Bai Yansong

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Sind wir nun glücklich?

Sind wir nun glücklich?

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Erschienen am 08.06.2012

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Rezension zu "Sind wir nun glücklich?" von Bai Yansong

Rezension zu "Sind wir nun glücklich?" von Bai Yansong
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

Chinesische „Innen-Ansichten“

Dem aktuellen, „neuen“ China will Bai Yansong „auf die Spur kommen. Yansong ist dabei einer, der „dazu gehört“. Einer, der seinen Weg in diesem „neuen China“ der letzten Jahre und Jahrzehnte gemacht hat als „Fernsehmann“. Und von diesem Weg erzählt er.

Deutlich wird schon durch diese Eckdaten des Autos, dass hier kein kritischer Bericht eines Regimekritikers vorliegen wird und zudem, wie im offiziellen China durchaus üblich und gewünscht, politische Ansichten und ein „offenes Wort“ zu den auch kritisch zu sehenden Verhältnissen in China im Blick auf Menschenrechte und vieles mehr auch eher nicht zu erwarten sein wird.

Andererseits kann man dieses Buch auch nicht als einfache „Lobeshymmne“ abtun, denn obwohl Yansong einer der Gewinner der modernen Gesellschaft Chinas ist und eng auch mit den politisch regierenden zusammen arbeitet, lenkt er doch den Blick fast mit Zärtlichkeit auf dieses riesige Land Asiens, auf die Menschen, die dort ihren Weg suchen. Ein Land zwischen Geschichte und Moderne, Neuanfang und Tradition. Durch seine Möglichkeiten der sehr differenzierten Beschreibung und seiner ständig spürbaren emotionalen Nähe zu seiner Heimat gelingt es Yansong vielfach, abseits von Politik und Kritik, ein farbiges Bild des Lebens, des Alltages, der Entwicklung der Chinesen dem Leser nahe zu bringen.

Einer, der im Fernsehen berichtet von all dem, was für die Chinesen interessant ist. Katastrophen und sportliche Höhepunkte, wirtschaftliche Fortschritte und Änderungen in der Bevölkerung. Einer also eben auch, der oft ganz nah dran ist, am Geschehen und der hier die Kamera nicht mehr als trennendes Medium für seine Eindrücke nutzt. Dies sind die Geschichten hinter der Geschichte. Hinter den Erläuterungen seiner eigenen Biographie und eigenen Überzeugungen, hinter dem Umfeld seiner Arbeit und seinem Lob auf all die Reformen, die er als „Gewinner“ dieses Prozesses natürlich zu schätzen weiß.

So, wie er sich Cheng Yen nähert, einer buddhistischen Nonne, die durchaus aufgrund des „humanitären Buddhismus“ auch in China bei der Bevölkerung Respekt genießt. Ein Bericht über einen Reportageauftrag, der einiges mitschwingen lässt von den Verhältnissen zwischen Taiwan und China und sogar mit lobenden Worten des Autors über Taiwan (zu dem er ansonsten eine (eben) „chinesische“ ablehnende Haltung eher durchblicken lässt).

Das Plädoyer „Gutes zu tun“ bringt Yansong immer wieder nach vorne in seinen Beschreibungen seiner Arbeit und seiner Erlebnisse und beklagt zu gleich die „Kulisse der ständigen Zerstörung der moralischen Grundprinzipien unserer Gesellschaft“. Was er allerdings wenig differenziert und bei dem die Anfrage gestattet sein mag, wieso er als klarer Profiteur dieser Entwicklung hier nicht deutlich kritische Töne auch an den eigenen Medienbereich findet.

In eher einfacher, berichtender Sprache erzählt Yansong dennoch interessant von seinem Leben und seiner Arbeit, weil er durch seine Beschreibungen und niedergeschriebenen Erlebnisse hindurch einen „Innen-Blick“ auf das moderne China erlaubt. Eine wirkliche klare Antwort auf die Titelfrage gibt er zwar nicht, aber „auf dem Weg zum Glück“, da scheint ihm sein Land schon zu sein. Und wer genau liest, sieht schon hier und da, dass da einer auch die Schattenseiten der Moderne nicht ignoriert. Nur eben einen ganz eigenen, „Mitmachenden“ Weg darin suchte und gefunden zu haben scheint.

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