Banana Yoshimoto Moshi Moshi

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Inhaltsangabe zu „Moshi Moshi“ von Banana Yoshimoto

Die zwanzigjährige Yotchan steht vor dem Nichts, als ihr Vater, Leader einer Rockband, plötzlich zusammen mit einer wildfremden Frau Selbstmord begeht. Mit ihrer Mutter findet sie Zuflucht in einer ungewöhnlichen WG in Tokios Künstler- und Szeneviertel Shimokitazawa. Dort findet jede auf ihre Art zu neuer Lebensfreude zurück, getragen von dem authentischen Stadtviertel und seinen Bewohnern. Kochkunst, Essenslust und eine bewegte Reifungs- und Liebesgeschichte – eine asiatisch weise Verführung zum Leben.

Unaufgeregt, sanft und leise wird hier nach einem Schicksalsschlag ein Abschluss gesucht.

— killmonotony

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  • Rezension: Moshi Moshi

    Moshi Moshi

    killmonotony

    07. June 2017 um 17:24

    „Moshi Moshi“ ist mein erster (und definitiv nicht letzter!) Roman von der beliebten Autorin Banana Yoshimoto, deren Werke mir auf Social Media Kanälen immer wieder ins Blickfeld gerutscht sind. „Gefühlvoll“, „sanft“, „unaufgeregt“ waren die Verben, die im Zusammenhang mit ihren Büchern immer wieder genannt wurden. Das hat meine Neugier geweckt und so zog dieses Büchlein bei mir ein. „Moshi Moshi“ erzählt die Geschichte der jungen Yotchan und ihrer Mutter, die nach dem Tod ihres Vaters bzw. Mannes versuchen, mit der Welt klar zu kommen, sich langsam wieder ins Leben herantasten und vor allem auf der Suche nach „closure“ sind, einem Abschluss, der sie den schweren Schicksalsschlag überwinden lässt. Doch nicht nur um Tod und Trauer geht es hier, sondern auch kulinarische Abenteuer spielen eine Rolle, genauso wie das Erwachsenwerden Yotchans. Um die Liebe, um das Leben selbst, um den Sinn und die Bedeutung der Handlungen jedes einzelnen Menschens. Trotzdem ging der Alltag irgendwie weiter. Ich fand es seltsam, wie äußerlich normal ich beim Spaziergehen wirken musste, ich unterschied mich in nichts von den anderen Menschen, die mir unterwegs begegneten. Obwohl es in meinem Inneren brodelte, sah mein Spiegelbild in den Schaufensterscheiben aus wie immer. Banana Yoshimoto schafft mit „Moshi Moshi“ einen wunderschönen und unaufgeregten Roman über das Leben nach einem Schicksalsschlag. In einer leisen, fast schon poetischen Sprache erzählt sie, wie die 20-jährigem Yotchan trotz ihres Kummers beginnt, sich ein neues Leben aufzubauen – weg von daheim in einer kleinen Wohnung beginnt sie, in einem Restaurant zu arbeiten. Eines Tages steht jedoch ihre Mutter vor der Tür und beschließt, eine Zeit lang bei ihr zu wohnen, da sie es in dem alten Haus voller Erinnerungen nicht mehr aushält. Die beiden raufen sich trotz der Enge zusammen, unterstützen sich gegenseitig beim Trauern und gewinnen durch kulinarische Köstlichkeiten langsam die Lust am Leben wieder. Wie Efeu waren Lust und Hässlichkeit, Erbärmlichkeit und Liebe, Schönheit, Lachen und Überfluss miteinander verflochten. Auch wenn man es mit einem Beil zerschlüge oder verbrennen würde: Man konnte den Menschen die Landschaft in ihrem Innern und ihre gelebte, im Herzen aufbewahrte Zeit nicht nehmen. Niemand konnte das antasten. Auch mein Vater war durch mich ein Teil des Ganzen. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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  • Leise und eindringliche Geschichte über das Erwachsenwerden

    Moshi Moshi

    buchmagie88

    21. May 2017 um 22:51

    Die junge Yotchan zieht von zu Hause aus. Ihr Weg führt sie in das angesagte japanische Viertel Shimokitazawa. Wenig später zieht auch Yotchans Mutter bei ihr in die Wohnung ein. Der Grund für das Zusammenleben der beiden Frauen ist ein sehr trauriger: Yotchans Vater, ein bekannter Rockmusiker, hat sich mit einer unbekannten Frau das Leben genommen. Völlig geschockt vom Ehemann und Vater auf so eine Art und Weise verlassen worden zu sein, versuchen die Frauen behutsam einen Neuanfang zu wagen. Eine große Hilfe ist ihnen dabei ihr neues Zuhause, das sowohl in kultureller, als auch in kulinarischer Hinsicht einiges zu bieten hat. Doch während ihres Weges aus der Trauer, müssen Yotchan und ihre Mutter immer wieder Rückschläge einstecken und begreifen, dass die Geister der Vergangenheit sicher nicht so leicht abschütteln lassen..."Moshi Moshi" war mein erstes Buch von der Autorin Banana Yoshimoto und ich war sehr gespannt, was mich in der Geschichte erwarten würde. Leise aber unglaublich eindringlich erzählt die Autorin die Geschichte von Mutter und Tochter, die vom Selbstmord ihres Ehemannes und Vaters zunächst völlig aus der Bahn geworfen, langsam wieder ins Leben finden. Dabei wirkt die Geschichte an keiner Stelle zu schwer, wie man das von anderen Büchern kennt, die ein trauriges Hauptthema haben. Diese gewisse Leichtigkeit, die der Handlung anhaftet, hat vor allem mit der unmittelbaren Umgebung zu tun. Das Szeneviertel Shimokitazawa wird von Yoshimoto auf wunderbare Art und Weise beschrieben. Während des Lesens bekommt man fast selbst das Gefühl durch die bunten Gassen des Viertels zu flanieren, kulinarische Köstlichkeiten zu probieren und sich Geschichten von alteingesessenen Bewohnern anzuhören. Ich finde es persönlich immer sehr beeindruckend, wenn Autoren auf so eine intensive Art und Weise erzählen können, dass man am liebsten ins nächste Flugzeug steigen möchte, um sich selbst ins Getümmel zu stürzen. Innerhalb der Handlung hat mir besonders die gut dargestellte innere Zerrissenheit der Protagonistin Yotchan gefallen. Als sie von zu Hause auszieht, möchte sie unbedingt unabhängig werden. Als dann allerdings ihre Mutter vor ihrer Tür steht, bricht diese mühsam aufgebaute Unabhängigkeit in sich zusammen. Yotchan steht zwischen ihrer zweigeteilten Vergangenheit, die mit schönen Erinnerungen an ihre Kindheit durchflutet ist, die aber auch immer wieder von dem Selbstmord ihres Vaters überschattet wird und zwischen ihrer Gegenwart, in der sie die Beziehung zu ihrer Mutter neu definieren muss. Zudem sieht sie ihre Zukunft, in der sie erwachsen und unabhängig ein eigenständiges Leben führen will. Ganz besonders der mysteriöse Selbstmord von Yotchans Vater wirft sie immer wieder in die Vergangenheit zurück. "Moshi Moshi" ist eine kurzweilige, leichte und interessante Geschichte über das Erwachsenwerden geworden. Das Lebensgefühl Japans durchdringt jede Seite dieses Buches und es wird sicher nicht mein letztes Buch von Banana Yoshimoto gewesen sein. 

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  • Moshi Moshi

    Moshi Moshi

    lesemaus

    03. October 2016 um 11:46

    Yotchan verliert mit einem Augenblick ihren Vater, der mit einer unbekannten Frau Selbstmord begeht.Getragen von Trauer und vielen Fragen zieht Yotchan aus dem Elternhaus nach Shimokitazawa in eine kleine Wohnung um. Dort findet sie ihr Glück in einer kleinen Küche. Bis eines Tages ihre Mutter vor der Tür steht und bei ihr einzieht. Denn sie hofft, dass sie abseits der großen, modernen Wohnung, die geprägt ist durch den Vater, Abstand und neue Lebensenergie zu finden.Mein erstes Buch von Banana Yoshimoto habe ich mit 15 Jahren gelesen und bin ihr treu geblieben. Ihr Schreibstil zieht mich magisch in ihre Welt, auch wenn diese sehr traurig ist. Ich finde, dass sie die Gefühlswelt vieler Japaner wiedergibt. Leider konnte mich diese Geschichte nicht überzeugen. Es haben sich viele Ansichten und Lebensdarstellung wiederholt. Und zog mich auch der Schreibstil nicht an, vielleicht bin ich jetzt auch gerade nicht in der Lebensphase um dieses Buch lieben zu können.

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  • Poetisch, einfach und süß.

    Moshi Moshi

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    01. August 2016 um 10:38

    Yoshimotos Bücher sind alltägliche Märchen.Der Stil ist immer poetisch, einfach und süß.Auch dieses Mal hat sie eine sehr entspannte und rührende Geschichte geschrieben."Moshi Moshi" ("Hallo" am Telefon)  ist ein wunderbarer Roman, für jeden, der einfach ein schönes Buch lesen möchte. Eine sehr entspannte und rührende Geschichte, derer Kern auf der Beziehung zwischen Mutter und Tochter basiert.Worum es geht:Yotchan ist zwanzig Jahre alt, als ihr Vater, melancholischer Leader einer Rockband, plötzlich zusammen mit einer unbekannten Frau in einem verlassenen Waldstück Selbstmord begeht, ohne sich von seiner Familie zu verabschieden. Yotchan und ihre Mutter versuchen mit der Tragödie fertigzuwerden und wieder zurück ins Leben zu finden, jede auf ihre Weise. Yotchan zieht in eine kleine Wohnung in Shimokitazwa, Tokyos Szeneviertel, genau gegenüber des Bistros "Les Liens", wo sie bald zu arbeiten beginnt.Eines Tages steht Yotchans Mutter vor der Tür, bereit einzuziehen, um nicht länger alleine mit dem Geist ihres verstorbenen Ehemannes zusammenleben zu müssen. Die ungewöhnliche Mutter-Tochter-WG funktionert erstaunlich harmonisch und langsam finden sie beide wieder ihre Lebensfreude. Die Figuren sind feinfühlig, sympathisch und vielschichtig. Sie verhalten sich ab und zu widersprüchlich und unvernünftig und man kann sich als Leser schnell identifizieren :)Ich habe dieses Buch geliebt.  Absolut empfehlenswert.

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  • Ein wunderbarer Roman für jeden, der "einfach ein schönes Buch" lesen möchte

    Moshi Moshi

    Navi_M_Gray

    02. August 2015 um 10:16

    Yotchan war zwanzig Jahre alt, als ihr Vater zusammen mit seiner Affäre Selbstmord beging. Für Yotchan und ihre Mutter war das natürlich ein riesiger Schock. Nicht nur der Selbstmord an sich, sondern auch die Tatsache, dass dieser Mann eine Affäre hatte. Yotchan bezieht eine kleine Wohnung in Shimokitazwa, Tokyos Künstlerviertel. Eines Tages steht ihre Mutter vor der Tür und verkündet, sie bleibe bei ihr. Sie könne nicht in die alte Wohnung zurück und brauche Yotchan's Nähe, um mit der Trauer (und der Wut) fertig zu werden. Anfangs ist Yotchan natürlich alles andere als angetan, aber schliesslich handelt es sich bei dem neuen Mitbewohner um ihre Mutter und so arrangieren sich die beiden. Yotchan lernt ein paar neue Leute kennen, die ihren Vater kannten und erfährt mehr über die fremde Frau, mit der zusammen sich ihr Vater aus dem Leben gestohlen hatte... Ausserdem könnte zwischen ihr und dem einen Herren so etwas wie eine Beziehung entstehen? Oder passt es doch nicht? Moshi Moshi ist eine rührende Geschichte um Emotionen und die Probleme des Lebens, wie nur Banana Yoshimoto sie schreiben kann. Wenn man Japan bereist hat, und die genannten Ortschaften kennt, fühlt man sich wieder dahin versetzt und schwelgt in Erinnerungen. Die Figuren sind feinfühlig und lebendig beschrieben - so auch die ganzen Situationen und Aufeinandertreffen. Ein wunderbarer Mutter-Tochter-Roman, für jeden, der einfach ein schönes Buch lesen möchte. ^_^

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  • Hallo, hallo

    Moshi Moshi

    bookscout

    28. June 2015 um 12:00

    Gerade erst hat die zwanzigjährige Yotchan Imoto ihren Vater durch ein dramatisches Ereignis verloren: Gemeinsam mit einer unbekannten Schönen hat der melancholische Leader einer Rockband in einem verlassenen Waldstück Selbstmord begangen, ohne sich von seiner Familie zu verabschieden oder ihr einen Abschiedsbrief zu hinterlassen. Nachdem die traumatisierenden polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind, versuchen Yoshie und ihre Mutter mit der Tragödie fertigzuwerden und wieder zurück ins Leben zu finden, jede auf ihre Weise. Yoshie zieht aus ihrem teuren Heimatbezirk in eine kleine Wohnung im Szeneviertel Shimokitazawa, genau gegenüber des urigen Bistros "Les Liens", wo sie bald zu arbeiten beginnt. Eines Tages, Yoshie hat sich gerade eingelebt, steht ihre Mutter mit Sack und Pack vor der Türe, bereit einzuziehen, um nicht länger alleine mit dem Geist ihres verstorbenen Ehemannes zusammenleben zu müssen. Als der anfängliche Schock überwunden ist, funktionert die ungewöhnliche Mutter-Tochter-WG erstaunlich harmonisch und nach Yoshie erwacht auch ihre Mutter langsam zu neuem Tatendrang und Lebensfreude. Eine bedeutende Rolle spielen dabei für beide die Menschen Shimokitazawas: Sei es nun Yoshies fröhliche und bodenständige Chefin Michiyo, der stille und deswegen nicht minder reizvolle Aratani, der jeden Abend ins Bistro zum Essen kommt, oder Yamazaki, der engste Freund ihres Vaters, bei dem Yoshie sich nach langem erstmals wieder sicher fühlt – sie alle tragen ihr Schärflein dazu bei, dass die Sonne über Shimokitazawa wieder strahlt. "Moshi Moshi" – was übersetzt "Hallo, hallo" bedeutet – ist in bekannter Yoshimoto-Manier verfasst: unaufgeregt, nachdenklich, lebensbejahend und sehr japanisch. Yoshimotos Charaktere sind sympathisch und vielschichtig, sie agieren zeitweise widersprüchlich und unvernünftig, sodass man sich als Leser schnell einfindet und identifizieren kann. Die Autorin versteht es, den Charme und die fremde Kultur Tokyos so einzufangen, dass man am liebsten ins nächste Flugzeug steigen würde, um alles mit eigenen Augen zu sehen und zu "erspüren". Japanische Besonderheiten, wie typische Speisen oder Bräuche, werden in Fußnoten erklärt, für alljene, die noch nicht die Gelegenheit hatten, das Land zu bereisen. Fazit: Vier Sterne für eine reizende Hommage an das Leben und den Genuss, eine feine Lesereise im Kopf, die Lust auf mehr Japan macht.

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  • Bananenblütenliebhaberin

    Moshi Moshi

    ultraverveine

    27. May 2015 um 17:07

    Ich muss gestehen, dass ich Anfangs ein wenig enttäuscht war. Erwartet hatte ich einen hochgestochenen Wortschatz, viel Poesie und tiefsinnige Gespräche unter Hauptcharakteren. Nach einer Weile aber gewöhnt man sich an den einfachen und schlichten Schreibstil von Banana Yoshimoto. Zum Nachdenken anregende Gespräche und Gedanken der jungen Yoshie treffen einen mitten ins Herz und lassen einen oft selbst wiedererkennen. Selten habe ich auch in einem Roman erlebt, dass man sich wie fast vor Ort fühlt, in der japanischen Kultur und Sitte. Diese kleine Geschichte hat meine positive Denkweise wiedererweckt und mich in Shimokitazawas feinsten Ecken verführt. Absolut empfehlenswert, denn Geduld bringt Rosen! 27. Mai 2015, ultraverveine

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  • Ein Neuanfang braucht Zeit

    Moshi Moshi

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    11. March 2015 um 06:15

    Für Yoshie Imoto bricht eine heile Welt zusammen: Ihr Vater begeht Selbstmord, noch dazu mit einer anderen Frau. Gemeinsam mit ihrer Mutter übersteht sie die Prozeduren von Polizeibefragungen und Beerdigung, die unweigerlich folgen, jedoch ohne das Geschehene in der kurzen Zeit fassen, begreifen, geschweige denn verstehen zu können. Kurzerhand zieht sie aus der elterlichen Wohnung aus und versucht einen Neuanfang im Tokyoter Szeneviertel Shimokitazawa. Yoshie, genannt Yotchan, sucht Arbeit in einem kleinen Restaurant und bewohnt eine baufällige Wohnung direkt gegenüber. Eines Tages steht ihre Mutter vor der Tür; der fällt in der alten Wohnung erst recht die Decke auf den Kopf und sie zieht auf der Suche nach einem eigenen Neuanfang von jetzt auf gleich bei ihrer Tochter ein. Hin und wieder gehen die beiden gemeinsam essen und so fällt Yotchan auf, dass sich ihre Mutter langsam verändert: Das Essen macht ihr wieder Freude, die Portionen werden größer, die Lust auf verschiedene Gerichte wächst. Doch den Selbstmord des Vaters bzw. Mannes zu verdauen, will nicht gelingen. Yotchan stürzt sich mich Akribie in die Arbeit und lässt Trauer und Gedanken gar nicht zu, während die Mutter tagsüber durch die Viertel zieht und sich einen neuen Bekanntenkreis erschließt. Erst die Kontakte zu einem ehemaligen Bandmitglied und dem Clubbesitzer, in dem Vaters Band oft spielte, zwingen Yotchan langsam aber sicher dazu, sich mit dem Tod des Vaters zu befassen. Yoshimoto erzählt die Geschichte einer Aufarbeitung, die sich über ganze zwei Jahre ziehen wird. Ein ruhiger Erzählfluss, der langsam durch das Buch strömt. Tage bis Wochen vergehen, bis ein Gespräch oder Treffen neue Impulse verleiht. Das Gemächliche muss man mögen, das Fehlen dramatischer Elemente, fast schon die Stille dieser Erzählweise. Yoshimoto lässt Yotchan obendrein recht distanziert berichten, was besonders zu Beginn auffällt, als Yoshimoto sie die Vorgeschichte ihres Umzugs herunterbeten lässt. Yotchan erklärt sowieso ein bisschen viel, was diese Distanz erhöht (und damit zwar ihrem Herangehen an das Thema entspricht, doch auch diesen Erklärerei ist nicht jedermanns Sache). Auch Yotchan selbst ist eine Figur, mit der man warm werden muss. Sie blendet die unangenehme Vergangenheit sehr gerne aus, weigert sich fast, sich der Hilflosigkeit und ihrer Trauer zu stellen. Immer wieder betont sie, wie kindisch sie sei und was sie alles noch lernen müsse. Es hat manchmal mehr von einer Selbstbeschwörung als von der klaren Selbsterkenntnis, wie Yotchan sie hier schafft: "Ich brauchte einen Ort, an den ich zurückkehren konnte, und deshalb wollte ich Mutter in unserer alten Wohnung haben. Ohne meinen Status als Kind aufzugeben, hatte ich mich spontan dazu entschlossen, auszuziehen und allein zu leben. Ich hatte mich, ohne zu überlegen, was damit verbunden war, einfach nur auf das Alleinleben gefreut." Vielleicht kommt bei der Selbstwahrnehmung junger Menschen ein kulturelles Phänomen durch, ebenso wie das bei dem Selbstmord des Vaters geschehen ist? Zwei Liebende, die gemeinsam in den Tod gehen: Die Mutter kann es nicht begreifen, weil sie von der anderen nichts wusste und die Ehe für ganz normal hielt; Yotchan kann es nicht begreifen, weil sie von einer solchen Liebe keine Ahnung hat und dadurch erst Recht auf ihre Kindheit zurückgeworfen wird. Insgesamt ein interessantes Buch, bei dem der Funke aber nicht so recht überspringen wollte. Die größte Faszination ging noch von dem Stadtviertel Shimokitazawa aus, das so anders sein soll, so lebhaft, bunt und ungezwungen, dass man es mit eigenen Augen sehen möchte.

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