Ayse

 4 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor von Mich hat keiner gefragt, Scheherazades Tochter und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Mich hat keiner gefragt" von Ayse

Sitten und Traditionen
Daniela_Leinwebervor einem Jahr

Für mich persönlich war nicht nur die Geschichte Ayses unvorstellbar, sondern erschütterte mich auch, dass ihr dieses Schicksal in Deutschland, einem Land, das man als zivilisiert beschreiben kann, zuteil wurde.

 

Bestimmt ist es schwer, wenn man sich mit 14 Jahren, völlig ungebildet und damit auch ziemlich hilflos, in einem fremden Land in einer mehr oder weniger fremden Familie wiederfindet, die an einem starren familiären System festhält.

 

Es ist bemerkenswert, dass Ayse diese lange Zeit der Gewalt, der Ausbeutung und des Hasses verkraftet hat, dennoch ist es gleichzeitig schade, dass Ayse sich nicht aus den Traditionen befreien kann, nicht einmal von der Abhängigkeit zu ihrer Familie. Statt mutig gegen das Bild der Frau in ihrer Familie zu kämpfen, macht sie etwas, das für mich unglaublich ist: Sie verheiratet ihre eigene Tochter gegen ihren Willen an einen Mann, den sie kaum kennt. Die Gründe hierfür werden nicht wirklich aufgedeckt, ich denke aber, dass sie es wohl den Männern ihrer Familie „heimzahlen“ wollte und ihre eigene Tochter als Mittel zum Zweck benutzt hat. Für mich hat es den Eindruck hinterlassen, dass Ayse die Traditionen nicht wirklich in Frage stellt. Sie ist zwar traurig und auch bekümmert, aber sie nimmt vieles doch als gegeben hin. Reflexionsfähigkeit scheint nicht eine von Ayses Stärken zu sein.

 

Während sich das Buch zu Beginn noch in vielen Details wiederfindet und sehr genau beschrieben wird, hatte ich den Eindruck, dass es zum Schluss hin notwendig wurde, die Geschichte fertig zu erzählen und zum Schluss zu kommen. Es wirkt etwas gehetzt und abgehackt.

 

Grundsätzlich stelle ich die islamische Gesellschaft in der westlichen Welt in Frage. In diesem Buch wird deutlich, dass viele Immigranten einfach nur aus wirtschaftlichen, genauer gesagt aus finanziellen Gründen, in einem westlichen Land leben, hier insbesondere in Deutschland, dennoch bin ich sicher, dass es auch bei uns in Österreich nicht anders ist. Das Land an sich mit seinen eigenen Traditionen und Kulturen wird hier ziemlich ignoriert. Sie halten ihre eigenen Werte mehr als hoch und denken nicht daran, sich mit den Lebensweisen des „Gastgeberlandes“ auch nur in irgendeiner Form auseinanderzusetzen. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alle Familien so sind, ich kenne einige Muslimen, die den Balanceakt zwischen ihrer Herkunft und der westlichen Welt sehr gut hinbekommen haben. Durch meine Arbeit kenne ich aber leider öfter die andere Seite. Hier wird starr an Traditionen festgehalten, die jedes selbstständige Denken von vornherein ausschließen. Integrationen ist leider für viele ein Fremdwort und das finde ich an sich schon skandalös genug.

 

Alles in allem ist dies wohl kein Einzelschicksal, es reiht sich eher nahtlos in die vielen Bücher dieser Art ein. Dennoch bietet es einen spannenden Eindruck, wie das Leben zwischen zwei Welten und zwischen zwei Kulturen verlaufen kann.

 

Alles in allem habe ich das Buch gerne gelesen, es gab einen guten Einblick in Sitten und Traditionen der muslimischen Welt und das Buch las sich schnell und verständnisreich. Auch wenn ich Ayses Verhalten nach dem Martyrium grundsätzlich nicht verstehe, kann man hier nichts abziehen, für den zerfledderten Schluss allerdings schon, daher 4 von 5 Sternen.

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Rezension zu "Scheherazades Tochter" von Ayse

Scheherazades Tochter von Ayse
Buecherseele79vor 5 Jahren

Ayse(Name zur Sicherheit geändert) plant auf einer Hochzeit einer Cousine die Flucht- zu ihrem Freund Oliver nach München.
Die Flucht scheint nicht spektakulär aber Ayse hat eine Familie die sehr an die Tradition glaubt, streng gläubig und auch Ayse wurde einem Cousin mit 13 Jahren versprochen, einen Jungen den sie nicht wirklich kennt, den sie nicht leiden kann, den sie nicht heiraten möchte.
Ihr Leben bei ihrem Freund gestaltet sich schwierig weil sie immer Angst hat verfolgt zu werden, Angst geschnappt zu werden und dann kann ihr alles passieren- das Schlimmste ist ein Ehrenmord durch ihre Familie.
Einer Bekannten aus der Familie erging es so- sie wurde durch ihre Familie ermordet weil sie die Familie "beschmutzt" hatte...
Ayse wird von ihrer Familie gefunden und muss dann wieder um ihre Freiheit kämpfen.

Ich persönlich finde diese Geschichte unheimlich erdrückend, es zeigt dass die Familie keinerlei Interesse an Toleranz oder Nächstenliebe hat.
Die Mutter ist in dieser Familie sehr intolerant, gewalttätig und dominant, selbst der Vater ordnet sich der Mutter unter.
Neben der Mutter wird Ayse von ihrem Vater sowie ihrem Bruder regelmässig geschlagen- es gibt immer einen Grund- zu spät daheim, man  hat sie auf der Arbeit mit einem Mann reden sehen, Männer haben ihr hinterher gesehen- alles wofür Ayse nichts kann wird ihr trotzdem zur Last gelegt.
Einzige Freiheit- ihre Ausbildung in einer Klinik, auch hier muss sie unheimlich vorsichtig sein, hier lernt sie ihren Freunde kennen, trifft ihn heimlich.
Ihre Familie sind Gastarbeiter aus der Türkei die Jesiden sind- ich finde es sehr gut dass sie ihre Glaubensgemeinschaft genauer erklärt.

Man glaubt kaum dass sowas in Deutschland weiterhin möglich ist, dass Frauen und Mädchen so unterdrückt, gedemütigt, geschlagen werden, zwangsverheiratet ohne auf ihre Wünsche einzugehen....
Ayse fühlt sich der deutschen Kultur viel näher, darf sie aber weder kennenlernen noch ausleben, ihre Eltern verbieten diese "schändliche" Kultur.

Ich bewundere Ayse für ihren Mut, ihren Wunsch auf Freiheit und Selbstständigkeit und egal was sie erlebt hat, wie sehr sie leiden musste- sie kämpft weiter für ein selbstständiges Leben.
Meinen Respekt hat sie auf jeden Fall!

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Rezension zu "Mich hat keiner gefragt" von Ayse

Rezension zu "Mich hat keiner gefragt" von null null
Kerryvor 8 Jahren

Irgendwann im Frühjahr 1964 wurde Ayse in einem kleinen Dorf namens Ballidere in Zentralanatolien geboren. Ihre Eltern waren arme Bauern. Der Vater schlug die Mutter und die Kinder, lediglich die jüngste Schwester wurde von ihm geliebt und von daher nie mit Strafen belegt. Ab ihrem 6. Lebensjahr musste sie auf den gepachteten Feldern ihrer Eltern mitarbeiten, die Schule besuchte sie nur unregelmäßig. Mit 9 Jahren wird sie mit ihrem Cousin verlobt, mit 14 Jahren muss sie ihn heiraten - gefragt wurde sie nicht. Sie ist nur eine Frau, deren Meinung nicht zählt!

Doch anstelle einer großen Hochzeitsfeier, wird in der Türkei nur standesamtlich geheiratet. Die große Feier soll in Deutschland, dem "gelobten" Land nachgeholt werden. 15 Tage nach ihrer Ankunft soll die Hochzeit stattfinden und somit die Ehe offiziell geschlossen werden. Doch bereits an ihrem 2. Abend in Deutschland wird sie von ihrem Cousin / zukünftigen Ehemann vergewaltigt.

Am Morgen nach der Hochzeit kommt ans Licht, dass sie keine Jungfrau mehr war! Ihre dominante Schwiegermutter beschimpft sie fortan als Hure, auch nachdem ihr Sohn gestanden hat, dass er es war, der ihr vor der Hochzeit die Unschuld nahm.

Nach der Hochzeit wird es immer schlimmer. Ihr Mann schlägt und vergewaltigt sie regelmäßig und ihre dominante Schwiegermutter zwingt sie von morgens bis abends zu arbeiten - Lohn bekommt sie allerdings keinen. Alles Geld, was Ayse und ihr Mann verdienen, geht auf das Konto der Schwiegermutter. Mit 15 bekommt sie ihr erstes Kind.

19 Jahre lang erträgt sie dieses Leben, 4 Kinder bekommt sie von ihrem Mann, doch dann hat er sie einmal zu oft misshandelt. Sie beschließt zu fliehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch dann verschleppt ihr Ehemann die jüngsten Kinder in die Türkei ...

Was für ein erschütterndes Buch! Aus den Medien hören wir viel über Zwangsheirat und Ehrenmorden, doch hier spricht ein Opfer. Hauptsächlich ein Opfer der Traditionen und ihrer Umwelt. Ayse schildert ihr Leben, von den ersten Jahren an in der Türkei, bis zur Gegenwart in Deutschland. Deutlich hervorgehoben sind die Kämpfe, die sie nicht nur mit sich, sondern auch mit ihrer Umwelt ausgetragen hat. Der Schreibstil des Buches ist sehr packend geschrieben, ohne übermäßig emotional zu wirken. Alles in allem hat mich dieses Buch sehr nachdenklich zurück gelassen.

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