Denunziation

von Bandi 
4,6 Sterne bei12 Bewertungen
Denunziation
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Die literarische Qualität ist zweitklassig, doch der erschütternde Inhalt überstrahlt alles. Kafka goes reality!

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Erzählungen, die einen Einblick gewähren in eine Welt, die uns bis jetzt verschlossen blieb. Traurig und erschreckend.

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Inhaltsangabe zu "Denunziation"

Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunzigerjahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. »Denunziation« ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492058223
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:02.05.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    SophiaLaGrandes avatar
    SophiaLaGrandevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Erzählungen, die einen Einblick gewähren in eine Welt, die uns bis jetzt verschlossen blieb. Traurig und erschreckend.
    Der Kampf um Menschlichkeit

    Bandi zeigt in sieben Erzählungen eine Welt auf, die uns verschlossen bleibt. Nordkorea liegt auf dieser Welt, doch dieses Land existiert in einem Paralleluniversum. 


    Jede Erzählung wird aus der Sicht einer anderen Person geschildert und zeigt einen Einblick in ein Leben, einen Schicksalsschlag. 


    Auf einer Seite sind die Erzählungen sehr ernüchternd und erschreckend. Man spürt, wie die Menschen und der Autor selbst um Menschlichkeit kämpfen. Auf der anderen Seite wirken diese Erzählungen so surreal. Es kann doch nicht möglich sein, dass ein solches Land existiert, ein solches System. Beim Lesen fühlte ich dauernd diesen Widerspruch in mir. Ich sitze auf meinem Bett und lese dieses Buch, das ich mir in der Buchhandlung gekauft habe, über Menschen, die ihr Leben lang nicht erfahren, was Freiheit bedeutet. 


    Man spürt den Mut dieses einen Menschen, Bandi, in diesem Buch. Den Mut für die Wahrheit sein Leben in Gefahr zu bringen. Das Buch ist schwer verdaulich und rührt zu Tränen der Trauer und der Wut. Trotzdem empfehle ich es jedem, dieses Buch zu lesen. Wir dürfen uns nicht vor solchen schmerzenden Wahrheiten verschliessen. Diesen Menschen wird die Menschlichkeit verboten. Und so wie die Menschen in den Erzählungen für die Menschlichkeit kämpfen, sollten wir die Menschlichkeit beschützen. Weil nur sie uns zu dem macht was wir sind: Menschen. 

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    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr wichtiges Thema, wenn auch erzählerisch nicht perfekt umgesetzt...
    Ein sehr wichtiges Thema, wenn auch erzählerisch nicht perfekt umgesetzt...

    Mit „Denunziation“ von Bandi, zu Deutsch „Glühwürmchen“, liegt zum ersten Mal ein Werk aus dem totalitären System Nordkoreas vor. In den Erzählungen „Die Stadt der Gespenster“, „Irya Madya, Schatzpferd!“, „Die Flucht“, „So nah und doch so fern“, „Pandämonium“, „Die Bühne“ sowie „Der rote Pilz“ begibt man sich auf eine wachrüttelnde Reise in eine so fremde und doch so erschreckend reale Welt. Und auch wenn die 2013 aus dem Land geschmuggelten Texte in der Zeit zwischen 1989 und 1995 entstanden sind, verdeutlichen sie ganz nahegehend, wie das Leben noch heute unter den Kims aussieht.
    Besonders zu schockieren vermochten mich einzelne Aussagen, die genau auf den Punkt bringen, was in diesem verachtenden und zu verachtenden System alles alamierend falsch läuft.
    „Das bedeutet, dass die Familie laut Beschluss des Zentralkomitees unter Berufung auf den Paragrafen 149 deportiert worden ist. Alle Familienmitglieder werden damit von der Partei als Aufrührer und Verräter eingestuft, weswegen es auch alle nachfolgenden Generationen verdienen, verfolgt zu werden.“ (S.85)
    Das Regime ist erbarmungslos, wenn es in leichtester Form angetastet wird. Die Folgen sind verheerend…
    „Aber er konnte sich nicht gehen lassen, vor allem, da offen gezeigte Tränen als Auflehnung gewertet wurden und darauf die Todesstrafe stand. So war die Welt, in der er lebte. Ein Vol wurde per Gesetz dazu verpflichtet, ungeachtet allen Leidens zu lachen und jegliche Verbitterung hinunterzuschlucken.“ (S.99)
    Die Geschichten handeln nicht wirklich von Helden, denn statt sich Auflehnenden werden eher ganz normale Bürge in einem alles andere als normalen System gezeigt.
    „“Von klein auf dressiert. Warum sonst bist du so zahm und folgsam wie ein Schaf?“ (…) „Du könntest doch auch nicht in diesem System leben, wenn du nicht darauf gedrillt wärst?““ (S.103)
    Leider sind die Geschichten sprachlich weniger brillant ausformuliert, weswegen man sich weniger auf gut erzählte als auf schockierende Erzählungen einstellen sollte. Es sind die Themen, die berühren, nicht die Worte oder Charaktere. Mir persönlich fiel es schwer, den Figuren ein Stück weit nahe zu kommen, da sie mir hierfür zu fremd waren.
    „Zu diesem Staatsereignis Nummer 1, anlässlich dessen von der Bevölkerung absoluter Gehorsam verlangt wurde, würde Kim Il-Sung die Eisenbahn benutzen, was sie sakrosankt machte. Niemand durfte auch nur in die Nähe der Schienen, geschweige denn sich über diese Regelung oder über etwas anderes beschweren, selbst wenn es um die Freilassung eines Mörders ginge.“ (S.124)

    Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, aber nicht aufgrund grandioser erzählerischer Leistungen, sondern vielmehr um dem uns auf derart vielen Ebenen so fernen Nordkorea einen ungefährlichen Besuch abzustatten und zu erfahren, was in dem Regime an der Tagesordnung steht.

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    Simon_liests avatar
    Simon_liestvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hervorragend, authentisch, bewegend
    Denunziation, Diktatur, Demut, Dankbarkeit

    Denunzation, Diktatur, Demut und Dankbarkeit

    Schlagt ihn tot … den Geist der Inhaltitis in der Buchbesprechung. Wen Handlung interessiert, der möge diese Kurzgeschichten lesen, die Beklemmung fühlen, wenn das eigene Kind Angst hat vor dem Bildnis des großen Karl Marx, wenn man als Sohn das Leben aufs Spiel setzen muss, um zur sterbenden Mutter zu gelangen, wenn Vater und Sohn verfeindet bis auf Blut ihren Täuschungen aufsitzen.
    Diese Art Authentizität, spürbar in jedem schnörkellosen Satz, in unverbrauchter Poetizität, verleiht dem Alltag dieser Menschen eine Realität, wie es nur in Diktaturen möglich ist. Es bleibt offen, ob dortige Lagerinsassen gegenüber dem Archipel Gulag einen Fortschritt sehen, man mag es bezweifeln.
    Die bisweilen distanzierte personale Erzählhaltung mutet stilistisch konservativ an, aber die Geschichten stammen eben auch aus den Neunzigern, umso ehrlicher wirkt diese Literatur und als Leser merkt man die Stilsicherheit des (unbekannten) Schriftstellers, auch wenn (vermutlich) die Übersetzung manche Doppelungen einstreut. Sind wir froh, dass es die geschmuggelten Texte bis zu uns geschafft haben, dass die Opfer ein Denkmal erhalten.
    In postfaktischer Zeit ist dieses Kaleidoskop des Alltags einer Diktatur eine empfehlenswerte Pflichtlektüre, um in Demut und Dankbarkeit für Demokratie und Meinungsfreiheit einzutreten.

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    Simon_liests avatar
    Simon_liestvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hervorragend, authentisch, bewegend
    Denunzation, Diktatur, Demut und Dankbarkeit

    Denunzation, Diktatur, Demut und Dankbarkeit

    Schlagt ihn tot … den Geist der Inhaltitis in der Buchbesprechung. Wen Handlung interessiert, der möge diese Kurzgeschichten lesen, die Beklemmung fühlen, wenn das eigene Kind Angst hat vor dem Bildnis des großen Karl Marx, wenn man als Sohn das Leben aufs Spiel setzen muss, um zur sterbenden Mutter zu gelangen, wenn Vater und Sohn verfeindet bis auf Blut ihren Täuschungen aufsitzen.

    Diese Art Authentizität, spürbar in jedem schnörkellosen Satz, in unverbrauchter Poetizität, verleiht dem Alltag dieser Menschen eine Realität, wie es nur in Diktaturen möglich ist. Es bleibt offen, ob dortige Lagerinsassen gegenüber dem Archipel Gulag einen Fortschritt sehen, man mag es bezweifeln.
    Die bisweilen distanzierte personale Erzählhaltung mutet stilistisch konservativ an, aber die Geschichten stammen eben auch aus den Neunzigern, umso ehrlicher wirkt diese Literatur und als Leser merkt man die Stilsicherheit des (unbekannten) Schriftstellers, auch wenn (vermutlich) die Übersetzung manche Doppelungen einstreut. Sind wir froh, dass es die geschmuggelten Texte bis zu uns geschafft haben, dass die Opfer ein Denkmal erhalten.
    In postfaktischer Zeit ist dieses Kaleidoskop des Alltags einer Diktatur eine empfehlenswerte Pflichtlektüre, um in Demut und Dankbarkeit für Demokratie und Meinungsfreiheit einzutreten.

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    leseleavor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Die literarische Qualität ist zweitklassig, doch der erschütternde Inhalt überstrahlt alles. Kafka goes reality!
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    Anne42s avatar
    Anne42vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehen eindringliche Kurzgeschichten über das Leben in Nordkorea. Für mich als Europäerin kaum vorstellbar, so zu leben. Sehr empfehlenswert!
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    hannipalannis avatar
    hannipalannivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr mutiges, sehr wichtiges Buch! Unbedingt lesen!!
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    B
    BLINDIvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Einblick in ein unmenschliches, politisches System .... von einem sehr mutigen Schriftsteller!
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    B
    burton_56vor einem Monat
    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 5 Monaten

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    »Man denkt an Orwell und Kafka, nur existiert dieses Land wirklich.« L'Express

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