Azar Nafisi

 3,8 Sterne bei 41 Bewertungen
Autor*in von Lolita lesen in Teheran, Lese gefährlich und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Azar Nafisi unterrichtete sie im Iran an verschiedenen Universitäten Literatur. Weil sie sich weigerte, den Schleier zu tragen, erhielt sie 1981 Lehrverbot an der Universität von Teheran. 1997 verließ sie den Iran und wanderte in die USA aus. Sie war Fellow am Foreign Policy Institute der Johns Hopkins University in Baltimore. Mit Lolita lesen in Teheran landete sie einen internationalen Bestseller. Azar Nafisi lebt heute in Washington, D.C.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Azar Nafisi

Cover des Buches Lolita lesen in Teheran (ISBN: 9783442154821)

Lolita lesen in Teheran

(26)
Erschienen am 14.01.2008
Cover des Buches Lese gefährlich (ISBN: 9783442773916)

Lese gefährlich

(5)
Erschienen am 11.10.2023
Cover des Buches Lolita lesen in Teheran (ISBN: 9783442773800)

Lolita lesen in Teheran

(2)
Erschienen am 11.10.2023
Cover des Buches Lolita lesen in Teheran (ISBN: 9783821854472)

Lolita lesen in Teheran

(3)
Erschienen am 01.05.2007
Cover des Buches Reading Lolita in Tehran (ISBN: 0812979303)

Reading Lolita in Tehran

(5)
Erschienen am 04.11.2008

Neue Rezensionen zu Azar Nafisi

Cover des Buches Lese gefährlich (ISBN: 9783442773916)
B

Rezension zu "Lese gefährlich" von Azar Nafisi

Betty_Literatur
Die Macht der Literatur

Lese gefährlich-Azar Nafisi

Die international bekannte Autorin Azar Nafizi, Tochter des ehemaligen Teheraner Bürgermeisters, der als politischer Gefangener im Iran im Gefängnis saß, schreibt in diesem Buch fiktive Briefe an ihren bereits verstorbenen Vater, in denen sie sich mit der Bedeutung von Literatur in „schwierigen“ Zeiten beschäftigt.

Sie ist schon als Kind durch ihren Vater in die wunderbare Welt der Literatur geführt worden und ist Literaturwissenschaftlerin geworden. Sie erhielt 1981 ein Lehrverbot an der Universität Teheran, weil sie sich weigerte, den Schleier zu tragen. Seit 1997 lebt und arbeitet sie in den USA.

Ihre Briefe an den Vater beginnen Ende 2019.

Sie verknüpfen ihr autobiographisches Erleben und ihre Gedanken und Sorgen sowohl der Zeiten im Iran als auch der aktuellen Situation in den USA mit für sie bedeutender Literatur und stellt die Frage nach der Bedeutung der Literatur in Bezug auf die Geschichte und die Freiheit und Gleichheit der Menschen.

„So setzen wir der Grausamkeit der Menschen, der Vergänglichkeit des Lebens und der Absolutheit des Todes etwas entgegen. So untergräbt Literatur das totalitäre Denken: indem sie das Recht jedes Einzelnen verteidigt, unabhängig zu denken und zu fühlen.“

Interessant und provokativ vergleicht sie die Lebensumstände der Menschen im Iran mit denen in den USA: „Ich habe mit Shirin darüber gesprochen, was Trump mit den Führern der islamischen Republik gemeinsam hat: Skrupellosigkeit, Inkompetenz und die rücksichtslose Missachtung des Lebens der Bürger seines Landes.“

Und besonders während der Coronaepidemie gerät sie immer mehr ins Grübeln: „(…) die Situation ist in beiden Ländern, die ich meine Heimat nenne, in den letzten Monaten so absurd geworden, (…)“.

Sie ist irritiert über Aberglaube und Verschwörungstheorien sowie Absurditäten im Umgang mit Virus und Erkrankung in beiden Ländern.

Ein besonderes Anliegen sind ihr die Rechte der Frauen im Iran, aber auch weltweit: Ich erkläre also immer wieder, "(…) dass die Verschleierungspflicht im Iran eben deshalb zu so einem zentralen Thema des Kampfes für Frauenrechte geworden ist, weil die Kontrolle über das Erscheinungsbild von Frauen in der Öffentlichkeit zum Symbol der Staatsmacht und Kontrolle über die Bevölkerung geworden ist.“

Ein spannender Einblick in das Leben der Autorin, die mit diesem Werk ihre autobiographischen Schriften fortsetzt und ein spannender Literaturkanon, den die Autorin hier präsentiert.

Mich hat es sehr inspiriert.

Erschienen 2022 und nach wie vor oder immer noch politisch hochaktuell.

Übersetzt aus dem Englischen von Cornelius Reiber

 

Cover des Buches Lese gefährlich (ISBN: 9783442773916)
TaHas avatar

Rezension zu "Lese gefährlich" von Azar Nafisi

TaHa
Die subversive Kraft von Literatur in unruhigen Zeiten

Lese gefährlich

Die subversive Kraft von Literatur in unruhigen Zeiten

 

Originaltitel: Read Dangerously

Autorin:Azar Nafisi

Übersetzer: Cornelius Reiber

Erschienen am 11. Oktober 2023

320 Seiten

 

Klappentext:

Ein kämpferischer Appell für Literatur als Mittel des Widerstands und Empowerment: New-York-Times-Bestsellerautorin Azar Nafisi (»Lolita lesen in Teheran«) mit einem aufrüttelnden Text über die Macht der Bücher.

 

In Form von Briefen an ihren verstorbenen Vater (früherer Bürgermeister von Teheran und politischer Gefangener des Schah-Regimes), der ihr in ihrer Kindheit die Augen dafür öffnete, wie Literatur uns in Zeiten der Krise retten kann, stellt Nafisi die brennenden Fragen unserer Zeit – mit ihrer Lektüreliste bewaffnet Nafisi die Leser*Innen für den Widerstand. Sie greift dabei auf ihre persönlichen Erfahrungen als Frau, als Leser*in und Lehrende in Teheran zurück, die von der Universität verwiesen wurde, als sie sich weigerte, den Schleier zu tragen, und schließlich in die USA emigrierte, wo sie als Professorin Literatur unterrichtete. Nafisi ist überzeugt: Für das Überleben der Demokratie weltweit ist das Lesen unabdingbar. Ob James Baldwin oder Margret Atwood, ob Platon oder Salman Rushdie, Lektüre ist immer ein Weg in Richtung Freiheit: persönlich und politisch.

 

Meinung:

Nafisi schreibt ihrem Baba Briefe, in dem Sie Literatur verhandelt vor dem Hintergrund demokratischer Prinzipien, der Kunst des Fragenstellens und der persönlichen Entwicklung. Damit gelingt ihr ein handwerklicher Kniff: Sie zeigt ganz praktisch auf, wie Literatur Kontinente, Welten und Ansichten überwinden, in Frage stellen und Fragen zum Ist-Zustand aufwerfen kann. All das ist keine übliche Praxis in einem totalitären Staat, an dem sie durch diese Methode Kritik übt. Gleichzeitig unterstreicht sie die Verbindung über Grenzen hinweg zu ihrem Vater. Er hat sie mit Literatur vertraut gemacht, ihr vorgelebt, was Literatur alles zu können vermag. Nun ist sie es, die sich der Literatur bedient, um die gedankliche Verbindung mit ihm aufrecht zu erhalten – über seinen Tod hinaus. Literatur wirkt in diesem Buch buchstäblich subversiv. Allerdings auch kämpferisch und kraftvoll. 

 

Dieses Buch führt vor Augen, warum in totalitären Staaten Bücher und Literatur zensiert werden. Literatur gelingt es, festgefahrene Gedanke aufzubrechen, bringt auf neue, visionäre Gedanken. Bücher können eine andere Welt aufzeigen und ermuntern, auszubrechen aus dem gewohnten. Sie haben potenziell die Kraft, zum Aufbruch und Widerstand zu ermuntern oder zumindest den Gedanken zu denken, was ein Widerstand auslösen könnte. Kritisches Denken wird befördert, Fantasie angeregt und Ideen gesät, die ein undemokratischer Staat gerne vermieden sieht. 

 

Trotz der Tragweite liest sich das Buch leicht und flüssig. Es ist aber bei Weitem keine leichte Kost. Das ist ein hoch politisches und tiefgründiges Buch, dass ich nicht einfach „durchlesen“ konnte. Dieses Buch braucht Zeit. Zeit zum Nachdenken, nochmal lesen, verweilen in den Briefen, recherchieren, verstehen. 

 

Man kann es mit viel Hintergrundwissen aus dem Bereich Literatur und Weltgeschichte lesen und zieht dann wohl noch deutlich mehr Erkenntnisse als ein unbedarft lesender Mensch. 

 

Fazit:

Kein Buch für die Komfortzone, aber ein wichtiges Buch!

 

 

 

 

Cover des Buches Lese gefährlich (ISBN: 9783442773916)
Nils avatar

Rezension zu "Lese gefährlich" von Azar Nafisi

Nil
Ein humanistischer Aufruf aus der literarischen Perspektive

„Leserinnen und Leser der Welt, vereinigt euch!“ (S. 284)

Azar Nafisi ist iranische Literaturprofessorin, die 1981 ein Unterrichtsverbot an der Universität Teheran bekam, weil sie sich weigerten einen Schleier zu tragen. Seit 1997 lebt sie in den USA und ist weiterhin eine wichtige und laute Stimme des Widerstandes.

Sie wurde mit ihrem Buch „Lolita lesen in Teheran“ bekannt, in dem sie über ihren Lesekreis in Teheran schrieb in dem verbotenen westlichen Klassiker gelesen wurden. Dieses Buch kenne ich noch nicht. Aber diese Frau machte mich neugierig. Daher griff ich zu „Lese gefährlich“ in dem sie ihrem Baba, ihrem verstorbenen Vater Briefe schreibt über Romane, die er nicht mehr lesen konnte und stellt diese in den Kontext der aktuellen politischen Situation Ein kluger Kniff, macht sie damit schon auf das aufmerksam was Literatur besonders gut kann: Gedanklich eine grüne Wiese zu haben ohne in vorgegebenen Schubladen zu stecken und der Fantasie freien lauf lassen. In der Literatur ist selbst der Tod eine veränderbare Variable. Und das ist die subversive Kraft auf die im Untertitel angespielt wird. Das lösen von einfachen Denkmustern, das aufbrechen von gesetzten Glaubensätzen, die eine Welt in Gute und Böse teilt.

Nichts mehr fürchten totalitäre System als Menschen die Fantasie haben und Fragen stellen um den Status Quo zu überwinden. Wer weiterdenkt hat eben die Möglichkeit nicht nur eine Wahrheit anzuerkennen und das ist für Macht bedrohlich in eng gestrickten Systemen.

Das Buch ist leicht lesbar und bringt tolle Perspektiven auf verschiedenste Autor:innen die Azar Nafisi hier unter die Lupe nimmt. Es kommen viele Große der Weltliteratur vor: Salman Rushdie, David Grossman, Toni Morrison und viele andere.

Fazit: Seine Sie offen und lesen sie. Erweitern Sie ihren Horizont und nutzen Sie das gemeinsame Wissen um eine bessere Welt aktiv in der Gestaltung!

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