Bachtyar Ali

 4.2 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Der letzte Granatapfel, Perwanas Abend und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Bachtyar Ali

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband Gunah w Karnaval (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Er lebt seit Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Perwanas Abend

 (1)
Neu erschienen am 26.08.2019 als Hardcover bei Unionsverlag.

Alle Bücher von Bachtyar Ali

Cover des Buches Der letzte Granatapfel (ISBN:9783293004993)

Der letzte Granatapfel

 (11)
Erschienen am 17.05.2016
Cover des Buches Perwanas Abend (ISBN:9783293005532)

Perwanas Abend

 (1)
Erschienen am 26.08.2019
Cover des Buches Der letzte Granatapfel (ISBN:9783293207691)

Der letzte Granatapfel

 (1)
Erschienen am 03.04.2017
Cover des Buches Die Stadt der weißen Musiker (ISBN:9783293005204)

Die Stadt der weißen Musiker

 (1)
Erschienen am 04.09.2017
Cover des Buches Die Stadt der weißen Musiker (ISBN:9783293208261)

Die Stadt der weißen Musiker

 (0)
Erschienen am 28.01.2019

Neue Rezensionen zu Bachtyar Ali

Neu

Rezension zu "Perwanas Abend" von Bachtyar Ali

Bachtyar Ali in Höchstform
aus-erlesenvor einem Monat

Was für eine grausame Welt?! Da warten Männer mit Säure vor Schulen, um die, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, zu verstümmeln. Frauen werden aufgeschlitzt und enthauptet. Religiöse Fanatiker zeihen durch die Stadt und stecken Friseurläden in Brand. Als Frau in dieser Stadt – irgendwo in Kurdistan – hat man es mit den übelsten Typen zu tun. Den Mund halten, sich mit ereifern, ist das Schicksal der älteren Frauen. Keine Welt für einen Freigeist wie Perwana. Sie und ihre Schwester Khandan, der man schon oft nahgesagt hat, dass sie mit dem Teufel im Bunde stehe, Stürme heraufbeschwören könne, leiden wie kaum jemand anderes im Ort. An Liebe, wie auch immer diese aussehen mag, ist nicht zu denken. Und der Teufel ist nicht nur ein Wesen, das man mit Bösem in Verbindung bringt, es ist real in den Köpfen der kuschenden wie übereifrigen Bewohner: Es ist Perwana. 
Sie will lieben, leben. Lieben will sie Fareydun Malak. Und das tut sie auch. Und er liebt sie. Doch es darf nicht sein, was nicht sein darf. Und so beschließen sie die bedrückende Enge ihres jungen Lebens hinter sich zu lassen. Nur ein Satz bleibt: „Erinnere Dich an mich!“. 
Khandan, die jüngere Schwester Perwanas saugt diese Worte auf wie ein Schwamm klares Bachwasser. Sie versteht noch nicht ganz die Bedeutung der Worte. Die Luft ist blutgeschwängert. Das Opferfest steht an. Jedes Tier wird bestialisch und öffentlich geschlachtet. Perwana und Khandan müssen nun von Haus zu Haus gehen und das Fleisch verteilen. Die stickige Luft, die nach Fleisch und Blut stinkt, schnürt ihnen die Kehle zu und erstickt jeden Gedanken an eine bessere Welt.
Rings um die Stadt wurde eine Straße gebaut. Die Felder wurden vermint. Gründe gibt es in den Augen der Verantwortlichen genug. Unsittliches Benehmen mit einem folgenschweren Exodus im Nachgang. Die, die noch geblieben sind, haben Angst oder müssen Erniedrigungen unmenschlichen Ausmaßes ertragen. Khandan ist noch da. Perwana ist verschwunden. Keiner weiß, wo sie ist. Geschweige denn, ob sie es geschafft hat. Geschafft hat, dem Höllenschlund ihres Martyriums zu entkommen. Aussichten auf Nachricht hat Khandan keine. Doch sie hat ihre Erinnerungen. An die Schwester, die Freundin, die mutige Rebellin, die ihr einen Funken Lebenswillen dalässt.
Bachtyar Ali übertrifft sich mit „Perwanas Abend“ selbst. So blütenreich die Erzählung um den Freiheitsdrang der beiden Schwestern ist, so düster sieht ihr Leben aus. Hin- und hergerissen von der Sprachgewalt liest man sich in einen Rausch, der einem Derwischtanz nahekommt. Man schüttelt den Kopf, fiebert Nachrichten von Perwana mindestens genauso entgegen wie ihre Schwester und ist geschockt vom religiösen Fieberwahn der Bewohner der Stadt. Wenn so der Lesespätsommer aussieht, möge es niemals Herbst werden!

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S

Rezension zu "Der letzte Granatapfel" von Bachtyar Ali

Unbedingt lesen!
storiesonpapervor 3 Jahren

„Der letzte Granatapfel“ von Bachtyar Ali (Unionsverlag) ist die Geschichte des irakisch-kurdischen Revolutionskämpfers Muzafamis, der nach einundzwanzig Jahren im Gefängnis die Freiheit erlangt. Die lange Zeit hat ihm sein Leben und seine Identität genommen, doch einen Hoffnungsschimmer gibt es: Es ist sein verlorener Sohn Saryasi, den er suchen will, um seinen Lebensmut wieder zu erlangen.

„Wir vier leisteten einen Schwur, einander niemals anzulügen. Dazu gingen wir zu einem weit entfernten Baum, er ist der Baum unserer Freundschaft und Aufrichtigkeit zueinander. Wir nannten ihn ´der Welt letzter Granatapfelbaum´“.

Alis Erzählung ist eine, die sicher von vielen kurdischen Mythen beeinflusst wurde und ganz langsam in die Handlung einsteigt. Es ist nicht nur die simple Suche nach dem Sohn, die „Der letzte Granatapfel“ prägt, sondern vielmehr ein komplexes Geflecht aus Charakteren, die auch immer etwas märchenhaftes an sich haben. Da gibt es den nach der Wahrheit suchenden jungen Mann mit einem Glasherz Mohamadi, die weißen Schwestern Schadaryai und Laulami, die sich ewige Zweisamkeit und Jungfräulichkeit schwören, den blinden Nadimi, der auf der Suche nach Heilung ist – Alis Charaktere sind vielfältig und spannend. Sie beleben eine Erzählung, die erst nach und nach die geballte Kraft offenbart, die sie in sich trägt und die vielen Nebenstränge zu einem großen Ganzen zusammenfügt.

„Mir sagte der Granatapfelbaum, ich solle jene Wege suchen, die ich finden muss.“

Muzafamis Leben scheint verloren, doch das, wofür er nun nach der Revolution und der Gefangenschaft kämpft, ist die Suche nach der Identität, nach der Heimat und der Familie. Das Land, das er einst kannte, existiert nicht mehr. Die jahrelangen Kämpfe im Irak um die Rechte der Kurden haben aus dem einstigen Zuhause Ruinen und die Menschen zu Flüchtlingen gemacht die alle mit den Bildern der Vergangenheit leben müssen. Doch Ali erzählt die Handlung nicht nur aus der Perspektive Muzafamis, sondern lässt kapitelweise auch die anderen Figuren rund um Muzafamis Sohn und dessen Freunden zu Wort kommen. Auch sie haben ihre Heimat verloren und kämpfen im Alltag um ihren Stand in der Gesellschaft. Besondere Symbolik hat hier der bereits im Titel integrierte Granatapfelbaum, der für alle eine eigene Botschaft innehat und zum Zeichen für Freundschaft, Vertrauen und Freiheit wird.

„Reine unschuldige Menschen können da draußen nicht überleben. Eine schmutzige Krankheit hat die Welt überfallen. Eine namenlose Krankheit, die man nicht beschreiben kann.“

Trotz dem „Der letzte Granatapfel“ mit vielen Konflikten umgeht, ist Alis Sprache immer poetisch. Im Verlauf der Handlung wird sie zwar rauer, dennoch versteht der Autor es meisterlich, die politischen Botschaften und die schweren Zeiten der Protagonisten so zu verpacken, das sie wie aus einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht entsprungen zu sein schein. Damit gelingt ihm eine faszinierende Erzählung, die mich an den Stil von Carlos Ruiz Zafon erinnerte.
Wie aus einem Sohn drei werden und ob Muzafami die Geheimnisse der Vergangenheit aufdeckt, das muss jeder selber erlesen. Es sei lediglich gesagt, das der Roman definitiv empfehlenswert ist.  Ich habe „Der letzte Granatapfel“ fast in einem Rutsch durchgelesen, da mich die Figuren nicht losgelassen haben und bleibe nun mit vielen Bildern im Kopf, die mich noch lange begleiten werden.

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D

Rezension zu "Der letzte Granatapfel" von Bachtyar Ali

Ein fantastischer Roman - Meisterhaft übersetzt
Dieter74vor 3 Jahren

Der Roman ist lesenswert. Wunderschön ins Deutsche übertragen. Das beste Buch des Jahres von Unionsverlag. Übersetzt von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim. Unionsverlag

 

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