Ayanna Lloyd Banwo

 3,9 Sterne bei 135 Bewertungen
Autor*in von Als wir Vögel waren, When We Were Birds und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ayanna Lloyd Banwo, geboren 1980 in Trinidad, promoviert an der University of East Anglia in Creative and Critical Writing. Bisher erschienen vor allem Kurzgeschichten in verschiedenen Publikationen. ›Als wir Vögel waren‹ ist Banwos erster Roman; sie lebt in London.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ayanna Lloyd Banwo

Cover des Buches Als wir Vögel waren (ISBN: 9783257072242)

Als wir Vögel waren

(129)
Erschienen am 26.04.2023
Cover des Buches When We Were Birds (ISBN: 9780241991633)

When We Were Birds

(5)
Erschienen am 09.02.2023
Cover des Buches When We Were Birds (ISBN: 9780385547260)

When We Were Birds

(1)
Erschienen am 15.03.2022

Neue Rezensionen zu Ayanna Lloyd Banwo

Cover des Buches Als wir Vögel waren (ISBN: 9783257072242)
MikkaLiests avatar

Rezension zu "Als wir Vögel waren" von Ayanna Lloyd Banwo

MikkaLiest
Ihr seid nicht vergessen

Der junge Rastafari Darwin lässt seinen Glauben und seine Überzeugungen hinter sich, um als Totengräber zu arbeiten. Auf dem Friedhof trifft er auf Yejide, die von ihrer Mutter die Fähigkeit geerbt hat, mit den Toten zu kommunizieren und ihre Seelen ins Jenseits zu begleiten.


Beide sind komplexe Charaktere, deren respektive Handlungsbögen über die sich entspinnende Liebesgeschichte hinausreichen – und einander dennoch spiegeln. So sucht Darwin nach seinem Vater, der die Familie vor langer Zeit verließ, während Yejides Beziehung zu ihrer zornigen, verbitterten Mutter zutiefst konfliktgeladen ist.


Der Tod ist allgegenwärtig in dieser Geschichte, die doch so bunt und voller Leben ist. Ein Widerspruch? Nein, denn Darwin und Yejide verkörpern das ganze Kaleidoskop des Umgehens damit: Trauer, Wut, Schmerz, Angst – aber auch Versöhnung, Hoffnung, Liebe und Akzeptanz. Yin und Yang: Tod und Leben sind Gegensätze, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen; eine Ganzheit, die Ayanna Lloyd Banwo in wunderschönen Worten zelebriert. Die Sprache klingt, die Sprache singt in Worten voller Liebe und Wärme …


Die spirituelle Ebene der Geschichte speist sich aus trinidadischen Mythen und Schöpfungsgeschichten. Und so fügt sich das Thema Tod harmonisch ein in den Themenkomplex des Romans: Es geht auch um Liebe, es geht um Familie, es geht um Gemeinschaft. Passenderweise sind die Charaktere für sich genommen schon überzeugend und stark, doch ihr volles literarisches Potenzial entfalten sie erst im Zusammenspiel.


Im Original ist der Roman in Kreolisch-Englisch geschrieben, was eine gänzlich andere ‚Klangfarbe‘ erzeugt, die die Atmosphäre und die lebendige Darstellung der Schauplätze ergänzt und ihnen eine zusätzliche Dimension verleiht. Die deutsche Übersetzerin Michaela Grabinger erzeugt, insofern es möglich ist, einen ähnlichen Sog mit Sprachrhythmus und Takt, was sicher keine einfache Aufgabe war!


«… und sie kommen über sie wie die Flut, wie ein brennendes Haus, wie Erde, die nach Regentagen den Berg hinunterdonnert, zu schwer, um ihre Form zu bewahren. Und sie spürt, dass sie die Arme weit öffnet, den ganzen Friedhof umfasst und noch mehr. Der Regen prasselt auf ihren Kopf, und die Fluten steigen an ihren Beinen hinauf, und sie hält alles in ihren Armen: Ich seh euch. Ich seh das Unrecht, das man euch angetan hat. Ich trink euren Schmerz, bis ich voll davon bin, trink euren Kummer, bis ich voll davon bin, trink eure Freude, bis ich voll davon bin, trink euren Tod, bis ich voll davon bin. Ich schmeck euer Fleisch, ja, ihr wart Fleisch, ich kann es sehen, ich weiß es. Ihr habt geliebt, ja, ich weiß, habt getötet, ich weiß. Du warst hier, ja, ich weiß, und du und du, ihr wart hier. Niemand hat eure Gräber kenntlich gemacht, aber wer zur Erde zurückkehrt, den macht sie kenntlich. Ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen …»


«Als wir Vögel waren» ist ein atmosphärisch dichtes und kulturell reichhaltiges Debüt; die mystische und kulturelle Tiefe der Geschichte entwickelt eine ungeheure Sogwirkung – wenn man sich darauf einlässt. Ich habe das Buch geliebt!

Cover des Buches Als wir Vögel waren (ISBN: 9783257072242)
dasbuchzuhauses avatar

Rezension zu "Als wir Vögel waren" von Ayanna Lloyd Banwo

dasbuchzuhause
Bestimmen die Vorfahren unser Leben?

„Als wir Vögel waren“ ist ein Roman, der in der Welt der Lebenden und der Toten auf Trinidad spielt. Es geht um Liebe und darum, wie sehr die Vorfahren unser Leben bestimmen können.


Vom ersten Satz an hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Ich fühlte die Spannung mit Yejide auf dem Schoß ihrer Großmutter und die innere Zerrissenheit Emmanuels, der sich von allem abwenden musste, als er sich dafür entschied, den einzig verfügbaren Job anzunehmen.


„Als wir Vögel waren“ beginnt wie ein Märchen und baut immer wieder Elemente ein, die die tiefe Verbindung zwischen der Welt der Geister und der Lebenden deutlich machen. Die beiden Hauptcharaktere sind Gefangene in ihren Traditionen und sowohl Yejide als auch Emmanuel haben einen inneren Befreiungskampf auszufechten ohne sich selbst dabei verlieren zu wollen.


Ayanna Lloyd Banwo nutzt die Landschaft und das Wetter, um die Geschehnisse und die Gefühle zu verstärken. Es zieht ein Sturm auf, als Yejides Mutter stirbt. Ein Sturm ist auch das, was in Yejide tobt, sie muss sich entscheiden. Dadurch wird die Geschichte noch dichter und die Gefühle noch greifbarer.


Gleichzeitig kommt durch die illegalen Geschäfte auf dem Friedhof eine ganz reale Spannung in das Buch. Beim Lesen spürt man die Spannung, die in der Luft liegt, man möchte den Atem anhalten und hofft, dass es gut ausgeht. Ein Buch auf mehreren Ebenen gut erzählt, das ist es. Auch habe ich mehr über die Rastafari gelernt, über die ich vorher einfach kaum etwas wusste.


„Als wir Vögel waren“ erzählt eine magische Geschichte, es hat etwas von Magie und gleichzeitig erzählt es die Geschichte von zwei jungen Menschen, die ihren eigenen Platz im Leben suchen, die unabhängig sein möchten, ohne dabei ihrer Familie zu entsagen.


Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen, erinnerte es mich ein wenig an die Geschichten und die Art wie Gabriel García Márquez seine Geschichten ausbreitete. Es ist im Hier und Jetzt und gleichzeitig auch woanders. Ein ganz wunderbares Buch!

Cover des Buches Als wir Vögel waren (ISBN: 9783257072242)
K

Rezension zu "Als wir Vögel waren" von Ayanna Lloyd Banwo

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Als wir Vögel waren

Port Angeles, Trinidad. In den Schatten der stillen Bäume ruht Fidelis, der größte Friedhof der Stadt. Emmanuel, ein junger Rastafari, hat aus Glaubensgründen immer einen großen Bogen um alles gemacht, was mit dem Tod zu tun hat. Jetzt ist allerdings das Geld knapp und deshalb nimmt er den erstbesten Job an, den er kriegen kann und bricht sein Gelübde: er wird Totengräber in Fidelis. Yejide auf der anderen Seite entstammt einem Matriarchat und ihre ganze Familie hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Tod. Das Familienoberhaupt ist gewissermaßen in der Lage mit den Ahn*innen in Verbindung zu treten und Kraft aus ihrer Anwesenheit zu schöpfen.

Mit eingeflochten in diese beiden Erzählstränge sind Mythen, Glaube und Tradition und ihre Bedeutung, gleichzeitig werden aber auch die Probleme des Landes mit eingebunden.
Dieser intensive, bildreiche und farbenfrohe Roman ist eine Liebeserklärung an Mythen und an deren Kultur, es ist eine Hymne an das Leben und an den Tod und wie damit umgegangen wird.
Ein wunderschönes Buch!! 🫶🏼

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Welcome to our English discussion group. We will start reading this book together on 20 April 2023.

113 Beiträge
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Letzter Beitrag von  Favole

I am glad that you liked it and especially that it felt somehow good to you after your loss. Books can do this. But they can do the other way round. So I am glad that it was a good thing for you to keep on reading.

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