Ayelet Gundar-Goshen Löwen wecken

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Inhaltsangabe zu „Löwen wecken“ von Ayelet Gundar-Goshen

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben -
warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft.

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

Sehr spannende Geschichte, die einen zum Nachdenken bringt und gleichzeitig einen Querschnitt durch die israelische Bevölkerung darstellt.

— hannipalanni

Tiefsinnig und intensiv - eine wirklich gute Story!

— Callso

Mitreissend erzählt Autorin Gundar-Goshen von Etan Grien, einem Chirurgen, dessen Leben sich in einer Nacht in eine andere Bahn leitet.

— AnneEstermann

So mitreißend und toll erzählt. Nur zu empfehlen.

— derkleinemaulwurf

Gutes Buch mit einigen Längen

— AnjaSc

Wunderschön geschrieben, große Literatur die nachdenklich macht!

— Thaliomee

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  • Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

    Löwen wecken

    leselea

    05. September 2017 um 07:10

    Was definierte ihn mehr, ein ganzes Leben mit rücksichtsvollem Fahren, Medizinstudium, Heimtragen von Supermarkttüten für alte Damen – oder dieser eine Moment? Einundvierzig Lebensjahre gegenüber einer Minute enthalten viel mehr als ihre sechzig Sekunden, so wie ein DANN-Molekül den ganzen Mensch in sich barg. (S. 223) Es ist ein Moment, der alles verändert: Der erfolgreiche Neurochirurg Etan Grien überfährt nachts auf einsamen Straßen einen illegalen Einwanderer aus Eritreer. Ein Unfall, unbeabsichtigt, nicht gewollt, doch mit tödlichem Ausgang. Binnen Sekunden muss Etan abwägen und seine Zukunft gestalten – und entscheidet sich für die Flucht. Doch seine Tat bleibt nicht unbemerkt: Die Frau des Toten, Sirkit, hat alles geschehen und steht am nächsten Tag vor Etans Haustür. Etan ist von ihrem Schweigen abhängig und begibt sein Schicksal widerwillig in ihre Hände: Fortan leistet er „Sühne“ in Form von medizinischen Behandlungen an Immigranten. Sein Leben, ja seine Identität beginnt sich zu spalten: Tagsüber ist er brillante Mediziner, ein liebender Vater und treuer Ehemann; nachts ein Verbrecher, ein Lügner, der dazu verdammt ist, etwas gut zu machen, was nicht gut zu machen ist. Dabei gerät Etan immer mehr in ein Geflecht von Täuschungen, kriminellen Handlungen und Gewalt, dessen Ausmaße ihm erst bewusst werden, als es beinahe zu spät ist… Es sind nicht weniger als die großen moralphilosophischen und ethischen Fragen, die die Autorin Ayelt Gundar-Goshen in den Mittelpunkt ihres Romans Löwen wecken stellt: Wie viel ist ein Menschenleben wer? Ist das Leben des einen wertvoller als das Leben des anderen? Ist Selbstjustiz ein probates Mittel? Kommt nach dem Fressen wirklich die Moral? Oder muss das Streben nach dem Gutsein beim alltäglichen Überlebenskampf nicht schon allein aus Selbstschutz über Bord geworfen werfen? Ist sich wirklich jeder selbst am nächsten? Bleibt der Mensch auf ewig des Menschen Wolf? Es sind solche kopfzerbrechenden Diskussionspunkte, die die Autorin in ihrem 500 Seiten starken Werk verhandelt – und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger oder gar der Holzhammermethode, sondern durch die präzise Analyse der zwischenmenschlichen Beziehungen. Nüchtern, objektiv, wie unter einem Mikroskop nimmt sie den alles entscheidenden Moment in Augenschein und forscht den minimalen Verschiebungen, die er ausgelöst hat, nach – in Etans Alltag, in der Konstellation mit Sirkit, im Verhältnis zu seiner Frau und seinen Kindern sowie in Sirkits Position gegenüber ihrem gesamten Umfeld. Obwohl sie dabei vor allem einem Mikrokosmos fokussiert, blendet sie den Makrokosmos, den Kontext, das große Ganze nicht aus: Ayelet Gundar-Goshen zeichnet in Löwen wecken das Bild der israelischen Gesellschaft, den Zerfall in heterogene, scheinbar nicht zusammenpassende Gruppen, das Ungleichgewicht, den Rassismus, die Diskriminierung und das Leben mit verschiedenen Arten des Terrors. Vieles erscheint einem auf den ersten Blick fremd – vor allem, wenn man wie ich Israel nicht besonders gut kennt –, doch mit fortschreitender Lektüre und dem unerbittlichen Heranzoomen der Autorin wird deutlich: Hier liegt Israel stellvertretend für alle Länder auf dem Seziertisch, diese Geschichte kann überall so passieren, wo Menschen auf Menschen treffen. Nicht nur in diesen Punkten kann Löwen wecken als beeindruckender Roman beschrieben werden, sondern auch im Hinblick auf die Wirkung, die er auf den Leser hat. Ich kann nicht behaupten, dass es mich von Anfang an gepackt hat, dass ich mit dem Lesen nicht aufhören konnte oder dass die Geschichte laut in mir nachhalte, wann immer ich das Buch zur Seite legte. Doch nach der Lektüre wurde mir bewusst, dass diese Geschichte nahezu unbemerkt in einen hineintröpfelt und einen dabei stetig aushöhlt. Sie braucht Zeit, sich zu entfalten, doch ihr Netz aus klugen Gedanken und scharfen Beobachtungen – verpackt in eindrucksvollen und starken Sätzen – fängt einen ein und lässt einen zum Schluss nicht mehr los. Insgesamt ist Löwen wecken für mich ein subtiler Gesellschaftsroman, ein Psychogramm des Alltags und der Menschen von nebenan, der die Frage stellt, wie schnell man bei der Gabelung von Gut und Böse den falschen Pfad nehmen kann. Verbunden mit einer auch auf Handlungsebene spannenden Geschichte, die neben den intellektuellen Gedanken den Leser fesselt, liegt hier somit ein Roman vor, der meine volle Leseempfehlung und daher 5 Sterne bekommt!

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  • Tiefsinnig und fesselnd - feines Lesevergnügen mit wenigen Atempausen

    Löwen wecken

    Callso

    19. July 2017 um 11:40

    Ein Buch, das sehr zu empfehlen ist. Eine Geschichte, die spannend ist und intensiv nachwirkt. Charaktere mit denen man mitfiebert, gleichwohl werden viele Gefühle nicht ausgesprochen und nur angedeutet. So rästselt man und spekuliert - auch die Spannungsgrad zeichent die Geschichte aus. Was tun, wenn ein einfacher Autounfall mit Todesfolge (mitten in der Wüste) einen erwachsenen Familienvater unglaublich aus der Bahn wirft?Eine interessante Fragestellung, die das Werk in hervorragender Weise thematisiert. Die Autorin schweift von der packenden Story immer wieder ab und schwelgt in der Erinnerung. Das hat mich irritiert und bisweilen den Lesefluss unterbrochen - das ist mein einziger Kritikpunkt an diesem guten Buch.Vielleicht ist auch die Person der Sikirit etwas zu oberflächlich angelagt - ansonsten fesselt der Roman ungemein und sorgt durch seine intensive Story für ein feines Leservergnügen

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  • Mitreissend und widerwillig! Autorin Ayelet Gundar-Goshen weckt in ihrem Roman Löwen

    Löwen wecken

    AnneEstermann

    10. May 2017 um 23:55

    Zur GeschichteNeurochirurg Etan Grien überfährt in einer dunklen und vom Mond behangenen Nacht aus Versehen einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen und da der Mann schon halbtot ist, begeht Etan Fahrerflucht. Doch tags darauf steht Sirkit, die Frau des Opfers, vor seiner Haustür und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft: Er soll Flüchtlinge kostenlos in einer alten Werkstatt ärztlich versorgen. Würde er es nicht tun, würde Sirkit ihn anzeigen. Der Arzt sieht keine andere Möglichkeit und hilft widerwillig. Dabei entwickeln sich eigendynamisch die Gefühle der beiden unterschiedlichen Charakteren, welche zwischen Zuneigung und Hass hin- und herschwenken. Doch lange bleibt die Fahrerflucht nicht unentdeckt und mit dieser droht auch die illegale Arztpraxis wie auch das Familienglück von Etan aufzufliegen, denn seine Frau ist erfolgreiche Kriminalbeamtin ...Mein FazitImmer wieder habe ich mich beim Lesen gefragt, wie ich in solch einer Situation gehandelt hätte. Und genau diese Frage ist es auch, die das Buch so spannend macht. Autorin Ayelet Gundar-Goshen ist ein mitreissender und spannender Roman gelungen, der in alle Facetten der menschlichen Charaktere und Kulturen hineinblickt und diese auslotet. Auf der einen Seite hat man den weissen, gutsituierten Erfolgschirurgen, der mit seiner Familie in einem hübschen Haus wohnt. Und auf der anderen Seite ist da die arme Eritreerin Sirkit, die in einem Caravan schläft und schon viele psychische wie physische Schläge in ihrem Leben einstecken musste. Was mich auch so faszinierte ist die Stärke dieser Frau und das Zusammenspiel zwischen diesen beiden unterschiedlichen Charakteren. Ab und an hatte ich sogar insgeheim den Wunsch, sie würden zueinander finden, doch die Autorin erzählt unglaublich gut und gelungen von menschlichen Verstrickungen und über die Wichtigkeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Denn das ist es auch, was Etan erst lernen musste, um letztlich zu wissen, was für ihn wirklich wichtig ist. Und dabei spielte auch Sirkit eine entscheidende Rolle. Das Ende war für mich jedoch ein wenig überraschend, aber durchaus gut und der Roman hat mich von Anfang bis Ende absolut gepackt. Ich kann ihn deshalb nur empfehlen und um es mit den Worten von Literaturkritikerin und Autorin Elke Heidenreich zu sagen: "Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Das Buch ist eine Granate."

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    • 2500
  • Löwen wecken

    Löwen wecken

    Leseratte87

    02. October 2016 um 09:22

    Etan Grien, ein erfolgreicher Neurochirug, überfährt eines Abends auf dem Nachhauseweg einen Flüchtling aus Eritrea. Weil er sich vor den Konsequenzen fürchtet und es keine Zeugen gibt, beschließt Grien, dem Mann nicht zu helfen, sondern weiter zu fahren.  Umso größer ist sein Schock, als am nächsten Tag die Frau des Opfers vor seiner Tür steht und ihm einen Vorschlag macht, der Griens Leben schon bald vollkommen aus der Bahn werfen wird.Hier treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Grien, dem es sehr gut geht, der mit seiner Familie in einer schicken Vorstadtvilla wohnt mit der sicheren Überzeugung, ein  integerer Mensch zu sein. Bis eine einzelne Entscheidung sein Leben auf den Kopf stellt.  Und Sirkit, die Frau des Opfers, die bisher schon viele Rückschläge erlitten und  zum Leben nur das Nötigste hat. Und es gelingt Ayelet Gundar-Goshen meisterhaft, diese Welten miteinander kollidieren zu lassen.  Sie baut eine wahnsinnige psychologische Spannung auf, der Täter wird zum Opfer und umgekehrt. Sirkit übt auf Etan eine wahnsinnige Anziehung aus, was das Ganze nicht leichter macht. Er gerät immer tiefer in einen Morast aus Lügen und Ausreden gegenüber seiner Familie, seinem Chef und Sirkit und droht, alles zu verlieren.  Ich fand das Buch vom Anfang bis zum Ende mehr als gelungen und bin sicher, dass wir von dieser Autorin noch mehr lesen werden!

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  • Gutes Buch über Einwanderer in Istael

    Löwen wecken

    AnjaSc

    26. September 2016 um 21:58

    Beginnen möchte ich mit einem Zitat, mit dem die ganze Geschichte ins Rollen kommt: „ …. er hört die Tür des Jeeps aufgehen und weiß, er selbst ist derjenige, der sie öffnet....ist derjenige, der nun aussteigt. Seine Füße treten auf den groben Wüstensand, er hört ein Knirschen bei jedem Schritt, und dieser Laut beweist ihm, dass er tatsächlich geht. Und irgendwo am Ende des nächsten Schrittes erwartet ihn der Mann, den er umgefahren hat“. Die Füße gehören Etan Grien, der gerade nach Feierabend auf einer Wüstenpiste den illegalen Eritreer Assam überfahren und getötet hat. Bald danach suchen ihn nicht nur das schlechte Gewissen heim, sondern auch die Ehefrau des Getöteten auf. Etan denkt, sich mit Geld aus der Sache herauskaufen zu können, doch Sirkit nimmt das Geld an und fordert ihn zusätzlich auf, ab sofort die Illegalen nachts in einer alten Autowerkstatt kostenlos zu behandeln. Etan geht aus Angst,um seine Stelle als renommierter Neurochirug und da er seiner Famile die Schande ersparen möchte, darauf ein. Der Hauptprotagonist führt ab da ein Doppelleben. Er belügt seine Frau, seine Kinder, seine Kollegen, sich selber und alles wird zu einem Strudel, dem er nicht entkommen kann. Die ganze Sache wird für Etan noch schwieriger, als seine Frau, die Kriminalbeamtin ist, zu dem Fall des Toten Eritreer gerufen wird und die Ermittlungen übernimmt. Die Belastung aller Beteiligten steigen an sowohl geistig als auch körperlich. Es kommt zu zahlreichen Gedankensträngen und fast philosophischen Passagen über sich selbst, über die Anderen, über das Leben an sich. Die ambivalente Haltung Etans zwischen Scham, Selbsthass und der Verachtung die er den Eritreern entgegenbringt treten immer wieder deutlich zu Tage. In einer Passage wird beschrieben, dass er sich immer und immer wieder zwanghaft die Hände wäscht bis "die Haut abblättert", um sich auch keine einzige Krankheit einzufangen, die die Illegalen übertragen. Es gibt viele Unterthemen, die der Roman aufgreift: Es geht um Liebe, Treue, Verrat, Gewissen, die Bedeutung von Familie, die Entscheidungen des Lebensweges und Ungerechtigkeiten im Staat Israel, das Schicksal der Illegalen und der Umgang der Gesellschaft mit ihnen aber auch ihr Umgang untereinander. Etan widerfahren noch einige wunderliche und spannende Dinge, sogar seine Ehe droht zu zerbrechen. Am Ende gibt es noch mehr Leichen und einen Showdown, sowohl einen körperlichen als auch in den Köpfen der Beteiligten. Das durchaus zynische wie auch tragische Ende des Romans lässt den Leser dann durchaus betroffen oder besser verwirrt zurück. Die 420 klein gedruckten Seiten sind stellenweise schon eine Herausforderung, aber die Autorin hat einen ungewöhnlichen und herausragenden Schreibstil. Sie kann ganz leise schreiben aber auch derb werden wenn die Szene es erfordert. Ich persönlich finde die Übersetzerin hat hier einen guten Job gemacht. Insgesamt ein lesenswertes, gut geschriebenes Buch, das aber aufgrund einger Längen und Ausschweifungen nicht immer ganz einfach ist.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    Ginevra

    16. March 2016 um 19:56
  • Löwen wecken

    Löwen wecken

    CCS1749

    26. January 2016 um 13:33

    Ayelet Gundar-Goshen erzählt in ihrem Roman Löwen wecken die Geschichte von Etan Grien, einem aufstrebenden Neuro-chirurgen, der den korrupten Machenschaften seines Chefs auf die Schliche kommt und aus moralischen Gründen nicht Teil dieser Affäre werden möchte. Er wird also kurzerhand aus dem Krankenhaus in Tel Aviv entlassen und irgendwo in die Nähe von Beer Sheva strafversetzt. Nun wohnt er mit seiner Frau und den zwei Söhnen in einem schicken weißen Haus in der Vorstadt und versucht damit klarzukommen, dass seine vielversprechende Karriere in dem ‚Provinzkrankenhaus‘ weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Eines Nachts, nach einem anstrengenden Dienst, entscheidet er, mit seinem neuen Jeep noch in die Wüste zu fahren, um sich auf einer abgelegenen Strecke ein wenig zu amüsieren. Dabei passiert das Undenkbare: Wie aus dem Nichts steht plötzlich ein Mann auf der Straße und Etan überfährt ihn mit vollem Tempo. Mit der Präzision des Gehirnchirurgen erfasst er innerhalb von Sekunden, dass der Mann, der da am Straßenrand liegt, unrettbar verletzt ist und sterben wird. Einer der nächsten Gedanken ist, dass es sich bei dem Mann um einen illegal eingewanderten Eritreer handeln muss und nun beginnt sich das Rädchen in seinem Kopf zu drehen. Soll er Rettung oder Polizei verständigen? Der Mann würde bis zum Eintreffen der Hilfskräfte bereits tot sein. Auch die Fahrt ins Krankenhaus würde er vermutlich nicht überleben. Sein Leben allerdings und das Leben seiner Familie wäre mit einem Schlag zerstört. Er müsste ins Gefängnis und selbst wenn nicht, so würde er doch gewiss seine Approbation verlieren. Und was würde es erst für seine Frau Liat bedeuten, die immerhin als Polizeibeamtin arbeitet? Nach bangen Minuten in denen er neben dem Mann im Sand kniet und dabei zusieht, wie das Leben aus ihm weicht, entscheidet er sich für den Weg des geringsten Widerstandes, steigt in sein Auto und braust davon. Nach dem ersten Schock schläft er überraschend gut und ist geneigt, glauben zu wollen, dass alles nur ein böser Traum war. Doch dann klingelt es an der Tür und in seinem Vorgarten steht eine Eritreerin, die Frau des getöteten Mannes, und übergibt ihm zunächst stillschweigend sein Portemonnaie, das er an der Unfallstelle verloren hat. Es gibt also eine Zeugin, die ihn identifizieren und damit vernichten kann. Sie vereinbaren einen Treffpunkt, zu dem Etan am Abend nach seinem Dienst kommen soll, weiter wird nichts besprochen. Als er nachts bei der verlassenen Autowerkstatt ankommt und der Frau Geld überreicht, nimmt sie es zwar an, führt ihn dann aber in das Gebäude, wo auf einem schmutzigen Tisch ein schwer verletzter Mann liegt. Etan versteht, sie will gar kein Geld von ihm, er soll andere Illegale behandeln, die nicht ins Krankenhaus gehen können und mit seiner ersten Behandlung willigt er stillschweigend in die Erpressung ein. Dass die ‚gute Tat‘ dieser Frau weniger selbstlos ist als er zu diesem Zeitpunkt denkt, wird er erst viel später erfahren. Von Etan jedenfalls, fordert sie viel – sie erwartet ihn täglich unmittelbar nach seinem Dienst im Krankenhaus und die Patienten scheinen immer mehr zu werden. Für Schlaf oder gar seine Familie hat der Arzt bald kaum noch Zeit und auch im Krankenhaus fällt langsam auf, dass er übermüdet und wenig engagiert seine Dienste absolviert. Für die Frau in der Autowerkstatt, die er hasst wie niemand sonst, muss er seinen Beruf und seine Familie aufs Spiel setzen, muss an die Grenzen seiner Gesundheit und Belastbarkeit gehen, muss lügen und sogar stehlen. Umso überraschter ist er, als er bemerkt, dass er sich irgendwo in seinem Innersten darauf freut, mit dieser stillen, nach Außen stets unterkühlten Eritreerin, die darauf brennt von ihm medizinische Fertigkeiten zu lernen, zusammen am Behandlungstisch zu stehen. Und plötzlich muss er nicht mehr nur wegen der Ermittlungen seiner Frau im Fall des getöteten Eritreers zittern und Angst um seine Stelle im Krankenhaus haben. Nein, zu alledem gerät er auch noch in ein Gefühlschaos, das bald sein rationales Denken außer Kraft zu setzen droht. Unversehens befindet er sich mitten in der Welt der illegalen Einwanderer, in einer Welt von Chancenlosigkeit und Kriminalität und um das Leben der Eritreerin Sirkit zu retten, müsste der Arzt ein weiteres Leben nehmen. Wird er so weit gehen? Auch wenn das Ende der Geschichte, das beinahe an den Showdown eines Hollywood-Blockbusters erinnert, ein wenig überzogen daher kommt, so nimmt es dem Roman nichts von seiner Großartigkeit. Mit langen Einleitungen hält sich Ayelet Gundar-Goshen nicht auf, sie wirft den Leser praktisch sofort in medias res und das zahlt sich aus. Die Figuren sind glaubwürdig, der Protagonist ist nicht moralisch einwandfrei und in jeder Hinsicht überlegen, sondern ein Mensch mit Stärken und Schwächen, der seinen Weg sucht und dabei einen schweren Fehler begeht. Mit dieser Schuld muss er fortan existieren lernen und das fordert ihm beinahe alles ab. Sprachlich besticht der Roman durch eine Klarheit und Aufrichtigkeit, die in manchen Situationen beinahe schmerzhaft wird, aber auf eine gute Weise. Ein absolut phantastisches Buch, das fesselt und nach dem Lesen einen großen Eindruck zurück lässt. Besser geht es (fast) nicht…

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  • Im Raubtierhaus des Lebens

    Löwen wecken

    Himmelfarb

    Ayelet Gundar- Goshen hat einen Roman von biblischer Wucht geschrieben. Es geht um nichts weniger als Schuld und Sühne, Recht und Unrecht, Liebe und Tod, um Gnade und Menschlichkeit. „Löwen wecken“ heißt dieses Meisterwerk. Etan Grien ist Anfang 40, arbeitet an einer Klinik als Neurochirurg, ist verheiratet mit der Kriminalbeamtin Liat, hat zwei kleine Söhne, und sich in seinem privilegierten Leben in einem Bungalow am Rande der Negev Wüste eingelebt. Eines Nachts, als er mit seinem Jeep in der Wüste herumkurven will, um Stress abzulassen, überfährt er einen eritreischen Flüchtling und lässt diesen sterbend liegen, um Fahrerflucht zu begehen. Die Ehefrau des Eritreers, Sirkit, aber hat alles beobachtet und erpresst Etan mit ihrem Wissen, fordert von ihm, andere afrikanische Flüchtlinge heimlich zu behandeln. Mehr und mehr muss Etan sich von seinem sicheren Leben entfernen. Und je näher er Sirkit und den anderen Migranten kommt, umso mehr stellt er sein Leben, die israelische Gesellschaft und sich selbst infrage. Die 1982  in Israel geborene Autorin erzählt dies alles (und mehr) in einer unerhörten Abgeklärtheit, mit einer psychologischen Finesse (studierte sie doch selbst Psychologie) in einer poetisch - realistischen, wortgewaltigen Sprache, die ihresgleichen sucht. Sie geht dabei das Wagnis ein, ihrem Heimatland, aber auch den Lesern, den Spiegel vorzuhalten. Unweigerlich fragt man sich:“Wie hätte ich reagiert?“ Indem Gundar-Goshen immer wieder in die Vergangenheit ihrer Protagonisten geht, legt sie Schicht um Schicht von deren Persönlichkeit frei, und verdichtet ihre Geschichte. Alle Personen in „Löwen wecken“ sind Getriebene, von Traumata Verfolgte. Indem der Leser immer mehr weiß, als die Figuren, macht Gundar-Goshen ihn zum Mitwisser, eventuell zum Richter. Aber können wir wirklich richten? Gundar-Goshen ist auch Humanistin, und so findet sie für die Handlungsweise aller Personen eine Erklärung. Es gibt in diesem Roman keine simple Moral, kein schwarz und weiß. Im Verlauf der Handlung nähern sich Etan und Sirkit in dem Maße an, in dem Etan sich von seiner Frau Liat, die auch noch mit der Aufklärung des Falles des getöteten Eritreers betraut wurde, entfernt. Nacht für Nacht arbeiten Etan und Sirkit in der abgelegenen Werkstatt, die als illegales Hospital dient, nebeneinander, um den verletzten Flüchtlingen zu helfen. Dabei wächst die gegenseitige Anziehungskraft. Wie fragil ein menschliches Leben ist, zeigt Gundar-Goshen auf beeindruckende Weise. Nicht nur, was den bloßen Körper angeht, sondern wie ein ganzer Lebensentwurf von einer Sekunde zur anderen zerbrechen kann. Und es ist ein Roman über Beziehungen, die vielleicht das Fragilste überhaupt im menschlichen Leben sind. Wer das Leben verstehen möchte, der sollte „Löwen wecken“ lesen. Und man sollte sich dessen Autorin merken!

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    • 4
  • Das Brüllen der Löwen

    Löwen wecken

    BeaMilana

    Ethan, israelischer Arzt in einem Kaff namens Beer Sheva, fährt eines nachts nach der Arbeit versehentlich einen Mann um. Der Eritreer lebt noch, aber Ethan weiß, dass jegliche Hilfe sinnlos und er sterben wird. Er lässt den Mann liegen und fährt nach Hause, zu seiner Frau und den beiden Kindern, die er liebt. "Er schlief gut in jener Nacht. Besser als gut ..." Am nächsten Tag steht eine ihm unbekannte Frau vor der Tür und überreicht ihm sein Portemonnaie. Er bietet ihr Geld an, doch sie will nur eins: Nachts soll er in einer Werkstatt Patienten kostenlos behandeln. "Kaum zwanzig Minuten war es her, dass er die Frau verlassen hatte und ins Haus gegangen war und schon meinte er, ihr nie begegnet zu sein." Von da an steigt Ethan in den Vorraum zur Hölle – die Werkstatt–, einem provisorischen Krankenlager. "Sie kamen in Scharen." Wie ein Sklave versucht er seine Schuld abzuarbeiten, den Gestank, die Wunden der armen Leute zu ertragen, während er sich tagsüber in ein Netz aus Lügen verstrickt. Die Existenz, die er anfangs schützen wollte, droht zusammen zu brechen. Die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen versteht es meisterhaft, Handlungsfäden zu weben, die in keinem Moment an innerer und äusserer Spannung verlieren. Gewagt schreibt sie innerhalb der Kapitel in Vergangenheit und Gegenwart, zieht das Netz immer enger, bis es sich in einem unerwartet überraschenden und plausiblen Finale auflöst. Wie immer man den Roman auch liest, es ist eine fein komponierte, psychologisch ausdifferenzierte und vielschichtige Geschichte, in dessen Zentrum mehrere Fragen ruhen: Wie viel ist ein Menschenleben wert? Wird man die Schuld einer unbeabsichtigten Tat je wieder los? Wie entkommt man dem Brüllen seines inneren Löwen? Kann man vergeben, wenn man die Wahrheit weiß? "Löwen wecken" ist grandiose Spannungsliteratur, das beste, was ich diesem Jahr gelesen habe –, und für mich ein literarisches Ereignis. Ich bin sicher: Von Ayelet Gundar-Goshen werden wir noch mehr hören. Ihr Erstling "Eine Nacht, Markowitz" gewann den Sapir-Preis für das beste Debüt Israels und wird derzeit verfilmt.

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    • 3
  • Ein Buch mit Sogwirkung - spannend wie ein Thriller, real wie das Leben

    Löwen wecken

    naninka

    Klappentext, Auszug aus dem Buch: Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond und hörte dann mit einem Schlag auf, als hätte man eine Kerze ausgeblasen. Im ersten Augenblick konnte er an nichts anderes denken, als dass er dringend kacken musste... Bereits der Anfang lässt einen erahnen wie schonungslos und wortgewaltig dieses Buch ist. Es lässt einen während des Lesens nicht los und auch später nicht. Sprachlich poetisch und nüchtern und zuweilen derb und vulgär. Dieses Buch erfüllt alle Ansprüche, die ich an einen 5Sterne-Roman habe: er ist spannend und subtil, sprachlich poetisch, obschon zeitweise derb und schockierend wie die Handlung selbst, psychologisch hoch raffiniert, Familienepos und Krimi zugleich, bringt einem die Mentalität, die Vielfalt der Kulturen, das Leben in Israel (oder zumindest Aspekte davon) und vor allem die Flüchtlingsthematik näher.... Spannend auch der kleine Einblick in die Neurologie und das Wissen, das über die Eritreer vermittelt wird. Es ist ein Buch über Schuld, Sühne und Vergebung, Hass und Liebe, Gut und Böse, Schuld, Scham und Selbstverachtung, Mut und Entschlossenheit, etc. Nichts ist schwarz oder weiss, sondern alles Grauzone oder einfach komplex wie das Leben selbst. Es ist ein Buch über Nähe und Distanz in einer Beziehung und wie schnell aus Nähe Distanziertheit werden kann. Schonungslos und versöhnlich. Sprachlich poetisch und plötzlich vulgär. Sachlich und hoch emotional. Charaktere, die komplex, hart und zugleich weich sind (,wie die gebürtigen Israelis, die Sabras, Stachelfrucht genannt werden). Ein Buch über die Liebe und das Leben und wie ein kurzer tragischer, diffuser und trotzdem ganz klar selbst verschuldeter Moment alles ändern kann und aus den Fugen geraten lässt. Es zeigt auf wie fragil ein bodenständiges Leben doch sein kann. Spannend auch, das einige der Charaktere nicht so sind wie sie scheinen oder man spürt, dass es nicht so aber ander sein muss.... Es fällt mir schwer über dieses Buch zu schreiben ohne zu viel zu verraten. Klar ist, dass die Handlung einen immer wieder überrascht, berührt, schockiert und doch wieder versöhnlich stimmt. Von daher kann ich nur sagen: ein nachhaltiges Lese-Erlebnis, das definitiv unter die Haut geht. Ganz klar ein Must-read!!! Fünf-plus-Sterne.

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    • 3
  • Vom Leben im Fegefeuer

    Löwen wecken

    tinderness

    Schlafende Löwen soll man nicht wecken, aber unter der Oberfläche unseres durch Routinen und allerhand Sicherheitsvorkehrungen geregelten Lebens schlummert das Andere, das Unberechenbare, die Gefährung. Und wer die Löwen einmal geweckt hat, der bleibt wohl unbarmherzig allein auf sich selbst gestellt. Das neue Buch der islaelischen Autorin Ayelet Gundar-Goschen ist ein solches Buch über die Gefährungen unserer Lebensroutinen, gezeigt anhand der Leben des Neurochirurgen Eitan, seiner Frau Liat und der aus Eritrea geflüchteten Sirkit. Um aus der Routine seines anstrengenden Arbeitsalltags auszubrechen, beschließt der Neurochirurg Eitan nächtens eine Spritztour durch die Wüste zu machen, tötet dabei einen am Wegrand stehenden Flüchtling und entschließt sich zur Fahrerflucht. Schon am nächsten Morgen taucht die Ehefrau des Getöteten auf und erpresst den Arzt, der ab nun in seiner Freizeit in der Abgeschiedenheit einer einsamen Werkstatt die Flüchtlingscommunity ärztlich versorgen muss. Sirkit, der gesellschaftliche Underdog wird zur beherrschenden und Eitan kontrollierenden Leiterin des improvisierten Spitals, auf das sich ab nun die Lebensenergie des Arztes konzentriert. Eitan wird Geisel seines eigenen Verbrechens und im Laufe seiner "Gefangenschaft" verweben sich in einer Art "Stockholm - Syndrom" das Denken und Fühlen von Eitan und Sirkit immer mehr. Andere Personen sterben und die Ehefrau des Arztes, eine im Fall der Fahrerflucht ermittelnde Polizistin, beginnt misstrauisch zu werden. Hinter jedem Kapitel lauert eine neue Überraschung. Wie sehr wünschen wir uns während des Lesens, die Situation möge endlich eskalieren, um die psychologische Spannung von uns zu nehmen: allein, das Leben ist banal und tendiert zur Entropie. Vieles hätte aus der Grundidee dieses Buches werden können: eine Yuppie-Befindlichkeitsstudie, ein Kriminalroman, ein Flüchtlingsdrama, eine Liebesgeschichte - und gottseidank ist der Roman keines davon. Bis auf die letzten Zeilen entzieht sich der Roman der Erwartungshaltung seiner LeserInnen, langweilt nie, sondern überrascht mit unerwarteten Rückblenden und Wendungen der Handlung, ohne dabei im geringsten konstruiert zu wirken. Auch wer eine fein säuberlich in Gut und Böse bzw. in Täter und Opfer geteilte Welt erwartet, wird enttäuscht werden. Was die Autorin (deren zweiter Beruf übrigens Psychologin ist) interessiert, ist die psychologische Entwicklung der Handlung, der Blick hinter die Fassaden unserer Leben, die sehr mitfühlende aber dabei unbarmherzige Aufdeckung dessen, was die Wahrheit der handelnden Personen sein könnte. Und sie erzählt brilliant, auf hohem Sprachniveau, nie aber abgehoben. So endet dieser Roman mit einer Art "Moral von der Geschicht": "Wie schön ist die Erdkugel auf ihrer richtigen Bahn. Wie angenehm, sich auf ihr zu drehen. Zu vergessen, dass es einmal eine andere Bahn gegeben hat. Dass eine andere Bahn im Bereich des Möglichen liegt." Das Buch wurde auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse im Rahmen des Schwerpunktes "50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen" vorgestellt. Nichts besseres kann den Beziehungen zwischen zwei Ländern passieren, als Erzählungen und Haltungen, die nicht vordergründig auf "Völkerfreundschaft" pochen, sondern darauf insistieren, dass unser Leben hie und da und anderswo zwar sehr unterschiedlich ist, aber im Grunde nach denselben menschlichen Prinzipien verläuft. Das ist der Autorin mit ihrem zweiten Buch hervorragend gelungen, indem sie uns vor Augen führt, welches (durchwegs auch erschreckendes) Potential sich in uns verbirgt und nicht zuletzt, indem sie der deklassierten Zuwanderin ihre Würde wieder gibt: im Guten wie im Bösen. Von der deutschen Kritik wurde das Buch sehr positiv aufgenommen und die Rezensionen auf LB sind erfreulich zahlreich. Ein Verkaufserfolg wäre der Autorin und dem engagierten schweizer Indie - Verlag kein&aber sehr zu wünschen.

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    • 8
  • Leserunde zu "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen

    Löwen wecken

    KEIN & ABER Verlag

    Der Kein & Aber Verlag startet das Jahr 2015 bei Lovelybooks mit einer Leserunde zu Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman Löwen wecken. »Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr.« aus Löwen wecken Es ist ein einziger Moment, der das Leben des Neurochirurgen Etan Grien von Grund auf verändert: der Moment, in dem er nachts auf einer einsamen Straße einen illegalen Einwanderer überfährt. Um Karriere und Familie zu schützen, entscheidet sich Etan, den Mann nach dem tödlichen Aufprall liegen zu lassen und den Unfall nicht zu melden. Doch dann kontaktiert ihn plötzlich die Ehefrau des Opfers: Sie habe den Unfall beobachtet, und für ihr Schweigen solle er ab sofort Nacht für Nacht den übrigen Einwanderern medizinische Hilfe leisten. Etan geht darauf ein, doch der gravierenden Auswirkungen dieses Paktes auf sein Leben wird er sich erst bewusst, als er wirklich alles zu verlieren droht. Eine spannungsgeladene Geschichte über einen Mann, der einen falschen Schritt tut und diesen Weg dann weiterverfolgen muss – und ein brisanter Beitrag zu der Frage, welchen Wert »illegales Leben« in unseren Köpfen hat. Leseprobe Löwen wecken  und Interview mit der Autorin Ayelet Gundar-Goshen Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, lebt und arbeitet als Autorin und Psychologin in Tel Aviv. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihr erster Roman, Eine Nacht, Markowitz (2013), dem der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels zugesprochen wurde, wird derzeit von der BBC verfilmt. Wir suchen neugierige Leserinnen und Leser, die Lust haben, in Ayelet Gundar-Goshens Roman einzutauchen und eine Rezension zu schreiben. Hierfür verlosen wir 25 Bücher. Beantwortet uns bis zum 27. Januar 2015 folgende Frage, um in den Lostopf zu springen. »Wenn ich den Unfall verursacht hätte, wäre ich geflüchtet? Ich weiß es wirklich nicht«, meint die Autorin Ayelet Gundar-Goshen. Wie wäre eure Reaktion? Seid ihr euch sicher, dass ihr nicht die Flucht ergreifen würdet? Die Gewinner werden per Losverfahren ausgewählt und am 28. Januar an dieser Stelle bekannt gegeben! Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns auf die Leserunde! Euer Kein & Aber Verlag P.S. *Bitte beachtet, dass ihr euch im Falle eines Gewinns zum Schreiben einer Rezension verpflichtet.

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  • Ganz weit weg und doch erschreckend nah

    Löwen wecken

    Thaliomee

    24. March 2015 um 19:09

    Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Schon dieser erste Satz beschreibt das Buch besser, als die meisten Rezensionen. Der Mann, der dort denkt ist Etan Grien, Neurichirurg, Familienvater und Unfallverursacher. Der Mann, der in diesem Moment stirbt ist Eriträer und Illegaler. Etan beschließt, weiter zu fahren und damit könnte die Geschichte enden, wenn er seine Geldbörse nicht dort verloren hätte. Die Frau des toten Eriträers sucht ihn und beschließt ihn zu erpressen. Sie will kein Geld sondern seine Leistung als Arzt. Für Etan beginnt ein Leben zwischen Schuld, Dankbarkeit, Mitgefühl, Ekel und nicht zuletzt zwischen seiner Ehefrau, die von allem nichts ahnt und der jungen Eriträerin, die er gleichzeitig anziehend und beängstigend findet. Das Buch fesselt nicht durch die Geschichte, sondern viel mehr durch die Schreibweise der Autorin. Ganz anders, ungewohnt und sehr tiefgründig erzählt Gundar-Goshen ohne ihre Geschichte zu einem Märchen zu verklären, in dem alles gut ausgeht.

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  • Löwen wecken

    Löwen wecken

    Clari

    Eine Frage von Schuld und Sühne. In diesem Roman handelt Gundar - Goshen die Liebe und das Leben ab in einer Weise, die fesselnd und tiefschürfend ist. Worum geht es? Etan Grien ist Neurochirurg. Er lebt glücklich und zufrieden mit seiner Frau, einer Polizeikommissarin, und seinen beiden Söhnen in Beer - Scheva. Die Familie bewohnt eine geräumige Villa. Nur die warmen Winde und der Wüstensand bereiten zuweilen Beschwerden. Etan Grien ist ein aufrechter Mann, den man aus Tel Aviv in das hiesige Krankenhaus versetzt hat, weil er allzu rebellisch gegen die Korruption seiner Vorgesetzten vorgegangen ist. Vom Krankenhaus auf einer abendlichen Fahrt nach Hause fährt er einen illegal hier lebenden Eritreer an. Panik ergreift ihn, als er feststellen muss, dass der Mann tot ist. Was tun? In einer konfusen Reaktion beschließt er, seine Fahrt ohne weitere Rücksichten fortzusetzen. Sein glückliches Familienleben und sein zufriedenes Dasein wären seiner Meinung nach andernfalls abrupt zu Ende. Doch was folgt, ist schlimmer, als er es sich vorstellen konnte. Die Frau des Toten erpresst ihn, sich um andere illegale Flüchtlinge zu kümmern. Fortan muss er ein Doppelleben führen zwischen nächtlichen Behandlungen der kranken und verletzten Flüchtlinge und dem Tagesbetrieb im Krankenhaus seines Alltags. In der Wüste arbeitet er unter schlimmsten Bedingungen in einer alten Werkstatt. Man wird unweigerlich in den Sog dieser tragischen Geschichte hineingezogen. Wie wird Etan sich aus der Affäre ziehen? Wie lange wird er dieses Leben aufrechterhalten können? Seine seelischen Qualen sind unübersehbar. Die Autorin Ayelet Gundar-Goshen ist von einer begnadeten psychologischen Weitsicht. Sie lässt ihre Protagonistin Liat, Frau von Etan, sehr genau die Stimmungen und Gefühle ihres jeweiligen Gegenübers erkennen. Liat muss aufpassen, dass man ihr nicht anmerkt, wie sie zu einer ungewollten Beschauerin des Innenlebens anderer wird. „Eine vertrackte Angelegenheit, dieses Sehen. Denn wie groß und stark fühlt sie sich, wenn sie so in den Menschen stöbert, unbemerkt, ohne Durchsuchungsbeschluss.“ Mühelos versteht sie zu unterscheiden zwischen „ Distanz aus Unsicherheit und Distanz aus Arroganz, zwischen künstlicher und ruhiger Gelassenheit, zwischen gesundem Flirt und echter Verführung.....“ In diesen Passagen zeigt sich die hervorragende Fähigkeit der Autorin, psychologische Vielfalt im Dunst des alltäglichen Lebens zu beschreiben. Doch Liat rätselt unermüdlich darüber, wie sie das unerklärliche Benehmen, die Unruhe und Veränderungen im Wesen ihre Mannes, mit dem sie sich bis dahin einig fühlte, verstehen soll. Misstrauen und Verdächtigungen versetzen sie in ein unerträgliches Wechselbad der Gefühle. Gundar-Goshen baut ihren Roman zu einem gewaltigen Epos auf, in dem es um illegale Einwanderer in Israel geht und darum, wie es um die inneren Gefühle der sich nahe stehenden Menschen steht. Spannend und subtil führt sie ihren Roman zu Ende, der keine Wünsche offen lässt: teils Krimi, teils Familiengeschichte und teils erfahrbare Verführungen, die das Fremdsein und die geheimnisvollen Verhaltensweisen einiger Protagonisten umgibt. Was zunächst wie ein einfacher Familienroman beginnt, wächst sich zuletzt zu einem gelungenen und sehr lesenswerten Thriller aus.

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