Ayelet Gundar-Goshen

 4.3 Sterne bei 128 Bewertungen
Autorin von Löwen wecken, Lügnerin und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ayelet Gundar-Goshen

Ayelet Gundar-Goshen wurde 1982 geboren und studierte Psychologie in Tel Aviv und später Film und Drehbuch in Jerusalem. Sie schreibt Drehbücher für Kurzfilmproduktionen in Israel und wurde für diese und ihre Kurzgeschichten schon mehrfach ausgezeichnet. Für ihren ersten Roman „Eine Nacht, Markowitz“ bekam sie 2013 den Sapir-Preis für das beste Debüt Israels. Eine Verfilmung des Buches von der BBC ist in Planung.

Neue Bücher

Lügnerin
 (23)
Neu erschienen am 12.09.2018 als Taschenbuch bei Kein & Aber.

Alle Bücher von Ayelet Gundar-Goshen

Ayelet Gundar-GoshenLöwen wecken
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Löwen wecken
Löwen wecken
 (87)
Erschienen am 28.04.2016
Ayelet Gundar-GoshenLügnerin
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Lügnerin
Lügnerin
 (23)
Erschienen am 12.09.2018
Ayelet Gundar-GoshenEine Nacht, Markowitz
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Eine Nacht, Markowitz
Eine Nacht, Markowitz
 (12)
Erschienen am 28.08.2013
Ayelet Gundar-GoshenLöwen wecken
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Löwen wecken
Löwen wecken
 (4)
Erschienen am 16.06.2016
Ayelet Gundar-GoshenWaking Lions
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Waking Lions
Waking Lions
 (1)
Erschienen am 03.03.2016
Ayelet Gundar-GoshenLife from Elsewhere: Journeys Through World Literature
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Life from Elsewhere: Journeys Through World Literature
Ayelet Gundar-GoshenOne Night, Markovitch
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
One Night, Markovitch
One Night, Markovitch
 (0)
Erschienen am 29.01.2015

Neue Rezensionen zu Ayelet Gundar-Goshen

Neu
kornmuhmes avatar

Rezension zu "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen

Gewöhnungsbedürftig, doch am Ende ein komplexes Puzzle
kornmuhmevor einem Monat

Zugegeben, für dieses Buch braucht es Geduld. Dabei ist der Kern der Geschichte hochinteressant: Etan Grien ist Neurochirurg an einer Klinik in Beerscheba, Israel. Schickes, klimatisiertes Haus in guter Gegend, eine liebende, kluge Ehefrau, zwei Kinder. Doch Etan ist nicht glücklich, irrt nachts mit seinem Jeep, den er eigentlich nicht mag, in der Wüste umher. Da überfährt er einen Mann, einen Schwarzafrikaner, der - wie er mit seinem Arztblick sicher erkennt - nicht mehr zu retten ist. Etan entschließt sich, Fahrerflucht zu begehen, will er doch keine großen Komplikationen, und retten kann er den Mann nicht. Doch am nächsten Tag steht die Ehefrau des Getöteten vor seiner Tür - und verlangt Hilfsleistungen ...

Mit dieser einen (Fehl-)Entscheidung läuft Etans Leben aus dem Ruder. Und die Frage, wie man selbst gehandelt hätten, stellt sich unweigerlich beim Leser selbst ein. Etan verstrickt sich immer mehr in Lügen, stellt sein Handeln in Frage, will immer wieder neue Schlussstriche ziehen, denkt über Konsequenzen nach. Diese Innenansichten fand ich ziemlich beeindruckend, sehr seziererisch und detailiert. Die Autorin versteht es, wirklich jeden Winkel manch unschöner Gedankengänge auszuleuchten und ist bisweilen gnadenlos ehrlich, sogar derb.

Manchmal schießt sie aber gerade damit auch übers Ziel hinaus. Denn immer, wenn die Geschichte gerade sehr spannend war, gab es gedankliche Rückblenden über Ereignisse, die mit den aktuellen Geschehnissen gar nichts zu tun hatten. Das konnte wirklich nerven!! Da will man halt nicht wissen, dass ein Söhnchen Probleme im Kindergarten hat oder warum und wie die Großmutter von Etans Frau aus dem Kaffeesatz gelesen hat. Es war manchmal echt zum Verzweifeln.

Doch man muss der Autorin zugute halten, dass sie immer wieder auf die eigentlich Handlung zurückkam und sich schließlich ein Puzzle von erstaunlicher Komplexität ergeben hat.

Die Thematik des Buches ist brandaktuell: Flüchtlinge, Illegale in Israel  - sie vegetieren genauso dahin wie in Europa auch, ungewollt, abgelehnt, im Untergrund. Eine Sch*** ist das!!

Und Etan? Tja, kann am Ende aus etwas Schlechtem und Unmoralischem etwas Gutes entstehen? Entscheidet selbst!

4 von 5 Sternen

Kommentieren0
59
Teilen
CocuriRubys avatar

Rezension zu "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen

Nicht wie erhofft
CocuriRubyvor 3 Monaten

Das Buch ist gut geschrieben – es schweift manchmal etwas ab, ist aber oftmals passend und gibt den Gemütszustand der beschriebenen Person sehr gut wieder. Allerdings muss ich gleichzeitig sagen, dass das Buch kein Meister der kurzen, präzisen Sätze ist – es hat schon manchmal einen Hang zum Schwafeln und ist sogar mal redundant.

Zu Beginn hat es aber einen gewissen Humor und den gewissen Hauch des Makaberen, der mit gefiel, sich dann jedoch leider verlor.


Man lernt hauptsächlich Etan kennen – ihn, seine Gefühls- und Gedankenwelt dafür gut.

Es gibt zwar auch immer mal wieder Passagen aus der Sicht seiner Frau und der Frau des überfahrenen Opfers und erfährt somit natürlich auch etwas von ihrer Person und Geschichte, aber nicht so ausgeprägt, wie ich es mir manchmal gewünscht hätte.


Vor allem hätte ich mir gewünscht, mehr aus dem Leben der Flüchtlinge bzw. illegale Einwanderer zu erfahren – über ihre Flucht, die Gründe dafür, ihre Lebensumstände jetzt oder einfach ihre ganz persönliche Geschichte. Das erfolgte aber nur recht beschränkt.

Wie gesagt, steht stattdessen Etan und sein Leben deutlich im Fokus, allerdings auch da auf gewisse Punkte fixiert.


Auch wenn es für die Handlung selbst nicht sonderlich wichtig ist, muss ich auch sagen, dass mir keiner der Figuren sonderlich sympathisch war. Die Figuren blieben keineswegs flach und es gab auch gewisse Ankerpunkte, mit denen man sich identifizieren konnte. Trotzdem, auch wenn ich es nachvollziehbar fand, warum sie so handeln, wie sie handeln, ging ich damit oftmals konträr.


Zwei große Themen des Buches sind Schuld und Moral – wie diesbezüglich gerade die Gefühlswelt des Protagonisten dargestellt wurde, ist toll und keinesfalls immer so, wie man jetzt vielleicht vermutet. Es wird auch mit dem Bild des Schuldigen und des Opfer gespielt.

Es zeigt auch wie entrückt, fast abgekoppelt von sich selbst man in so einer Situation sein kann. Etan ist kein schlechter Mensch, er ist nicht mal unmoralisch – er ist ein ganz normaler Mensch.


Es hält auch der Gesellschaft den Spiegel vor: Diese erhebt sich schnell moralisch über einen Menschen, der Fahrerflucht begeht, währenddessen sie selbst so viele Flüchtlinge wo anders sterben lassen, in dem sie nichts tun, um diesen Menschen zu helfen – aber die sind ja auch weit weg, da fällt das wegsehen und die moralische Abkopplung leichte – Hauptsache ihre Welt wandelt in gewohnte Bahnen.


Auch Neurologie ist ein gut eingefangenes Thema. Wie unser Gehirn funktioniert und wie es mit bestimmten Situationen umgeht. Warum Mitleid so schnell versiegen kann, warum hinter Empathie ein wenig Groll liegen kann. Warum wir lieber das sehen, was wir sehen wollen, obwohl uns das Gegenteilige vor Augen steht.

Das ist interessant, war jedoch zu Beginn noch wesentlich mehr vertreten als im weiterem Verlauf, was ich etwas schade fand.


Weiterhin geht es auch um Vertrautheit, aber auch um Verlangen – oder grob: um das Zwischenmenschliche. Wie z.B., dass wenn sich zwei Menschen treffen, eigentlich vier anwesend sind: die beiden echten Personen und die beiden Bilder, die der jeweils andere über anderen im Kopf hat.

Dabei ist das Eheleben gut und vermutlich auch recht ehrlich eingefangen – was auch zwischen Menschen stehen kann, obwohl sie sich lieben. Wie Verlangen nach einen Menschen entstehen kann, obwohl man es sich eigentlich nicht erklären kann oder nicht so sein sollte.


Natürlich ist auch Rassismus ein Thema, aber eher beiläufig. Es wird der dortige Alltagsrassismus aufgezeigt, aber nicht wirklich deutlich behandelt.


Leider muss ich sagen, dass mich die Geschichte trotz allem nicht wirklich einfangen konnte. Irgendwas stand zwischen mir und der Geschichte, ohne, dass ich es direkt in Worte fassen könnte.


Fazit

Die letzte Aussage des Buches fand ich stark, letztlich hat mir das Buch aber nicht so viel gegeben, wie ich gehofft hatte.

Kommentieren0
2
Teilen
ulrikerabes avatar

Rezension zu "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen

Wie hätten wir gehandelt?
ulrikerabevor 4 Monaten

Etan Grien ist eigentlich kein schlechter Mensch. Doch als er entdeckt, dass sein Vorgesetzter und Mentor korrupt ist, lässt sich der Neurochirurg lieber versetzen, als die unlauteren Vorgänge anzuzeigen. Unzufrieden ist er in Beer Sheva, das Kleinstädtische, Provinzielle engt ihn ein. Doch bei einem halbherzigen Versuch, abenteuerlustig zu sein, überfährt er mit seinem Jeep einen Mann in der Wüste. Etan fühlt sich unbeobachtet, weiß als Arzt, dem Mann, einem eritreischen Einwanderer, ist nicht mehr zu helfen und so verlässt er den Tatort. Doch am nächsten Tag steht die Witwe des Toten vor Etans Tür und Etans geordnetes Leben beginnt von nun an völlig aus den Fugen zu geraten.

Welchen Wert, welchen Rang haben Menschen in unserer Zeit, die weiße Ober- und Mittelschicht gegenüber den entrechteten illegalen Einwanderern. Welchen Unterschied hätte es wohl für Etan gemacht, wäre es ein weißes Kind und nicht ein schwarzer Illegaler gewesen, den er überfahren hätte.

Sind wir bereit die Konsequenzen für unser Tun in vollem Umfang zu tragen? Können gute Taten eine schlechte aufwiegen. Juristisch gesehen eventuell sogar ja, tätige Reue, ein tadelloser Lebenswandel vor und nach der Tat kann sich durchaus schuldmindernd auswirken. Aber Moralisch? Wenn aus einer unbewussten Fehlleistung eine bewusste Entscheidung gegen Recht und Moral folgt, bleibt nicht doch das Unvermögen mit dieser Entscheidung zu leben, so viel Wiedergutmachung auch zu leisten versucht wird? Etan muss  mit seiner Entscheidung bis zur physischen und psychischen Erschöpfung leben. Wahrscheinlich hat er in seinem Leben noch nie zuvor so viel Gutes bewirkt, wenn man die Ursache seiner Beweggründe wegdenkt. Kann man die Frage nicht noch weiterspinnen: Wie viele gute Taten entstehen denn aus rein altruistischen Gründen? Oder sind es nicht oft Versuche, sich von einer seelischen Last, kleineren und größeren, zu befreien, das Gewissen wegen eigener Unzulänglichkeiten zu beruhigen, sich freizukaufen durch Spenden und Ehrenamt?

Und die bedeutendste Frage, die die Autorin sich uns stellen lässt: Wie hätten wir gehandelt? „Wir“, das moralische Kollektiv, wir würden wohl alle sagen: Nein, wir sind integer, wir hätten uns gestellt, wir hätten doch so nicht leben können. Und wie viele hätten sich dann doch sehr wohl wie Etan entschieden. Denn Etan ist nicht anders wie wir. Er ist gut situiert, gebildet, familiär. Karriere, Familie, gutes Auskommen, Ansehen sind ihm wichtig. Sein gutes Leben will er, kann er gar nicht aufs Spiel setzen, zu viel hinge daran, nicht nur sein Leben, auch das seiner Frau, seiner Kinder. Seine Entscheidung, so falsch sie auch ist, kann er gar nicht anders treffen. Und weil Etan ist wie wir,  würden auch wir so leben, auch wenn wir nicht damit leben könnten, weil der Teufelskreis aus Schuld, dem Verlangen nach Vergebung, Angst vor der Entlarvung und dem Wunsch, weiterhin gut zu leben uns, so wie Etan, immer mehr durcheinander wirbeln würde. Und wenn wir den Ausgang des Buches kennen würden uns vielleicht sogar in unserer Entscheidung bestätigt fühlen. Heilfroh bin, ich dass ich diese Überlegungen alle nur theoretisch anstellen muss.

In Löwen wecken prallen Welten aufeinander, Gut und Böse, Opfer und Täter werden vermischt. Dieser Roman ist großartig in seiner Eindringlichkeit und zutiefst menschlich. Ayelet Gundar-Goshen hat einen Roman von Brisanz und allgemeiner Gültigkeit vorgelegt. Es ist eine universelle Geschichte, die jeden von uns treffen könnte.

 

Kommentieren0
3
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
abas avatar
Im Rahmen von Buchraettins Literarischer Runde möchten wir im Mai "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen lesen.

Jeder, der mitmachen möchte, ist willkommen!


Zur Leserunde
KEIN & ABER Verlags avatar

Der Kein & Aber Verlag startet das Jahr 2015 bei Lovelybooks mit einer Leserunde zu Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman Löwen wecken.

»Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr.« aus Löwen wecken

Es ist ein einziger Moment, der das Leben des Neurochirurgen Etan Grien von Grund auf verändert: der Moment, in dem er nachts auf einer einsamen Straße einen illegalen Einwanderer überfährt. Um Karriere und Familie zu schützen, entscheidet sich Etan, den Mann nach dem tödlichen Aufprall liegen zu lassen und den Unfall nicht zu melden. Doch dann kontaktiert ihn plötzlich die Ehefrau des Opfers: Sie habe den Unfall beobachtet, und für ihr Schweigen solle er ab sofort Nacht für Nacht den übrigen Einwanderern medizinische Hilfe leisten. Etan geht darauf ein, doch der gravierenden Auswirkungen dieses Paktes auf sein Leben wird er sich erst bewusst, als er wirklich alles zu verlieren droht.

Eine spannungsgeladene Geschichte über einen Mann, der einen falschen Schritt tut und diesen Weg dann weiterverfolgen muss – und ein brisanter Beitrag zu der Frage, welchen Wert »illegales Leben« in unseren Köpfen hat.

Leseprobe Löwen wecken  und Interview mit der Autorin Ayelet Gundar-Goshen

Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, lebt und arbeitet als Autorin und Psychologin in Tel Aviv. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihr erster Roman, Eine Nacht, Markowitz (2013), dem der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels zugesprochen wurde, wird derzeit von der BBC verfilmt.

Wir suchen neugierige Leserinnen und Leser, die Lust haben, in Ayelet Gundar-Goshens Roman einzutauchen und eine Rezension zu schreiben. Hierfür verlosen wir 25 Bücher. Beantwortet uns bis zum 27. Januar 2015 folgende Frage, um in den Lostopf zu springen.

»Wenn ich den Unfall verursacht hätte, wäre ich geflüchtet? Ich weiß es wirklich nicht«, meint die Autorin Ayelet Gundar-Goshen.

Wie wäre eure Reaktion? Seid ihr euch sicher, dass ihr nicht die Flucht ergreifen würdet?

Die Gewinner werden per Losverfahren ausgewählt und am 28. Januar an dieser Stelle bekannt gegeben!

Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns auf die Leserunde!

Euer Kein & Aber Verlag

P.S. *Bitte beachtet, dass ihr euch im Falle eines Gewinns zum Schreiben einer Rezension verpflichtet.

Zur Leserunde

Community-Statistik

in 227 Bibliotheken

auf 54 Wunschlisten

von 12 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks