B. Traven Das Totenschiff

(44)

Lovelybooks Bewertung

  • 50 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(24)
(12)
(4)
(3)
(1)

Inhaltsangabe zu „Das Totenschiff“ von B. Traven

Der Seemann Gerard Gale verpasst in den Kneipen Antwerpens sein Schiff, wird mittel- und staatenlos durch Europa gejagt und heuert schließlich in Barcelona auf dem Totenschiff ›Yorikke‹ an – einem jener schwimmenden Särge, die mit Fracht und Mannschaft zum Untergang bestimmt sind, um dem Besitzer die Versicherungsprämie einzubringen.

Ein harter Bericht, der einen schlucken lässt. Dabei aktueller denn je.

— loveisfriendship
loveisfriendship

Stöbern in Klassiker

Die Physiker

Viele interessante Denkanstöße und eine unvorhersehbare Wendung.

Lebensamateurin

Der Besuch der alten Dame

Für eine Schullektüre absolut in Ordnung und tausendmal besser als Medea.

eulenauge

Emma

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Die Handlung bleibt durchgängig interessant und man kann die meisten Charaktere nur lieben.

n-sophie-n

Die unendliche Geschichte

Ein Klassiker der mich zum Träumen brachte!

Claraphine

Stolz und Vorurteil

Wenn man erstmal Zugang zu der Sprache gefunden hat, wird man von einer angenehm emanzipierten Protagonistin überrascht.

ilkamiilka

Mansfield Park

Wieder ein tolles Buch von Jane Austen. Jedoch nicht das beste. Es kam etwas schleppend in Gang.

AllerleiRausch

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Seelenverkäufer

    Das Totenschiff
    walli007

    walli007

    26. May 2017 um 07:49

    Sein Schiff ist früher ausgelaufen als geplant und mit ihm seine Papiere. Der aus New Orleans stammende Matrose Gale muss nun zusehen wie er weiterkommt. Auf einem anderen Schiff anzuheuern, ist ohne Seemannsbuch nicht so leicht. Ebensowenig wie ohne Seemannsbuch an einen Pass zu kommen. Deshalb wird Gale erstmal von einem europäischen Land ins andere abgeschoben. Als quasi Staatenloser kann in niemand gebrauchen. Erst auf der heruntergekommenen Yorikke findet der Seemann eine Stelle als Kohlenzieher. Hier wird nach keinem Buch nach keinem Ausweis gefragt. Doch Gale ist froh, einen Platz gefunden zu haben. Nach dem ersten Weltkrieg ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Grenzen wurden neu geschrieben, Nationalitäten und Ausweispapiere bekamen eine besondere Bedeutung. Man muss beweisen können, wer man ist. Gale, der seine Papiere verloren hat, kann das nicht und so spürt er eine kafkaeske Welt. Kein Land will ihn aufnehmen, kein Konsul ihm Ersatzpapiere ausstellen. Von Land zu Land wird er abgeschoben, heimlich, er soll sich nur nicht erwischen lassen. Natürlich wird er doch erwischt und das Spiel geht von neuem los. Bis er dann doch angeheuert wird, auf einem Schiff, dass anscheinend hauptsächlich von der Farbe zusammengehalten wird. Die unterste Position des Kohlenziehers wird ihm gegeben. Mit einem Kollegen zusammen leistet er Schwerstarbeit, fühlt sich ausgebeutet und wartet auf den Moment, in dem die Yorikke untergeht. Der Autor soll geäußert haben, wenn er seine Geschichte erzählen kann, muss er noch leben. Beim Lesen jedoch erscheint es unwahrscheinlich, wie man diese Ereignisse überleben soll. Im ersten Teil des Buches, wo es mehr darum geht, was mit Menschen geschieht, die es eigentlich nicht gibt, weil sie keine Papiere haben, reibt man sich des Öfteren die Augen, ob der unglaublichen Herablassung, mit der die Staatenlosen als Bittsteller behandelt werden. Man fühlt sich an die Lage der Flüchtlinge heute erinnert, die von einem Ort zum nächsten geschickt werden. Der Matrose Gale bemerkt weise, dass seine Situation eine ganz vertrackte ist, aus der er sich kaum befreien kann. Im zweiten Teil wird hauptsächlich geschildert, welch schwere Arbeit zu leisten ist. Fast wie Sklaven werden die Matrosen ausgebeutet, schlecht ernährt und kaum bezahlt. Ein Entkommen gibt es nicht, denn es bleibt das Problem mit dem Seemannsbuch. Die ausweglose Situation, die Arbeit unter schlimmsten Bedingungen, Schilderungen, die sich aus heutiger Zeit, in der, so ist jedenfalls zu hoffen, doch einiges einfacher ist, kaum ertragen lassen. Wie kann man eine solche Höllenfahrt überleben. B. Traven versteht es hervorragend, die Stimmung des Staatenlosen einzufangen, der gezwungen ist, seine Seele zu verkaufen, um auf dem Totenschiff überleben zu können. Sicher steckt in dem Buch auch eine nicht zu übersehende Portion Kritik an Staatenwesen und Bürokratie. Auch Schiffe, die mitsamt ihrer Mannschaft auf hoher See verschwinden, um eine Versicherungssumme einzustreichen, verdienen nicht nur die Verachtung des Autors. Eine Lektüre, bei der man sich manchmal schütteln möchte, die gleichzeitig packt, ekelt und wütend auf die Strippenzieher macht. 4,5 Sterne

    Mehr
  • Hervorragend, berührend, tragikomisch

    Das Totenschiff
    Makollatur

    Makollatur

    06. October 2015 um 15:21

    Das im Jahre 1926 erschienene Erstlingswerk des unter dem Pseudonym B. Traven publizierenden Autors verbindet auf grandiose Weise die Genres Abenteuerroman und Politische Abhandlung. Anhand der Hauptfigur, hier ein Seemann, der seines Schiffes verlustig geht und daraufhin eine Odysee zwischen Konsulaten, Polizeistationen und verschiedenen Aufenthaltsorten quer durch Europa erlebt, wird die Absurdität staatlicher Institutionen, legeslativer und exekutiver Gewalt verdeutlicht. B. Travens Botschaft wird dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt, sondern mit Hilfe humoresker Situationen und teils gespielter Naivität, teils großartiger Beobachtungsgabe während der Lektüre ins Bewusstsein des Lesers gebracht. Schließlich, als der vielgeprüfte Held der Erzählung in Spanien seinen Frieden gefunden hat, gerät er mehr oder weniger freiwillig in den Dienst der "Yorikke", eines Schiffes, dessen einzige Aufgabe im Versicherungsbetrug besteht. Zum Untergang verurteilt, lebt auch die Besatzung mehr am Rand der Existenz, fernab jeder Zivilisation und gesellschaftlichen Anerkennung. Es sind gescheiterte, verstoßene und heimatlose Gestalten, die sich an Bord des Totenschiffes tummeln. Doch auch die schlimmste und unwürdigste Behandlung kann den Seemann nicht davon abhalten, sich mit seinem Schicksal zu arrangieren und die "Yorikke" in sein Herz zu schließen. Das Finale schließlich ist ebenso erschütternd wie berührend. "Das Totenschiff" bietet hervorragende Lektüre und kurzweilige Unterhaltung. Stil, Sprache und Inhalt verbinden sich zu einer großartigen Geschichte um den Verlust der persönlichen Freiheit und dem gleichzeitigen Festhalten an der eigenen Individualität. Hier ist dem Autor ein Werk gelungen, dass seinesgleichen sucht. Daher unbedingte fünf Punkte.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Totenschiff" von B. Traven

    Das Totenschiff
    Manfred_SH

    Manfred_SH

    10. August 2011 um 18:43

    Schon beeindruckend! Ich empfehle die u.a. Rezension, da schließe ich mich an und empfehle es zu lesen, auch wenn der Text von 1926 ist und B. Traven Begriffe verwendet, die man heute nicht mehr schreiben würde (darf).

  • Rezension zu "Das Totenschiff" von B. Traven

    Das Totenschiff
    Babscha

    Babscha

    Das Buch erzählt die Geschichte des amerikanischen Seemanns Gerard Gale, der wurzel- und heimatlos als Deckarbeiter und selbsternannter Prolet die Weltmeere bereist und eines Tages durch einen dummen Zufall im Hafen von Antwerpen sein Schiff verpasst. Dies hat zur Folge, dass er ohne Geld, Pass und Seemannskarte, also ohne jeden Identitätsnachweis, in existenzielle Bedrängnis gerät und, fertig gemacht in den bürokratischen Mühlen der Behörden, von einem Land ins Nächste abgeschoben wird. Zuletzt gelingt es ihm, illegal von Barcelona aus auf einem heruntergekommenen Seelenverkäufer anzuheuern. Zu spät erkennt er seinen Fehler und muss unter unmenschlichsten Strapazen und Schikanen ohne Hoffnung, diese Situation je ändern zu können, nur noch ums nackte Überleben kämpfen… Der Autor mit dem Pseudonym B. Traven, dessen wahre Identität zeitlebens nie geklärt werden konnte (heute gilt als gesichert, dass es sich um den seinerzeit in München lebenden radikalen Schriftsteller und Publizisten Ret Marut handelt, der selber aufgrund seiner politischen Aktivitäten unter Lebensgefahr flüchten musste und zuletzt in Mexiko lebte) verarbeitet in diesem 1926 in der Ich-Form geschriebenen Roman seine eigenen Lebenserfahrungen und Weltanschauungen. Gale ist ein von einem harten und entbehrungsreichen Leben völlig desillusionierter Mann auf der untersten Stufe der sozialen Leiter, ein unbeachteter und von allen ausgenutzter Niemand, der nur dazu dient, profitgierigen Skippern unter Missachtung seiner Menschenwürde seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Letztlich ist das gesamte Buch auf der Grundlage der erzählten Story eine einzige gesellschaftskritische Anklage gegen die damaligen unsäglichen bürokratischen und kapitalistischen Lebensumstände. Das Buch ist in einer heute eher antiquierten Sprache und in weiten Teilen im Jargon der Seeleute geschrieben, was aber gerade einen ganz eigentümlichen Reiz ausmacht, und zu dem man sofort Zugang findet. Der Protagonist Gale beschreibt die teilweise unsäglichen Umstände um sich herum auf seine ganz persönliche Weise, immer hellwach und glasklar beobachtend und diagnostizierend und –als innere Abwehrhaltung, um seine Situation überhaupt aushalten zu können- sehr oft in bitter ironischer, geradezu zynischer Weise, was an diversen Stellen des Romans geradezu erheiternd wirkt. Im nächsten Moment ist man wieder mitgerissen von den völlig desillusionierten und verzweifelten Lebensansichten eines Mannes, der sich im Grunde nichts mehr wünscht, als von seinen Mitmenschen einfach nur als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt und respektiert zu werden, einfach ein eigenes kleines Stück Lebensglück zu haben. Dies gelingt ihm allerdings nur für kurze Zeit und unter obskuren Umständen in der zuletzt tiefen Freundschaft zu einem in den gleichen elenden Umständen steckenden Gefährten an Bord. Das Buch hat mich in seiner Gesamtheit tief beeindruckt und regelrecht traurig und nachdenklich zurück gelassen. Es fällt nicht schwer, die im Buch sehr eingehend und interessant ausgebreitete Gedankenwelt des Seemanns bis in die Tiefen nachzuvollziehen. Ein toller, absolut lesenwerter und ungewöhnlicher Roman, der einen hervorragenden Einblick in die Welt und die Gesetze der Seefahrt bietet und mit jeder Form der sog. „Seefahrerromantik“ jener Tage komplett aufräumt.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Das Totenschiff" von B. Traven

    Das Totenschiff
    nuuttipukki

    nuuttipukki

    13. April 2009 um 23:15

    Ein hartes, direktes Buch. Seefahrt ist alles andere als romantisch. Und dies ist ein ganz bemerkenswerter Roman.