B. S. Johnson

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Christie Malry's Own Double-entry, Albert Angelo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von B. S. Johnson

Christie Malry's Own Double-entry

Christie Malry's Own Double-entry

 (2)
Erschienen am 25.05.2001
Albert Angelo

Albert Angelo

 (1)
Erschienen am 01.05.1987
The Unfortunates

The Unfortunates

 (0)
Erschienen am 01.05.2008

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Rezension zu "Christie Malry's Own Double-entry" von B. S. Johnson

Rezension zu "Christie Malry's Own Double-entry" von B. S. Johnson
SoSovor 6 Jahren

Ein unglaubliches Buch
Bevor ich auf das Buch zu sprechen komme, ein paar Worte über den Autor und seinen Stil. B.S. Johnson ist wahrscheinlich nicht vielen Leuten ein Begriff aber er lohnt sich! Ich habe sein Werk zum ersten Mal in einem Literaturseminar zu Metafiktion gelesen und ja, Metafiktion macht Spaß. Ein Autor, der so von Routinen und der Wahrheit besessen war, dass er nur ein Buch schreiben konnte, wenn er es in seinem Elternhaus an einem bestimmten Schreibtisch, bei Kerzenlich am Weihnachtstag begann klingt zugegebenermaßen sehr skuril aber Johnsons hat durch seine Überzeugung und Lebensart tolle Werke verfasst.
Metafiktion beschreibt die Idee, dass man sich bewusst ist, das Literatur nicht Wirklichkeit sindern eben Literatur ist. Zum einen bemüht sich Johnson so realistisch wie möglich zu schreiben, pocht darauf, dass seine Geschichte real ist (viele Ereignisse laufen in Echtzeit ab), zum anderen sind sich Johnsons Charaktere bewusst, dass sie fiktional sind, wie zum Beispiel Christies Mutter, die sagt, dass sie um des Buches Willen seine Mutter ist. Auch Johnson selbst tritt in seinem Roman auf. Immer wieder mischen sich Autor, Erzähler oder beide in das Romangeschehen ein, kommentieren es, unterhalten sich mit den Protagonisten oder sprechen den Leser direkt an. Und die Figuren wissen natürlich, dass sie nur Romanfiguren sind. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität werden also gesprengt. So bekommt der Leser z.B. erklärt, dass es gerade 20000 Tote sind, weil der Roman bis zu dieser Stelle aus etwa dieser Anzahl an Wörtern besteht. Und dass es so viele Tote gibt, weil der Autor „ein bisschen Action“ ins Spiel bringen will. Irgendwann hat der Autor aber keine Lust mehr auf seinen Roman, er erklärt das Christie Malry, welcher vollstes Verständnis dafür hat und meint: „ Der Roman sollte jetzt nur noch versuchen, komisch, brutal und kurz zu sein.“ Das ist keineswegs anstrengend zu lesen sondern wirklich lustig und eine schöne Form experimentellen Schreibens.

Nun zum Inhalt: Christie Malry ist ein einfacher, junger Mann, der eine Banklehre beginnt, um möglichst schnell an das große Geld zu kommen. Bald muss er allerdings einsehen, dass er als kleiner Angestellter erstmal der Angeschmierte ist und er ca. 45 Jahre buckeln soll bevor er an seine vergleichsweise hohe Rente kommt und „die“ (die Gesellschaft, die Reichen, die Regierung…) ihn ständig abzocken. Reichlich angepisst kündigt er seine Lehre, geht in die Fabrik arbeiten und macht abends einen Buchhaltungskurs. Dort lernt er das Prinzip der doppelten Buchführung kennen, nach dem jedem Geben auch ein Nehmen, jedem Kosten ein Nutzen, jedem Aufwand ein Zugang gegenüber stehen muss. Schließlich hat er die „Tolle Idee“ seine „ganz private doppelte Buchführung“ zu starten. Jeder Belästigung soll von nun an eine Entschädigung gegenüber stehen. Alle paar Kapitel werden die Kontobewegungen von Malrys „Rechnung mit IHNEN“ akkurat aufgelistet, z.B. schlägt „Mangelndes Mitgefühl des Bürovorstehers“ mit 6,00 in den Miesen (in welcher Währung auch immer) zu Buche, während er sich „Rechnung des Bestattungsunternehmers nicht bezahlt“ lediglich mit 1,71 gutschreiben kann. Bald wird klar, dass Malrys stets versucht gegen das System zurück zu schlagen, aber irgendwie divergieren die beiden Kontoseiten immer weiter auseinander und Christies geschuldeter Saldoübertrag steigt ins Unermessliche. Da hilft es auch nicht, dass er zu härteren Mitteln greift und per Giftanschlag über 20000 West-Londoner über die Themse bringt, da er sich lediglich 26222,70 gutschreiben kann, weil er pro Toten nur 1,30 reinen Materialwert für sich berechnet...

Ich will jetzt nicht zu viel verraten, da ich wirklich hoffe, dass einige von euch wirklich mal zu diesem unglaublich tollen Buch greifen. Es ist ein ganz großes Buch, das von revolutionären Aufwallungen und dem Kampf einer Einzelperson gegen die Gesellschaft erzählt. Es ist kurz und knapp konstruiert und ist daher auch sehr schnell zu lesen. Verblüffend ist der experimentelle Umgang mit Sprache und Literatur, mit all seinen selbstreflektorischen Taschenspielertricks und Kniffen. Ein sehr unterhaltsames Buch, das ich wirklich jedem empfehlen kann.
Im Deutschen erschienen als: Christie Malrys doppelte Buchführung

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Hektors avatar

Rezension zu "Albert Angelo" von B. S. Johnson

Rezension zu "Albert Angelo" von B. S. Johnson
Hektorvor 9 Jahren

Der dem Buch namesgebende Protagonist versteht sich als Architekt, verdient seinen Lebensunterhalt, ein Umstand, den er nicht zu betonen müde wird, und der für sein Selbstverständnis von entscheidender Bedeutung ist, als Aushilfslehrer in London.
Diese doppelte Fluchtlinie der Charakterzeichnung zwischen Faktum und Fatum der erzählten Lebenswirklichkeit und seinem lebenserhaltenden weil sinnspendendem Festhalten an einer eigentlichen Identität des Künstlers hebt die an sich schon gewinnende Darstellung des Aushilfslehrers und schafft, in Verbund mit dem journalhaften Stil des Buches, der sich vor allem in dessen zweiter Hälfte Bahn bricht, jene Atmosphäre, die mir besonders gefallen und dem Buch meines Erachtens das Prädikat "lesenswert" zukommen lässt.

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