Nein, es handelt sich nicht um einen Peanuts-Comic von Charles M. Schulz – wie man bei dem Titel leicht annehmen könnte.
Den Wechsel an eine andere Schule will die schüchterne Sadie als Neustart wahrnehmen, um sich selbst neu zu erfinden und neue Freunde zu gewinnen. Dafür gibt sie vor an einer Erdnussallergie zu leiden, um nicht mehr so langweilig zu wirken und Aufmerksamkeit zu bekommen. Und ihr Plan scheint aufzugehen! Aber natürlich sind Komplikationen vorprogrammiert und Sadie muss immer drastischere Maßnahmen ergreifen, um glaubwürdig zu wirken …
Die beiden Schöpfer zeigen auf schlüssige Weise, was eine anfangs klein erscheinende Lüge für Folgen hat und wie sie sich immer weiter zuspitzt und ausweitet. Der Comic war zum Glück alles andere als belehrend und moralisierend, sondern präsentiert Sadie eher als Identifikationsfigur, zu der man Mitleid aufbauen kann (ohne dabei ihre Lüge zu beschönigen). Ich habe gehofft, dass sie sich einigermaßen heil aus dieser Situation rauswinden kann, sodass es in dieser Hinsicht spannend zu lesen war. Der Comic hat seine komischen und absurden Momente (auch wenn das Ganze an sich schon seine Tragik hat). Die schwarzweiß Zeichnungen, die die Gesichtsausdrücke gut einfangen, sind schlicht, einziges farbiges Element sind Sadies rote Oberteile.
Fazit: „Peanut – oder die Sache mit der Erdnussallergie“ von Ayun Halliday und Paul Hoppe ist eine schrullig-schräge, aber doch so alltägliche und einfühlsame Graphic Novel, die mich zwar nicht vom Hocker gehauen hat, aber dennoch im Gedächtnis hängen bleiben wird. Einerseits amüsant, andererseits tragisch werden hier auf kreative Weise und einer erfrischend anderen Grundidee Unsicherheiten und Zwänge einer Heranwachsenden eingefangen, die eigentlich nur dazugehören will. Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken darüber an, auf welche weniger turbulente Weise man sich Freunde machen kann, ohne sich in so eine verzwickte Lage zu bringen wie Sadie.
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