Lese gefährlich-Azar Nafisi
Die international bekannte Autorin Azar Nafizi, Tochter des ehemaligen Teheraner Bürgermeisters, der als politischer Gefangener im Iran im Gefängnis saß, schreibt in diesem Buch fiktive Briefe an ihren bereits verstorbenen Vater, in denen sie sich mit der Bedeutung von Literatur in „schwierigen“ Zeiten beschäftigt.
Sie ist schon als Kind durch ihren Vater in die wunderbare Welt der Literatur geführt worden und ist Literaturwissenschaftlerin geworden. Sie erhielt 1981 ein Lehrverbot an der Universität Teheran, weil sie sich weigerte, den Schleier zu tragen. Seit 1997 lebt und arbeitet sie in den USA.
Ihre Briefe an den Vater beginnen Ende 2019.
Sie verknüpfen ihr autobiographisches Erleben und ihre Gedanken und Sorgen sowohl der Zeiten im Iran als auch der aktuellen Situation in den USA mit für sie bedeutender Literatur und stellt die Frage nach der Bedeutung der Literatur in Bezug auf die Geschichte und die Freiheit und Gleichheit der Menschen.
„So setzen wir der Grausamkeit der Menschen, der Vergänglichkeit des Lebens und der Absolutheit des Todes etwas entgegen. So untergräbt Literatur das totalitäre Denken: indem sie das Recht jedes Einzelnen verteidigt, unabhängig zu denken und zu fühlen.“
Interessant und provokativ vergleicht sie die Lebensumstände der Menschen im Iran mit denen in den USA: „Ich habe mit Shirin darüber gesprochen, was Trump mit den Führern der islamischen Republik gemeinsam hat: Skrupellosigkeit, Inkompetenz und die rücksichtslose Missachtung des Lebens der Bürger seines Landes.“
Und besonders während der Coronaepidemie gerät sie immer mehr ins Grübeln: „(…) die Situation ist in beiden Ländern, die ich meine Heimat nenne, in den letzten Monaten so absurd geworden, (…)“.
Sie ist irritiert über Aberglaube und Verschwörungstheorien sowie Absurditäten im Umgang mit Virus und Erkrankung in beiden Ländern.
Ein besonderes Anliegen sind ihr die Rechte der Frauen im Iran, aber auch weltweit: Ich erkläre also immer wieder, "(…) dass die Verschleierungspflicht im Iran eben deshalb zu so einem zentralen Thema des Kampfes für Frauenrechte geworden ist, weil die Kontrolle über das Erscheinungsbild von Frauen in der Öffentlichkeit zum Symbol der Staatsmacht und Kontrolle über die Bevölkerung geworden ist.“
Ein spannender Einblick in das Leben der Autorin, die mit diesem Werk ihre autobiographischen Schriften fortsetzt und ein spannender Literaturkanon, den die Autorin hier präsentiert.
Mich hat es sehr inspiriert.
Erschienen 2022 und nach wie vor oder immer noch politisch hochaktuell.
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelius Reiber
















