Bachtyar Ali

 4 Sterne bei 23 Bewertungen

Lebenslauf von Bachtyar Ali

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband Gunah w Karnaval (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Er lebt seit Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Das Lächeln des Diktators: Essays (ISBN: 9783293005884)

Das Lächeln des Diktators: Essays

 (1)
Neu erschienen am 22.08.2022 als Gebundenes Buch bei Unionsverlag.

Alle Bücher von Bachtyar Ali

Cover des Buches Der letzte Granatapfel (ISBN: 9783293207691)

Der letzte Granatapfel

 (12)
Erschienen am 03.04.2017
Cover des Buches Mein Onkel, den der Wind mitnahm (ISBN: 9783293005716)

Mein Onkel, den der Wind mitnahm

 (8)
Erschienen am 23.08.2021
Cover des Buches Das Lächeln des Diktators: Essays (ISBN: 9783293005884)

Das Lächeln des Diktators: Essays

 (1)
Erschienen am 22.08.2022
Cover des Buches Perwanas Abend (ISBN: 9783293209312)

Perwanas Abend

 (1)
Erschienen am 14.02.2022
Cover des Buches Die Stadt der weißen Musiker (ISBN: 9783293208261)

Die Stadt der weißen Musiker

 (1)
Erschienen am 28.01.2019
Cover des Buches Geheimnisse der Nacht pflücken (ISBN: 9783293005525)

Geheimnisse der Nacht pflücken

 (0)
Erschienen am 26.08.2019

Neue Rezensionen zu Bachtyar Ali

Cover des Buches Das Lächeln des Diktators: Essays (ISBN: 9783293005884)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Das Lächeln des Diktators: Essays" von Bachtyar Ali

Kein gekünsteltes Lächeln,. alles echt!
aus-erlesenvor einem Monat

Der Titel schlägt ein wie eine Bombe! Diktatoren lächeln nicht. Zumindest nicht so, dass man ihnen Sympathie entgegenbringen kann. Wer glaubt schon einem Putin, wenn er lächelt? Alles wird gut? Pah. Wenn die Militärs in Myanmar auf einer Pressekonferenz Lockerungen versprechen und dabei anbiedernd lächeln – wer nimmt das noch ernst? Oder wenn das neue iPhone vorgestellt wird, das noch sichererererer ist. Da lobt man sich doch die offene perfide Lüge à la „niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ – hier stimmte alles: Stimmlage, politische Situation, durchschaubare Machenschaften. Ist doch erstaunlich wie schnell man Diktatoren und Diktaturen aufzählen kann. Im ach so fortschrittlichen 21. Jahrhundert. 

Bachtyar Ali nimmt sich Saddam Hussein an. Ein lupenreiner Diktator, den nun wirklich nur ganz Wenige nicht als brutalen Alleinherrscher bezeichneten und bezeichnen. Bachtyar Ali entdeckt den Clown hinter der schnauzbärtigen Fassade des Menschenschlächters. Ein Lächeln als Abwehrreaktion, um der Angst die nicht in Lachfalten gelegte Stirn bieten zu können. Und das bis zum wortwörtlichen Schluss! 

Gleich der erste Essay in diesem kleinen Band überzeugt mit Argumenten und Schlussfolgerungen über die Größen vergangener Tage. Auch Ali muss zugeben, dass tatsächlich etwas Menschliches in jedem Diktator innewohnt. Doch all die Zurschaustellung von Menschlichkeit dient einzig allein der Blendung. Ein schwacher Trost für diejenigen, die rund um die Uhr unter der Knute der Diktatur leben müssen. 

Die Essays von Bachtyar Ali bestechen durch eine klare Sprache. Er lässt keinen Zweifel an seiner Argumentation. Das wiederum als diktatorisch zu bezeichnen, wäre ein Frevel höchsten Grades. Wenn er von Fortschritt schreibt, der nicht aus einer natürlichen Entwicklung hervorgeht, sondern einzig allein einer überfallartigen Vereinnahmung, nickt man unbewusst schon beim Lesen und Blättern in diesem Buch. 

Ist die Welt nun verkommen, weil die offensichtlichen Gegensätze gänzlich ohne Gegenwehr hingenommen und nur im satirischen Sinne aufgedeckt werden kann? Nein! Es sind Bücher wie diese, die wachrütteln. Die sich nicht verstecken. Die sieben Essays aus der Feder Bachtyar Alis, der mit seinen Büchern wie kaum ein anderer seiner kurdischen Kultur ein ums andere Mal Denkmäler im wahrsten Sinne des Wortes baut, sind unumstößliche Monumente für das eigenverantwortliche Denken. Aber Obacht: Nicht jeder, der lächelt, hat etwas zu verbergen! Ein Lächeln zaubert nämlich auch dieses Buch ins Gesicht.

Kommentieren0
Teilen
Cover des Buches Mein Onkel, den der Wind mitnahm (ISBN: 9783293005716)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Mein Onkel, den der Wind mitnahm" von Bachtyar Ali

Eine wahrhaft unglaubliche Geschichte
aus-erlesenvor einem Jahr

Der Traum vom Fliegen. Schon seit Menschengedenken zieht es den Menschen nach Oben in die Lüfte. Man kann Gott näher sei, ihm ebenbürtig. Man kann dem Elend „da Unten“ entfliehen. Und: Man kann Fliegen! Wer kann das schon!

Djamshid Khan kann fliegen. Er weiß es aber erst seit dem Zeitpunkt als ihm die Gefängnismauern zu eng werden. Als Kommunist diffamiert, lernt er den kargen Alltag hinter dicken Mauern kennen. Und dann … fliegt er einfach davon. 

Jahre später kehrt er zu seiner Familie zurück. Alle, die mit ihm eingesperrt waren, sind mittlerweile auch wieder daheim. Die Verwunderung ist groß, die Freude umso größer. Die Verblüffung, dass er immer noch fliegen kann, ist unendlich. Der Erzähler, sein Neffe, verfällt kurzum der naiven Idee mit dem Onkel an der Leine spazieren zu gehen. 

Doch es kommt anders. Im Krieg zwischen Iran und Irak muss die Familie, die dank ihrer Herkunft einen gewissen Ruf und Anerkennung genießt, kämpfen. Auch der Onkel. Er kann schließlich fliegen, als Aufklärer aus der Luft ein entscheidender Vorteil. 

Es vergehen die Jahre. Der Onkel ist immer mal wieder weg. Die Entwurzelung wegen seiner Fähigkeit zu fliegen, ist nur ein Grund. Erst am Ende des Buches darf er landen. Endlich sich niederlassen. Zur Ruhe kommen. Sich selbst erkennen. Sein Körpergewicht erlaubt es ihm nicht mehr zu fliegen… Natürlich eine Metapher.

Bachtyar Ali gelingt mit dieser leicht erzählten Geschichte das schwere Trauma seines Volkes, den Kurden, in unterhaltsame Wort zu kleiden. Wähnt man sich anfangs noch in einer phantastischen Erzählung, so kehrt sich die Sichtweise doch ziemlich schnell ins Grübeln. Ein Volk ohne Land, dessen Heimat sich über mehrere Landesgrenzen erstreckt, wird immer kämpfen müssen, um die eigene Identität am Leben zu halten. Der Onkel, der fliegen kann, poetisch „den der Wind mitnahm“, steht stellvertretend für ein ganzes Volk. Sie müssen kämpfen, immer wieder. Doch die, die sich da gegenüberstehen sind nicht Freund und Feind, sondern Feind und Feind. Das Schwarz-weiß, das man sich gern in einem Konflikt aneignet, um Stellung beziehen zu können, existiert nicht. Da bleibt einem nur die Phantasie und die Geradlinigkeit der Gedanken. 


Kommentieren0
Teilen
Cover des Buches Mein Onkel, den der Wind mitnahm (ISBN: 9783293005716)A

Rezension zu "Mein Onkel, den der Wind mitnahm" von Bachtyar Ali

Die wundersame Geschichte vom „Fliegenden Kurden“.
Almut_Scheller_Mahmoudvor einem Jahr

Bachtyar Ali ist ein kurdisch-irakischer Schriftsteller, der seine Romane auf Sorani, einer kurdischen Sprache, schreibt. Seine traumhafte poetische Sprachumsetzung macht die Lektüre seiner Bücher zu einem sprachlichen Hochgenuss. Sie sind Solitäre in der Buchlandschaft. Seine Sprache ist leise, sich nicht in den Vordergrund drängelnd, nicht marktschreierisch. Er fabuliert im Stile orientalischer Märchenerzähler in scheherazadischen Bildern.                       

Der vorliegende Roman ist in Ich-Form geschrieben, von Salar, dessen Onkel Djamschid die tragende Person neben dem Element des Windes ist. Und wir als Lesende fliegen mit als „blinde Passagiere“ wie auf einem Fliegenden Teppich.

                       

Djamschid war vor seiner Verhaftung wegen kommunistischer Umtriebe mit seinen 17 Jahren fast eine barocke Gestalt. Während der Haft, in der er allen Folterfinessen widerstanden hatte, war er zu einem Strich in der Landschaft, zu dem pergamentenen Schatten eines Menschen geworden. Als er wieder einmal zu einem Verhör abgeholt worden war, wurde er bei der Durch-querung des Gefängnishofes von einem starken Wind erfasst und sein federleichter Körper entschwebte in himmlische Sphären. Erst nach Stunden landete er auf dem Dach des großväterlichen Hauses mit einem ausgelöschten Gedächtnis.

                       

Und damit begann eine unfreiwillige Odyssee durch die Lüfte und ein biographisches Abenteuer. Er schwebte durch die himmlischen Gefilde über die Landesgrenzen hinweg: er war eine menschliche Drohne im ersten Golfkrieg zwischen Irak und Iran, ein „Schlachtenbummler" mit einem Spezialanzug, der sich wie ein Chamäleon den Farben des Himmels anpasste. Er beweinte sein eigenes Schicksal und das der Frauen: durch ihn verloren Mütter ihre Söhne oder wurden zu Witwen. In Gefangenschaft wurde er von den Iranern als verkleideter Imam mit dem Kampfruf „Die Seele des Imam Hussein ist mit Euch“ missbraucht. Bei seiner Rückkehr hatte er Angst vor den Winden und der Weite des Himmels und verkroch sich mit seinen Neffen Salar und Smail in den Höhlen eines verlassenen Dorfes.

                       

Mit Safinaz, der er vom Himmel aus seine Liebe gestand, begegnete er der Liebe und es begann für ihn ein neues, ein sesshaftes Lebenskapitel. Doch Frauen sind unberechenbar und mitunter auch berechnend. Safinaz ließ zu, dass Djamschid von einem Sturm davon gewirbelt wurde, denn sie hatte schon seit Jahren einen heimlichen Liebhaber. Der Schicksalswind trieb ihn zu den Peschmerga, die ihn gegen die türklsche Armee einsetzten. Er stürzte ab, verlor abermals sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit und sah sich selbst als göttliches Wunder. Das nutzte der Imam der Zwei-Kuppel-Moschee geschickt zu seinen Gunsten und setzte Djamschid jeden Freitag hoch oben im Luftraum der Moschee als Prediger ein. Eines Tages fiel er, angeschossen von den gegnerischen Imamen, auf die Erde und nach tagelangem Koma hatte er Gott total vergessen. Djamschid wurde vom Gottesprediger zum reichen und gut beleumdeten Flüchtlingshelfer im türkisch-griechischen Grenzgebiet. Aber widrige Umstände wehten ihn über das Meer und diesmal tauchte er erst nach zehn langen Jahren wieder auf. Er hatte eine lange Reise mit Stippvisiten auf Malta, Kreta und Zypern hinter sich, ohne Identität, Pass und ohne Geld. In einem Sarg, gut vor den tückischen Winden geschützt, kehrte er als „lebender Tote“ heim.

Die Landung auf einer der Latifundien eines einflussreichen Politikers machte ihn zum sklavischen Eigentum und zu einer Zirkusattraktion und Gästebelustigung: die Flugshow war der Höhepunkt der ausgelassenen Abende. Sein Neffe konnte ihn befreien und ließ Djamschids Lebens-geschichte, um dem ewigen Gedächtnisverlust ein Schnippchen zu schlagen, auf seine pergamentene Haut tätowieren. Buchstabe für Buchstabe, Satz für Satz, so dass er aussah wie eine mesopotamische Schrifttafel. Djamschid sehnte sich an einen Ort ohne Wiederkehr und ohne verwehende Winde. Nach Jahren erhielt Salar ein blaues Kuvert mit einem Dankesbrief für die langjährigen Dienste, die er ihm als Seilhalter treu gedient hatte und mit Fotos, die einen rundlichen Mann im Bambushain zeigten.

Und Salar begann Djamschids Geschichte aufzuschreiben. Eine Geschichte vom Sichtrei- benlassen und Getriebenwerden und von der alten Mär „ ́Jeder ist seines Glückes Schmied“. Eine Geschichte mit einem runden Ende.  

.

Was Bachtyar Ali hier erzählt, ist ein Potpourri an Einfällen, ist fast eine monomythische Heldenreise und hat auch etwas vom „Ritter von der traurigen Gestalt“, auch wenn Djamschid nicht gegen Windmühlenflügel kämpft, so doch gegen ein vom Winde verwehtes Schicksal. Und natürlich erinnert es nicht mehr ganz junge Deutsche an die „Geschichte vom Fliegenden Robert“ aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann.                       

Für mich ist das fliegende und wehende Narrativ des Djamschid wie ein magisches Collier, wie ein kurioser Reigen, die die eigene Phantasie anregen und träumen lassen. Was wäre wenn....Und ist das nicht eine der Aufgaben der Literatur? Zum Vordenken, zum Nachdenken, zum Querdenken anzuregen?

                       

Das ist Bachtyar Ali auf meisterliche Weise gelungen und ihm gebührt mein innigster Dank.

                                               

       


    

Kommentieren0
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 48 Bibliotheken

von 10 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks