Ayelet Gundar-Goshen

 4,2 Sterne bei 381 Bewertungen
Autorin von Löwen wecken, Wo der Wolf lauert und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ayelet Gundar-Goshen wurde 1982 geboren und studierte Psychologie in Tel Aviv und später Film und Drehbuch in Jerusalem. Sie schreibt Drehbücher für Kurzfilmproduktionen in Israel und wurde für diese und ihre Kurzgeschichten schon mehrfach ausgezeichnet. Für ihren ersten Roman „Eine Nacht, Markowitz“ bekam sie 2013 den Sapir-Preis für das beste Debüt Israels. Eine Verfilmung des Buches von der BBC ist in Planung.

Alle Bücher von Ayelet Gundar-Goshen

Cover des Buches Löwen wecken (ISBN: 9783036959405)

Löwen wecken

 (154)
Erschienen am 28.04.2016
Cover des Buches Wo der Wolf lauert (ISBN: 9783036961477)

Wo der Wolf lauert

 (78)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Lügnerin (ISBN: 9783036960159)

Lügnerin

 (66)
Erschienen am 13.08.2019
Cover des Buches Eine Nacht, Markowitz (ISBN: 9783036959269)

Eine Nacht, Markowitz

 (28)
Erschienen am 27.02.2015
Cover des Buches Wo der Wolf lauert (ISBN: 9783839819364)

Wo der Wolf lauert

 (37)
Erschienen am 28.07.2021
Cover des Buches Löwen wecken (ISBN: B01G5HU2KY)

Löwen wecken

 (9)
Erschienen am 16.06.2016
Cover des Buches Wo der Wolf lauert (ISBN: B097PZ96T6)

Wo der Wolf lauert

 (6)
Erschienen am 28.07.2021
Cover des Buches Waking Lions (ISBN: 9781782271574)

Waking Lions

 (2)
Erschienen am 03.03.2016

Neue Rezensionen zu Ayelet Gundar-Goshen

Cover des Buches Lügnerin (ISBN: 9783036960159)
A

Rezension zu "Lügnerin" von Ayelet Gundar-Goshen

Eine Lüge ist bereits drei Mal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht
Abnunchavor einem Tag

Das Buch aus dem Hebräischen der Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen die auch „Löwen wecken“ geschrieben hat trifft das Zitate von Mark Twain - Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.

Die Protagonistin Nuphar Shalev ist ein unscheinbares, unsicheres 17-jähriges Mädchen das in den Sommerferien als Eisverkäuferin in einer Tel Aviver Eisdiele arbeitet. Als der gehemmte, einsame Teenager die nachlässig formulierte Bestellung eines alternden Schlagerstar korrigiert, stößt dieser Worte aus, „die ins Fleisch schneiden“. Das Mädchen rennt vom Tresen weg, der eitle Sänger setzt ihr nach. In einem Hinterhof stößt Naphuar einen grellen Schrei des Abscheus und der Wut aus.  Passanten eilen herbei, mitfühlende junge Soldatinnen – gewohnt, in einem immer wieder als äußerst sexistisch beschriebenen Umfeld zu dienen – sind zur Stelle und reden dem Mädchen ein, was sie zu sehen glauben. Der Sänger muss versucht haben, die Minderjährige sexuell zu belästigen. Nuphars geflüstertes „Ja“ bringt den pöbelnden Sänger in Untersuchungshaft und beschert ihr jene Aufmerksamkeit, die sie bis dahin im Alltag entbehrt hatte. Als aus diesem Missverständnis eine Lüge wird und sie plötzlich im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit steht, scheint sie regelrecht aufzublühen. Auf diese Lüge gründet sich auch eine zarte Liebe zu Lavie, doch die Lüge bleibt eine Lüge und sie lastet auf ihr. Kann sie wirklich damit durchkommen und trotzdem an ihrem Glück festhalten oder wird alles über ihr zusammenbrechen? Ayelet Gundar-Goshen bleibt in ihrem Buch die ganze Zeit neutral, sie bezieht keine Position für oder wider der Hauptfigur. Sie berichtet und beobachtet und betont gleichzeitig die Rolle, die die Medien und die Öffentlichkeit bei der Verbreitung der Lüge spielen. Es braucht eine gute Story und schon wird nicht mehr hinterfragt, die Geschichte breitet sich aus und ist nicht mehr zu stoppen. Der Roman passt perfekt in die heutige Zeit und solle unbedingt gelesen werden. 

Cover des Buches Wo der Wolf lauert (ISBN: 9783036958491)
jenvo82s avatar

Rezension zu "Wo der Wolf lauert" von Ayelet Gundar-Goshen

Vertrauen und Misstrauen in einer engen Blase
jenvo82vor 6 Monaten

Von der Autorin ist dies bereits mein dritter Roman, sie alle verbindet eine enorme psychologische Kraft und eine ernste, nachvollziehbare Gedankenstruktur. Dabei legt sie das Augenmerk immer auf die inneren Sichtweisen Ihrer Protagonisten, verliert aber das große Ganze nicht aus dem Blick und schafft in ihren Rahmenhandlungen eine gewisse Präsenz des Alltäglichen.

Inhalt

Die zentrale Figur dieses Romans ist Lilach Schuster, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael und dem Sohn Adam nach Amerika emigriert ist, und dort versucht trotz aller Gegensätzlichkeit Fuß zu fassen. Und obwohl Hebräisch nur zu Hause gesprochen wird, bleibt Lilach trotz einiger Bemühungen eine Fremde im neuen Land, obwohl sie auch mit einer Rückkehr in die Heimat keineswegs liebäugelt. Ihre größte uns schwerste Aufgabe ist jedoch die als Mutter des 16-jährigen Adams - einerseits fällt es ihr ausgesprochen schwer ihn ziehen zu lassen, weshalb sie ihn auf Schritt und Tritt überwacht, andererseits bedauert sie die innere Entfremdung und versteht die Welt nicht mehr, in der sie anscheinend keinen Einfluss mehr auf ihr Kind haben soll. Gespräche gibt es keine, nur Misstrauen, Abwehr und Rückzug. Und je mehr sie versucht ihn zu halten, desto dramatischer wird die Situation. Als Adam schließlich ins Visier der Polizei gerät, weil er möglicherweise am plötzlichen Drogentod eines Mitschülers Schuld sein könnte, beginnt Lilach auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Meinung

Das faszinierende an der Erzählweise des Romans ist der innere Blick, den der Leser vorwiegend in die Seele der Protagonistin wirft, denn sie erzählt durchweg ihre Geschichte mit all den wilden, traurigen, besorgten und wütenden Gedanken, die sie jeden Tag verfolgen. Dabei ist man ihr aber keineswegs sonderlich nahe, ganz im Gegenteil - oftmals habe ich den Kopf geschüttelt, wenn ich mir ihre Überlegungen und Handlung vor Augen geführt habe. Das schöne jedoch ist die Tasache, dass man trotz dieser Distanz, jedes Wort nachvollziehen kann. Spannend wird die Handlung besonders durch das Auftreten eines weiteren Protagonisten, ein Landsmann aus Israel, der nun nach seiner Trennung allein in Amerika lebt und bemüht ist, seine finanziellen Sorgen loszuwerden. Uri Ziv, ein charismatischer Mann, der sich über den Kontakt zum Sohn mit der Familie Schuster anfreundet. Doch immer wieder beschleichen Lilach Zweifel, ob der Fremde wirklich so idealistisch und hilfsbereit ist, wie er vorgibt - allerdings ist ihre Auslegung von Vertrauen und Misstrauen längst nicht so ausgeprägt, wie sie meint. 

Fazit

Ich vergebe begeisterte 5 Lesesterne für diesen psychologischen Unterhaltungsroman mit Tiefgang - eine mannigfaltige Themenwahl begonnen mit Elternschaft, Vertrauen, Emigration, Rassismus, Ausgrenzung und Fehlverhalten machen das Lesen zum Vergnügen. Die Spannungskurve ist sehr hoch, dass Damoklesschwert schwebt stets sichtbar über der Familie, nur kann man lange nicht vorhersehen, in welcher Form das Schicksal nun tatsächlich zuschlagen wird (in diesem Zusammmenhang hat mir auch die Wahl des Buchtitels ausgesprochen gut gefallen, denn genau diese Lauerstellung macht den Mehrwert des Buches aus). 

Sehr vorteilhaft ist die wenig beurteilende Stimmung, es geht ganz objektiv um Verhaltensweisen, ohne Kommentare und langwierige Vorerzählungen. Der Leser selbst kann beurteilen, wie er zu all dem steht und an welcher Stelle eine Umkehr noch möglich gewesen wäre. Tatsächlich liebe ich solche Bücher, die eine Reihe von Ressonanzen hervorrufen - ganz klar auch ein absolut geeignetes Buch für Debatten jedweder Art. So etwas wäre auch gut geeignet für Schullektüre - trifft vielleicht sogar den Nerv der Altersklasse. Für mich ein Highlight!


Cover des Buches Wo der Wolf lauert (ISBN: 9783036961477)
BillDoors avatar

Rezension zu "Wo der Wolf lauert" von Ayelet Gundar-Goshen

Desillusionierung
BillDoorvor 8 Monaten

Leid ist immer relativ  ...


Im Zuge einer Relocation sind Lilach und Michael von Tel Aviv ins kalifornische Silicon Valley gezogen. Dieser Rückzug aus dem "gelobten Land", in dessen Zuge die beiden zu "Lila und Maikel" geworden sind, wird ihren von ihren Familien übel genommen - bleibt aber ihre einzige Revolution.


Im wohlhabebnden Viertel von Palo Alto führen die Schusters ein angepasstes Spießerleben. Michael gibt den Workoholic und Karrierist, der morgens immer pünktlich und im teuren Sakko die Wohnung verlässt, um zur Arbeit zu fahren - komme was da wolle. Dass der gemeinsame Sohn Adam introvertiert und unsportlich ist, kratzt stark am Ego des Ex-Militärs. Mit wenig Empathie versucht er Adam immer wieder dazu zu drängen, "zurückzuschlagen" und "unter Leute zu gehen".

Lilach geht derweil in der Rolle der devoten Hausfrau auf. Neben einiger Stunden, die sie als "Kulturreferentin" in einem lokalen Altersheim abarbeitet, besteht ihr Fulltimejob darin, Ehemann und Sohn zu vergöttern. Im Bezug auf Adam entspricht sie dem typischen Bild der betüddelnden Übermutter. Die Sorgen, die sie sich rund um die Uhr um ihn macht, sind aber eher selbstbezogener Natur - ein  wirkliche Stütze für in ist auch sie nicht. 


Davon, dass ihr Sohn in der Schule tatsächlich gemobbt wird, bekommen weder Lilach noch Michael mit.


Erst als Adam Teil einer Selbstverteidigungsgruppe für Jugendliche wird, die ein israelischer Exmilitär nach einem antisimitisvcen Anschlag in der Nachbarschaft anbietet, scheint er aufzublühen.


Doch dann stirbt Jamal Jones, ein Mitschüler und Peiniger Adams, auf einer Party und dieser Vorfall lößt eine Lawine aus, die das Leben der Schusters erschüttern wird.


Während sich die naive Lilach mit den Vorwürfen gegen ihren Sohn auseinandersetzt, emanzipiert sie sich immer stärker aus der Rolle der passiven Hausfrau und Mutter. 


---------------


Wie viel Empathie und Verständnis konnen wir jenseits unseres eigenen Traumas, unserer eigenen Sorgen und Ängste aufbringen? Kann ein Täter ein Opfer sein? Oder ein Opfer zum Täter werden?


Ausgehend von diesen fundamentalen Fragen befasst sich "Wo der Wolf lauert" mit einer Vielzahl schwergewichtiger Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Klassizismus und der Art und Weise, wie sich Individuen zwischen diesen Feldern bewegen. Es geht um Schuld, die Bereitschaft andere zu verurteilen und die Gefahr der Radikalisierung.


Gundar-Goshen erzählt in eimem fesselnden und atmosphärischen Stil, der einen beim Lesen trotz der wirklich schweren Themen immer weiter in den Bann der Geschichte zieht.

Die Protagonist*innen sind glaubhaft geschrieben, mäßig sympathisch aber doch unheimlich überzeugend. 


Das einzige (aber leider recht große) Manko des Romans ist sein unregelmäßiges Timing - schreitet die Handlung zu Beginn noch im Stile eines Slowburners betont langsam voran,  verliert sie gen Ende ihren inhaltlichen Fokus in einem stark angezogenen Tempo und mehreren Szenen- und Zeitzonenwechseln.

Gespräche aus der Community

Im Rahmen von Buchraettins Literarischer Runde möchten wir im Mai "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen lesen.

Jeder, der mitmachen möchte, ist willkommen!


88 Beiträge
ulrikerabes avatar
Letzter Beitrag von  ulrikerabevor 6 Jahren

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