Meine Nachmittage mit Eva

von Bärbel Schäfer 
3,4 Sterne bei17 Bewertungen
Meine Nachmittage mit Eva
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (8):
cho-ices avatar

Toll geschrieben - ein wichtiges, hochaktuelles und nötiges Buch, das sich viel zu schnell "wegliest".

Kritisch (6):
adore_us avatar

Hat mich leider sehr enttäuscht. Habe irgendwie mehr erwartet. Leider zu wenig von Eva.

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Inhaltsangabe zu "Meine Nachmittage mit Eva"

»Ich sehe ihre Nummer am Unterarm und möchte weinen.« (Bärbel Schäfer)

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde ... Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers. Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783579086859
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Gütersloher Verlagshaus
Erscheinungsdatum:23.10.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    VeroLs avatar
    VeroLvor einem Monat
    Kurzmeinung: Habe mehr erwartet..
    Guter Ansatz, aber falsche Richtung..

    Das Buch "Meine Nachmittage mit Eva" scheint nach Cover und Leseprobe eine andere Form der Biographie zu sein. Mit diesen Erwartungen begann ich zu lesen.
    Bärbel Schäfer besucht jeden Mittwoch ihre Freundin Eva. Beide sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Eva ist eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers und war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste.
    Anfangs fand ich es nicht störend, dass Bärbel Schäfer ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas spiegelte und ins Heute holte. Doch die Ausführungen wurden immer anklagender und länger. Mir kommen die Nachmittage und Erläuterungen von und mit Eva leider viel zu kurz. Es wird eher zu einer Aufarbeitung der eigenen Kindheit von Bärbel Schäfer und der Beruhigung des "schlechten" Gewissens.
    Der Ansatz war gut, ging für mich aber in die falsche Richtung.. 

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    kidcat283s avatar
    kidcat283vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: zu wenig Erzählung von Eva
    zu wenig Erzählung von Eva und zuviel von Bärbel

    Eva hat ihre Kindheit verdrängt, denn sie war einfach zu grausam. Als die Nazis sie und ihre Familie holen kamen, hat sie nach einiger Zeit Aufenthalt in Auschwitz überlebt.
    Man hat ihr Gewalt angetan, es gab wenig, bis fast gar nichts zu essen. Sie hat gefroren, aber sie hat es überlebt.
    Bärbel Schäfer trifft sich mit Eva an Nachmittagen und sie unterhalten sich über die Zeit. Die Zeit, wo Eva 12 Jahre alt war. Und über die Zeit danach. Wie sehr doch ihre Kindheit auch ihre Jugend und Erwachsenenzeit beeinflusst hat.

    Meine Meinung:

    Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, da mich wirklich interessiert wie die Menschen zu der Zeit gelebt haben, was ihnen widerfahren ist. Es ist nunmal ein Stück Geschichte. Man kann es sich so ja gar nicht vorstellen. Dass es soviel Grausamkeit gibt.
    Leider war das Buch nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Es war stellenweise eher langweilig, vor allem wenn die Autorin ihre Sicht der Dinge niederschrieb. Natürlich ist sie traurig darüber, aber das sind wir alle. Das muss man nicht extra noch in 10 Seiten ausführlichst erläutern.

    Sehr interessant hingegen fand ich dann die Abschnitte wo Eva von ihrem Leben erzählt hat. Die Erzählweise ähnelte tatsächlich einem Nachmittagsbesuch.

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    Franzis-Lesewelts avatar
    Franzis-Leseweltvor 7 Monaten
    Absolut Lesenswert

    Inhalt


    »Ich sehe ihre Nummer am Unterarm und möchte weinen.«  (Bärbel Schäfer)

    Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde ... Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers. Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.

    Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Welten
    Bärbel Schäfers Leben im Spiegel des Lebens einer der letzten KZ-Überlebenden
    Wider das Vergessen!
    Literarisch brillant und voller Empathie

    Meine Meinung


    Wir haben hier ein Buch welches, mich so wohl zum Lachen brachte aber auch emotional fertig gemacht hat. Aber erst mal für alle zum Verständnis, wer meinen Blog kennt weiß das meine Lesesucht mit dem Buch „Das Tagebuch der Anne Frank“ begonnen hat. Ich finde es klasse Bücher von zeit zeugen zu lesen. Mich Interessieren sehr die Geschichten die dahinter stecken.
    Dieses Buch ist einfach nur fantastisch Eva Szepsi ist eine Frau die in ihren Leben viel erlebt hat, zu viel als das man es verarbeiten kann. Und bei den Wöchentlichen Kaffee mit Bärbel Schäfer hat sie es geschafft das alle in Worte zu bringen und Bärbel Schäfer selbst hat es in diesen Buch fantastisch Umgesetzt.
    Ich bin dankbar das ich dieses Rezensions Exemplar vom Blogger Portal bekommen habe und werde es sicher noch mal lesen.

    Mein Fazit


    In dem Bereich zweiter Weltkrieg Bücher, für mich ein Absolutes muss ich kann hier mit guten Gewissen 5 Punkte geben und jedem raten ein Solche Buch mal zu lesen. Man denkt einfach ganz anders über die Welt.


    Die Autorin


    Bärbel Schäfer wurde in Bremen geboren. Sie ist bekannt als Moderatorin aus TV und Hörfunk, ausgezeichnet mit der Goldenen Kamera, Journalistin und Autorin mehrerer erfolgreicher Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen, zuletzt "Ist da oben jemand? Weil das Leben kein Spaziergang ist", Gütersloh, 3. Auflage 2016. Jeden Sonntag ist sie in hr3 im Gespräch mit einem prominenten Talk-Gast und führt Interviews für die emotion-Serie "Mann, was fühlst du?". Bärbel Schäfer ist mit dem Publizisten und Fernsehmoderator Michel Friedman verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie lebt in Frankfurt am Main.
    Quelle: Amazon

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    Rebel_Hearts avatar
    Rebel_Heartvor 8 Monaten
    Anders als erwartet und nur von einer Seite her emotional

    Eva Szepesi ist 85 Jahre halt.
    Eva Szepesi trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm, die sie ihr Leben lang an das erinnern wird, was sie als Kind erlebt hat.
    Mit elf Jahren floh sie vor den Nazis und wurde nach ihrer Gefangenschaft nach Ausschwitz gebracht. Eine Zeit, über die sie mit niemandem wirklich reden konnte und an der sie fast zerbrochen ist.
    Bärbel Schäfer besucht Eva jeden Mittwoch und erfährt Dinge aus einer Zeit, die die junge Frau bis ins Mark erschüttern.
    Gewalt, Schrecken und Angst, Kriegsgeschehnisse, die wir uns nur schwer vorstellen können. Aber auch Zeichen von Freundschaft, Tolenranz und Respekt, die sie nicht vollkommen an der Menschheit zweifeln lassen.

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich jetzt wirklich ein paar Tage gebraucht habe, um meine Stichpunkte in schriftliche Form umzusetzen.
    Ich habe den Schreibstil schon sehr gemocht. Mit Rückblicken in Evas Leben beschreibt Bärbel Schäfer eine Zeit, die manch einer von uns nur durch Erzählungen der eigenen Großeltern kennt.
    Allerdings hatte ich oft eher das Gefühl, dass Bärbel's Leben und ihre Erinnerungen und Gefühle selbst viel weiter im Vordergrund stehen.
    Dadurch, dass sie inzwischen zum Judentum konvertiert ist, entsteht oft der Eindruck, dass sie auch ihrer eigenen Familie mitunter für das verantwortlich macht, was mit Eva und allen anderen Juden zu der damaligen Zeit geschehen ist.
    Und sie, die jetzt zum Judentum konvertiert ist, versucht ihre Hände quasi in Unschuld zu waschen. Natürlich hat sie selbst damit jetzt nicht hochgradig etwas zu tun, aber oft hatte ich das Gefühl, dass sie sich jetzt ebenso sehr als Opfer darstellt.
    Einige ihrer Anekdoten fand ich oft etwas fehl am Platz und völlig aus der Luft gegriffen, weil sie manchmal nicht mal etwas mit dem eigenen Verlauf der Geschichte zu tun hatten.

    Eva. Eva hingegen habe ich wirklich gemocht. Jedesmal, wenn sie zu Wort kam, habe ich beim Lesen förmlich spüren können, wie sehr sie diese Geschichte noch immer mitnimmt. Wie sehr ihre Vergangenheit noch immer fester Bestandteil ihres Lebens ist.
    Ich war selbst schon in den Konzentratrionslagern und habe jedes einzelne Bild, dass Eva vermittelt hat, vor Augen gehabt.
    Mit ihr konnte ich wirklich mitfühlen, mit Bärbel manchmal wirklich weniger.
    Alles in allem hat mir das Buch daher gefallen, weil ich mit Eva eine Person kennengelernt habe, die nicht aufgibt.
    Eine Person, die weiß, was Respekt ist und die genauso gut weiß, was es heisst, verzeihen und vergeben zu können.
    Trotz des dunklen Kapitels in ihrem Leben hat sie versucht ihren Lebensmut nicht zu verlieren, hat ihr Leben versucht neu zu leben und konnte am Ende wirklich ihren persönlichen Frieden schließen. Ein Abschlusspunkt, der mich wirklich sehr berührt hat.
    Mit Bärbel Schäfer als Erzählerin des Buches hat die Geschichte an manchen Stellen ein wenig seine emotionale Seite verloren, aber lesenwert war es dennoch. Hauptsächlich wegen Eva.

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    Frau_J_von_Ts avatar
    Frau_J_von_Tvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Bärbel Schäfer als Opfer des Holocaust... Zum Abgewöhnen
    Durch Konvertierung in die Opferrolle

    In „Meine Nachmittage mit Eva“ erzählt Bärbel Schäfer, bekannt aus Radio und TV, von ihren Gesprächen mit der heute 85-jährigen Eva Szepesi. Eva hat als Kind mehrere Monate in einem Konzentrationslager verbracht und diesen Horror überlebt. Sie ist eine der letzten Zeitzeuginnen des Holocaust.

    Seien wir ehrlich. Die Idee zu solch einem Buch ist nicht neu. Es gibt hunderte Bücher zu diesem Thema und das finde ich persönlich auch richtig so. Es ist ein wichtiges Thema, was niemals in Vergessenheit geraten sollte und was gerade in unserer heutigen Zeit möglicherweise so aktuell wie nie ist.
    Und doch: der Klappentext dieses Buches führt ein wenig in die Irre. Denn wer erwartet, hier einen ausführlichen Bericht über Eva Szepesi zu lesen, der wird leider enttäuscht werden.

    Was Bärbel Schäfer hier geschrieben hat, gleicht eher einer riesigen Anklageschrift an die damalige Generation. Natürlich ist es wichtig zu hinterfragen, warum es damals dazu gekommen ist und warum auch heute wieder so viel Fremdenhass in Deutschland herrscht.
    Aber braucht es dazu dieses Buch? Meiner Meinung nach nein. Denn meiner Meinung nach, macht es sich Frau Schäfer hier etwas zu einfach.
    Im Buch erfährt man mehr über sie und ihre eigene Familie, die sie hart an den Pranger stellt, als über die eigentliche Hauptfigur: Eva. Deren Geschichte wird zwar immer wieder angerissen, dient aber lediglich dazu, Frau Schäfer abschweifen zu lassen.

    „Es war keine leichte Kindheit. Du musst in der Zeit sein, um die Zeit zu verstehen. Du kannst nicht wissen, wie du damals gewesen wärst“

    Dieses Zitat von Schäfers Vater hat mich zum Nachdenken gebracht. Sie selbst verurteilt ihre Familie aufs schärfste dafür, dass sie nichts unternommen haben. Aber kann man das so einfach? Schäfers Vater war damals selbst ein Kind, wurde im Krieg geboren. Kann man ihm tatsächlich die Mitschuld an dieser ganzen katastrophalen Geschichte geben? Denn genau das tut Bärbel Schäfer.
    Was mich dabei wirklich erschreckt ist: Schäfer konvertierte vor einigen Jahren selber zum Judentum und je tiefer man in dieses Buch eintaucht, desto mehr wird einem deutlich, dass sie zwar ihre komplette Familie an den Pranger stellt, aber sie selber scheint von allen Sünden reingewaschen. Sie sieht sich selber als Opfer dieser Tragödie und das hinterlässt beim Lesen einen sehr faden Beigeschmack.

    Die Diskussionen darüber, wie es zu all dem kommen konnte und wieso wir scheinbar nichts aus unserer eigenen Geschichte gelernt haben, werden wohl nie versiegen. Und das ist auch richtig so. Man sollte sich diese Gräuel immer wieder ins Gedächtnis rufen und alles dafür tun, dass so etwas nicht wieder passiert. Aber wir dürfen dabei nicht vorschnell urteilen, müssen alles genauestens beleuchten um ein Urteil fällen zu können. Heute ist es leicht, über die damalige Generation zu schimpfen. Aber sehen wir es doch als Beispiel dafür, bei uns selbst anzusetzen, kein „Mitläufer“ zu sein und sorgen dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

    Darüber sollte auch Bärbel Schäfer nachdenken.
    Von mir gibt es leider keine Leseempfehlung für dieses Buch.

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    Buchstabenschatzs avatar
    Buchstabenschatzvor 9 Monaten
    Satz mit X

    zum Inhalt
    Bärbel Schäfer trifft sich jeden Mittwoch mit der 85 jährigen Eva Szepesi.
    Es geht um den Schrecken des Krieges aber auch um schöne Erinnerungen.
    Bärbel Schäfer die zum Judentum konvertierte, spiegelt nun ihr eigenes Leben, ihre Kindheit, die Erzählungen ihrer Familie mit dem Leben von Eva.


    meine Meinung
    Ich bin ein bißchen enttäuscht. Ich empfand das Buch, als sehr anklagend. Es schreit quasi vor schlechtem Gewissen, dabei können die heutigen Generationen ihre weiße Weste vorweisen (zumindest was den 2 Weltkrieg betrifft).
    Die Nachmittage werden immer nur kurz angerissen, man denkt aha, jetzt geht es los...aber nein. Bärbel Schäfer schweift ständig vom Thema an, hebt sich und ihre neue jüdische Identität in den Himmel und lässt kein gutes Haar an ihrer eigenen Familie. Wir alle wissen, das viele Menschen damals einfach nur Mitläufer waren um sich selbst zu schützen. Bärbel Schäfer weiß das anscheinend nicht. Für sie ist jeder, der nicht aktiv gegen das System gearbeitet hat ein schuldiger Nazi. Sie selbst hat natürlich durch ihre Konvertierung damit nichts mehr zu schaffen. Ganz im Gegenteil, sie ist nun Opfer und darf alle anklagen.
    Sinnlose Anekdoten und Zwischentöne machen das Ganze nicht besser
    Selbstdarstellung pur.
    Das Cover ist schön, verspricht aber mehr als nur ansatzweise drinsteckt.

    Leider nur 1

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    Federfees avatar
    Federfeevor 9 Monaten
    Schwieriges Thema, persönlich und leicht lesbar abgehandelt

    Den Titel halte ich für ein wenig irreführend, denn es geht weniger um die jetzt 85-jährige Auschwitz-Überlebende Eva, die als Kind den Horror des Konzentrationslagers überlebte, sondern mehr um Vergangenheitsbewältigung und die ständig bohrende Frage: Was haben die Menschen der Kriegsgeneration, die eigenen Verwandten, gewusst? Hätten sie etwas tun können oder tun müssen?

    Bald gibt es sie nicht mehr, weder die Täter- noch die Opfergeneration, die Zeitzeugen, die man befragen und authentisch über diese Zeit berichten lassen könnte. Soll man die Vergangenheit also ruhen lassen und nicht mehr darüber sprechen?

    Bärbel Schäfer stellte ihrer Eltern- und Großelterngeneration immer wieder bohrende, vorwurfsvolle Fragen, mit wenig Erfolg allerdings. Kaum einer will über diese Zeit berichten und über etwaige eigene Schuld nachdenken.

    "Du musst in der Zeit sein, um die Zeit zu verstehen. Du kannst nicht wissen, wie du damals gewesen wärst." (eBook 44), sagt ihr Vater, von ihren Fragen in die Enge getrieben. Tatsächlich: Wer weiß schon, welchen Mut man selbst damals gehabt hätte, aufzubegehren? Irgendwann wird es auch zu spät gewesen sein, wodurch der Spruch "Wehret den Anfängen" wichtiger und leider auch aktueller ist denn je.

    "Wehren wir den Anfängen oder sind wir schon längst wieder darüber hinaus? - Wo schauen wir heute weg?" (eBook 100).

    Es geht mir in diesem Buch ein bisschen zu viel um Bärbel Schäfers persönliche Situation, ihre Konvertierung zum Judentum, ihre Liebe zum jüdischen Ehemann Michel Friedman. Ihre häufigen Tränen machen das Buch an einigen Stellen etwas weinerlich.

    Nur kurz reißt sie den Problemkreis an, dass die vielen neuen Menschen in Deutschland zusammen mit der deutschen Staatsbürgerschaft auch die Geschichte annehmen müssten und dass es dafür neue Formen und Erzählweisen brauchte. Welche denn? (eBook 140).

    Das Buch ist stilistisch gut geschrieben, lässt mich nachdenklich, aber auch ein wenig ratlos zurück. Zu viel Selbstdarstellung, finde ich. Neue Erkenntnisse hat es mir leider nicht beschert.

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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor 9 Monaten
    Zu viel Bärbel Schäfer, zu wenig Eva Szepesi


    Jeden besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, die mittlerweile 85-jährige Eva Szepesi. Eva war 11 Jahre als sie nach Auschwitz deportiert wurde. "Zwei Frauen - Zwei Generationen - Zwei Welten"


    Bärbel Schäfer setzt die Erlebnis von Eva Szepesi in Auschwitz und danach mit ihrem eigenen Leben in Beziehung.
    Bärbel Schäfer ist vielen vielleicht aus ihrer gleichnamigen Talkshow bekannt, die von 1995 bis 2002 in RTL lief.


    Wer sich hier ein Buch erwartet, in dem er etwas über Auschwitz, das Leben dort und vor allem das Leben danach erwartet, ist fehl am Platz. Denn das Leben von Eva Szepesi wird nur angerissen und von Bärbel Schäfers Selbstdarstellungsdrang in den Hintergrund gedrängt.


    Bärbel Schäfer stellt sich als höchst unsymphatische, egozentrische Person dar. Eine Person, die alles besser weiß und die Fähigkeit verloren hat, die schönen Dinge im Leben zu sehen. So berichtet Bärbel von ihrem Besuch in Krakau und ihrem Ausflug nach Auschwitz. Völlig irrelevant für die eigentliche Erzählung berichtet sie von ihrem Hotel in Krakau. Ich selbst war bereits in Krakau und möchte diese trostlose, graue Beschreibung für eine wunderschöne Stadt nicht so stehen lassen.


    Anstatt uns über ihre Gespräche mit Eva zu erzählen schweift Bärbel Schäfer regelmäßig ab. So beispielsweise im Kapitel "Orange" in dem sie von einer Freundin erzählt, die Orangen liebt, sich liebend gerne in orange kleidet und den niederländischen Oranje-Tag zelebriert.


    Bärbel Schäfer findet in den Habseligkeiten ihrer Großmutter ein Mutterkreuz. Seit diesem Moment ist sie überzeugt aus einer Nazi-Familie zu stammen. Dabei gibt es für sie lediglich schwarz und weiß. Sie verurteilt ihre Familie zutiefst.


    Sie wirft ihrer Familie vor zu schweigen und nicht über die Ereignisse zu sprechen wollen. Ich will die Nazis in keinster Weise schützen. Alle Deutschen, die zu der damaligen Zeit gelebt haben unter Generalverdacht zu stellen, ist dennoch falsch. Was waren die Alternativen wenn man nicht mitgemacht hat? Wie war die damalige Informationslage des Einzelnen? Im Nachhinein lässt sich leicht reden.


    Bei Erlebnissen die so schrecklich sind, dass man sie sich nicht mal vorstellen möchte, bauen Menschen oftmals eine Schutzmauer um sich. Eine kleine Truhe in ihrem Inneren, in die all das Schreckliche gepackt wird und die gut verschlossen wird. So haben es Eva und ihr Mann, der Dachau überlebte, nie über ihre Erlebnisse gesprochen. 5 Jahrzehnte hat Eva geschwiegen. Ein nachvollziehbares Verhalten, wie auch Bärbel Schäfer schreibt. Die eigene Familie verurteilt sie jedoch aufgrund ihres Schweigens.


    Wenn ich dann die Geschichte ihres Onkels lese, der nach dem Krieg versucht hat sich ohne Betäubung die SS-Runen aus dem Arm zu schneiden, bin ich überzeugt, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Wie kam es dazu, dass ihr Onkel in die SS kam? Wie sah sein Leben davor aus? Welche Informationslage und  Alternativen hatte er? Wie hat er sich zu seiner Zeit in der SS verhalten?


    Bärbel Schäfer hat den Politiker Michel Friedman geheiratet. Für ihn ist sie zum Judentum konvertiert. Mehrfach betont Bärbel Schäfer in dem Buch, dass sie nicht religiös ist. Ich stelle mir Frage warum man bewusst im Erwachsenenalter zu einer Religion konvertiert, wenn man diese dann nicht ausübt und auch nicht gläubig ist?


    Es klingt als habe Bärbel Schäfer die Absolution für sich und ihre Familie durch diese Konvertierung erhalten. Ich hatte das Gefühl Bärbel Schäfer sieht sich nun, als Jüdin, als einen besseren Menschen.


    Ihre Schwiegereltern lernte Bärbel Schäfer nie kennen. Die beiden jüdischen Polen aus Krakau überlebten den Zweiten Weltkrieg dank Oskar Schindler. Während Bärbel Schäfer ihre eigenen Eltern für ihr Deutschsein verurteil, verehrt und verherrlicht sie ihre Schwiegereltern. Regelmäßig besucht sie alleine das Grab ihrer Schwiegereltern und erzählt ihnen von ihren Alttagsproblemen. An ein Graben von Menschen zu pilgern, die ich nie kennen gelernt habe, kann ich nicht nachvollziehen.


    "Meine Nachmittag mit Eva: Über Leben nach Auschwitz" beschäftigt sich lediglich zu 10% mit Eva Szepesi. Zu 90% ist das Buch eine egozentrische Darstellung von Bärbel Schäfer die nach ihrer Konvertierung zu Judentum ein besserer Mensch ist. Eine selbstverherrlichende Darstellung, die die Dame zu höchst unsympathisch macht.


    Liest man das letzte Kapitel "Brief an meine Söhne" in dem sich Bärbel Schäfer wünscht, dass ihren Söhne nie etwas Böses geschieht und sie ihnen "Träume zwischen bunten Kuscheltieren" und "supermann-starke-Superkräfte, Wasserhähne , aus denen Milkshakes fließen" wünscht und hält sich zeitgleich die Affäre rund um ihren Ehemann (Dorgen- und Menschenhandel) vor Augen möchte man kotzen. Diese Scheinheiligkeit und Selbstverherrlichung, dieses "Ich bin jetzt Jüdin und somit Opfer"-Gebaren ist widerlich. Die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs werden missbraucht, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.


    Das Gütersloher Verlagshaus hat mir über das Bloggerportal ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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    graphidas avatar
    graphidavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Lesenswert !
    Fragen, die sich jede Generationen stellt.

    Das Buch ist absolut lesenswert ! Ein Überleben nach Auschwitz, ist das möglich ? In bewundernswerter Weise setzt sich die Auschwitz Überlebende Eva mit den Erlebnissen auseinander. Bärbel Schäfer, die Autorin stellt genau die Fragen, die sich meine Generation und eigentlich jede Generation stellen sollte: wo wart ihr, als es begann ? 
    Diese Frage richtet sich an unsere Eltern und Grosseltern, darüber hinaus dürfen wir aber nicht aus den Augen verlieren, dass wir gerade mittendrin sind, in einer beängstigenden Entwicklung, im erneuten Aufkommen von Hass und Gewalt, Hetze und braunem Gedankengut. Werden unsere Kinder uns auch irgendwann fragen 'wo warst du als es begann' ? Ich hoffe, dass es nicht soweit kommt und es jetzt ausreichend Menschen gibt, die aufstehen und nicht wegschauen.
    Danke an Bärbel Schäfer, die nachdenklich stimmt mit ihrem Buch 'Meine Nachmittage mit Eva'.

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    Emmas_Bookhouses avatar
    Emmas_Bookhousevor 10 Monaten
    Sehr emotional

    Meine Nachmittage mit Eva: Über Leben nach Auschwitz – Bärbel Schäfer
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Gebundene Ausgabe: 19,99 €
    eBook: 15,99 €
    ISBN: 978-3-579-08685-9
    Seiten: 224
    Inhalt:
    Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde ... Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers. Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.
    Mein Fazit:
    Zum Cover:
    Ein sehr schöner Schutzumschlag, wie ich finde. Es passt sehr gut zu der Zeit die im Buch erzählt wird. Die Farben sind nicht aufdringlich und gut abgestimmt.
    Zur Geschichte:
    Eigentlich ist es hier keine Geschichte die erzählt wird, sondern vielmehr das Leben zweier Frauen wie es unterschiedlicher nicht sein kann.
    Bärbel trifft sich einmal die Woche mit Eva um ihre Lebensgeschichte zu hören und auch niederzuschreiben.
    Wie war es damals im Krieg für Eva?
    Welche Verluste hat sie erlitten?
    Wie viel Angst steckt heute noch in Ihr?
    All das sind Fragen die Bärbel an Eva hat und sie leidet mit ihr. Sie weint und lacht mit Eva und fragt sich warum hat sie ihre Familie nicht nach damals gefragt oder warum schweigt ihr Vater darüber.
    Ein Buch was mich sehr nachdenklich stimmt. Wir alle wissen wie grausam es damals war, doch darüber zu lesen und nachzudenken macht das alles gegenwärtig. Ich musst zwischendurch das Buch beiseitelegen und das alles kurz sacken lassen.
    Es geht einem nahe, der Leidensweg von Eva und auch ihr Leben nach dem Krieg war immer geprägt von all der Grausamkeit.
    Bärbel Schäfer hat mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit genommen und ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben.
    Ein sehr emotionales Buch, ich empfand Wut und Trauer aber auch einige Momente des Glücks und der Freude.
    Mehr bleibt mir hier auch nicht zu sagen, ich bin überwältigt von den Emotionen.
    Kurz und knapp gibt es hier 5 von 5 Sternen
    Bärbel Schäfer ist selbst zum Judentum konvertiert.
    Zum Schluss bedanke ich mich beim Gütersloher Verlagshaus für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars und hoffe weiterhin auf gute Zusammenarbeit

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