorstellen.
Das Buch ist jetzt nicht schlecht, aber auch nicht überragend gut. Man kann sich ganz gut die Zeit damit vertreiben. Die einzelnen Kapitel lesen sich durch die Aufmachung auch sehr schnell.
Ich schätze, wenn man die Seiten anständig gefüllt hätte, wären aus den 190 auch nur 150 Seiten geworden. Eine Lektüre, die man lesen kann, aber nichts Besonderes.
Es ist schon sehr interessant, wie unterschiedliche Sprachen sind. Während es in Wüstenländern verschiedene Wörter für Sand gibt, gibt es in kalten Ländern eine Vielzahl von Wörtern für Schnee. Und nicht nur Menschen drücken sich, je nach Sprache, ganz unterschiedlich aus, auch Hühner krähen in Deutschland ganz anders als in Island.
Die Verschiedenheit der Sprachen ist interessant und faszinierend. Die beiden Autoren dieses Buchs haben allerlei sprachliche Merkwürdigkeiten zusammengetragen. Einige Begriffe, die sich nicht so leicht übersetzen lassen, werden mit lustigen Anekdoten erklärt. Da gibt es die ältere italienische Dame, die sich um Katzen kümmert, oder das Gefühl der inneren Trägheit nach einem Sonnenbad. Aber neben diesen 52 unübersetzbaren Begriffen, enthält dieses Buch noch sehr viel mehr Wissenswertes in Bezug auf Sprachen.
Bunt zusammengetragen, liest sich dieses Buch wie eine Illustrierte. Da gibt es Bilder von Schildern, die lustige Übersetzungsfehler enthalten, oder Sprichwörter, die dasselbe ausdrücken, doch jeweils andere Bilder zur Hilfe nehmen. Interessant ist außerdem, dass ein Marienkäfer in Russland eine Kuh ist, und in Dänemark eine Henne, oder dass es den Deutschen immer noch nicht geglückt ist ein Wort zu finden, das ausdrückt, dass man keinen Durst mehr hat.
Diese sprachliche Reise findet überwiegend in Europa statt, was ein bisschen schade ist. Es kommen einige Beispiele aus Afrika und Asien vor, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig auf die europäischen Sprachen.
Die einzelnen Betrachtungen sind schnell gelesen, darum ist dieses Buch gut zum Blättern und Verweilen geeignet. In den sechs Kapiteln wird jeweils ein anderer Schwerpunkt gelegt; es geht einmal um Menschen, dann um Speisen, den Körper, die Sinne, Tiere und um Nützliches für unterwegs. Zum Schluss findet der Leser noch unübersetzbare deutsche Wörter.
Fazit: Ein lustiges und unterhaltsames Buch, in das man immer wieder gerne hineinschauen wird. Besonders Menschen, die sich für verschiedene Sprachen und Kulturen interessieren, werden sicher viel Freude an diesem Buch haben.
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